E-Book, Deutsch, Band 74, 64 Seiten
Reihe: Skull Ranch
Roberts Skull-Ranch 74
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-2758-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Heiße Beute
E-Book, Deutsch, Band 74, 64 Seiten
Reihe: Skull Ranch
ISBN: 978-3-7517-2758-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
In Colorado herrschen nach dem Bürgerkrieg raue Zeiten. Jeder versucht sein Glück zu machen, und mancher mit Gewalt. Seit einigen Wochen werden Postkutschen und Frachtwagen der Northwest Freight Company überfallen und ausgeraubt. Einige Kutscher, die sich gegen die Banditen wehrten, wurden brutal niedergeschossen. Die heiße Beute der Outlaws verschwindet in irgendwelchen dunklen Kanälen.
Alle Versuche, die Bande zu fassen, sind bislang im Sande verlaufen. Dann kaufen sich die Männer von der Skull in das höllische Spiel ein ...
Autoren/Hrsg.
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Heiße Beute
von Dan Roberts
In Colorado herrschen nach dem Bürgerkrieg
raue Zeiten. Jeder versucht sein Glück zu
machen, und mancher mit Gewalt. Seit einigen
Wochen werden Postkutschen und Frachtwagen der Northwest Freight Company überfallen und ausgeraubt. Einige Kutscher, die
sich gegen die Banditen wehrten, wurden
brutal niedergeschossen. Die heiße Beute der
Outlaws verschwindet in irgendwelchen
dunklen Kanälen.
Alle Versuche, die Bande zu fassen, sind bislang im Sande verlaufen. Dann kaufen sich die Männer von der Skull in das höllische Spiel ein ...
Es ist später Nachmittag. Die Sonne scheint nur noch als dünner, rötlicher Streifen über die Gipfel der Rockies.
Noch immer liegt die Hitze des Tages drückend über dem steilen Fahrweg. Die kahlen Felsen speicherten die Wärme und geben sie jetzt wieder ab.
Schwer stemmen sich die Zehnergespanne in die Geschirre der mächtigen Frachtwagen. Die Mulis zerren die tonnenschweren Fahrzeuge Yard um Yard weiter.
Die groben Späße sind den Kutschern vergangen. Diese eisenharten Männer sind wie gepudert mit Staub. Sie brüllen ihren Mulis keine Schimpfworte mehr zu. Dazu haben die Fahrer zu viel Dreck geschluckt. Jedes Mal, wenn sie den Mund aufmachten, atmeten sie den heißen, feinen Staub ein.
Sie müssen weiter. Hier können sie nicht lagern. Ist die Höhe erst mal erreicht, finden sie einen Lagerplatz für die Nacht. Denn dort oben gibt es Wasser und Futter für die Mulis.
Aber vorher müssen die zwölf Wagen noch durch einen engen Hohlweg fahren, der etwa eine Meile lang ist.
Ein Reiter zügelt sein Pferd hinter dem letzten Wagen. Der Mann wischt sich mit dem Ärmel des karierten Hemdes den Schweiß von der Stirn. Der Ärmel wird dunkelgrau von Schmutz und Schweiß.
Aus leicht zusammengekniffenen Lidern mustert der Reiter prüfend den Fahrweg. Die Schlucht erscheint ihm wie das dunkle, drohende Maul eines Ungeheuers.
Der erste Wagen ist nur noch wenige Yards vom Eingang des Hohlweges entfernt.
»Los, lauf schon«, sagt der Reiter und schlägt seinem Pferd die flache Hand zwischen die Ohren.
Das Tier wiehert unwillig und geht an. Vorsichtig läuft es an den Wagen vorbei. Es wird erst schneller, als es wieder in der Mitte des Trails gehen kann.
»Weiter, gebt ihnen die Peitsche, den verdammten Biestern!«, brüllt der Reiter mit trockener Stimme.
