E-Book, Deutsch, Band 4, 407 Seiten
Reihe: Die große Alaska-Saga
Ross Allein in der Wildnis
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-598-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman. Die große Alaska-Saga 4 | Große Gefühle und atemberaubende Landschafen - für alle Fans von Sarah Lark
E-Book, Deutsch, Band 4, 407 Seiten
Reihe: Die große Alaska-Saga
ISBN: 978-3-98952-598-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Christopher Ross gilt als Meister des romantischen Abenteuerromans. Es ist das Pseudonym des Autors Thomas Jeier, der in Frankfurt am Main aufwuchs, heute in München und »on the road« in den USA und Kanada lebt. Seit seiner Jugend zieht es ihn nach Nordamerika, immer auf der Suche nach interessanten Begegnungen und neuen Abenteuern, die er in seinen Romanen verarbeitet, mit den bevorzugten Schauplätzen Kanada und Alaska. Seine über 2100 Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet. Der Autor im Internet: jeier.de/christopher-ross facebook.com/thomas.jeier Bei dotbooks erscheint Christophers Ross' GROSSE ALASKA-SAGA mit sechs Bänden. Unter Thomas Jeier veröffentlichte er bei dotbooks zahlreiche weitere Romane.
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Kapitel 1
Wie gebannt starrte Clarissa auf die Tür, die den Wartebereich vom Flur und den Operationszimmern trennte. Seit zwei Stunden wartete sie in dem nüchtern eingerichteten Warteraum des zweistöckigen Blockhauses darauf, dass sich die Tür öffnete und man ihr die erhoffte Nachricht brachte: Sie können beruhigt sein, Ihr Mann hat die Operation gut überstanden.
Man hatte bei Alex eine Geschwulst am Kopf gefunden, außerhalb der Schädeldecke, aber so nah an lebenswichtigen Adern und Nerven, dass sich selbst ein anerkannter Arzt geweigert hatte, ihn zu operieren. Den scheinbar sicheren Tod vor Augen, war Alex in die Wildnis geflohen und hatte seinen Tod vorgetäuscht, um ihr die mühevolle Pflege und das beschwerliche Leben an der Seite eines Sterbenden zu ersparen. Nur ihre beharrliche Suche und unerschütterliche Liebe hatten ihn zurückgebracht.
Mit dem Hundeschlitten hatte sie ihn nach Seward gefahren, die aufstrebende Stadt an der Resurrection Bay, wo man im Sommer dieses Jahres mit dem Bau einer Eisenbahnlinie beginnen würde, die irgendwann in ferner Zukunft bis Fairbanks führen sollte. Auch wegen des rasanten Aufschwungs, den man sich von der Eisenbahn erwartete, war dort ein neues und modernes Krankenhaus errichtet worden, in dem Dr. Ralph M. Blanchard, ein junger und bereits sehr erfolgreicher Chirurg, praktizierte und seine Studien betrieb. Von außen machte das Seward Providence Hospital nicht viel her, man hätte das Blockhaus auch mit einem Roadhouse verwechseln können, doch Blanchard wurde von den Sisters of Providence unterstützt, einem Orden katholischer Nonnen, die ihm die neuesten Geräte und die modernste Ausrüstung beschafft hatten. Selbst die meisten Krankenhäuser in San Francisco oder New York waren nicht besser ausgestattet.
Neun Tage war Clarissa unterwegs gewesen, begleitet von den besten Wünschen der halben Stadt und ihrer Freundinnen, der fröhlichen Dolly, die unterhalb ihrer Blockhütte ein Roadhouse eröffnet hatte, und Betty-Sue, die für Doc Boone im Krankenhaus von Fairbanks arbeitete. Blanchard, der mit seinen Forschungen so große Anerkennung fand, dass man schon versucht hatte, ihn in eine Großstadt zu locken, war der einzige Arzt im amerikanischen Norden, der eine so schwierige Operation durchführen konnte. Er hatte sofort eingewilligt, als Clarissa ihm die geforderte Anzahlung des Honorars bezahlt hatte. Nur weil sie an Dollys Roadhouse beteiligt war und die Herberge gut lief, hatte man ihr den Kredit bewilligt.
