Robson | Das Feuer der Erlösung - Nach dem Krieg Buch 2 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 2, 432 Seiten

Reihe: Nach dem Krieg

Robson Das Feuer der Erlösung - Nach dem Krieg Buch 2


Neuauflage 2022
ISBN: 978-3-7367-9845-8
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 432 Seiten

Reihe: Nach dem Krieg

ISBN: 978-3-7367-9845-8
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Nekromanten der Tzarkomanen opferten dereinst tausend Frauen, um eine Braut fu?r den Blutschlächter zu erschaffen. Doch der Blutschlächter ist tot, und so darbte die Kreatur, die seine ewige Herrschaft sichern sollte, verlassen von ihren Schöpfern an einem längst vergessenen Ort. Bis heute ... Wird die Braut des Schlächters die Götter nun wieder zuru?ckholen oder wird sie das Ende aller Tage herbeifu?hren?

Justina Robson wurde 1968 in Yorkshire, England, geboren. Nach dem Schulabschluss brach sie die Kunstakademie ab und studierte Philosophie und Linguistik an der York University. Sie hat ihren ersten Roman 1999 an einen Verlag verkauft, der 2000 den »Writers' Bursary Award« von amazon.co.uk gewonnen hat. Sie war Studentin (1992) und Lehrerin (2002, 2006) bei The Arvon Foundation in Großbritannien (einem Zentrum für die Entwicklung und Förderung aller Arten des kreativen Schreibens). Darüber hinaus besuchte sie 1996 den Clarion West, einen Workshop für SF- und Fantasy-Autoren und -Autorinnen in den USA. Ihre Bücher standen auf den Shortlists der meisten bedeutenden Genre-Awards. Eine Sammlung ihrer Kurzgeschichten mit dem Titel »Heliotrope« erschien 2012, und sie schreibt weiterhin mehrere Kurzgeschichten pro Jahr. 2004 war Justina für The Science Fiction Foundation Jurorin beim Arthur C. Clarke Award. Ihre Romane und Geschichten können vielen Bereichen der SF und Fantasy zugeschrieben werden, kombinieren häufig beides und beinhalten oft KIs und Maschinen, die nicht ganz so sind, wie man zuerst glaubt. Darüber hinaus ist sie die stolze Verfasserin von »The Covenant of Primus« (2013), der von Hasbro autorisierten Geschichte und »Bibel« der Transformers.
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2

Es war zwei Tage her, dass Deffo Nachrichten über seinen Wächtergefährten Wanderer überbracht hatte.

Celestaine begann zögerlich Vertrauen gegenüber dem Wanderer zu empfinden, das sich jedoch nicht auf jeden der anderen Halbgötter erstreckte, die von den Göttern damit betraut worden waren, für die Menschen zu sorgen, und dann sich selbst überlassen worden waren. Die Verwandlung des Rächers in den Blutschlächter hatte nicht gerade dafür gesorgt, dass man ihnen noch großes Vertrauen schenkte. Aber Wanderer hatte Celestaine ein Schwert gegeben, das alles zu zertrennen vermochte. Sie hatte dem Blutschlächter damit die Hand abgetrennt und einen Drachen getötet. Es hatte ihr ermöglicht, ihn zu bezwingen und auch noch andere, doch nun war es weg, hatte sich tief in einen Stein gebohrt, nachdem es an Walls Hammer zerbrochen und fortgeflogen war. Schicksal oder göttliche Intervention? Ihr war es gleich. Doch Deffos Worte klangen eindringlich.

»Wanderer ist in der Nähe! Er weiß, wo die Götter sind!«

Der Blutschlächter hatte die Verbindung zwischen den Göttern und der Welt gekappt. Ihre Tempel und ihre Anhänger waren ihrer überall beraubt worden. Es gab nur noch die Wächter. Celest war in Bezug auf die Götter hin- und hergerissen. Ein Gott hätte den Aethani die Flügel zurückgeben können, statt es ihr zu überlassen, die Reise als Geste der Wiedergutmachung auf sich zu nehmen, die sie nicht aus vollem Herzen, sondern eher aus Pflichtgefühl angestrebt hatte. Diese Reise war nicht so zu Ende gegangen, wie sie gehofft hatte. Einige Dinge ließen sich nicht rückgängig machen. Vielleicht waren die Götter für diesen Impuls, zu verbessern und wiederherzustellen, verantwortlich, der sie mit jenem Tatendrang erfüllte, den sie auch jetzt wieder spürte. So viel war zerstört worden, und die Alternative bestand darin, in trunkener Benommenheit in einem Kirschgarten zu liegen, anderen aus dem Weg zu gehen und mit anzusehen, wie die Tage unverändert vergingen. Dafür konnte sie jedoch nicht genug Selbstmitleid aufbringen.

