Rosemann | Sternenstaub und Maulwurfshügel | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Rosemann Sternenstaub und Maulwurfshügel

Humoristische Gedichte
12. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8423-9867-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Humoristische Gedichte

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

ISBN: 978-3-8423-9867-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Humoristische Gedichte, garniert mit schwarzweißen Illustrationen.

Mit 65 Jahren begann Inge Rosemann humoristische Gedichte zu schreiben. Inzwischen sind von ihr 13 Bücher erschienen. Inge Rosemann wurde 1931 in Hannover geboren. Nach dem Studium in Göttingen (Germanistik und Geschichte) arbeitete sie als Lehrerin und Kinderkrankenschwester. Ab 1974 lebte die Autorin auf Norderney - nunmehr seit 2017 in Göttingen. Nach den Erfahrungen als Rentnerin lautet ihre Devise: Ich möchte werben für die Chancen des Alters und seine noch nicht allgemein erkannten geistigen und kreativen Möglichkeiten.
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Weitere Infos & Material


Märchen und Gruselgeschichten


Prinzessin auf der Erbse


Wer läutet draußen vor dem Tor?

Ein fremdes Fräulein steht davor!

Es zittert unterm kalten Wind

und sagt, es sei ein Königskind –

Wie könnte heimlich man am besten

die unbekannte Jungfrau testen,

ob, wie sie sagt, sie stammt zu Recht

aus einem fürstlichen Geschlecht?

Wenn man auf ihrer Lagerstätte

Matratzen aufgestapelt hätte,

dazu noch zwanzig Daunendecken

und würde – pst – darunterstecken

nur eine Erbse, die verborgen

dort wartet, ob sich wohl am Morgen

die Hochgestapelte beschwert, –

wär insofern der Fall geklärt,

als nur die ganz erlauchte Dame

von delikater Fühlungnahme

die kleine Erbse könnte drücken

noch spürbar unter Po und Rücken,

denn wenn aufs Polster sie geschmiegt

bemerken würde, wie es pikt,

wär ihre Herkunft zwar geklärt,

jedoch – gerade umgekehrt!

Als man am Morgen wollt erkunden

wie sie sich hätt zur Nacht befunden,

hat sie den Fragenden verschwiegen

ihr so fatal bepikstes Liegen –

vielmehr für einen Hof erzogen

gleich alle lächelnd angelogen,

dass sie ganz himmlisch wolkenweich

gebettet worden wär – obgleich

sie müsste ihre blauen Flecken

mit Schleier und Gewand bedecken –

Will man es wirklich wissen, tu

man ihr drei Erbsen in den Schuh!

Wenn sie dann nach des Hofes Sitte

gleich einer Fee noch schwebend schritte,

die Lady so untadelig

wär auserlesen adelig.

Münchhausen


Im Fernsehen wurde interviewt

ein Herr Professor – so weit, so gut –

Er sprach vom Dachs und wie dieses Tier

lebt und jagt in seinem Revier.

Anschaulich sprach er, geläufig und frei

mit heiserer Stimme fauchend, wobei

der Redner allmählich bebartete sich

rings um die Zähne ganz unheimlich.

Der Mund und die Kiefer, sie schoben sich vor,

es stieg aus der Seite ein pelziges Ohr,

und überall wuchsen ihm haarige Stoppeln,

er knurrte und bellte und fing an zu hoppeln,

und dann hüpfte er mit fliegendem Satz

aus dem Bild zu dem ihm sich bietenden Platz

auf meinem Schoß – wo wirklich possierlich

er hob die Pfötchen zärtlich und zierlich –

Ich konnte mit beiden Händen ihn fassen

am wolligen Bauch

und glaube jetzt auch

an sämtliche fliegenden Untertassen.

Stellenwert


Einladend grüßte aus dem Haus

ein Lämpchen in die Nacht hinaus,

als es ein Nordwind, der da blies,

aus seiner Heimstatt stürmisch stieß,

worauf es mit Naturgewalt

schoss durch die Lüfte dergestalt,

dass es vom Windstoß abgesetzt

noch funkelnd und ganz unverletzt

sich fand als Irrlicht überm Sumpf

auf finster faulem Weidenstumpf,

um in Morast versunkenen Seelen

schwach als ein letzter Schein zu schwelen.

Das Lichtlein, dem es unbehaust

im Leeren vor sich selber graust,

führt jetzt statt festlich zum Empfang

den Wanderer in den Untergang,

indem die nur kraft Luftbewegung

veranlasste Standortverlegung

durch Änderung im Stellenwert

Glück in Verderben hat verkehrt.

Froschkönig


Wer hockt da wie ein Plumpsack dick

auf plattem Fuß in Schlamm und Schlick?

Wer glotzt so grell im Hinterhalt

als Mondgesicht und Missgestalt?

Es ist der Frosch. – Wie ein Prolet

hat er den breiten Bauch gebläht,

wobei dem garstigen Gesellen

die Augen aus dem Kopfe quellen,

wenn er die Fliegen, schwarz und fett,

vom Uferrand beobachtet,

worauf er sie im Sprung geduckt

fängt in der Luft und runterschluckt

und wieder lauert am Gewässer

als sportlicher Insektenfresser.

