Romes | Dana Mallory | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Romes Dana Mallory

und das Haus der lebenden Schatten
19001. Auflage 2019
ISBN: 978-3-522-65400-5
Verlag: Planet!
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

und das Haus der lebenden Schatten

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-522-65400-5
Verlag: Planet!
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Magische und mysteriöse Spannung für Kinder ab 10! Dana ist genervt: Die Ferien bei Tante Meg im englischen Nirgendwo verbringen? Langweilig! Doch das alte, ehrwürdige Haus, in dem sie wohnt, ist nicht das, was es zu sein scheint. Als plötzlich die Gemälde anfangen zu sprechen, Türen einfach in den Wänden verschwinden und Dana auch noch Stimmen hört, die ihren Namen rufen, ist ihr Entdeckergeist geweckt. Nach und nach wird Dana klar, dass das Geheimnis um Mallory Manor mehr mit ihrem Schicksal zu tun hat, als sie ahnt ...

Claudia Romes wurde 1984 als Kind eines belgischen Malers in Bonn geboren. Sie war schon immer eine begeisterte Leserin und liebte es, in fremde Welten einzutauchen. Mit neun Jahren begann sie, ihre eigenen Geschichten zu erzählen und fasste den Entschluss, eines Tages Schriftstellerin zu werden. Heute lebt die Autorin mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einem kleinen Dorf in der Vulkaneifel.
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Sinnestäuschungen


»Ist es nicht beeindruckend?«, schwärmte Dad, nachdem er das Auto vor dem schmiedeeisernen Tor geparkt hatte.

»Absolut«, murrte ich. »Ich hab selten einen so verrosteten Zaun gesehen.«

»Das ist Kunst, Dana. Kunst!«

»Klar.« Widerwillig nahm ich die Kopfhörer ab, aus denen noch laut Musik tönte, und befreite mich vom Anschnallgurt. »Was sollte es auch sonst sein?«

Dad stieg aus dem Wagen, stellte sich vor das Tor und sah auf das ehrwürdig wirkende Gebäude, das dahinter auf einem Hügel thronte. Seine Augen funkelten fasziniert. »Da sind wir also!« Er drehte sich halb zu mir um. »Du glaubst gar nicht, wie viel es mir bedeutet, mit dir hier zu sein.« Seufzend wischte er sich eine Freudenträne aus dem Augenwinkel. »Nach all den Jahren stehen wir endlich gemeinsam davor.«

»Ja, ich kann’s kaum glauben.«

Dad achtete nicht auf meine miese Stimmung. Was auch besser war, denn eigentlich hatte ich ja vorgehabt, den Aufenthalt hier durchzuziehen – ohne zu jammern. Aber aus irgendeinem Grund musste ich mich ständig an meinen Plan erinnern. Dabei war doch alles genau wie in einer dieser Reisebroschüren, die immer die Vorzüge des englischen Nordens hervorheben: ein einsam gelegenes, altes Haus auf einem Hügel, umgeben vom Hochlandmoor. Krähen, die krächzend darüber ihre Kreise ziehen, und ein undurchdringlicher Nebel, der über die Zufahrt wabert.

Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter. Nein, ich wusste beim besten Willen nicht, warum mir die Lust auf Urlaub bereits vergangen war, bevor ich überhaupt einen Fuß ins Schloss gesetzt hatte. Wahrscheinlich hatte mich das Mallory-Gen einfach nicht erwischt. Das Gen, das für die ultimative Familienzugehörigkeit verantwortlich war.

Schnaufend sank ich in den Sitz und sah zu Dad. Ich wollte ihn nicht enttäuschen.

Er grinste zufrieden. So unbekümmert hatte ich ihn lange nicht erlebt. »Der Geruch der alten Zeiten liegt noch immer in der Luft«, sagte er freudestrahlend.

Stirnrunzelnd hielt ich meine Nase aus dem offenen Autofenster.

»Ich spreche von der Geschichte unserer Familie, die dieses Haus umgibt«, klärte er mich auf.

Jetzt verstand ich, was er meinte. Ich lächelte schief und nickte.

»Bestimmt hältst du die Vorfreude darüber auch kaum aus, endlich hineinzugehen.« Dad ahnte ja nicht, wie weit er von der Wahrheit entfernt war.