Zum wiederholten Male stand Clarissa auf und lief nervös in dem kleinen Zimmer auf und ab. Sie war viel zu angespannt, um in dem neuen Harpers Weekly zu blättern, das neben einigen Broschüren auf dem Holztisch lag, und den Kalender mit den religiösen Motiven, dem einzigen Wandschmuck in dem ansonsten sehr kargen Raum, kannte sie bereits auswendig. Vorsichtig öffnete sie die Tür zum Flur. Zum wiederholten Male blickte sie in das düstere Halbdunkel, sah zwei leere Tragen an der linken Wand stehen und zuckte erschrocken zurück, als eine der seitlichen Türen aufsprang und eine Schwester im Licht der einzigen Lampe erschien und sie sofort entdeckte.
»Bleiben Sie bitte im Wartezimmer!«, rief die Schwester streng. Ihre Stimme hallte unheilvoll durch den verlassenen Flur. »Hier ist der Zutritt verboten! Wir geben Ihnen Bescheid, sobald die Operation vorüber ist.«
»Wie lange wird es denn noch dauern?«
»Das kann ich Ihnen leider nicht sagen«, erwiderte die Schwester schon etwas sanfter. »Eine solche Operation dauert manchmal Stunden, und selbst dann können Sie Ihren Mann noch nicht sprechen. Warum gehen Sie nicht in Ihre Pension zurück und schlafen ein wenig. Es ist schon spät.«
»Ich warte hier«, erwiderte Clarissa beinahe trotzig.
Sie schloss die Tür und kehrte auf ihren Platz zurück. Es gab keine Uhr in dem kleinen Wartezimmer und auch kein Fenster, durch das man den Mond und die Sterne beobachten konnte, aber sie vermutete, dass es bereits auf Mitternacht zuging. Sie würde dennoch bleiben. Solange sie nicht wusste, ob Alex die Operation überstanden hatte, würde sie ohnehin kein Auge zutun. Zuerst wollte sie die erlösenden Worte des Arztes hören.
Eine zweite Tür ging auf, und eine Schwester betrat mit einer älteren Dame das Wartezimmer. »Es wird nicht lange dauern, Ma’am«, sagte sie zu der ganz in schwarz gekleideten Lady. »Die Wunde ist nicht besonders tief. Ein paar Stiche, und Sie können Ihren Mann wieder mitnehmen.«
Die Dame bedankte sich und setzte sich Clarissa gegenüber auf einen Stuhl. Sie musterte Clarissa abschätzend, während sie nach der Zeitschrift griff, und verzog bei ihrem Anblick kaum merklich den Mund. Clarissa war nicht gerade wie eine Dame gekleidet, sie trug noch ihre Wollhose, den Anorak und die festen Stiefel, die für eine Fahrt mit dem Hundeschlitten am praktischsten waren, und hatte nur die Fellmütze in der Pension gelassen. Ihre honigblonden Haare waren mit einem schmalen Lederband im Nacken zusammengebunden. Anders als die jungen Frauen in Seward, die sich selten in der freien Natur aufhielten, während der eisigen Winter schon gar nicht, war ihr Gesicht von Wind und Wetter gebräunt, und statt nach Rosenwasser duftete sie nach ihren Huskys, ihren treuen Begleitern auf dem Weg nach Seward. Für ein heißes Bad war sie noch viel zu nervös.
Clarissa erwiderte den missbilligenden Blick der älteren Dame mit einem gezwungenen Lächeln und richtete den Blick wieder auf die Tür zum Gang mit den Operationszimmern. Die Minuten vergingen quälend, ohne dass etwas geschah. Nur das kaum hörbare Geräusch, wenn die ältere Dame eine Seite in der Zeitschrift umblätterte, war in der Stille zu hören.