Die Kutscher stemmen sich fester in ihre Sitze aus groben Brettern. Die Männer wissen, worauf es ankommt. Schaffen sie diesen Hohlweg, so haben sie gewonnen. Denn der schmale Canyon ist der ideale Ort für einen Überfall.
In den letzten beiden Monaten gelangte kein Wagenzug unbeschadet nach Nordwesten. Die Banditen schlugen erbarmungslos zu. Acht Männer ließen bisher ihr Leben, weil sie die Fracht verteidigen wollten. Sie mussten sterben; die Halunken kannten keine Gnade.
»Dieser Hohlweg«, sagt der Reiter halblaut zu sich selbst, »dort werden sie uns auflauern.«
Der Mann verzieht die Lippen zu einem grimmigen Lächeln, als er die Winchester aus dem Scabbard zieht. Er hebelt die erste Patrone aus dem Röhrenmagazin in das Lager. Das Gewehr liegt quer über den Oberschenkeln des Wächters.
Er ist ein erfahrener Mann, der einen solchen Job nicht zum ersten Male ausführt. Er ist sicher, die Banditen zurückschlagen zu können.
Aber er weiß nicht, dass er sich täuscht.
Genau in der Mitte des Canyons reitet der Wächter bergan. Die Wagen folgen langsamer. Das Knarren der Räder wird lauter, denn in der Schlucht kann sich der Schall nicht so schnell verlaufen.
Für einen Moment runzelt der Begleiter die Stirn. Das Räderknarren übertönt alle anderen Geräusche. Wenn die Banditen dort irgendwo lauern, können sie sich ungeniert unterhalten.
Entschlossen presst der Wächter seinem Pferd die Hacken in die Flanken. Das Tier greift mächtig aus und wird schneller. Es legt seine ganze Kraft in seine Schritte. Endlich erreicht es das Ende des Canyons.
Die Sonne blendet den Wächter für ein paar Sekunden. Die schützenden Felswände weichen zurück.
Als der Begleiter des Wagenzuges wieder etwas sehen kann, erstarrt er. Mehr als zwei Dutzend Männer erwarten ihn.
Die Kerle haben die Hüte tief in die Stirnen gezogen. Das übrige Gesicht ist von Halstüchern verhüllt.
»Mach keinen Unsinn, Mister!«, ruft einer der Banditen, »mach nur keinen Ärger. Du bekommst eine Kugel, wenn du was anfängst.«
Der Begleiter spürt Wut in sich auflodern. Er reißt das Gewehr hoch, feuert, aber da ist es für ihn auch schon vorbei.
Mehr als vier der Halunken drückten ab. Als der Wächter von den Einschlägen der schweren Geschosse aus dem Sattel gestoßen wird, ist er bereits tot.
Der erste Wagen rollt durch den Canyon. Der vierschrötige Fahrer hat die Schüsse gehört. Er sitzt steif wie ein Ladestock auf dem Bock. Mit der Linken hält der schwere Mann die Zügel des Zehnergespannes, aber die Rechte ist nicht zu sehen.
Die Angreifer warten ab, bis der dritte Wagen die Mündung des Hohlweges passiert.
Und dann jagen ihre Pferde los!
Der Fahrer des Frachtwagens holt tief Luft. Er reißt mit der Rechten an einer Leine, die neben dem Sitz angebracht ist. Ein Sekundenbruchteil später fliegt die graue Plane von den Bögen. Bewaffnete Männer schnellen hoch. Sie reißen die Gewehre an die Schultern und jagen in wilder Folge Schuss um Schuss aus den Läufen.
Die Banditen reißen ihre Pferde herum, zwingen die Tiere im Zickzack an dem ersten Wagen vorbei und feuern auf die Fahrer der folgenden Frachter.
Eine gewaltige Explosion dröhnt plötzlich auf. Schmerzensschreie hallen durch das Peitschen der Gewehre. Der erste Wagen ist nur noch ein Haufen Holz, aus dem schwaches Stöhnen dringt. Die Begleiter, die bewaffnete Truppe, die diesen Wagenzug schützen sollte, ist erledigt.