Ich schluckte gequält, dann setzte ich ein breites Grinsen auf, bei dem meine Augen jedoch nicht mitspielten. »Äh ja. Bin ganz aus dem Häuschen deswegen.«

»Kein Wunder! Hier habe ich als kleiner Junge jeden Sommer verbracht.«

»Ach wirklich? Ist mir völlig neu.« Selbstverständlich war es das nicht. Mein Vater erzählte ständig davon, wie das alte Familienanwesen seine Kindheit geprägt hatte und dass er sich auch heute noch keinen schöneren Ort vorstellen konnte, um Ferien zu machen.

»Willst du nicht endlich aussteigen?« Dad hatte die Hand bereits auf der Klingel. Ich schaltete die Musik aus und robbte vom Sitz. Erst jetzt konnte ich das Tor mit dem dahinterliegenden Anwesen richtig erkennen. Für mich sah es eher aus wie eine Festung aus grauem Stein, die unter einem ebenso grauen Himmel lag. Vergeblich suchte ich die positive Atmosphäre, die es, laut Dad, haben sollte. Auf mich wirkte das Schloss dunkel und Furcht einflößend. Zwischen den Eisenstäben des auffällig verzierten Tores waren überall Spinnweben und deren Bewohner waren so groß wie Tischtennisbälle.

»Sie wünschen?«, tönte eine dunkle Stimme aus der Sprechanlage.

»Oh-mein-Gott!« Ich stieß einen spitzen Schrei aus und verkroch mich auf den Beifahrersitz.

»Wer ist denn da?«, fragte die Stimme mit osteuropäischem Akzent nach.

»Ich bin es, James«, stotterte Dad und warf mir einen verständnislosen Blick zu. »Ich bringe meine Tochter Dana. Tante Meg erwartet uns bereits.« Eine Weile geschah nichts. Dad verharrte gespannt vor der Sprechanlage, bis ich ihn ins Auto winkte.

Ich merkte, dass er nervös war. Vermutlich war er aufgeregter als ich. Schließlich war er vor zwanzig Jahren das letzte Mal hier gewesen. Auch Tante Meg hatte er seitdem nicht gesehen. Zusammen mit Mum und mir hatte er sie früher des Öfteren besuchen wollen, aber sie hatte nie für uns Zeit gehabt. Also hatte er eines Tages aufgehört, sie danach zu fragen. Umso überraschter war er, als sie vor zwei Wochen in einem Brief schrieb, dass sie mich unbedingt kennenlernen wolle und mich in den Sommerferien zu sich einlud. Seitdem war Dad völlig überdreht, grinste die meiste Zeit oder flötete beschwingt vor sich hin. Er hatte oft von Tante Meg gesprochen. Wie herzensgut und witzig sie doch sei und dass sie voller Überraschungen stecke – was auch immer das heißen sollte. So wie es aussah, würde ich es wohl bald herausfinden.

»Du wirst begeistert sein«, sagte Dad und zog voller Vorfreude seine Augenbrauen hoch.

Ich tat es ihm weniger entzückt nach. »Meinst du, ja?«

Er legte den Arm um mich und drückte mich an sich. »Es wird dir hier gefallen, und ich komme nach, sobald ich kann. Dann werden wir hier sicher noch ein oder zwei Wochen zusammen Spaß haben.«

»Ich verstehe nur nicht, warum ich nicht mit dir nach Paris fahren kann. Ich wäre auch ganz brav. Du würdest gar nicht merken, dass ich da bin.«

Er seufzte tief. »Ach, Dana. Das hatten wir doch schon. Diese Kunstausstellung ist sehr wichtig für mich. Ich werde keine Zeit für dich haben. Dir wäre nur langweilig, allein im Hotel. Hier gibt es so vieles für dich zu entdecken. Glaub mir, am Ende wirst du gar nicht mehr wegwollen.« Er strich mir über die Haare, als wäre ich ein verängstigtes kleines Mädchen.

