E-Book, Deutsch, 301 Seiten
Rosenbecker Malou. Diebin von Geschichten
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-646-60263-0
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, 301 Seiten
ISBN: 978-3-646-60263-0
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
**Lass dich nicht deiner Romanideen berauben…**
»Malou - stiehlt nicht nur Geschichten, sondern auch Herzen <3« (Brina Grey)
»Krimi meets Romantic Fantasy! Einfach nur top!« (Anni-chan lovesbooks)
Jeder weiß, dass der Kuss einer Muse auch aus dem gewöhnlichsten Menschen einen gefeierten Autor machen kann. Doch die wenigsten wissen um die Anti-Musen, wie Malou Winters eine ist. Als Tochter einer Normalsterblichen und einer Romanfigur hat sie von der versteckten Zwischenweltbibliothek aus Zugang zu sämtlichen Londoner Buchwelten, die jemals erdacht und aufgeschrieben wurden. Statt jedoch zu inspirieren, ist es ihre Bestimmung, nicht zu Papier gebrachte Ideen zu finden und zu löschen. Eine Lebensaufgabe, die sie nicht selten frustriert, vor allem da in letzter Zeit etwas mit den Personen, zu denen ihre Aufträge sie führen, nicht zu stimmen scheint. Und dann gerät sie auch noch ins Visier eines nicht unattraktiven jungen Mannes, der gefährlich nah dran ist, ihre wahre Identität zu erraten…
//Textauszug:
Eine Anti-Muse zu sein war an manchen Tagen ein blöder Job. Ich liebte Bücher, ich hatte sogar im letzten Semester ein Literaturstudium angefangen. Umso mehr tat es mir in der Seele weh, dafür zu sorgen, dass einige von ihnen nie das Licht der Welt erblicken würden. Doch wenn ich Mr und Mrs Patton von der Musenagentur Glauben schenken konnte, dann war meine Arbeit wichtig für das Gleichgewicht der Ideen auf der Welt. Wo ich eine Idee auslöschte, machte ich Platz für eine andere. Zudem seien die von mir ausgelöschten Ideen sowieso zum Scheitern verurteilt gewesen. Viel besser fühlte ich mich dadurch nicht, aber es half ein bisschen dabei, mit dem Ganzen umzugehen.//
Biologie studieren, Blog betreiben, Bücher schreiben – So entwickelte sich die Liebe zum Schreiben bei Lisa Rosenbecker. Gelesen hat sie schon immer gerne, aber das Erschaffen von eigenen Welten wurde erst im Studium ein Thema, nachdem sie schon einige Jahre über Literatur gebloggt hatte. In ihrem Lieblingsfach Bio fehlte neben all dem theoretischen Wissen die Magie, die sie daraufhin kurzerhand einfach selbst erschuf und in ihre Bücher verpackte. Heute kann sie sich ein Leben ohne sie gar nicht mehr vorstellen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
2. Kapitel
Einen Tag später fand ich mich wie jeden Dienstag vor Matthews Books wieder. Es war eine alte, aber sehr gemütliche Buchhandlung, die nur zwei Straßen von unserer Wohnung entfernt lag. Die Fassade war aus dunkelgrünem Holz, in das zwei große Rundfenster und eine etwas nach hinten versetzte Tür eingelassen waren. Über der Tür prangte das von Mr Matthew selbst gemalte Schild, auf dem sich auch das stilisierte Bild einer Teetasse befand. Diese Engländer. Tee, Tee und nochmals Tee. Vermutlich würden sie eher ihre Taxen und Busse aufgeben, bevor sie auch nur im Entferntesten daran dachten, auf ihr geliebtes Heißgetränk zu verzichten. Ich wusste, dass mich hinter der Tür nicht nur Bücher, sondern auch viele lesende Teetrinker erwarten würden. Wenn denn der Verkaufsraum von Matthews Books mein Ziel gewesen wäre. Doch das war er nicht. Ich wollte in die Londoner Zwischenweltbibliothek. Ich ging zur Eingangstür und drückte die Klinke herunter. Dabei flüsterte ich den Namen Hesiod und trat dann durch die Tür. Auf der anderen Seite empfing mich die Londoner Zwischenweltbibliothek, kurz ZwiBi. Der dunkle, polierte Laminatboden war mir mittlerweile so vertraut wie der in unserer Wohnung. Doch über die unzähligen Regalreihen, die sich rechts und links von mir erstreckten, staunte ich noch immer. Jedes existierende Buch, das mit London zu tun hatte, befand sich in dieser Sammlung. Egal ob Fantasy, Historischer Roman oder Krimi – sie alle wurden hier aufbewahrt. Und