Der massige Kutscher liegt in einem Dutzend Yards Entfernung auf dem Bauch. Er kann kaum etwas hören, und sein Atem geht schwer und stockend. Die Detonation trieb ihm die Luft aus den Lungen.
In seinen Ohren knackt es scharf. Der Kutscher hört schwach das Aufpeitschen der Gewehre. Ein paar Revolver wummern dumpf, dann ist es zu Ende.
»Hey, Ned, wir haben es geschafft!«, ruft ein Mann. »Wir haben es wahrhaftig wieder geschafft.«
»Natürlich, Kid«, antwortet einer der anderen Halunken, »hattest du daran gezweifelt? Was ich mache, mache ich richtig.«
An der Oberkante des Hohlweges richten sich vier Männer auf. Sie warfen das Dynamit, das die Begleiter mitsamt dem ersten Wagen zerriss. Die Kerle winken nach unten, bevor sie verschwinden.
Die Halunken galoppieren auseinander. Ein Teil der Banditen treibt ein Rudel Mulis heran, die mit Packsätteln ausgerüstet sind. Andere Kerle spannen die Tiere vor den Wagen aus und leinen sie zusammen.
Eine halbe Stunde später erinnern nur noch die ausgeraubten Wagen, die Toten und das zerfetzte erste Fahrzeug an den Überfall.
Der massige Kutscher wälzt sich vorsichtig herum. Er atmet flach, als er die Verwüstung sieht.
Er stößt einen grimmigen Fluch zwischen den Zähnen heraus. Der Fahrer stemmt sich hoch, versucht ein paar Schritte und stellt fest, dass er noch aus einem Stück ist.
Wenig später weiß er, dass außer ihm keiner seiner Freunde diesen Überfall überlebte.
Mit ausdruckslosem Gesicht steht der schwere, große Mann vor den Toten.
»Ich muss zurück«, murmelt er, »aaahhh, wir hatten US-Post bei uns. Das hetzt den Hundesöhnen den Marshal auf den Hals. Ich wünsche nur, dass die verfluchten Kerle ganz langsam zur Hölle fahren. Sie sollen was davon haben, bevor sie sterben. Diese elenden Bastarde!«
Der Kutscher dreht sich um, nimmt eine Winchester und einen Colt auf, und stopft sich die Taschen voll Patronen. Eine Wasserflasche hängt er sich um den Hals.
Dann marschiert der massige Kerl los. Er geht zurück. Es ist ein weiter Weg bis Denver, und er muss ihn zu Fuß gehen. Aber die Wut in ihm ist so stark, dass er gar nicht daran denkt. Denn sonst hätte er den Banditen sicher noch mehr als die Pest an den Hals gewünscht.
Chet Quade sitzt auf der Veranda des Haupthauses. Der Vormann der Skull-Ranch erwartet Shorty und Brazos. Die beiden fuhren vor zwei Tagen nach Hotdog City, um dort eine Wagenladung Fleisch abzuliefern.
Eigentlich müssten die beiden Unzertrennlichen schon zurück sein. Aber wenn Brazos wieder einmal zu tief in die Whiskyflasche geschaut hat, dauert alles etwas länger. Wer weiß, vielleicht zerlegte der Hüne sogar einen Saloon in seiner Trunkenheit.
Chet seufzt hörbar, als er daran denkt. Wenn die beiden so ungleichen Männer nicht so ausgezeichnete Cowboys wären, hätte sie der Boss schon längst davongejagt. Aber Shorty, der kleine, krummbeinige Reiter und sein massiger Freund Brazos sind wirklich die besten Rindermänner, die sich ein Rancher wünschen kann.
Doc Smoky klappert in seinem Küchenhaus mit den Töpfen...




