Roose | Drachentau | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 304 Seiten

Reihe: Drachentau-Saga

Roose Drachentau


2. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7528-8243-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 1, 304 Seiten

Reihe: Drachentau-Saga

ISBN: 978-3-7528-8243-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



"Hüte dich davor, einem Drachen in die Augen zu schauen. Er wird dich in seinen Bann ziehen, und du musst ihm folgen, wohin er dich ruft." Rosa kennt die Warnung ihres Großvaters Jakob und weiß, welche Wunden der Drache in ihrem Bärendorf geschlagen hat. Aber ihre Welt ist in Ordnung und sie will Bodo heiraten, wenn Jakob endlich zustimmt. Doch dann sieht sie den Drachen Tumaros und ist von seiner Schönheit und Stärke fasziniert. Sie schweigt über ihre Gefühle, und als Jakob erkennt, dass der Drache es auf seine Enkelin abgesehen hat, ist es zu spät. Rosa blickt in Tumaros Augen und folgt seinem Ruf in die Drachenhöhle. Rosa scheint verloren, aber Bodo will nicht aufhören, an ihre Rückkehr zu glauben.

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Jakob


Der Finsterwald streckte sich bereits mit langen Schatten nach Jakob aus und Rosa war noch immer nicht zu Hause. Er stand von der Holzbank auf, ging ein paar Schritte auf und ab, hielt inne und sah den Mittelweg hinunter. Aber die erlösende Silhouette seiner Enkeltochter erschien nicht. Seufzend setzte der Bär sich wieder hin, schaute auf seine Pfoten, die eigentlich Hände waren, und begann aus Verzweiflung, die Finger zu zählen.

Mit einhundertfünfzig Jahren war er im besten Bärenalter. Nicht wenig Artgenossen wurden dreihundert. Er war hochgewachsen, hatte schwarzes Fell, und wenn er nicht saß, ging er aufrecht und nach Bärenart behäbig. Um die Hüfte trug er einen Ledergürtel mit Messer, kleiner Säge und Schraubenschlüssel – schließlich gab es immer etwas zu tun. Ein Blick in sein wettergegerbtes, menschliches Gesicht verriet, dass er gerne draußen war.

Seufzend ließ er von seinen Fingern ab und schaute wieder zum Wald hinüber. Dicht bei dicht wuchsen die Bäume und die Zwischenräume tauchten rasch in Finsternis, gespickt mit Farn und Dornengestrüpp. Eine Mauer mit wenigen Poren zum Atmen. Hob man den Blick über die Wipfel hinaus, sah man ein bizarres Gebirge mit trügerischer Schönheit. Trügerisch, weil der einsame Berg ein Ungeheuer beherbergte: den Drachen Tumaros. Seinetwegen war der Wald so finster. In seiner Nähe gediehen heimtückische Wesen, die sich lieber von hinten anschlichen, als von vorne den Kampf zu wagen.

Doch sie hatten Jakob nicht gehindert, seine Hütte am Wald zu bauen, gut tausend Schritte vom Dorfrand entfernt, hielten sie doch ungebetene Gäste, unnötige Gespräche und neugierige Blicke fern. Und er wusste, dass nicht alle Wesen im Finsterwald von übler Gesinnung waren. Eschagunde, königliche Waldfee, hielt dem Drachen stand und war seine ärgste Feindin.