nicht nur das. Von der Londoner ZwiBi aus konnte man in all diese verschiedenen Buchwelten, die nebeneinander existierten, gelangen. Buchcharaktere aus diesen Welten konnten ebenfalls in die Londoner ZwiBi kommen und hier nach Herzenslust in anderen Büchern und manchmal auch Welten stöbern. Das störte den Ablauf der eigentlichen Bücher nicht. Deren Welten würden für alle Ewigkeit so bestehen wie am Ende der jeweiligen Geschichte. In ihnen herrschte Stillstand, der nur minimale Möglichkeiten für das weitere Leben der Buchcharaktere ließ. Neues gab es für sie nur in anderen Welten zu entdecken. Die Aufsicht über das Chaos, das sich unweigerlich durch diese Massen an Charakteren und Welten ergab, hatte Mrs Badham. Sie war der Inbegriff einer Bibliothekarin und wie alle anderen Angestellten in der ZwiBi ein Buchcharakter. Sie musste die Vorlage für all die Klischees sein, die es über Frauen ihres Berufes gab. Doch ihrem strengen Reglement war es zu verdanken, dass das Chaos sich in Grenzen hielt. Es herrschte eine angenehme Lautstärke, nirgendwo lag ein einsames Buch herum und zu keiner Zeit bestand die Gefahr, dass eines durch Essen oder Getränke beschmutzt wurde. Mrs Badham sah alles. Ihr Dutt auf dem Hinterkopf war wie ein drittes Auge und das wussten alle, die hier ein und aus gingen. Lediglich in der Sitzecke hinter ihrem Pult war es erlaubt, Speisen und Getränke zu sich zu nehmen. Man durfte sogar ein Buch mitnehmen, wenn man sich in der Vergangenheit als würdig erwiesen hatte. Einer, der das tatsächlich geschafft hatte, war Tom, mein Mentor, mit dem ich mich verabredet hatte. Wie erwartet hatte er es sich in der Sitzecke in der hintersten Ecke auf einem rostbraunen Sessel gemütlich gemacht. Vor ihm auf dem Tisch stand eine Tasse Tee, in der Hand hielt er ein dickes Buch, in das er tief versunken schien. Tom war wie die meisten hier ein Buchcharakter. Er entstammte einer früh-viktorianischen Geschichte und war dementsprechend gekleidet. Eine graue Weste über einem weißen Hemd, dazu eine Anzughose, die schon bessere Tage gesehen hatte. Viele der Londoner Charaktere liefen so herum – es war mit Abstand das beliebteste Zeitalter, wenn es um Bücher rund um die Metropole ging. Seine roten Haare standen in alle Richtungen ab, weil er die Gewohnheit hatte, beim Lesen unbewusst damit herumzuspielen. Mit seinen fünfundzwanzig Jahren hatte er mir zwar nur sechs Jahre voraus, aber er sah deutlich älter aus. Auch das war eine Begleiterscheinung des viktorianischen Zeitalters, sei es nun real oder erfunden. Er bemerkte mich erst, als ich mich ihm gegenüber auf einem Stuhl niederließ. Sein Gesicht hellte sich auf. »Hallo Malou, schön dich zu sehen!« Mit einem letzten, sehnsüchtigen Blick klappte er das Buch zu und legte es beiseite. »Möchtest du etwas trinken?« »Nein danke. Was liest du denn da?« Aufgeregt berichtete er mir. »Es ist ein Kriminalroman, äußerst spannend, sage ich dir. Du solltest ihn auch lesen.« »Danke, ich bleibe lieber bei meinen Fantasy-Büchern.« »Als ob du noch mehr Fantasie nötig hättest«, witzelte er und lachte. Seine schöne tiefe Stimme erfüllte den Raum und ich stimmte mit in sein Gelächter ein. Tom war mir vor einem Jahr von der Musenagentur als Mentor zugeteilt worden. Sein Traum war es wohl gewesen, eine richtige Muse zu coachen, aber abbekommen hatte er mich. Er hatte sich deswegen aber noch nie beschwert oder es mich spüren lassen. Wir waren mittlerweile gute Freunde geworden. Ich fischte die Akte von Eva aus meiner Handtasche und legte sie auf den Tisch. »Auftrag erfolgreich ausgeführt«, berichtete ich. Tom zog die Akte zu sich herüber und nickte zufrieden. »Ich werde sie gleich morgen in die Agentur bringen. Mrs Patton wird sich freuen.« »Und das ist das Wichtigste, nicht wahr?