Ross | Northern Lights - Der Wolf vom Eagle Mountain (Northern Lights, Bd. 1) | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 256 Seiten

Reihe: Northern Lights

Ross Northern Lights - Der Wolf vom Eagle Mountain (Northern Lights, Bd. 1)


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7641-9228-0
Verlag: Ueberreuter Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 256 Seiten

Reihe: Northern Lights

ISBN: 978-3-7641-9228-0
Verlag: Ueberreuter Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als man eine bewusstlose Frau mit Bissspuren am Arm ins Krankenhaus einliefert, wird die junge Wolfsexpertin Carla Gorman herangezogen. Sie soll ermitteln, ob die Bisse von einem Wolf stammen. Carla begibt sich auf die Suche nach dem Wolf, doch sie ist nicht allein. Ebenfalls unterwegs in der Wildnis ist Jason, ein professioneller Wolfsjäger. Während Carla den Wolf finden und gesundpflegen möchte, hat es der Wolfsjäger auf das Tier abgesehen. Carla und Jason sind Gegner - doch sie fühlen sich auch zueinander hingezogen. Werden ihre Gefühle füreinander am Ende gewinnen? Und wie werden sie sich entscheiden, wenn sie dem Wolf gegenüberstehen? Wieder überzeugt Christopher Ross mit seinem unverwechselbaren Mix aus Romantik, Natur, Abenteuer und Krimi, eingebettet in die wilde Kulisse Alaskas.

Christopher Ross schreibt romantische Abenteuer mit Spannung und Gefühl. Durch Bestseller wie »Das Geheimnis der Wölfe« und »Mein Freund, der Husky« wurde er einem großen Publikum bekannt. Mehr unter www.christopherross.de.
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1


Schon von Weitem erkannte Carla die Gefahr. Ein Schwarzbär trottete über den Highway, ein kräftiger Bursche, der sich eine Fettschicht während des Sommers angefressen hatte und sicher auf der Suche nach einem geeigneten Platz für seine Winterruhe war. Ein gewohnter Anblick für Carla, die in Alaska aufgewachsen war, und eine Attraktion für die Urlauber, die auf der Gegenfahrbahn hielten und aus ihrem Wagen stiegen. Es handelte sich um ein junges Paar – der Mann war mit einem Smartphone bewaffnet, begierig darauf, den Bären zu fotografieren.

Carla fuhr rechts ran und ließ das Fenster runter. »Steigen Sie wieder ein!«, rief sie den beiden zu. »Das ist zu gefährlich! Steigen Sie in den Wagen!«

Die Frau blickte nur kurz zu ihr hinüber, war zu fasziniert von dem mächtigen Tier. Wahrscheinlich hatte sie noch nie einen Bären in freier Wildbahn gesehen. »Der sieht doch ganz harmlos aus«, rief sie zurück. »Sehen Sie nur, wie tollpatschig der sich bewegt. Geh noch ein bisschen näher ran, Kevin!«

Der Bär hatte sie längst gewittert, wandte aber erst jetzt den Kopf. An der Art, wie sich seine Muskeln spannten, erkannte Carla, dass er gleich zum Angriff übergehen würde. Wahrscheinlich nur zu einem Scheinangriff wie die meisten Bären, wenn sie ihre Ruhe haben wollten, der aber meist zu einer gefährlichen Attacke wurde, wenn die Betroffenen sich falsch verhielten.

»In den Wagen!«, rief Carla. »Keine hastige Bewegung!«

Zu spät, der Bär griff bereits an. Schneller, als man es ihm zugetraut hätte, rannte er los und hetzte in weiten Sprüngen auf die Urlauber zu. Ein Bär war schneller als ein Mensch, auch wenn man es dem massigen Tier nicht ansah.

