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E-Book, Deutsch, Band 5, 256 Seiten
Reihe: Alaska Wilderness
Ross Alaska Wilderness - Die Geister vom Rainy Pass (Bd. 5)
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7641-9144-3
Verlag: Ueberreuter Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 5, 256 Seiten
Reihe: Alaska Wilderness
ISBN: 978-3-7641-9144-3
Verlag: Ueberreuter Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Christopher Ross schreibt romantische Abenteuer mit Spannung und Gefühl. Durch Bestseller wie die 'Alaska Wilderness'-Reihe wurde er einem großen Publikum bekannt. Für seinen neuen Roman 'Sunrise Africa' war er mehrere Wochen zur Recherche in Afrika unterwegs.
Autoren/Hrsg.
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1
Spätnachts wurde Julie Wilson von einem lauten Heulkonzert geweckt. Sie fuhr erschrocken in ihrem Bett hoch. Die Huskys jaulten gerne um die Wette, aber so wütend klangen sie nur, wenn wilde Tiere oder Menschen in ihrer Nähe waren, deren Witterung sie nicht kannten.
Julie vergeudete keine Zeit. Sie zog sich in Windeseile an, schlüpfte in ihren dunkelgrünen Anorak und setzte die gefütterte Mütze mit den Ohrenschützern auf. Als Park Rangerin, die schon seit einigen Jahren in Alaska lebte und so manchen harten Winter erlebt hatte, wusste sie, wie kalt es nachts wurde, besonders in entlegenen Regionen wie dem Denali National Park. Besonders leise, um ihre Mitbewohnerin nicht zu wecken, verließ sie ihre Blockhütte, eine von mehreren Unterkünften für die Ranger und Angestellten im Nationalpark, und lief am Duschhaus vorbei zum Verwaltungsgebäude.
Es war dunkler als sonst und eisig kalt. Dichte Wolken hatten sich vor den Mond und die Sterne geschoben. Die Lichter in der Sporthalle, dem Duschhaus und den Unterkünften waren schon lange erloschen, und die einzige Helligkeit kam vom Schnee, der in diesem Winter wieder besonders reichlich fiel. Der Wind wehte zwischen den Blockhäusern hindurch und trieb den frischen Schnee wie aufgewirbelte Gischt gegen die verwitterten Holzwände.
Mit ihrer Taschenlampe stieg Julie über die Böschung zu den Hundezwingern hinab. Das Jaulen war nicht leiser geworden, im Gegenteil, zwischen die klagenden Laute mischten sich wütendes Knurren und Fauchen. Im Lichtkegel der Lampe sah sie, wie einige der Hunde wütend die Zähne fletschten.
Sie blieb stehen und blickte sich suchend um, beobachtete gerade noch, wie ein Schatten zwischen den Bäumen verschwand. Ein Elch, der den Huskys zu nahe gekommen war? Wölfe auf der Jagd? Irgendein anderes harmloses Tier, das die Hunde durch sein Auftauchen erschreckt hatte? Schwer zu sagen. Mehr als eine flüchtige Bewegung hatte sie nicht wahrgenommen.
Kopfschüttelnd ging sie weiter. So weit wagten sich selten wilde Tiere ins Tal hinab. Vielleicht mal ein Elch, aber keine Wölfe. Ein Rudel würde sein Revier in der Wildnis nur verlassen, wenn der Winter so streng war, dass es keine Nahrung mehr fand. »Was ist denn mit euch los?«, rief sie den Huskys zu. »Ihr weckt das ganze Camp mit eurem Lärm auf. Seht ihr, wo überall die Lichter angehen? Wenn ihr so weitermacht, bekommen wir Ärger. Der Super mag es gar nicht, wenn man ihn mitten in der Nacht aus dem Schlaf reißt.«
Als die Huskys ihre vertraute Stimme hörten und ihre Witterung aufnahmen, wurden sie ruhiger. Julie redete weiter auf sie ein, auch auf das Rudel ihrer Mitbewohnerin, und nahm Chuck in die Arme, ihren langjährigen Leithund. »So ist es besser, Chuck. Hier habt ihr nichts zu befürchten, das wisst ihr doch. Sobald es Ärger gibt, taucht ein Ranger auf und kümmert sich darum.« Sie kraulte ihn am Hals. »Na, vor was hattet ihr solche Angst? Soweit ich weiß, halten die Grizzlys gerade Winterschlaf, die können es nicht gewesen sein. Hat einer von euch schlecht geträumt? Warum sagst du nichts?«
Natürlich konnten die Huskys nicht sprechen, aber durch ihre Körperhaltung und ihr Verhalten sendeten sie Signale aus, die auch Julie verstand. Im Augenblick spürte sie an seinem Zittern, dass die Hunde etwas Ärgeres als ein wildes Tier gestört hatte. »War irgendjemand bei euch?«
Sie richtete sich auf und ließ den Lichtkegel der Taschenlampe über das Gelände wandern. Der helle Fleck glitt über den aufgewühlten Schnee, die zwanzig Holzhütten der Huskys, den Vorratsschuppen mit den Schlitten, Geschirren und Geräten und die kleine Blockhütte, in der das Hundefutter aufbewahrt wurde. Er blieb an Noatak hängen, dem zwei Jahre alten Siberian Husky, der knurrend vor seiner Hütte saß und sich seltsam feindselig benahm.
