E-Book, Deutsch, Band 0020, 160 Seiten
Reihe: Baccara
Rose Wenn es Nacht wird in Miami
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-86295-466-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0020, 160 Seiten
Reihe: Baccara
ISBN: 978-3-86295-466-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mitch Kincaid hat genaue Vorstellungen von seiner Mrs. Perfect: liebevoll, sexy, ein atemberaubend schöner Körper ... und auf keinen Fall Carly Corbin! Denn die kühle Blondine ist garantiert genauso intrigant wie ihre Schwester, deren Affäre mit Mitchs Vater nicht ohne Folgen geblieben ist. Doch ob er will oder nicht: Mitch muss ein Jahr lang mit seinem kleinen Halbbruder - und Carly - in der Familienvilla wohnen, sonst ist das Erbe der Kincaids verloren. Und schon am Tag knistert es heiß zwischen Mitch und Carly. In den Nächten kann er für nichts garantieren ...
Ihre Liebe zu romantischen Geschichten hat Emilie bereits im Alter von zwölf Jahren entdeckt. Zu der Zeit las sie einen Liebesroman nach dem anderen, sodass ihre Mutter die Bücher bald unter den Sofakissen versteckte, sobald Emilie ins Wohnzimmer kam. Dabei verbrachte sie damals viel Zeit in der freien Natur, wenn sie ausritt, an Reitturnieren teilnahm oder hinter ihren älteren Brüdern herlief. Meistens musste Emilie sich etwas einfallen lassen, damit ihre Geschwister sie mitnahmen. Diese Kreativität spiegelt sich in ihren leidenschaftlichen und amüsanten Romanen wider. Heute lebt die Erfolgsschriftstellerin mit ihren vier Söhnen in North Carolina. Während der Baseball-Saison verfolgt sie die Spiele mit Begeisterung und feuert häufig einen ihrer Söhne von der Tribüne aus an. Mindestens genauso fasziniert ist Emilie von Rodeos, ob sie sie nun live oder im Fernsehen sieht. In ihrer Freizeit näht sie ab und zu Quilts, kocht und backt gern (am liebsten Käsekuchen) und hört häufig Countrymusic. In fast jedem Song, meint sie, wird ein ganzer Roman erzählt. Weil sie ein großes Herz für Tiere hat, bringt sie oft verwaiste Eichhörnchen, Hasen und Kätzchen mit nach Hause - sehr zur Freude ihrer Söhne. Wegen ihrer großen Schwäche für niedliche Tiere duften ihre Kinder im Laufe der Jahre die verschiedensten Haustiere halten. Dank ihrer guten Kindheitserfahrungen hat Emilie auch nichts unternommen, als ihre Söhne weniger niedlichen Leguanen ein neues Zuhause gaben. Möchten Sie Emilie Rose eine E-Mail schreiben? Dann richten Sie sie bitte an diese Adresse: EmilieRoseC@aol.com
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1. KAPITEL
Als Carly am Montagabend nach Hause kam, stand ein silbergrauer Geländewagen in ihrer Einfahrt. Sie lenkte den dreirädrigen Sportkinderwagen an der Edelkarosse vorbei und sah auf ihrer Veranda einen Fremden in der Gartenschaukel sitzen. Als sie den Weg zum Haus hinaufkam, stand er auf. Teures Auto, teurer Anzug, fiel Carly auf. Wenn das der Typ ist, den sie geschickt haben, um den Geschirrspüler zu reparieren, habe ich den Beruf verfehlt.
Sie kam näher und musste feststellen, dass dieser Mann nicht nur gut betucht, sondern auch ungewöhnlich attraktiv aussah. Er hatte breite Schultern, kurz geschnittenes dunkles Haar, ein sehr interessantes Gesicht und faszinierend grüne Augen.
Während Carly nach ihrer Joggingrunde in der drückenden Sommerhitze der Schweiß aus allen Poren lief, sah der Besucher aus wie aus dem Ei gepellt, als käme er geradewegs aus dem Chefsessel eines voll klimatisierten Büros. Dieser Mann roch geradezu nach Geld und Macht. Carly fragte sich, ob er einer von Marlenes Verehrern war.
Vielleicht wusste er noch gar nicht, dass Marlene … Der Gedanke traf sie wie ein Faustschlag in die Magengrube. Marlene war tot, fortgegangen für immer. Alles, was Carly von ihrer Schwester geblieben war, war das Baby in dem Kinderwagen, den Carly schob.
Für einen von Marlenes Verehrern wirkte dieser reichlich jung, Anfang dreißig vielleicht. Marlene hatte sich mehr an die Herren gesetzteren Alters gehalten so wie Everett Kincaid, den Vater des Babys im Kinderwagen, das in diesem Moment stillvergnügt vor sich hin brabbelte. Carly liebte den kleinen Kerl. Am liebsten hätte sie den ganzen Tag mit ihm gekuschelt, wie sie es mit ihrem eigenen Kind so gern getan hätte. Schnell verdrängte Carly den Gedanken wieder. Zunächst musste sie diesen Fremden abfertigen. „Sie wünschen?“, fragte sie.
