Romes | Zeit der Pfingstrosen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Romes Zeit der Pfingstrosen

Eine Liebe in Schottland
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8412-3799-6
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Liebe in Schottland

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

ISBN: 978-3-8412-3799-6
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Blumen der Vergangenheit.

Nach einer unglücklichen Ehe wagt Katy einen Neuanfang in der Blumenstadt Aberdeen. Sie betreut den demenzkranken Jeff, den es immer wieder in den kleinen Blumenladen am Meer zieht. Zusammen mit seinem Neffen Aiden hilft ihm Katy hier, inmitten der Blüten, seinen Erinnerungen nachzuspüren. Dabei stoßen sie nicht nur auf eine tragische Liebesgeschichte, sondern entdecken auch ihre Gefühle füreinander. Gibt es eine Chance für diese unerwartete Liebe, und kann sich Jeff mit seiner Vergangenheit aussöhnen, bevor es zu spät ist?

Ein wunderbar atmosphärischer Roman über eine große Liebe, die die Zeiten überdauert.



Claudia Romes wurde 1984 als Kind eines belgischen Malers in Bonn geboren. Mit neun Jahren begann sie, ihre eigenen Geschichten zu erzählen, und fasste den Entschluss, eines Tages Schriftstellerin zu werden. Nach einigen beruflichen Umwegen widmete sie sich ganz dem Schreiben und lebt heute ihren Traum. Die Autorin wohnt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der Vulkaneifel. Im Aufbau Taschenbuch sind ihre Romane 'Das Geheimnis der Hyazinthen', 'Beethovens Geliebte', 'Die Fabrik der süßen Dinge - Helenes Hoffnung', 'Die Fabrik der süßen Dinge - Helenes Träume' und 'Das Wunder der Tannenbäume' erschienen.
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Kapitel eins


Winter, 2016 – Katy

Nebel umhüllte die Straße entlang des Hafenbeckens, von wo aus das Meer leise plätschernd auf sich aufmerksam machte. Hektisch kurbelte Katy das Autofenster hoch, nachdem die Scheiben nicht mehr beschlagen waren. Das Gebläse ihres alten Ford Fiesta hatte nichts als Staub und kalte Luft zutage gefördert. Wieder drosselte sie ihre Geschwindigkeit, und der Keilriemen machte sich quietschend bemerkbar. Eigentlich gehörte er längst ausgetauscht, aber der Umzug war kostspieliger gewesen als geplant. Das Geld für den dringend benötigten Werkstattbesuch hatte sie ins Umzugsunternehmen und in Mabels Leuchtsterne investiert. Letztere hatte ihre Tochter zur Bedingung gemacht. Katy hatte ihr ein Kinderzimmer versprochen, das nach ihren Wünschen gestaltet war, woraufhin sich Mabel bereiterklärt hatte, mit nach Footdee im weit entfernten Aberdeen zu ziehen. Nicht, dass sie eine Wahl gehabt hätte. Mabel war erst zehn. Ihr Vater hatte kein Interesse am Sorgerecht gezeigt. Im Gegenteil. Fred hatte stets seine Arbeit in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt und nie besonders viel Interesse für seine Tochter aufgebracht. Er hatte also nichts dagegen, dass Katy mit Mabel das Land verließ – was die Sache einfacher machte.

Grummelnd schloss Katy die Hände fester ums Lenkrad und blickte konzentriert nach vorn. Von jetzt auf gleich hatte sich der Nebel so verdichtet, dass sie kaum etwas sehen konnte. Unruhig schaute sie auf die Uhr. Zehn vor acht. Sie würden es nicht mehr pünktlich zur Schule schaffen. Und das am ersten Tag!

»Ich will da nicht hin!« Zum wiederholten Mal erinnerte Mabel sie daran, und ihr lautes Stöhnen ließ erahnen, dass sie noch nicht fertig war.

