Roth / Beck | Affairs - Gefährliche Liebe | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 292 Seiten

Roth / Beck Affairs - Gefährliche Liebe


2. Auflage 2012
ISBN: 978-3-943678-32-1
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 292 Seiten

ISBN: 978-3-943678-32-1
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



England, 1854 Vicky Millhouse und Julian St. John verbindet nur eines: Sie beide hüten ein Geheimnis. Bei einem Feuer in einem der besseren Etablissements der Stadt treffen sie aufeinander. Er, der zynische Edelmann, der trotz einer schweren Verletzung den Mord an seinem Freund aufklären will. Sie, die Hure, die ein ganz unstandesgemäßes Verhältnis mit William, Earl of Blackstone, Julians älterem Bruder, hat. Und durch Zufall entdeckt Vicky, welch pikantes Geheimnis Julian verbirgt: Er liebt Männer. Mixed Couples - Gay & Straight Love

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1. Kapitel


Das warme Licht der Kerze warf einen Schatten seines angenehm geformten Körpers an die Wand. Vicky unterdrückte einen Seufzer, als sie sich ihm näherte. Sie sah das Glitzern in seinen Augen. Sein rotblondes Haar glänzte im Kerzenschein, ein einzelner Schweißtropfen bahnte sich einen Weg an seiner Schläfe entlang. Sie sah ihn, weil ihre Beobachtungsgabe geschult war. Sie achtete auf Kleinigkeiten. Oft fielen ihr Dinge auf, die andere Menschen einfach übersahen.

Kurz ließ sie den bisherigen Tag Revue passieren, diesen Luxus konnte sie sich erlauben, außerdem erhöhte sie damit die Spannung. Etwas, das ihr Kunde durchaus zu schätzen wusste. Sie hatte Glück gehabt heute. Alle Gentlemen, die sie bedient hatte, waren es wert gewesen, als Gentlemen bezeichnet zu werden. Denn das hatte sie schmerzhaft erfahren müssen: Auch ein gehobenes Etablissement wie dieses, schützte nicht vor Übergriffen. Natürlich war es angenehmer in dieser Atmosphäre zu arbeiten, als in einem heruntergekommenen Hafenbordell. Abermals unterdrückte sie ein Seufzen. War dieses Leben wirklich das für sie vorherbestimmte? Wenn ihr Vater dies alles sehen könnte, er würde sich sicher im Grabe umdrehen.

Ihr Vater – Gott hab ihn selig. Nur, verdammt, warum hatte er sie nicht besser abgesichert? Wie hatte er so leichtgläubig sein können? Wie hatte es dazu kommen können, dass Gordon … Sie unterbrach ihre Gedankengänge. Das führte zu weit. Ihr gegenüber saß immerhin ein Kunde, der sie erwartungsvoll anstarrte. Und er sollte etwas für sein Geld bekommen.

„Dreh dich um! Und auf die Knie mit dir! Dann sollst du deine Strafe kriegen!“

Sie klatschte mit der Reitgerte einmal in ihre geöffnete Handfläche, und der Mann gehorchte sofort. Schade eigentlich, dass sie sein hübsches Gesicht nie ansehen konnte in den ekstatischen Momenten. Nun, musste sie sich eben mit seinem durchaus ansehnlichen Hinterteil begnügen. Ein Jammer, dass er nur so seine Erfüllung finden konnte. Sie richtete sich auf und zupfte ihr enges Mieder zurecht, das ihre hübschen, nicht allzu großen Brüste vorteilhaft zur Geltung brachte.

„Waren wir heute wieder nicht brav?“

„Nein, Ma’am“, hauchte der junge Mann in erwartungsvoller Anspannung. Seine Haltung drückte absolute Unterwerfung aus, und Vicky fragte sich, wie er wohl in seinem richtigen, seinem gesellschaftlichen Leben auftrat. Sie unterdrückte ein Kichern. Dort würde ihn sicher keiner kennen, mit entblößtem, nach oben gestreckten Hinterteil.

„Böse Jungs kriegen hier eine Tracht Prügel. Das weißt du doch, oder?“

„Ja!“ Er stöhnte bereits in banger Vorfreude.

