Ross | Endloses Feuer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 560 Seiten

Reihe: Endloses Feuer

Ross Endloses Feuer


Neuauflage 2023
ISBN: 978-3-7569-9977-4
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 560 Seiten

Reihe: Endloses Feuer

ISBN: 978-3-7569-9977-4
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Teil zwei der magisch-mystischen Cadence-Duologie von Bestsellerautorin Rebecca Ross. Die Insel Cadence hat sich selbst und ihre Bewohner immer in einem empfindlichen Gleichgewicht gehalten. Doch nun hat Bane, der Geist des Nordwinds, alles und jeden, der ihm im Weg steht, ins Schwanken gebracht, um die Herrschaft über Menschen und Geister gleichermaßen zu erlangen.

REBECCA ROSS ist gefeierte Autorin von Fantasy-Romanen für Jugendliche und Erwachsene. Zu ihren Werken gehören u.a. The Queen's Rising, The Queen's Resistance, Sisters of Sword & Song und Dreams Lie Beneath. Ihre Bücher wurden in dreizehn Sprachen veröffentlicht und erreichen Leser und Leserinnen auf der ganzen Welt. Sie ist kaffeesüchtig und hat eine Vorliebe für alte Schreibmaschinen, alte Briefmarken und alles, was mit der Hand geschrieben ist. Sie lebt mit ihrem Mann und einem Frisbee-süchtigen Australian Shepherd in den Appalachen im Nordosten Georgias, wo sie in ihrem Garten jede Menge Unkraut, Wildblumen und neue Ideen für Geschichten anbaut.
Ross Endloses Feuer jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Prolog

Einst hatte Kae tausend Worte in Händen getragen. Als Geist des Windes hatte sie die Macht genossen, etwas so Zartes und doch so Spitzes zu halten, und sie hatte sie stets mit Freude losgelassen und den Klang der vielen Stimmen gefühlt, von tief bis hauchig, von melodisch bis rau. Einst hatte sie Gerüchte und Neuigkeiten durch die Finger gleiten und wie den Faden einer Spule über den Hügeln von Cadence abrollen lassen, hatte die Reaktion der Menschen beobachtet, wenn die Worte sie wie Hagel oder Distelwolle trafen.

Es hatte sie jedes Mal aufs Neue erheitert.

Doch damals war sie jünger, hungriger und unsicherer gewesen. Die älteren Geister hatten hämisch Stücke aus ihren Flügeln herausgebissen und sie dadurch geschwächt, um ihre Wege zu übernehmen. König Bane hatte sie noch nicht zu seiner bevorzugten Botin ernannt, selbst mit ausgefransten Flügeln und Stimmen der Sterblichen als engsten Begleitern. Erst jetzt, als Kae über das östliche Cadence dahinglitt und Erinnerungen nachhing, konnte sie diese einfachere Zeit richtig würdigen.

Es war ein Moment gekommen, von dem an hatte sich etwas verändert. Ein Moment, den Kae im Nachhinein genau bestimmen konnte, weil sie erkannte, dass er eine Nahtstelle in ihrer Existenz war.

Lorna Tamerlaine und ihre Musik.

Sie hatte nie für die Geister der Luft gesungen, obwohl Kae häufig aus den Schatten zusah, wenn die Bardin das Meer oder die Erde anrief. Kae war anfangs erleichtert gewesen, dass Lorna nicht die Winde beschwor, obwohl der Geist sich oft danach sehnte. Sie wusste, dass Lornas Klänge nur für sie erschaffen worden waren, und sie spürte sie tief im Innern vibrieren.

Das war der Moment, in dem Kae aufgehört hatte, Worte zu tragen und sie zu bringen. Sie wusste, was Bane Lorna angetan hätte, wäre ihm bekannt gewesen, was sie tat: für die Geister von Erde und Wasser zu spielen, um deren Zustimmung und Bewunderung zu gewinnen.

Kae, die durch einen stürmischen Nordwind ins Leben gerufen worden war, die einst über Tratsch gelacht und die Flügel über den Höfen von Cadence hatte heulen lassen, hatte gespürt, wie ihr das Herz brach, als Lorna viel zu jung gestorben war.