»Aber du gehst«, sagte Deffo, der halb verborgen an der Stalltür hing. »Wenn das hier vorbei ist.«

Heno und Nedlam hatten sich dort unter dem Vorwand, nach den Pferden sehen zu wollen, zusammengefunden und warfen ihr bedeutungsvolle Blicke zu. Sie bildete sich ein, einen Hauch von Schwermut in Henos Miene wahrzunehmen. Allerdings war er immer schwer zu durchschauen. Ihrer Meinung nach wurde er immer besser im Umgang mit Gefühlen, ließ sie sich nur nicht anmerken.

»Wir gehen auch. Nach der Hochzeit. Sobald sie vorbei ist.« Sie nickte entschieden.

»Heißt das, ich darf singen?«, fragte Ralas. Er saß auf einem Heuballen und zupfte mit einem Eisenkamm Haare aus der Pferdebürste. Seine Bewegungen waren langsam und schmerzerfüllt, wurden jedoch mit großer Entschlossenheit und Anmut ausgeführt. Ein großer Ball aus Pferdehaar türmte sich neben ihm. »Mir sind hier einige sehr schöne Instrumente ins Auge gefallen. In den Fluren. Wo sie einstauben.«

»Du kannst sie haben. Und ja, wir brauchen Musiker. Wenn du gern spielen möchtest, dann tu das. Allerdings musst du ›In Schwarz- und Silberfeuer gehüllt er kam‹ nicht unbedingt vortragen.« Damit meinte sie das Lied, an dem er arbeitete, um Deffos wieselartigen Heldenmut beim Sieg über Wall zu preisen – ein Lied voller aufgeblähter Texte und melodramatischer Akkorde sowie wagemutiger Taten, die die Vorstellungskraft fast an ihre Grenzen brachten. Sie beäugte Ralas misstrauisch. Er war zuweilen derart selbstkritisch und sarkastisch, dass sie nicht wusste, ob er beim Wort genommen werden wollte, aber er wirkte fröhlich. »Und kein ›Trauerschloss‹«, fügte sie hinzu.

»Ach, ich glaube, ich werde spielen müssen, was immer die Braut verlangt«, entgegnete er feixend und dehnte die rechte Hand, wobei er seine langen, blassen und schwachen Finger kritisch in Augenschein nahm. Sie waren schmutzig, die Nägel schwarz vom Striegelfett. »Vielleicht könnte ich auch einige neue Kleidungsstücke bekommen? Ein Barde sollte nicht wie ein Landstreicher herumlaufen.« Er deutete auf seine grobe Reisekleidung, die zum größten Teil wochenlang nicht gewaschen worden war. »Tatsächlich würde ich behaupten, dass einige von uns ein Bad und etwas Körperpflege nötig hätten.« Er warf den Yoggs einen vielsagenden Blick zu.

Nedlam bleckte grinsend die riesigen Zähne und tätschelte Celestaines Pferd, dessen Fell leicht im Sonnenlicht glänzte, das durch die Tür hereinfiel. Sie klopfte dem Tier sanft auf den Hals und legte ihm die Hand auf den Widerrist, wobei es klein wirkte, dabei war es ein Schlachtross, noch dazu ein recht großes. »Wir sind hier fertig. Schimmerndes kleines Pferdchen. Sehr gute Arbeit.«

»Sie meint uns«, knurrte Heno kopfschüttelnd und sah Celestaine an, weil er herausfinden wollte, wie schlimm es für ihn werden würde. Um seine Augen herum zeichnete sich eine seltsame Anspannung ab, eine finstere Resignation, die nicht mehr lange auf sich warten lassen würde.

Sie hatte offen gesagt bisher noch keinen Gedanken daran verschwendet, dass sie mit ihm an ihrer Seite auf einer Clanversammlung erscheinen würde. Als die anderen sie nun ansahen, war offensichtlich, dass sie es sich gerade alle vorstellten, mit Ausnahme von Nedlam, die damit beschäftigt war, sich einen Finger abzulecken, um einen Schlammfleck von ihrem kniehohen Stiefel zu beseitigen. Celest musterte Heno, ihren Liebhaber und treuesten Gefährten. Blaugraue Haut, weißes Haar, Hauer, Schnurrbart, gute dreißig Zentimeter größer als jeder Mensch, dem sie je begegnet war. Und dazu Nedlam mit ihren knapp zwei Meter fünfzig unbändiger Muskelkraft, gekrönt von einem stachligen schwarzen Hahnenkamm. Kurz sah sie Nedlam in einem Kleid vor sich, wie sie Walls riesigen Hammer mit dem geriffelten Griff in der einen Hand hielt, den blutigen Handabdruck eines Menschenkindes auf einem Mieder, das mit den Eingeweiden ihrer Feinde geschnürt worden war und die ebenso traditionelle wie formelle Kleidung der Menschen und Yorughan ergänzte. Sie musste blinzeln, um dieses Bild wieder zu vertreiben.