Der Mittelweg war hier nur noch ein Trampelpfad. Er trennte Jakobs Hütte von wuchernden Brombeerbüschen, die mit einem weißen Blütenmeer eine reiche Ernte versprachen. Kurz bevor er im Wald verschwand, ging er wie ein Wendehammer auseinander. Wer trotz aller Schrecken in den Wald gehen musste, um Holz und vielleicht ein paar Pilze zu sammeln, konnte hier noch einmal tief durchatmen. Zwischen den Bäumen, so glaubten alle, war die Luft dicker. Doch wenn man Glück hatte, fand man auch am Waldrand genug Holz und lief über den Wiesenstreifen bis zum Bach. Dort hatten die Bären einst eine Mühle betrieben. Tumaros hatte sie beim letzten Angriff vor fünfzig Jahren zerstört, das Dorf gebrandschatzt und ausgeraubt. Aus dem wohlhabenden Mühlendorf wurde an diesem Tag das kleine Mühlenau. Es gab keine Familie, die nicht um einen geliebten Bären trauerte. Viele Überlebende verließen es. Etwa einhundert blieben zurück und bauten es wieder auf. Zuletzt war Jakobs Tochter Lena gegangen. Zu sehr von Albträumen geplagt, hatten sie und ihr Mann Boris sich vor zehn Jahren eine neue Heimat gesucht.

Es war Jakob nicht leichtgefallen, Rosas Bleiben zuzustimmen, lieber hätte er auch seine Enkelin in Sicherheit gewusst. Aber Rosa hatte darum gekämpft. Sie liebte das Dorf ebenso wie ihr Großvater.

Jakob versuchte eine Weile, dem Summen der Bienen in den Brombeerblüten zu lauschen. Besorgt schaute er zum dunkler werdenden Wald, als sein Blick an einer Bewegung heften blieb. Zwischen zwei Bäumen bemerkte er ein Flimmern, wie man es sah, wenn sich Luft über dem Boden erhitzte.

Er beugte sich vor. »Das ist doch… ja, wenn das nicht…natürlich …«

Das Flimmern wurde dichter. Es zeichneten sich Konturen ab. Der zierliche Körper einer Frau in grünem, duftigem Blättergewand wurde sichtbar.

»Eschagunde!«

Mit leichten Schritten kam die Waldfee auf Jakob zu. »Hallo, du alter Griesgrambär!« Eine Aura aus Sternenstaub umgab sie. Sie trug eine Krone aus Eschenblättern. Ihr schmal geschnittenes Gesicht, hohe Wangenknochen und der volle Mund drückten Entschlossenheit aus. Ihr braunes Haar war im Nacken zu einem Zopf geflochten. Um die Taille trug sie einen braunen Gürtel, in dessen Seite ein Ast steckte, an der Spitze von einem goldenen Eschenblatt geziert.

»Was machen die Geschäfte am Rande meines Waldes?«

»Seit wann braucht die Königin des Waldes Auskunft? Wer weiß besser, wie die Geschäfte laufen, als du?«

»Seit kluge Wesen in dieser Welt die Höflichkeit erfunden haben.« Eschagunde ließ sich neben Jakob auf der Bank nieder. »Aber Spaß beiseite. Gibt es etwas Neues aus Mühlenau?«

»Wie immer kommst du gleich zur Sache. Nein, mir ist nichts zu Ohren gekommen. Warum fragst du? Ist etwas passiert?«

»Bis jetzt nicht. Genaues kann ich noch nicht sagen.«

»Muss ich mir Sorgen machen? Es ist doch nicht etwa … der Drache?«

Eschagunde seufzte. »Seit ein paar Tagen vernehme ich Unruhe aus seiner Höhle. Ich habe versucht, ihn mit einem Zauber wieder in Tiefschlaf zu legen. Aber es wirkt nicht so, wie ich es gehofft habe.«

»Steht ein Angriff bevor?«

»Ich denke nicht, selbst wenn er aufwacht. Drachen sind an keine Zeit gebunden. Er kann Jahre wach sein, ohne herauszukommen.«

»Aber du machst dir Sorgen?«

»Ich habe keine Zeit, ihn im Auge zu behalten und euch zur Seite zu stehen. Ich werde auf dem Waldfeenrat erwartet. Deswegen meine Bitte: sei wachsam, ich bin, so schnell es geht, wieder zurück.«

»Ich weiß zwar nicht, was ein alter Bär gegen einen Drachen ausrichten soll, aber ich werde wachsam sein. Soll ich die Glocke läuten?«

Eschagunde schüttelte den Kopf. »Du würdest nur Panik verbreiten. Und noch schläft er.«

Sie erhob sich und drückte Jakobs Hand. »Ich hoffe, ich komme bald zurück.«

Er wollte etwas sagen, doch Eschagunde war verschwunden, genauso schnell, wie sie gekommen war.