Aber darum ging es mir nicht. Angst hatte ich keine, außer vielleicht vor den Spinnen. Ich fühlte mich abgeschoben. Seit Mums Tod ging es mir manchmal so, wenn Dad viel arbeiten musste. Vielleicht lag es daran, dass ich jetzt nur noch ihn hatte. Ich musste ihn mit seiner Arbeit als Kunsthistoriker in den bedeutendsten Museen der Welt teilen. Das war nicht immer einfach.

Plötzlich öffnete sich quietschend das Tor. Dad schlug hastig die Autotür zu und drückte aufs Gaspedal. In dem Moment, in dem wir das Tor durchfuhren, hatte ich nur Augen für die Monsterspinnen und mich überkam eine Gänsehaut. Wir rollten die gepflasterte Auffahrt hinauf. Vorbei an hölzernen Tierskulpturen und Säulen, die scheinbar ziellos in den Himmel strebten. Vor dem Hauptgebäude aus grauem Backstein hielten wir an. Über der pompösen Eingangstür befand sich ein völlig ausgeblichenes Wappen. Etwas weiter oben, auf dem Dach, saßen mehrere Gargoyles mit unheimlichen Fratzen. Sie schienen auf uns hinabzustarren. Ging’s noch gruseliger?

Schnell stopfte ich Kopfhörer und Handy in meinen Rucksack und stieg mit einem mulmigen Gefühl in der Magengrube aus. Während ich mir beklommen den Rucksack über die Schultern streifte, fiel mein Blick auf den ungepflegten Garten. Ein ausgetrockneter Teich lag unter einer dicken Unkrautschicht begraben. Nichts sah so strahlend schön und einladend aus, wie Dad immer erzählt hatte. Die knorrigen Äste kahler Bäume warfen ihre Schatten auf die Eingangstreppe, auf der uns ein viel zu blasser Mann mit gekrümmtem Rücken in Empfang nahm.

»Igor!« Mein Vater stürmte die Stufen hinauf und schloss den Mann in die Arme.

»Igor?«, stieß ich leise aus. »Das ist doch wohl ein Witz!«

Auf dem Gesicht des Mannes zeichnete sich eine Zornesfalte ab. Gleich darauf entspannte sich seine Miene und er lächelte verschlagen. »So lange ist es her«, sagte er wieder mit diesem Akzent, der nur allzu gut zu seinem gruseligen Aussehen passte. »Ich bin höchst erfreut, Euch wiederzusehen, Master James.«

»Master James?« Ich hielt mir die Hand vor den Mund, um meinen Lachanfall unter Kontrolle zu bringen.

»Und das muss wohl Eure Erstgeborene sein.« Igor strafte mich mit einem kritischen Blick.

Flink hüpfte Dad die Stufen hinunter und zog mich zu sich. »Ja, das ist Dana.«

Igor musterte mich mit ausdrucksloser Miene, dann drehte er sich um und stolzierte ins Haus. »Nun… wenn Sie mir bitte folgen wollen. Madame erwartet Sie im Salon.« Die schwere Eichentür schwang vor Igor auf, als stünde jemand dahinter.

Ehrfürchtig betrat ich zusammen mit Dad das alte Gemäuer. Drinnen stieg mir ein modriger Geruch in die Nase. Ich sah Dad an, der sich weder daran noch am völlig verstaubten Inventar des Flurs zu stören schien.

»Wann wurde hier das letzte Mal gelüftet? Oder geputzt?«

Dad versetzte mir einen Knuff in die Seite. »Tante Meg ist eben alt. Sie kann das große Haus nicht mehr alleine sauber machen.«

»Wenn ich das richtig mitgekriegt hab, dann ist sie nicht alleine. Oder dient der da nur dazu, die Leute zu erschrecken?« Ich deutete auf Igor, der einige Schritte vor uns ging, und bekam direkt einen weiteren Knuff in die Seite verpasst. »Aua!«

»Sei höflich, Dana«, ermahnte mich Dad und ich beschloss, mir bis auf Weiteres solche Bemerkungen zu verkneifen.

Wir liefen durch einen langen Flur mit hohen Decken. An den Wänden hingen Porträts prunkvoll gekleideter Leute, dazwischen Landschaftsbilder und zweiarmige Kerzenleuchter. Ich machte große Augen, als wir das Ende des Flurs erreicht hatten. Er ging nahtlos in den Salon über, dessen Wände mit rotem Damast verkleidet...



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