„Sie sind Carly Corbin?“, fragte der Besucher zurück. Seine Stimme klang dunkel mit einem angenehmen Timbre, aber der Tonfall war kühl und distanziert.
Er kam ihr die Stufen von der Veranda herab entgegen und musterte sie dabei so eingehend, dass Carly sich ein wenig für ihr abgewetztes T-Shirt und die schlabberigen Shorts schämte, die sie zum Laufen trug. Ihr verschwitztes Haar hatte sie nach hinten zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.
Sie musste den Kopf ein Stück heben, um ihm in die Augen zu sehen. „Und Sie sind …?“
„Mitch Kincaid.“
Sofort spürte Carly Wut in sich aufsteigen. Das also war der Kerl, von dem Marlene ihr erzählt hatte. Der sie gedrängt hatte, mit Everett Schluss zu machen. Der sie zu einer Abtreibung nötigen wollte. Der ihr schließlich so zugesetzt hatte, dass Marlene ihr Apartment aufgeben musste und zu ihrer Schwester gezogen war. Ein eisiger Schrecken durchfuhr Carly. War Mr. Kincaid junior etwa gekommen, um ihr Rhett wegzunehmen? Carly fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen. „Und …?“
Mitch warf einen flüchtigen Blick auf das freundlich lächelnde Baby mit seinem feinen dunklen Haar. „Ich bin gekommen, um … um meinen Bruder kennenzulernen. Ist er das?“
„Deinen Halbbruder“, korrigierte Carly. „Ja, das ist er. Das ist Rhett.“
„Er sieht tatsächlich aus wie ein Kincaid“, bemerkte Mitch.
„Was dachten Sie denn? Glauben Sie, meine Schwester hat sich das mit Ihrem Vater nur ausgedacht?“
„Sicher nicht. Dazu ist die DNA-Analyse zu eindeutig.“ Mitch klang alles andere als begeistert. „Darf ich reinkommen?“
Carly kaufte ihm nicht ab, dass er einfach nur einen nahen Verwandten kennenlernen wollte. Bis jetzt hatte er den Kleinen nicht einmal richtig angesehen. „Vielleicht ein andermal. Jetzt passt es schlecht. Ich muss Rhett füttern, baden und ins Bett bringen.“
„Es geht um seine Erbschaft.“
Erbschaft? Carly stutzte. Marlenes Hinterlassenschaft konnte er nicht meinen. Es gab keine. Plötzlich fiel Carly wieder ein, dass auch Rhetts Vater, Everett Kincaid, kurz zuvor gestorben war. Es hatte in allen Zeitungen gestanden. „Hat Ihr Vater Rhett etwas hinterlassen?“, fragte sie vorsichtig.
Die schönen, sinnlichen Lippen des Besuchers wurden schmal. „Unter gewissen Bedingungen … ja.“
Rhett meldete sich aus seiner Kinderkarre und streckte die Ärmchen vor. Er wollte hochgehoben werden.
Carly löste die Sicherheitsgurte und nahm ihn auf den Arm. Wie immer, wenn sie das tat, genoss sie den süßen Duft seiner Babyhaut. Sie drückte Rhett fest an sich. „Unter was für Bedingungen?“, fragte sie misstrauisch.
„Können wir das nicht drinnen bereden? Sie können den Jungen meinetwegen währenddessen füttern. Mir macht das nichts aus.“
„Ihnen vielleicht nicht, aber Ihrem teuren Anzug. Rhetts Geschosse beim Essen haben eine ziemliche Reichweite.“
Carly ärgerte es, dass Mitch von Rhett immer nur als „der Junge“ sprach, als hätte Rhett keinen Namen. Fragen stürmten auf sie ein. Wenn dieser Mann ein so naher Verwandter war, konnte sie ihn nicht einfach zum Teufel jagen, wie sie es am liebsten täte. Es wäre nicht fair gegenüber Rhett, ihm eine Familie vorzuenthalten, die ihn finanziell besser versorgen würde, als Carly es je könnte. Zurzeit konnte sie nicht einmal etwas für seine Ausbildung zurücklegen.
Carly stieg die drei Stufen zur Veranda hinauf, ging zur Haustür und schloss auf. Sie hatte kein gutes Gefühl dabei, diesen ungebetenen Gast in ihr Haus zu lassen.