Und endlich tat Vicky ihm den Gefallen und ließ die Gerte auf sein strammes Hinterteil niedersausen. Doch dieses Mal währte die Freude nur kurz, denn bereits nach ein paar Schlägen, wollüstigem Zucken, und noch lange bevor er seine Erfüllung fand, schallte ein Schrei durch die Gänge des Blue Velvet.

„Feuer!“

Vicky brauchte nur einen Wimpernschlag, um zu reagieren. Sie riss die Tür auf und sah auf den Gang. Es war ein heilloses Durcheinander, Leute rannten aus den Zimmern, dichter Rauch füllte den nur schummrig beleuchteten Flur.

„Was ist denn los?“

„Los, kommt schon! Hoch mit Euch! Es brennt! Und zieht Eure Hose an!“

Vicky achtete nicht darauf, ob der Mann hinter ihr der Aufforderung nachkam. Sie warf sich selbst einen dicken, alten Wollumhang über die Schultern. Zu mehr blieb wohl keine Zeit. Sie drehte sich noch einmal um.

„Jetzt schwingt Euren adeligen Hintern aus dem Bett – oder wollt Ihr Euch nackt vor allen präsentieren?“

Das half.

In Windeseile hatte der Mann seine Hosen wieder an. Das Hemd locker über die Schultern geworfen folgte er Vicky hinaus ins rauchgeschwängerte Chaos.

„Verfluchte Hölle!“ Julian St. John kämpfte sich in seine Kleidung. Er wusste nicht, was ihn wütender machte: die Tatsache, dass ihr sehr angenehmes Liebesspiel durch die Schreie unterbrochen worden war oder der Umstand, dass er sich ohne Hilfe in dieser Geschwindigkeit nicht ankleiden konnte. Schweiß brannte in seinen Augen, als er den Kampf mit den Knöpfen aufgab.

„Wartet, ich helfe Euch.“

Bevor er es hätte verhindern können, hatte Benjamin sich seiner Hosenknöpfe angenommen und diese geschlossen. Jeden anderen hätte Julian in Grund und Boden geschrien. Er hasste es, bevormundet zu werden, genauso sehr hasste er seine Unbeholfenheit, auch wenn sein Arm besser verheilte als zunächst angenommen werden konnte. Es war die richtige Entscheidung gewesen, nach England zurückzukommen.

Er warf Benjamin einen frustriert dankbaren Blick zu. Der junge Mann mit den sanften, mädchenhaften Gesichtszügen lächelte kurz zurück.

„Kommt! Wir müssen raus hier, Sir!“

Julian folgte Benjamin auf den Flur und wurde prompt angerempelt. Er stolperte und musste sich mit dem verletzten Bein abfangen. Ein dumpfes Stöhnen entfloh seinen Lippen, und ihm wurde kurz schwarz vor Augen. Benjamin packte seinen Arm, und sein Blick klärte sich. Er war kurz verwundert über Benjamins festen Griff, dann wurde er nach vorn gezogen.

„Wenn Ihr nicht mitkommt, werde ich mich allein in Sicherheit bringen!“

Julian biss die Zähne zusammen. So hatte er sich diesen Abend wahrlich nicht vorgestellt. Zusammen mit einigen anderen Herrschaften, Strichjungen und Huren, alle in unterschiedlichen Bekleidungszuständen, gelangte er schließlich keuchend ins Freie. Er hörte noch immer Schreie, der dichte Qualm reizte seine Atemorgane. Seine Augen begannen zu tränen, aber er sah Gentlemen, die sich eilig aus dem Staub machten. Und im Grunde wäre das auch das Beste für ihn gewesen. Doch, verdammt, seine Neugier siegte. Vielleicht hatte dieses Feuer etwas mit seinen eigenen Ermittlungen zu tun? War er jemandem bereits zu nahe gekommen? Brannten dort, im Blue Velvet, nun wichtige Beweismittel?