Für einen Augenblick erstarrten die beiden, dann rannten sie in panischer Angst zurück. In seiner Hast ließ der Mann sein Smartphone fallen. Er ließ es liegen und sprang in den Wagen. Noch bevor seine Frau die Tür geschlossen hatte, startete er den Motor und trat das Gaspedal durch. Der Wagen machte einen Satz nach vorn und prallte gegen einen Begrenzungspfosten. Der Motor verstummte, und man hörte nur noch das hysterische Schluchzen der Frau.

Vor Angst zitternd sank der Mann mit dem Oberkörper aufs Lenkrad. Selbst aus der Ferne erkannte Carla, wie blass er war. Seine Begleiterin schlug beide Hände vors Gesicht. Sie merkten nicht, dass der Bär seinen Angriff abgebrochen hatte und längst verschwunden war, und fuhren schreiend zusammen, als Carla ans Fahrerfenster klopfte. Sie bedeutete ihnen, es zu öffnen, doch der Mann schüttelte den Kopf, und es erforderte einige Überredungskunst und ein aufmunterndes Lächeln, ihn dazu zu bringen, seine Meinung zu ändern.

»Ist er … ist er weg?«, fragte er noch blasser als schon zuvor.

»Auf und davon«, versicherte Carla ihm. Sie kamen bestimmt aus New York, vermutete sie, aus irgendeiner Stadt, in der man Bären nur aus dem Zoo kannte, wenn überhaupt. »Bären sind unberechenbar, auch wenn sie auf den ersten Blick so friedlich aussehen wie der Bursche gerade eben. Fotografieren Sie wilde Tiere nur aus sicherer Entfernung oder durch das Autofenster.« Sie reichte ihm sein Smartphone zurück. »Nur ein guter Rat. Ich habe beruflich mit wilden Tieren zu tun und weiß, was alles passieren kann, wenn man sich nicht vorsieht.« Sie deutete auf den umgeknickten Begrenzungspfosten. »Weder Sie noch der Wagen haben etwas abbekommen. Sie haben Glück gehabt.«

»Danke … vielen Dank, Miss.«

Die beiden fuhren weiter nach Norden, und Carla stieg kopfschüttelnd in ihren Wagen, einen japanischen oder koreanischen SUV, genau wusste sie das noch immer nicht. Hauptsache, die Räder griffen auf Schnee und die Heizung funktionierte. Von dem elektronischen Schnickschnack interessierte sie lediglich der Anschluss für ihr iPhone, der ihr das Telefonieren und Emailen während einer Tour erleichterte. Als angehende Biologin und Expertin bei »Wolf Aid« war sie oft tagelang unterwegs, hielt Vorträge an Schulen, beriet Behörden im Umgang mit Wölfen und überwachte den Abtransport von verletzten Tieren, die in den Gehegen der Hilfsorganisation eine neue Heimat fanden.

Nachdenklich fuhr sie weiter. Sie hatte die letzten Tage an der Universität in Fairbanks verbracht und an mehreren Vorlesungen über die Lebensweise von wilden Tieren in Nationalparks teilgenommen und dort auch über das leichtsinnige Verhalten von Urlaubern diskutiert. Die Begegnung mit dem jungen Paar war das beste Beispiel dafür, wie unvorsichtig manche Besucher waren und wie leicht es zu einer bedrohlichen Situation kommen konnte. Noch auf dem schmalen Highway nach Copperville schüttelte sie ungläubig den Kopf.

Die Straße war einigermaßen geräumt, doch zu beiden Seiten bogen sich die Fichten unter dem Schnee, der während der letzten Tage gefallen war und dem Land seinen Frieden zurückgebracht hatte. So empfand es Carla, wenn der kurze Sommer zu Ende ging und sich der Winter mit Schneestürmen und eisigen Temperaturen zurückmeldete. Der Schnee schien die alltägliche Hektik zu dämpfen und den Rhythmus zu verlangsamen. Alles wirkte ruhiger und aufgeräumter, als würde der Schnee auch die Sorgen und Probleme der Menschen verschwinden lassen. Ein Irrglaube, wie nicht nur Carla längst wusste.