„Ich würde Ihnen raten, wenigstens das Jackett auszuziehen, während Rhett isst“, sagte sie, nachdem sie mit Mitch in die Küche gegangen war und den Kleinen in seinen Hochstuhl gesetzt hatte. Mitch legte die Jacke ab, aber schon im selben Augenblick bereute Carly ihren Rat. Davon, wie gut dieser Mann gebaut war, hatte Marlene ihr nichts erzählt. Als Physiotherapeutin war Carly gewissermaßen Expertin für männliche Anatomie. Sie hatte beruflich häufig mit durchtrainierten Sportlern zu tun. Und das hier war ohne Frage ein Prachtexemplar.
Carly holte zwei Flaschen Wasser aus dem Kühlschrank und stellte sie auf den Küchentresen. Sie nahm eine der Flaschen, schraubte sie auf und deutete dabei, zu Mitch gewandt, auf die andere. Durstig von ihrer abendlichen Joggingrunde nahm sie selbst einen tiefen Schluck.
Dann begann sie, eine bereitgelegte Banane, Weintrauben und ein Stück Käse in für Rhett mundgerechte Würfel zu schneiden. „Nun reden Sie schon“, forderte sie Mitch auf.
Der drehte die ungeöffnete Flasche unschlüssig in den Händen. „Dem Jungen steht ein Viertel des Erbes meines Vaters zu.“
Carly wäre beinahe das Messer aus der Hand gefallen. In der Zeitung hatte sie von Everett Kincaids unermesslichem Reichtum gelesen. „Sie wollen mich auf den Arm nehmen“, sagte sie, während sie sich darauf konzentrierte, sich nicht in die Finger zu schneiden.
„Keineswegs.“ Mitchs Antwort klang fast beleidigt.
„Und weiter?“, fragte sie. Wenn sich Everett Kincaid so um sein uneheliches Kind sorgte, war er vielleicht doch nicht der verschrobene Knauser, als den Marlene ihn immer beschrieben hatte.
„Die Bedingung, von der ich sprach, ist folgende: Das Kind muss für das nächste Jahr auf Kincaid Manor, unserem Familiensitz, wohnen.“
Carly brauchte ein paar Sekunden, bis sie begriffen hatte, was das hieß. Dann drehte sie sich mit einem Ruck um. „Sie wollen ihn mir wegnehmen.“
„Sie werden dabei nicht leer ausgehen.“
Sie schüttelte fassungslos den Kopf.
„Ich zahle Ihnen hunderttausend Dollar – sagen wir, als Entschädigung für die Auslagen, die Sie gehabt haben. Das ist dieselbe Summe, die Ihre Schwester bekommen hat, um eine Abtreibung vorzunehmen. Wenn Sie auf mein Angebot angehen, werde ich kein Wort mehr über das Geld verlieren, das Ihre Schwester offensichtlich für etwas anderes verwendet hat.“
Carly hatte Mühe, zu folgen. Erst wollte er ihr Rhett abkaufen, dann behauptete er auch noch, Marlene hätte Geld für eine Abtreibung angenommen. Ihre Schwester hatte garantiert keine Sekunde daran gedacht, die Schwangerschaft abzubrechen. Sie hatte sich auf das Kind gefreut und war überglücklich, als Rhett geboren wurde. Aber Carly hatte nach der Beerdigung auch Marlenes Tagebuch gefunden und gelesen, bevor sie es verbrannte. Darin hatten sich ihr einige dunkle Seiten ihrer Schwester offenbart, von denen Carly vorher nichts gewusst hatte. Von Geld für eine Abtreibung hatte dort jedoch nichts gestanden.
„Ich weiß von keinen hunderttausend Dollar.“
„Das nehme ich Ihnen nicht ab“, entgegnete Mitch kalt. „Ihre Schwester hat die letzten fünfzehn Monate hier mit Ihnen zusammengelebt. Sie müssen etwas davon gewusst haben. Wahrscheinlich haben Sie sogar davon profitiert.“
„Das habe ich nicht“, fuhr sie ihn wütend an. „Ich habe keine Ahnung, von welchem Geld Sie reden.“
Rhett begann lautstark, auf sich aufmerksam zu machen. Noch halb benommen von dem, was sie eben gehört hatte, nahm Carly den Teller und ging zu ihm. Nein, sie konnte nicht glauben, was Mitch erzählte. Wo sollte das Geld geblieben sein? Marlene hatte nicht viel ausgegeben, nachdem sie bei Carly eingezogen war. Sie hatte zwar ihren Job als Stewardess aufgeben müssen, aber nichts hatte darauf hingedeutet, dass sie über Reserven verfügte.
„Ich glaube Ihnen kein Wort“, sagte sie schließlich.
„Ich habe Belege für die Zahlung. Überlegen Sie doch mal: Mein Angebot ist nicht so schlecht. Ich gebe Ihnen Geld, und die Unterschlagung vergessen wir. Ich übernehme das Sorgerecht für den Kleinen, und Sie können wieder frei...