Selbst ohne das wäre irgendeine Erklärung vonnöten. Aber welche sollte sie denn nur vorbringen?

Hallo, Leute! Ja, ich bin’s, Celestaine die Schöne aus Fernreame. Zwar behauptet das Lied, ich hätte den Blutschlächter getötet, aber genau genommen war es eine Gemeinschaftsaktion, und diejenigen, denen ihr danken solltet, sind diese beiden hier. Er hat sie in einer Grube unter der Erde gezüchtet, allein zu dem Zweck, seine Macht zu kanalisieren und die ganze Menschheit auszulöschen, nur dass sie sich in einer bemerkenswerten Wendung des Schicksals plötzlich dafür entschieden haben, ihm das Messer in den Rücken zu stoßen. Mir ist durchaus bewusst, dass sie aussehen, als wären sie einem eurer Albträume der letzten Jahre entsprungen, doch hätten sie mich nach meiner Gefangennahme nicht freigelassen und uns allen geholfen, das innere Heiligtum in Nydarrow zu erreichen, wäre all das nicht geschehen, und ihr alle würdet euch jetzt die Radieschen von unten angucken! Ist das nicht unglaublich? Und ja, der hier, der zu Todesblitzen fähig ist, ist mein Begleiter. Er ist mit mir hier. Wir beide sind zusammen. Bitte schließt euch uns an, um einen Toast auf die Braut und den Bräutigam auszusprechen …

»Vielleicht wäre es schlauer, wenn wir nicht hingehen«, meinte Heno. Sein Tonfall machte deutlich, dass er sich darauf eingestellt hatte, in diesem Szenario als Abschaum angesehen zu werden, und sich zwar darüber ärgerte, es jedoch akzeptierte – was sie umso mehr grämte, da sie jetzt erst realisierte, dass sie hingegen davon ausgegangen war, sie würden dort willkommen sein und alle zusammen feiern. Denn das wäre nur fair nach allem, was passiert war. Aber sie wusste, dass ihre Sicht auf die Geschichte und die Vorstellung, die dank der Minnesänger und Kuriere bereits die Runde machte, stark voneinander abwichen.

»Ich regle das«, versprach sie dennoch. »Ich bringe es in Ordnung. Aber sorgt vorsichtshalber schon mal dafür, dass alles bereit ist und wir jederzeit unverzüglich aufbrechen können.« Sie legte ihren Sattel neben Ralas auf den Heuballen.

»Was ist eine Hochzeit?«, fragte Nedlam auf einmal und blickte stirnrunzelnd auf Celestaine hinab, als wäre das, was vor zehn Minuten gesagt worden war, nun auch bei ihr angekommen.

* * *

Am nächsten Tag ritt sie nach viel zu wenig Schlaf mit Caradwyn aus und wusste nicht, wie sie das Thema zur Sprache bringen sollte. Sie nahmen ihren üblichen Weg und entfernten sich am Flussufer entlang vom Anwesen, um gelassen durch die grüne Senke zu traben. Die Pferde zertrampelten Fliegenkraut und Petersilie unter ihren Hufen, sodass ein stechender Kräutergeruch in der frischen Morgenluft hing. Diese Stunde und die vor dem Sonnenaufgang hatten schon immer am magischsten auf sie gewirkt, so voller dräuendem Verlangen und der Möglichkeit, dass hinter jeder Ecke etwas lauern konnte. Sie drosselten das Tempo, als sie zu der steinigen Furt gelangten, und Celestaine holte bereits Luft, doch bevor sie etwas sagen konnte, drehte sich Caradwyn zu ihr um, stand in den Steigbügeln und zügelte ihren lebhaften grauen Hengst, um ihn geschickt unterwürfig tänzeln zu lassen, wobei ihr die weißgoldenen Zöpfe über die Schultern flogen.

»Warum hast du mir nicht erzählt, dass du in diesen Yorughan verliebt bist? Wie lange wolltest du damit warten? Wolltest du es überhaupt ansprechen? Hältst du denn so wenig von mir, Celest?« Sie verdrehte die Augen. »Und nun machst du wieder dieses Gesicht, als...



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