Sie flog nun über den östlichen Teil der Insel und bewunderte die Gipfel und Täler, die glänzenden Lochs und die plätschernden Flüsse. Rauch stieg aus den Schornsteinen der Cottages, die Gärten waren voller Sommerfrüchte und Schafherden weideten auf den Hügeln. Kae näherte sich gerade der Clanlinie, als sich der Druck in der Luft drastisch veränderte.

Ihre Flügel erzitterten und ihr indigoblaues Haar flog ihr ins Gesicht. Sie musste sich ducken und winden, und sie wusste, dass der König sie rief. Sie war spät dran und hätte längst Bericht erstatten sollen. Er war ungeduldig.

Mit einem Seufzen flog Kae höher hinauf.

Sie ließ das grüne Bild von Cadence hinter sich und durchbrach die Wolkenschichten. Das Licht wich endloser Dunkelheit. Sie spürte, wie die Zeit ringsum gefror; hier in der Halle des Windes gab es keinen Tag, keine Stunde. Sie wurden zwischen den Sternbildern bewahrt. Das Gefühl hatte Kae einst erschüttert: zu sehen, wie die Zeit so ungehindert unter den Menschen auf der Insel dahinfloss, und sie dann hinter sich zu lassen wie einen mottenzerfressenen Umhang.

Denk an deine Aufgabe, ermahnte sich Kae, als sich die letzte Sekunde sterblicher Zeit löste und wie Eis von ihren Flügeln fiel.

Sie musste sich auf die Begegnung vorbereiten, denn Bane würde sie nach Jack Tamerlaine fragen.

Sie erreichte die Gärten und unterdrückte ein Aufwallen von Furcht, einen Anflug von Widerstand. Der König würde beides spüren und sie konnte sich seinen Zorn nicht leisten. Sie ließ sich Zeit und atmete tief durch, während sie zwischen den Reihen von Blumen aus Frost und Schnee hindurchging, die Flügel eng an den Rücken angelegt. Sie erinnerten an Libellenflügel und trugen Kaes eigene Farbe: den Ton des Sonnenuntergangs, wenn der Tag in die Nacht überging – ein dunkles Lila, das von quecksilberfarbenen Adern durchzogen war. Sie glitzerten im Licht der Sterne, die in den Kohlebecken brannten, während Kae weiter auf die Halle zuging.

Blitze zuckten durch die Wolken unter ihren Füßen. Kae spürte die Hitze durch die Sohlen und kämpfte erneut gegen den Drang an, den Kopf einzuziehen. Es gefiel ihr gar nicht, dass sie es schon unwillkürlich tat, nachdem sie jahrelang Banes Missbilligung ausgesetzt gewesen war.

Dann war er also zornig, weil er auf sie warten musste.

Kae wappnete sich zitternd, während sie die Säulen der Halle durchschritt. Der flachshaarige Hof war bereits vollzählig versammelt, die Flügel unterwürfig angelegt. Alle sahen ihr entgegen – ältere Geister, die ihr einst das Fliegen beigebracht hatten und ihr außerdem die Flügel zerfetzt hatten. Jüngere Geister, die sie mit einer Mischung aus Angst und Ehrfurcht betrachteten und ihren Platz als Botin einnehmen wollten. Unter der Last der Blicke und des Schweigens fiel Kae das Atmen schwer, als sie auf den König zuging.

Bane sah ihr entgegen, die Augen wie Glut, das Gesicht so regungslos, als wäre es aus Kalkstein gemeißelt. Seine blutroten Flügel waren zum Zeichen seiner Autorität gespreizt und er hielt eine von Blitzen erhellte Lanze.

Kae kniete vor dem Nordwind nieder, weil sie keine andere Wahl hatte. Sie fragte sich jedoch: Wann wird es das letzte Mal sein, dass ich vor dir aufs Knie gehe?

»Kae«, sagte Bane und zog ihren Namen mit geheuchelter Geduld in die Länge. »Warum hast du mich warten lassen?«

Ihr gingen zahlreiche Antworten durch den Kopf, die alle auf der Wahrheit beruhten. Weil ich dich verabscheue. Weil ich nicht länger deine Dienerin bin. Weil ich von deinen Befehlen die Nase voll habe.

Doch laut antwortete sie: »Vergib mir, mein König. Ich hätte früher kommen sollen.«

»Was gibt es Neues von dem Barden?«, fragte Bane. Er versuchte zwar, träge zu klingen, doch Kae hörte die Nervosität in seiner Stimme. Jack Tamerlaine machte dem König unglaubliche Angst.