Als sich die Tür endlich öffnete, kehrte eine Schwester mit dem Ehemann der älteren Dame zurück. Seine linke Hand steckte in einem festen Verband. »Na, sehen Sie? Das war doch gar nicht so schlimm«, sagte die Schwester mit einem freundlichen Lächeln. »Schonen Sie sich in den nächsten Tagen ein wenig, und belasten Sie vor allem die verletzte Hand nicht! Und kommen Sie in ein paar Tagen noch einmal zum Verband wechseln vorbei.« Sie verabschiedete sich von den beiden, wartete geduldig, bis sie den Warteraum verlassen hatten, und wandte sich an Clarissa: »Ich kann Ihnen leider noch nichts sagen, Ma’am. Wollen Sie nicht doch lieber in der Pension warten? Es dauert sicher noch ein, zwei Stunden.«
»Nein, danke. Ich warte hier.«
»Wie Sie wollen, Ma’am.«
Die Schwester verschwand, und Clarissa war wieder allein mit ihren Ängsten. Als Ehefrau eines Fallenstellers, die schon seit einigen Jahren in der Wildnis von Alaska lebte, war sie einiges gewöhnt. Sie war in den verschneiten Bergen mit ihrem Schlitten verunglückt und hatte nur überlebt, weil sie Bones, der geheimnisvolle Wolf, den sie einst verarztet hatte, in ein Indianerdorf geführt hatte. Sie hatte mehrere Blizzards überstanden. Sie hatte sich gegen Frank Whittler, den aufdringlichen Sohn eines millionenschweren Managers der Canadian Pacific, gewehrt und war von ihm verleumdet und quer durch Kanada und Alaska gejagt worden. So manches Mal war sie nur einen Schritt vom Tod entfernt gewesen. Erst vor zwei Wochen war Whittler dem Deputy U.S. Marshal ins Netz gegangen.
Sie erschauderte jetzt noch, wenn sie an Frank Whittler dachte. Zuerst war es nur sein verletzter Stolz gewesen, die bittere Erfahrung, dass sich eine junge Frau erdreistete, sich ihm zu widersetzen. Er hatte sie als gewalttätige Diebin in der Öffentlichkeit gebrandmarkt und sogar die Polizei auf sie gehetzt. Nachdem man ihn gefangen und überführt hatte, war er ausgebrochen, und seine Anstrengungen, sie zu vernichten, waren zur krankhaften Besessenheit geworden. Er hatte gestohlen und gemordet, war nach der Pleite seiner Familie zum dreisten Verbrecher geworden und würde wahrscheinlich bis ans Lebensende für seine Taten büßen müssen.
Irgendwann schlief sie über diesen Gedanken ein und schreckte erst hoch, als sich die Tür erneut öffnete und Dr. Ralph M. Blanchard den Warteraum betrat. Er hatte seine Kopfhaube abgenommen und wirkte erschöpft, lächelte aber zufrieden, als er Clarissa gegenübertrat. »Die Operation ist gut verlaufen«, sagte er tatsächlich, »Ihrem Mann geht es den Umständen entsprechend gut. Es wird noch eine Weile dauern, bis er aus seiner Narkose aufwacht, aber ich bin sicher, morgen früh können Sie kurz mit ihm sprechen. Wir werden ihn noch einige Zeit hierbehalten müssen, bis er aufstehen kann, das Gröbste hat er jedoch überstanden. Die Geschwulst ist weg.« Sein Blick wurde ernst. »Ich will Ihnen nichts vormachen, Ma’am. Natürlich kann ein solches Geschwür jederzeit zurückkehren, und auch, wenn nichts zurückbleibt, werden Sie es nicht einfach mit ihm haben. Seine Kopfschmerzen werden nicht ganz verschwinden, und er könnte auch aus nichtigen Anlässen die Nerven verlieren und gereizt reagieren, aber er wird nicht sterben. Ich hoffe, Sie sind eine geduldige Frau.«
»Sonst säße ich wohl kaum noch hier«, erwiderte Clarissa erleichtert und überglücklich. »Ich bin Ihnen zu tiefstem Dank verpflichtet, Doktor.«
»Ich freue mich für Sie, Ma’am.«
Natürlich hätte Clarissa ihren Mann gern gesehen, aber die Schwester, die hinter Dr. Blanchard den Warteraum betreten hatte, schüttelte nur den Kopf. »Er braucht jetzt vor allem Ruhe. Morgen früh, Ma’am.«
Beschwingt von der guten Nachricht, aber auch verstört von den Warnungen des Arztes und der Möglichkeit, dass Alex niemals ganz ohne Beschwerden sein würde, verließ Clarissa das Wartezimmer und stieg die Treppe zum Ausgang hinunter. Auf der Wanduhr neben der Rezeption war es kurz nach Mitternacht. Mit hochgeschlagenem Kragen trat sie in die Kälte hinaus. Es...