Jakob seufzte. Bilder des letzten Angriffs drängten sich auf. Dort drüben hatte der Drache gestanden ? vorm Wald. Walburga, seine Frau, war aus der brennenden Hütte geflohen… lief direkt auf ihn zu… Jakob folgte ihr, sah, wie der Drache sie schnappte und… Er hielt sich die Ohren zu. Das Geräusch, als ihre Knochen zwischen den Drachenzähnen zerbarsten – es war in seinem Kopf, hatte sich wie ein langer, spitzer Dolch in sein Herz gebohrt. Und dann hatte Tumaros ihm die Knochen vor die Füße gespuckt.

Jakob ballte eine Faust und hob sie dem Drachenberg entgegen.

»Wo bist du mit deinen Gedanken, dass du es nicht bemerkst, wenn du nicht mehr allein bist?«

Rosa! Über den Schrecken hatte er sie beinahe vergessen. »Na endlich! Die Sonne geht schon unter. Wo warst du so lange?«

Rosa zuckte mit den Schultern, setzte sich auf die Bank und sog die würzige Luft tief ein. Sie hatte ebenso glänzendes Fell wie Jakob. Ihre Gestalt war anmutig, schlank, ihre Bewegungen geschmeidig. Am Kopf jedoch wuchsen kein Fell, sondern lange, schwarze Haare. Um die Hüfte trug sie eine ihrer selbst genähten Schürzen in leuchtendem Lila. Darunter versteckte sich ein ornamentverzierter Ledergürtel, in dem ein Schnitzmesser steckte.

»Hier und da«, antwortete sie ihm. »Du weißt doch, wie Bären sind. Immer neugierig, immer auf ein Schwätzchen aus.«

Jakob legte seinen Arm um sie. »Und meine liebenswürdige Enkelin lässt lieber ihren Großvater warten, als unhöflich zu sein.«

»Ja, du kannst einem leidtun, du armer alter Bär.«

Rosa lachte ihr helles Lachen, das Jakob so gerne hörte, und alles Warten war vergessen. Sie erhoben sich und schlenderten durch die Gartenpforte hindurch zur Hütte.

Vor der Tür drehte Jakob sich noch einmal um. »Ich bringe rasch die Hühner zu Bett«, sagte er über die Schulter und verschwand.

Rosa ging hinein, stellte ihren Korb auf den Küchentisch und zündete die Öllampe an. Sie tauschte die Schürze gegen eine beige aus Leinen und wusch sich sorgfältig, jeden Finger einzeln bedenkend, die Hände. Dann löste sie ihren Flechtzopf und bürstete ausgiebig ihr Haar, bevor sie es im Nacken zu einem Knoten zusammenband. Ihre großen Augen und die hohen Wangenknochen verliehen ihr ein kindliches Aussehen, das immer mehr fraulichen Zügen wich. Ihre dunkle Nase zierte ihr Gesicht und wirkte wie von der Hand eines Künstlers hineingemalt.

Die Flamme im Herd war bedrohlich klein geworden. Rasch legte Rosa ein paar Holzscheite nach, schürte das Feuer und beobachtete, wie die größer werdende Flamme sie prasselnd verzehrte. Wärme breitete sich aus. Rosa schloss die Ofentür, setzte den Wasserkessel auf den Herd und packte den Korb aus. Hähnchenbrüste und Eier hatte sie bei Hühner-Emma erworben. Rosa legte die Eier zu ihren eigenen in den Vorratsschrank und nahm Möhren und Kartoffeln heraus. Mit tänzerischem Schritt bewegte sie sich...



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