»Schätzchen, wir haben das doch besprochen.« In ihrem Versuch, den dichten Nebelschleier zu durchblicken, klebte Katy mit dem Gesicht förmlich an der Windschutzscheibe. »Es wird dir bestimmt gefallen.«

»Aber ich kenne da niemanden.«

»Das wird sich ändern. Du wirst neue Freunde finden.«

»Ich will keine neuen Freunde. Ich hab schon welche – in Sudbury.«

Katy stieß einen Seufzer aus. Die unbekannte Strecke, das Wetter, Mabels unermüdliches Geplärr. Ihre Nerven lagen jetzt schon blank, und das, obwohl sie ihre Arbeit noch nicht einmal angetreten hatte. Erst am Samstagabend waren sie in der schottischen Hafenstadt angekommen. Nach den Strapazen der vergangenen Monate, dem Kummer und den Existenzsorgen setzte Katy all ihre Hoffnungen in den Tapetenwechsel. Sie war überzeugt, eine andere Umgebung würde es ihnen erleichtern, mit den neuen Lebensumständen zurechtzukommen. In Sudbury erinnerte alles an ihre heile, kleine Familie – auch, wenn es sie nie gegeben hatte. Katy war das mittlerweile klar geworden. In ihrer Ehe hatte sie sich oft einsam und bevormundet gefühlt. Sie war nie wirklich glücklich gewesen und hatte nicht erst seit Freds Affäre das Gefühl gehabt, dass die Beziehung ihr nicht guttat. Für Mabel aber war es schwieriger, das loszulassen, was sie gewohnt war. Hinzu kam, dass der Umzug aus der englischen Heimat bisher nicht den erhofften Effekt vermuten ließ. Grund dafür waren hauptsächlich unvorhersehbare Rückschläge – Pannen, die Katys Nerven zusätzlich strapazierten und es ihr erschwerten, sich nie im Ton zu vergreifen. Immerzu rücksichtsvoll und ruhig zu bleiben. Der Transporter mit ihren Habseligkeiten steckte irgendwo zwischen Newcastle upon Tyne und Perth fest. Und obwohl Katy ihre Ankunftszeit per Mail angekündigt hatte und eine Wohnmöglichkeit im Haus ihres neuen Patienten im Arbeitsvertrag festgehalten war, hatte ihnen dort bisher niemand die Tür geöffnet. Gestern Vormittag hatten sie eine geschlagene Stunde vor dem alten Farmhaus gewartet. Auch unter der Nummer, die sie von der Arbeitsvermittlung bekommen hatte, hatte sich niemand gemeldet, so dass sie kurzfristig in einer Pension unterkommen mussten. Etwas, das in ihrem ohnehin schon ausgereizten Budget nicht eingeplant gewesen war. Inzwischen war Katy deswegen so angespannt, dass sie ständig mit den Zähnen knirschte. Von dem Abenteuer, als das sie Mabel den Neuanfang verkauft hatte, hatte sie insgeheim schon genug. Sie kam sich hilflos vor, fühlte sich in der Schwebe. Katy hatte ihrer Tochter Sicherheit und ein geregeltes Leben versprochen. Jetzt hatte sie erneut Angst, ihr nichts davon bieten zu können. Wieder einmal gab es Hürden zu überwinden. Mittlerweile war Katy daran gewöhnt, dass nicht alles glatt lief. Ein Umstand, dem sie einfach nicht entfliehen konnte.

Quietschend schlitterte der Scheibenwischer hin und her. Katy biss die Zähne aufeinander. Mabel sollte nicht merken, dass sie keine Ahnung hatte, ob sie auf dem richtigen Weg waren – in jedweder Hinsicht.

»Wieso kann ich nicht bei dir und dem alten Mann bleiben?« Mabel platzierte Mausespeck auf ihrem Schoß. Die graue Plüschmaus mit dem notdürftig angenähten Ohr war für sie als Seelentröster unentbehrlich. »Ich könnte dir doch bei der Arbeit helfen.«

»Das ist lieb, Schatz, aber das geht nicht.«

»Er macht sowieso nicht auf.« Mabel blies ihren Atem gegen die Scheibe, dann glitt ihr Finger geräuschvoll quietschend darüber.