Erblickt er dann zur Sommerzeit

der Fröschin volle Leiblichkeit,

bläst er sich auf zum Bräutigam,

der plätschernd seine Froschmadam

umschwärmt mit einem nächtelang

anschwellend kehligen Gesang,

bis in verliebten Abenteuern

sie huckepack durchs Wasser steuern

und über mondbestrahlten Teichen

mit Perlenschnur die Flut belaichen.

– Man sagt ja wohl, dass einstmals er

als Prinz verzaubert worden wär

in diesen immer breitmäulig

herumhüpfenden Kröterich,

dem seine Diamantenketten

in Warzen sich verwandelt hätten –

Doch kröche er im Regenwetter

halb unter die Rhabarberblätter,

und wenn ganz leise es gelänge,

dass man ihn flink von hinten fänge

und wieder zu erlösen wüsste,

indem man ihn aufs Froschmaul küsste,

dann – glitschig aus der Hand geschlüpft

wär er geschwind davongehüpft

und hockte wieder irgendwo

als Majestät inkognito.

Schreckschuss


Vom Besucher fordert Etikette,

dass er nach dem Sitz auf der Toilette

seine Hände wäscht und nicht vielleicht

heimlich ohne Reinigung entweicht –

vielmehr bis aus glänzendem Metall

zischt ein dienstbereiter Wasserfall,

drehe kräftig den gekerbten Knauf

wie es sich gehört, kurz rechtsrum auf!

Wird man aber, um sich einzuseifen,

zuversichtlich diesen Hahn ergreifen,

steht man da und muss verdrossen warten,

wann er wohl gewillt ist, mal zu starten –

Doch statt dass die Fingerspitzen jetzt

würden et -was wenigstens benetzt,

eisenhart und trocken schweigt verstockt

dieser Esel konsequent und bockt.

Seine Sturheit aber ist Verstellung,

denn nach unsichtbarer Wasserschwellung

hat er heimlich hinten aufgeheizt

unerwartet plötzlich seinerseits

das Kostüm mit scharfem Strahl besprüht

und den Mensch mit solchem Schwung verbrüht,

dass erschrocken dieser wiederum

dreht den Hahn in Eile linksherum -

Hilft es? - Nein. - Die Sturzflut weiter schießt

voll ins Becken, das bald überfließt,

bis sie stoppt ein rätselhafter Zauber.

Doch die Hände sind noch gar nicht sauber,

die man beide nicht genügend schnell

bot dem eruptiven Geysirquell,

und so dient die plötzliche Fontäne

mehr dem Schabernack als der Hygiene.

Zeitungslektüre


Hält ausgespannt an beiden Enden

man eine Zeitung in den Händen,

kann zauberisch zu Truggestalten

sie stumm sich auseinanderfalten,

wobei jedoch, scharf angeblickt,

sie haltlos gleich nach hinten knickt,

dann wieder steiler aufgestellt

dem Leser in die Arme fällt

und innig saugend angeschmiegt

geflügelt auf dem Herzen liegt,

wo sie zur Furie aufgebläht

bald kitzlig bis zum Hals ihm steht,

bis abgewehrt, entwindend sich

dem Zugriff nunmehr endgültig,

die Blätter rings beim Niedergleiten

sich zu des Lesers Füßen breiten,

der auf der Flucht mit jedem Schritt

ausrutschend auf Papiere tritt

und sich in Zukunft ungelesen

vom Leib hält so ein Monsterwesen.

Hausbesetzung


Dem Mensch, der etwas auf sich hält,

wird eine Zeitung zugestellt,

die ihn darüber informiert,

was draußen in der Welt passiert.

Doch wird durch immer neue Blätter

unmerklich die Gazette fetter,

bis vor der Türe aufgehäuft,

im Briefkasten, der überläuft,

auf Tischen, Sesseln, überall

verstreut als schlapper Müllabfall

sie segelt über das Parkett

und raschelt nächtlich unterm Bett,

als ob da flüsternde Dämonen

in den verstaubten Stapeln wohnen,

die sie zerfleddern und zerfetzen,

sich der Entsorgung widersetzen

und still getarnt als Druckpapier

erobern das Privatquartier –

Dem Leser hilft in solchen Fällen

nur eines: – schleunigst abbestellen!

Wetterfest


Im Garten vor dem Rosenbeet

in blühender Natur

vergnügt mit roten Bäckchen steht

die kleine Kunstfigur.

Es ist der gute Gartenzwerg,

der draußen unentwegt

mit seiner Hände Tagewerk

für uns die Landschaft pflegt.

In jedem Wetter ganz allein

wacht er mit Bart und Hut,

in Sonne oder Mondenschein,

bei Blitz und Regenflut

und schafft dort ohne Rast und Ruh –

jedoch es kränkt die Ehre,

wenn man behauptet immerzu,

dass er geschmacklos wäre!

Aus Nachbars Garten spähte man

misstrauisch durch die Hecke,

ob etwa heimlich nebenan

der Wichtel sich verstecke,

und als man dann sogar mit...



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