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E-Book

E-Book, Deutsch, 269 Seiten, Web PDF

Reihe: Humanities, Social Science (German Language)

Roost Branding Center

Über den Einfluss globaler Markenkonzerne auf die Innenstädte
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-531-90992-9
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Über den Einfluss globaler Markenkonzerne auf die Innenstädte

E-Book, Deutsch, 269 Seiten, Web PDF

Reihe: Humanities, Social Science (German Language)

ISBN: 978-3-531-90992-9
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Global agierende Markenfirmen nutzen heute stärker als je zuvor Großstadtzentren als Bühne, um ihre Produkte werbewirksam zu präsentieren. Dabei beschränken sie sich längst nicht mehr auf temporäre Maßnahmen wie Plakate oder Events, sondern investieren zunehmend in permanente Einrichtungen, die als Bauten das Stadtbild mit prägen. Diese Entwicklung wird am Potsdamer Platz in Berlin besonders augenfällig. Dort hat der japanische Konzern Sony einen multifunktionalen Großkomplex errichtet, der die Europazentrale des Unternehmens beherbergt und gleichzeitig eine Touristenattraktion ist, die als dreidimensionale Werbung dient. Mit seinem spektakulären Zeltdach, das schnell zu einem Sinnbild des neuen Berliner Zentrums avancierte, zieht das Sony Center zahlreiche Neugierige an, die sich in den Gastronomie- und Entertainmenteinrichtungen vergnügen und im viergeschossigen Ausstellungsbereich die neueste Unterhaltungselektronik in einer Art Dauerwerbeveranstaltung vorführen lassen. Das in Berlin erprobte Prinzip, mit aufsehenerregender Architektur Besucher anzulocken, sie zu unterhalten und dabei gleichzeitig für Sony-Produkte zu werben, hat der Konzern auch bei seinen kurz darauf realisierten Großprojekten Metreon in San Francisco und Aqua City in Tokyo angewandt. In der kalifornischen Metropole versucht Sony mit seinem Entertainmentkomplex vor allem jüngere Touristen und Technikfreaks aus dem nahe gelegenen Silicon Valley anzusprechen. Die Besucher sollen dann in Zukunft den Firmennamen Sony mit angenehmen Erinnerungen an das Erlebnis ihres San Francisco- Aufenthalts verbinden und dadurch eine langfristige emotionale Präferenz für die japanische Marke aufbauen. Ganz ähnlich ist Sonys Kino- und Shoppingcenter in Tokyo vor allem auf jugendliche Vorortbewohnerund Touristen ausgerichtet.

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Einführung.- Branding Center als neue Form der Stadtproduktion.- Freizeit- und Handelseinrichtungen als Mittel der Unternehmenswerbung.- Die Sony Corporation — Strategien eines global agierenden Konzerns.- Sony Center Berlin.- Sony-Projekt Metreon in San Francisco.- Sony-Projekt Aqua City in Tokyo.- Sony-Bauten in drei Kontinenten: globale Gemeinsamkeiten und lokale Unterschiede.- Schluss: Branding Center als planerische Herausforderung.- Quellenangaben.


(S. 215-216)

Nachdem der Sony-Konzern mit seinen Projekten in Berlin und San Francisco begonnen hatte, zwei imageträchtige Standorte außerhalb Asiens für seine Werbezwecke zu nutzen, entschloss sich das Management des Unternehmens kurz darauf, auch am Stammsitz Tokyo ein weiteres Projekt dieser Art durchzuführen. Zwar betreibt die Firma hier bereits seit 1966 mit dem Sony-Building in der Ginza einen der traditionsreichsten und bekanntesten Showrooms des Landes.

Doch wegen der großen Bedeutung des japanischen Markts für den Konzern und angesichts der immer größer werdenden Zahl von Showrooms anderer Unternehmen, die seither mit ähnlichen Einrichtungen in Tokyo Sonys Vorbild gefolgt sind, entschloss sich der Elektronikhersteller, seine Präsenz in der japanischen Metropole noch weiter auszubauen. Aufgrund der mittlerweile durchgeführten Restrukturierung des Unternehmens zum Doppelkonzern der Elektronik- und der Medienbranche sollte wie bei den Projekten in Berlin und San Francisco auch in Tokyo die werbeträchtige Produktpräsentation mit Entertainmentangeboten kombiniert und dementsprechend ein großes Branding Center realisiert werden. Wie schon bei den Branding Centern in Berlin und San Francisco wählte Sony als Standort für sein Vorhaben in Tokyo eine Fläche, die zu einem Großprojekt gehörte.