Copperville lag südlich von Paxson am Gulkana River, eine winzige Siedlung abseits des Richardson Highway, die ihren Namen den riesigen Kupferfunden im 20. Jahrhundert verdankte. Inzwischen profitierte die Stadt vor allem von abenteuerlustigen Urlaubern, die in Schlauchbooten durch die nahen Stromschnellen fahren wollten, den Outdoor-Läden am Stadtrand und den Gehegen von »Wolf Aid«, in denen man Wölfe aus allernächster Nähe bestaunen konnte.

»Wolf Aid« stand auch auf dem Schild über dem Eingang des zweistöckigen Blockhauses, das vor den Gehegen an der Hauptstraße lag und ein Besucherzentrum, die Büros der Mitarbeiter, ein kleines Museum und einen Filmraum beheimatete. Auch im Winter hatte das Wolfcenter fast jeden Tag geöffnet.

Carla parkte auf einem der Parkplätze, die für Mitarbeiter reserviert waren, und winkte C.J. Fletcher zu, dem schlaksigen Tierarzt, der gerade mit einem Eimer aus der Gittertür neben dem Gebäude trat. Ganz gegen seine Art zeigte er einen besorgten Gesichtsausdruck.

»Hey, C.J. Was ist denn los?«

»Hey, Carla.« C.J. trug einen Overall, Gummistiefel und eine rote Wollmütze mit dem Logo der San Francisco 49ers, obwohl er mit Football nichts am Hut hatte. »Cody hat sich den Magen verdorben. Er liegt schon seit gestern Abend flach. Muss sich einen Virus oder so was eingefangen haben.«

»Kriegst du ihn wieder hin?«

»Was denkst du denn?« Er grinste. »Wie war’s an der Uni?«

»Das Übliche. Wir sehen uns, okay?«

Cody war ein junger Wolf, der sein Rudel verlassen hatte, um eine Gefährtin zu finden und ein eigenes Rudel zu gründen, aber unterwegs in eine Falle getreten war. Seitdem humpelte er so stark, dass er nicht mehr jagen und sich nicht mehr selbst ernähren konnte. Ein Wanderer hatte ihn gefunden und die State Troopers alarmiert, die wiederum »Wolf Aid« um Hilfe gebeten hatten.

Carla betrat das Gebäude und winkte Amy Morton zu. Amy Morton war eine ehemalige Sportlerin, die als »Mädchen für alles« für »Wolf Aid« arbeitete und gerade damit beschäftigt war, einige Besucher abzukassieren und sie in den Filmraum zu führen. Bevor die Besucher einen Blick in die Gehege werfen durften, stand ein Dokumentarfilm des Discovery Channel auf dem Programm, in dem mit Klischees aufgeräumt wurde, die Wölfe leider auch heute noch umgaben.

Nachdem Amy den Film gestartet hatte, kehrte sie zurück. Sie war um die sechzig, sah aber zehn Jahre jünger aus und war wesentlich fitter als die meisten Besucher ihres Alters, die das Wolfcenter betraten. Ihre dunklen Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden.

»Carla! Du kommst gerade richtig.«

»Haben wir so viel Andrang?«

»Nein, aber Linda braucht ein wenig Zuspruch. Ich hab’s schon versucht, aber wer hört schon auf eine alte Jungfer, der kein Mann gut genug war?« Sie trat grinsend hinter ihren Tresen. »Auf dich hört sie eher, wenn es um Männer geht. Sie ist drüben bei Ma Barker und ertränkt ihren Kummer in Caffè Latte.«

»Einer ihrer beiden Ex-Männer?«

»Beide, soviel ich weiß.«

Carla hatte ihren Anorak geöffnet und die Handschuhe ausgezogen. Selbst mit der einfachen Wollmütze, die nur ihren blonden Pferdeschwanz hervorblitzen ließ, und mit nur wenig Make-up wirkte sie attraktiv. Das lag vor allem an ihren leuchtend blauen Augen und ihrer sportlichen Figur. Als sie Schülerin an der Highschool...



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