Ein heftiger Hustenreiz schüttelte ihn, und er spürte erneut eine Hand auf seinem Arm. Es war Benjamin. Der junge Mann sah ihn aus seinen braunen Rehaugen besorgt an. „Alles in Ordnung mit Euch?“

Julian hätte fast laut losgelacht. Er war noch immer Offizier, Major um genau zu sein, und kein Pflegefall!

„Bestens“, schnaubte er und schüttelte Benjamins Hand ab. „Wenn es dir nichts ausmacht, komm ich morgen vorbei, um deine Dienste zu bezahlen.“

Benjamin sah pikiert zu Boden. „Kein Problem“, murmelte er und wandte sich ab.

Kopfschüttelnd betrachtete Julian noch einmal das große Stadthaus, aus dessen Fenstern nun der dichte Qualm drang. Ob das Blue Velvet jetzt vollkommen zerstört wurde? Wäre schade drum, dachte Julian, als ihn erneut jemand ansprach.

„William?“

Er drehte sich überrascht um und sah in das außergewöhnlich hübsche, rußverschmierte Gesicht einer jungen Frau.

„Nein, tut mir leid“, antwortete er.

In diesem Augenblick erkannte Vicky ihren Fehler. Zugegeben, der junge Mann hatte eine erstaunliche Ähnlichkeit mit William, doch er war sicher zehn Jahre jünger. Erst jetzt wurde Vicky ihr Fauxpas in voller Tragweite bewusst. Bei dieser großen Ähnlichkeit gab es vielleicht Familienbande zwischen diesem Fremden und William.

„Oh, Entschuldigung“, stotterte sie. „Ich habe Euch verwechselt.“

„Das passiert mir öfter.“ Das Lächeln des Fremden war seltsam ironisch.

Abrupt drehte Vicky sich um und war in kürzester Zeit in der Dunkelheit verschwunden.

Julian kniff die Augen zusammen. Ihm war sofort klar, dass die junge Frau ihn mit seinem älteren Bruder William, dem Earl of Blackstone, verwechselt hatte. War sein Bruder vielleicht häufiger Gast im Blue Velvet? Die junge Frau war eindeutig eine Hure gewesen. Unter ihrem dichten Umhang, der oben auseinanderklaffte, hatte sie ein sehr freizügiges Korsett getragen. Und, was für Julian viel interessanter war – sie hatte ihn mit einem vertrauten „William“ angesprochen. Das war ungewöhnlich und ließ tief blicken. Er drehte sich um, und tatsächlich, Benjamin stand noch immer in einiger Entfernung, doch noch immer so nah, dass er Julian beobachten konnte. Julian hatte damit gerechnet.

Seufzend winkte er den Jungen zu sich heran.

„Weißt du, wer die Frau war, die mich gerade angesprochen hat?“

Benjamin rang kurz mit sich, dann antwortete er: „Vicky. Vicky Millhouse.“

„Sie arbeitet hier?“

Benjamin nickte kurz, fühlte sich offenbar nicht recht wohl, Informationen über eine Kollegin auszuplaudern.

Aber mehr wollte Julian nicht wissen. Eigentlich wollte er nur noch nach Hause, den Geruch des Feuers und den Ruß in einem warmen Bad abspülen.

Er nickte Benjamin zu. „Wir sehen uns.“

Dann humpelte er schwerfällig Richtung Straße; es war noch nicht allzu spät. Eine gute Chance, eine Kutsche mit einem halbwegs nüchternen Kutscher zu finden. Er musste William unbedingt um eine eigene Kutsche bitten. Bisher hatte er das nicht getan, weil es für seine Ermittlungen nicht von Vorteil gewesen wäre, bereits an der Kutsche erkannt zu werden. Und nun erkannte schon eine Hure, aus welcher Familie er entstammte, dachte Julian mit einem ironischen Lächeln. Wenn das keine gelungene Tarnung war ...

Er hatte Glück. Er musste nur ein kleines Stückchen die Straße hinuntergehen, da stand eine kleine schwarze Mietdroschke. Mühsam zog er sich in das enge, stickige Kabuff, nachdem er dem Kutscher erklärt hatte, wohin er wollte.

Sein Bein schmerzte wie die Hölle, und sein...



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