»Natürlich macht er auf«, erwiderte Katy, auch wenn sie befürchtete, ihre Tochter könnte recht behalten. »Er oder ein Angehöriger.«

»Wenn er dich nicht reinlässt, fahren wir dann zurück nach Hause?« Mabel spähte hoffnungsvoll zwischen den Vordersitzen hindurch.

»Das geht nicht. Aberdeen ist jetzt unser Zuhause.« Katy schickte ihr einen bedauernden Blick über den Rückspiegel. »Du wirst sehen. Er wird mich reinlassen, und alles wird gut. Wahrscheinlich mussten sie gestern kurz weg.«

»Ich habe ihn gesehen. Er hat uns durchs Fenster beobachtet.«

Katy lief ein eiskalter Schauer über den Rücken. Sie schluckte.

»Der macht nicht auf. Nie im Leben.« Mabel war sich sicher. Ihre Mutter widersprach nicht, denn auch sie hatte den Mann am Fenster gesehen. Es war dumm von ihr zu glauben, Mabel wäre das entgangen. Sie war klüger als viele Erwachsene, denen sie begegnet war. Manchmal machte ihr die Tatsache Angst, dass sie ihrem Alter so weit voraus war, und sie fürchtete sich vor dem Moment, in dem Mabel klar werden würde, dass ihre Mutter auf ganzer Linie versagt hatte. Dass sie ihr Vertrauen in den Falschen gesetzt und deshalb Fehler begangen hatte, die sie mit ausbaden musste. Mit Mitte dreißig hatte Katy einsehen müssen, dass sie ihre Zukunftspläne, ihre Träume und Vorstellungen für einen Mann aufgegeben hatte, dem sie egal war. Genauso hatte es ihre Mutter vor Jahren vorhergesagt, nachdem sie ihr von ihrem Entschluss erzählt hatte, ihr Medizinstudium zugunsten der Familie abzubrechen. Damals hatte Katy nicht damit gerechnet, wie sehr sie ihre Entscheidung bereuen würde. Ihr war, als hätte sie alles an Fred abgetreten: ihr Haus, ihren Studienabschluss, ihren Selbstwert. Sie mochte ihren Job, den Kontakt zu den Patienten und das Gefühl, etwas bewirken zu können. Aber es war die Medizin, für die sie wirklich brannte, nicht die Pflege. Ohne abgeschlossenes Studium war sie nichts weiter als eine überqualifizierte Krankenschwester. Sie hing fest in einem Leben, das anders hätte verlaufen sollen – Gedanken, die sie in letzter Zeit immer wieder völlig unvorhergesehen überkamen.

»Ich will nicht auf dem hässlichen Hof wohnen.« Mabel schimpfte unermüdlich leise vor sich hin. »Und auch nicht bei diesem alten Mann. Der war gruselig.«

Katy seufzte. »Bitte mach es mir nicht so schwer. Wir sind gleich da.« Sie fühlte sich furchtbar, weil sie den Moment kaum abwarten konnte, an dem sie Mabel abgesetzt haben und endlich Stille einkehren würde. So vieles hatte sie in den vergangenen Tagen organisieren und koordinieren müssen. Eigentlich fehlte ihr die Energie, eine neue Arbeit anzugehen. Katy liebte ihre Tochter über alles, aber sie merkte, dass sie weniger Geduld mit ihr hatte als üblich. Sie bemühte sich, Rituale einzuhalten. So las sie Mabel weiterhin jeden Abend vor, sie gingen spazieren und erkundeten gemeinsam die Natur, die beide so liebten. Doch der gestrige Nachmittag, den sie am Strand verbracht hatten, hatte, trotz der einnehmenden Umgebung, nicht zur Harmonie beigetragen. Es stellte sich heraus, dass es schwerer als angenommen war, Mabel von Aberdeens Vorzügen zu überzeugen, weil sie alles mit dem kleinen...



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