»Noatak!«, rief sie verwundert. »Warum bist du denn so wütend?«
Der Husky drehte sich einmal im Kreis und knurrte erneut. Er fletschte seine Zähne und zerrte wütend an der Kette, als wollte er auf einen unsichtbaren Feind losgehen. Julie redete beschwichtigend auf ihn ein und näherte sich ihm vorsichtig, brachte ihn mit ihrer sanften Stimme langsam zur Vernunft. »So ist es schon besser, Noatak. Hier tut dir niemand was, okay?«
Noatak schmiegte sich leise jaulend an ihre Beine. Er war sehr aufgeregt, als hätte er eine unliebsame Begegnung hinter sich. Ein Streit mit einem der anderen Huskys? Die Hütten lagen weit genug voneinander entfernt, dass keiner der Hunde in die Reichweite eines anderen kam. Huskys waren keine Schoßhündchen, die friedlich im Schnee schliefen und sich duckten, wenn ihnen etwas nicht passte. Sie wehrten sich. Ein Erbe ihrer wilden Vorfahren.
Julie hörte Schritte und drehte sich erschrocken um. Carol Schneider kam den schmalen Pfad zu den Zwingern herunter. Ihre Mitbewohnerin war ungefähr sieben Jahre älter als sie und eine ihrer besten Freundinnen, eine erfahrene Rangerin, die einige Jahre im Yosemite National Park in Kalifornien gearbeitet hatte, bevor sie nach Alaska gezogen war. Sie kümmerte sich um das andere Gespann im Denali National Park. Als Fünftplatzierte bei einem der härtesten Hundeschlittenrennen der Welt kannte sie sich mit Huskys aus.
»Sorry, ich bin wohl etwas spät dran«, sagte Carol. Sie wirkte auch am frühen Morgen und mit den hastig zu einem Knoten gebundenen Haaren attraktiv. »Warum sagst du mir denn nicht Bescheid?« Sie lief zu ihren Hunden und schloss einen nach dem anderen in die Arme. »Was ist los, Skipper? So aufgeregt hab ich dich schon lange nicht mehr gesehen. Waren Wölfe hier?«
»Keine Ahnung«, erwiderte Julie. »Vielleicht sind Wilderer in der Nähe.«
»Wilderer? Mitten im Winter?«
»Oder jemand, der sich einen bösen Scherz erlauben wollte. Wäre doch nicht das erste Mal, dass sich einer bei den Hunden zu schaffen macht.«
»Irgendwelche Spuren?«
Julie deutete auf den aufgewühlten Schnee. »Aussichtslos. Gestern war eine ganze Schulklasse hier, die Spuren könnte nicht mal ein indianischer Fährtenleser auseinanderhalten.«
Noatak begann erneut zu fauchen und zu knurren. Wie ein aufgebrachter Wachhund rannte er los, bis ihn die Kette bremste und unsanft zu Boden warf. Er rappelte sich hoch und jaulte lautstark, versuchte mit aller Kraft, sich loszureißen und auf einen unsichtbaren Feind zu stürzen. Die anderen Huskys fielen ein, selbst der sonst eher besonnene Chuck zerrte wütend an seiner Kette.
Julie und Carol blickten in die Richtung, in die sich die Huskys gewandt hatten, und sahen zwei dunkle Gestalten am Waldrand entlangrennen. Ohne die heftige Reaktion ihrer Hunde hätten sie die beiden niemals entdeckt.
»Halt! Stehen bleiben!« Carol musste schreien, um die lärmenden Huskys zu übertönen. »Park Ranger! Sie sollen stehen bleiben, hab ich gesagt!«
Die beiden Gestalten ließen sich nicht aufhalten. Im Schutz der Dunkelheit verschwanden sie im Wald jenseits der Park Road. Die Huskys bellten und jaulten ihnen wütend nach und hätten sich wohl wie ein hungriges Wolfsrudel auf die Flüchtigen gestürzt, wenn Julie und Carol sie losgebunden hätten.
»Soll ich Erhart anrufen?«, fragte Julie. Ranger Greg Erhart war der Chief Ranger im Law Enforcement, der Chef der Polizeitruppe. »Wer weiß, was die beiden vorhatten. Wenn die Hunde so wütend sind, bestimmt was Ernstes.«
»Und wenn es nur zwei Jugendliche waren? Erinnerst du dich an die beiden Jungen vor drei Wochen? Die hatten gewettet, ein Wolfsrudel aufzustöbern, nur so aus Abenteuerlust.« Carol lief zum Schuppen und holte zwei Paar Schneeschuhe heraus. Die Hunde hatten sich inzwischen wieder beruhigt. »Nein, wir versuchen es erst mal allein. Dürfte nicht so schwer sein, im Wald ihren Spuren zu folgen. Greg würde uns den Hintern versohlen, wenn wir ihn wegen einer Lappalie mitten in der Nacht aus dem Bett holen.« Sie reichte Julie die Schneeschuhe. »Wenn es ernster ist, können wir immer noch anrufen.«
Mit den Schneeschuhen über den Schultern liefen sie zum Waldrand, wo sie auf der geräumten Park Road mit ihren Taschenlampen nach den Spuren der Flüchtigen suchten. Eigentlich erwarteten sie, jeden Augenblick den Motor eines Snowmobils aufheulen zu hören, aber nichts geschah. Offensichtlich waren die beiden Gestalten zu Fuß gekommen.
Da sich kein Besucher von der Straße entfernte und so nahe beim Visitor Center durch den Wald wanderte, schon gar nicht im Winter, fanden sie die Stelle, an der die Flüchtigen im Wald verschwunden waren, relativ schnell. Zwischen den Bäumen lag der Schnee nicht so hoch wie auf den Lichtungen abseits der Straße. Sie kamen auch ohne Schneeschuhe zügig voran. Im Licht ihrer Taschenlampen folgten sie den deutlich sichtbaren Spuren, die scheinbar ohne Ziel und im sinnlosen Zickzack durch den Wald...