Kae richtete sich auf. Die Silberringe ihrer Kettenrüstung klirrten bei jeder Bewegung.

»Er schmachtet dahin«, erwiderte sie und dachte daran, wie sie Jack zurückgelassen hatte. Er hatte im Gemüsegarten der Weberin gekniet und auf den Lehm in seinen Händen gestarrt.

»Und spielt er? Singt er?«

Kae wusste, dass ihresgleichen nicht lügen konnte. Das machte die Antwort auf Banes Frage zu einer Herausforderung, aber seit Lorna … Kae war geschickt darin geworden, ihn abzulenken.

»Sein Kummer scheint ihn niederzudrücken«, sagte sie wahrheitsgemäß. Seit Adaira fort war, war Jack nur noch ein Schatten seiner selbst. »Er will nicht spielen.«

Bane schwieg.

Kae hielt den Atem an, während ein Raunen durch die Halle ging. Sie widerstand der Versuchung, einen Blick über die Schulter zum Hofstaat zu werfen.

»Der Barde scheint schwach zu sein, wie der Obstgarten es uns gezeigt hat«, setzte sie an, brach jedoch ab, als Bane sich erhob. Sein langer Schatten kroch über die Stufen des Podiums hinab. Als er Kae berührte, versetzte die Kälte ihr einen Schock.

»Er scheint schwach zu sein, sagst du«, donnerte der König. »Und doch hat er uns alle heraufbeschworen. Er wagt es, im Freien zu spielen. Ich war doch barmherzig zu ihm, nicht wahr? Wieder und wieder habe ich ihm Zeit gegeben, sich zu bessern und seine Musik aufzugeben. Doch er weigert sich und lässt mir keine andere Wahl, als ihn erneut zu bestrafen.«

Kae schloss den Mund und ihre spitzen Zähne klapperten aufeinander. Lorna war eine kluge Musikerin gewesen. Sie hatte von dem Barden des Ostens vor ihr gelernt, der sich ebenfalls vor Bane und dem Geisterreich in Acht genommen und jahrzehntelang unversehrt musiziert hatte. Doch Lorna war vor Jacks Rückkehr nach Cadence gestorben. Manchmal beobachtete Kae ihn, wie man es ihr in jüngster Zeit befohlen hatte, und sie wünschte sich nichts mehr, als vor ihm zu erscheinen und ihm zu sagen …

»Ich will, dass du Whin von den Wildblumen eine Botschaft überbringst«, sagte Bane und überraschte Kae damit.

»Welche Botschaft, mein König?«

»Dass sie den Gemüsegarten der Weberin verfluchen soll.«

Kae stieß den Atem aus, während ihr ein Frösteln über den Rücken rieselte. »Mirin Tamerlaines Garten?«

»Ja. Den Garten, aus dem sie diesen Barden ernährt. Whin soll dafür sorgen, dass die gesamte Ernte sofort eingeht und nichts mehr wächst, bis ich es sage. Das gilt auch für jeden anderen Garten, der ihn mit Nahrung versorgen könnte. Und wenn es jeder Gemüsegarten des Ostens ist, dann soll es so sein. Lasst die Hungersnot kommen. Es würde den Sterblichen nicht schaden, aufgrund des Barden zu leiden.«

Wieder ging Gemurmel durch den Hof. Bemerkungen und Ausrufe, Freudenschreie. Kae vermutete, dass die Hälfte der Windgeister – diejenigen, die den Hofstaat des Königs bildeten – Banes Grausamkeit guthießen. Es würde unterhaltsam sein, sie auf ihren Wegen zu beobachten. Diejenigen jedoch, die stumm blieben … Kae fragte sich, ob sie es ebenso leid waren wie sie, erleben zu müssen, wie Bane der Erde, dem Wasser und dem Feuer völlig unsinnige Befehle gab und die Menschen zu seiner Unterhaltung leiden ließ.

»Du zögerst, Kae?«, bemerkte Bane, als sie schwieg.

»Mein König, ich frage mich nur, ob Whin von den Wildblumen und ihre Erdgeister diesen Befehl nicht wahnwitzig oder vielleicht übertrieben finden werden.«

Der König lächelte. Kae wusste,...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.