«, sagte ich ironisch. Mrs Patton, die gemeinsam mit ihrem Mann die Agentur leitete, war die Sorte Frau, die zum Lachen in den Keller ging. Seit sie meine Mum und mich an meinem achtzehnten Geburtstag aufgesucht hatte, um mir von meiner Musengabe zu erzählen, war sie auf einen persönlichen Rachefeldzug gegen mich aus. Zumindest empfand ich das so, denn mir gegenüber war sie immer unfreundlich und sie hatte es mir bisher nicht erlaubt, die Musenagentur zu betreten, selbst Tom nicht, der durch einen Boten Aufträge für mich bekam und sie wieder abholen lassen musste. Vielleicht dachte sie, dass ich eine echte Muse küssen und ihre Agentur in den Ruin treiben könnte. Vielleicht war es auch mein Gesicht, das ihr nicht passte. Wer wusste das schon. »Vom Stirnrunzeln bekommst du Falten«, tadelte Tom mich spielerisch. »Ich habe an Mrs Patton gedacht«, gab ich zu. »Ah, verstehe«, sagte er und zwinkerte mir zu. Er kannte meine Meinung über sie und auch wenn er es aus Höflichkeit nicht zugab, wusste ich, dass er sie insgeheim auch nicht recht leiden konnte. Ihr Mann war wohl um einiges netter, aber ihn hatte ich noch nie persönlich kennengelernt und konnte mich deshalb nur auf das verlassen, was Tom mir erzählte. »Sobald ich einen neuen Auftrag von der Agentur bekomme, melde ich mich bei dir. Mittlerweile kann ich sogar SMS schreiben!«, sagte er stolz. »Das will ich sehen!« Tom kramte das für unsere Verhältnisse steinzeitliche Handy hervor, das er von der Agentur zur Verfügung gestellt bekommen hatte, um sich über die unterschiedlichen Welten hinweg mit mir in Verbindung setzen zu können. Ich hatte das Pendant dazu, was mit Touchscreen und Internetempfang aber um einiges moderner war. Wie genau damit die Verbindung zwischen den Welten funktionierte, wusste ich nicht, nur, dass es etwas mit Magie zu tun hatte. Im Litersum galt meistens das gleiche Motto wie bei einem bekannten Autoproduzenten: Nichts ist unmöglich. Und tatsächlich, nach einigen Minuten piepte mein Handy und kündigte mir eine SMS an. Hallo Malou, stand darin. »Sehr gut«, lobte ich Tom. »Wenn der nächste Auftrag steht, kannst du mich so in die ZwiBi rufen.« Doch Tom hörte mich nicht. Er schielte verdächtig sehnsuchtsvoll auf seinen Krimi hinüber. »War wohl gerade sehr spannend, was?«, fragte ich. Er seufzte. »Kann man so sagen. Aber ich will dich nicht loswerden«, sagte er entschuldigend. »Schon okay. Ich kann das verstehen. Es geht nichts über ein gutes Buch. Ich wünsche dir viel Spaß.« Tom grinste und klemmte sich wieder hinter seinen Krimi. »Bis bald!«, rief er mir noch zu, als ich vom Tisch aufstand, und schon war er wieder in der Geschichte verschwunden. Bildlich gesehen, nicht wortwörtlich. Belustigt schüttelte ich den Kopf und wollte die Sitzecke schon verlassen, als jemand meinen Namen rief. »Malou, warte!« Bevor ich mich der Stimme hinter mir zuwandte, sah ich noch, wie Mrs Badham sich in meine Richtung umdrehte und einen sauertöpfischen Gesichtsausdruck aufsetzte. Laute Rufe mochte sie gar nicht gerne. Über meine Schulter hinweg warf sie dem Schuldigen einen bitterbösen Blick zu und richtete ihre Aufmerksamkeit dann wieder auf den PC vor ihr. Aua, der Ausdruck musste wehgetan haben. Doch als ich mich umdrehte, musste ich schmunzeln. Es war Emma Holmes, die nach mir gerufen hatte. Wenn es einen Menschen auf der Welt gab, der sich von Mrs Badham nicht beeindrucken ließ, war es Emma. Sie war wie ich seit einem Jahr als Anti-Muse unterwegs und ihr wirklicher Name war nicht Holmes, sondern Miller. Aber Emma war einer der größten Sherlock-Holmes-Fans, dem ich je begegnet war und eiferte ihm nach, wo sie es nur konnte. Das ging so weit, dass sie manchmal viktorianische Klamotten und sogar einen Deerstalker-Hut trug, unter dem ihre blonden Locken hervorlugten. In ihrer Handtasche befand sich immer eine Lupe und sie hatte sich mittlerweile einen Namen als Detektivin gemacht, die Fälle aller Art in Buch- und Menschenwelt löste. So stand es auf ihrer Visitenkarte. Ja, so verrückt war sie. Aber sie war auch eine verdammt gute Freundin. Wir kannten uns gerade mal ein halbes Jahr, verstanden uns aber super. »Hey Emma«, grüßte ich sie. »Bist du gerade geschäftlich unterwegs?« Sie umarmte mich und schien außer Puste, als sie endlich zum Stehen...