Ähnlich wie der Potsdamer Platz und Yerba Buena Gardens ist auch das Teleport Town genannte Stadterneuerungsvorhaben in der japanischen Hauptstadt in der Absicht, die Attraktivität der Stadt als globales Wirtschaftszentrum weiter zu erhöhen, begonnen worden. Der auf einer Aufschüttungsfläche im Hafen seit den 1980er Jahren geplante, Hektar große neue Stadtteil war ursprünglich vor allem als Standort für Bürohochhäuser der damals blühenden Finanzindustrie geplant.

Nach dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes in den 1990er Jahren geriet das Mega-Projekt wegen des massiven Rückgangs der Nachfrage nach Büroraum jedoch ins Stocken. Ganz im Sinne der japanischen Regierung, die seither versucht, die Konjunktur durch Förderung des privaten Konsums und des Inlandstourismus anzukurbeln, hat auch die Stadtverwaltung von Tokyo ihr Programm für den neuen Stadtteil überarbeitet und bemüht sich neuerdings vor allem um Investitionen im Freizeitsektor. In dem nun in Rainbow Town umbenannten Projekt wurden seither vor allem Branding Center realisiert, insbesondere im Teilgebiet Odaiba.

In diesem Abschnitt, der dem Zentrum Tokyos am nächsten gelegen ist, befindet sich auch der Sony-Komplex und kann von einer reizvollen Wasserlage mit Ausblick auf die Innenstadt profitieren. Das in Anspielung an diesen Standort Aqua City genannte Gebäude des Elektronikkonzerns bildete gemeinsam mit weiteren Branding Centern des Fernsehsenders Fuji TV und des Automobilkonzerns Toyota den Auftakt zur funktionalen Neuausrichtung des Megaprojekts und zieht Millionen von Besuchern in eine bis dahin kaum genutzte Hafenfläche. An der neu erschaffenen Touristendestination lässt sich deshalb gut nachvollziehen, inwiefern auch in global cities Großprojekte nicht mehr nur von den lange Zeit dominierenden Bürogebäuden für finanz- und unternehmensorientierte Dienstleister geprägt werden, sondern in zunehmendem Maße auch von Branding Centern.

6.1. Tokyo als polyzentrische Agglomeration

Die japanische Hauptstadt Tokyo mit ihren fast acht Millionen Einwohnern ist als kulturelles, politisches und ökonomisches Zentrum der führenden asiatischen Industrienation eine der bedeutendsten Metropolen der Welt. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, als im Zuge der sogenannten Meiji-Restauration ein gesellschaftlicher Modernisierungsund wirtschaftlicher Aufholprozess gegenüber den westlichen Ländern eingeleitet und auch der Regierungssitz von der alten Kaiserresidenz Kyoto in die Handels- und Hafenstadt Tokyo verlegt wurde, bildet die Metropole das unangefochtene Zentrum der Inselnation.

Das traditionell zentralistische politische System und die geografische Struktur des Landes, das in weiten Teilen von rohstoffarmen und landwirtschaftlich kaum nutzbaren Gebirgen geprägt ist, begünstigte eine starke Konzentration der Bevölkerung Japans auf wenige fruchtbare an der Küste gelegene Regionen, von der die Kanto-Ebene mit der Hauptstadt Tokyo am meisten profitierte. Dieser durch den Industrieboom der Nachkriegszeit verstärkte und bis heute anhaltende Effekt hat dazu geführt, dass die Metropolregion Tokyo mit über 32 Millionen Einwohnern seit Jahrzehnten den mit Abstand einwohnerreichsten Ballungsraum der Welt bildet.


Dr.-Ing. Frank Roost lehrt Städtebau an der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund.



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