Roth Flammenreiter - Gefährlicher Tanz
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8025-9642-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 02, 240 Seiten
Reihe: Flammenreiter-Reihe
ISBN: 978-3-8025-9642-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Meisterdiebin steht vor ihrer größten Herausforderung! Nach "Flammenreiter - Gestohlenes Herz" kommt hier der zweite Teil der romantisch-spannenden Reihe von Sara Roth! Auf der Jagd nach dem Drachenauge finden Rayne und Alec endlich eine heiße Spur. Doch diese führt sie direkt zu Liam Atherton - dem Rubindrachen. Atherton ist einer der mächtigsten und gefährlichsten Männer der Welt. Rayne und Alec müssen um jeden Preis verhindern, dass ihm der magische Kristall in die Hände fällt, wenn sie einen Krieg zwischen den Drachenhäusern verhindern wollen.
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1
Das Klingeln ihres Handys riss Rayne aus dem Schlaf. Sie brauchte einen Moment, um sich zu orientieren. Durch den Spalt der Vorhänge am Wohnzimmerfenster fiel bereits helles Tageslicht herein, und die Wanduhr in der Küchenzeile zeigte kurz vor neun.
Nachdem Alec gestern Nacht ihre Wohnung verlassen hatte, war sie sofort ins Bett gefallen. Sie hatte das Gefühl, gerade erst eingeschlafen zu sein. Ihre Lider waren schwer wie Blei, und es kostete sie große Willensanstrengung, sie nicht einfach wieder zu schließen und in den Schlaf zurückzusinken.
Doch ihr Handy auf dem Wohnzimmertisch wollte sich partout nicht ignorieren lassen. Das Vibrieren des Geräts auf der Tischplatte bohrte sich in ihren Schädel wie das nervige Summen einer Stubenfliege. Sie tastete danach und schaltete es ein.
»Ja?«, sagte sie verschlafen.
»Hallo, Lizitza. Schön, deine Stimme zu hören«, drang Vladis Schnurren aus dem Hörer.
»Hi, Vladi.« Sie stöhnte innerlich auf. Verdammt, ihr blieb aber auch nichts erspart! Sie konnte sich wirklich Besseres vorstellen, als schon am frühen Morgen die Anzüglichkeiten eines Nosferatú über sich ergehen zu lassen. Wie hätte ihr Morgen wohl begonnen, wenn sie Alec gestern Abend nicht abgewiesen hätte? Wären sie gemeinsam eng umschlungen auf ihrem Schlafsofa aufgewacht? Immer noch trunken von den Zärtlichkeiten der vergangenen Nacht?
Der Gedanke löste ein schmerzhaftes Ziehen in ihrer Brust aus, und sie schob ihn rasch beiseite. »Was kann ich für dich tun?«, fragte sie und bemühte sich um einen geschäftsmäßigen Tonfall. Offenbar ohne großen Erfolg.
»Ich hoffe, ich habe dich nicht geweckt«, sagte Vladi.
Rayne fuhr sich durch die Haare und richtete sich auf dem Sofa auf. »Schon gut.«
»Prostitje, pojalsta. Das tut mir leid«, sagte Vladi. »Aber ich habe Neuigkeiten, die ich dir sofort mitteilen wollte. Sozusagen als Entschädigung für die Schwierigkeiten, in die du neulich durch meine Informationen geraten bist. Wofür ich mich nur entschuldigen kann.«
»Lass gut sein, Vladi«, sagte Rayne und zuckte mit den Achseln, obwohl Vladi das nicht sehen konnte. »Ich weiß es zu schätzen. Also, was hast du herausgefunden?«
»Nu charascho«, sagte Vladi. »Ich habe noch einmal meine Kontakte spielen lassen, um mehr über diesen Geheimbund zu erfahren. Wer die Mitglieder sind, welchen Umgang sie pflegen, mit wem sie zusammenarbeiten. Solche Dinge. Und dabei ist mir etwas aufgefallen.«
»Ach ja?«, fragte Rayne. »Was denn?«
»Wie du sicher weißt, haben die Geheimbünde der Nosferatú nicht selten Kontakt zu den Drachenhäusern. Solche Verbindungen bestehen schon ewig. Die Drachenhäuser engagieren gerne mal Nosferatú und lassen von ihnen Aufträge erledigen, mit denen sie sich selbst nicht Hände schmutzig machen wollen. Die Zusammenarbeit zwischen Drachen und Nosferatú hat lange Tradition.«
»Ja, das ist mir bekannt«, warf Rayne ein. »Und? Hast du etwas in dieser Richtung herausgefunden?«
»Tja, sagen wir, ich habe in diese Richtung recherchiert, weil es die naheliegendste war. Und ich habe tatsächlich etwas entdeckt, das vielleicht einen Hinweis liefern könnte.« Vladis Tonfall klang selbstgefällig.
»Ich höre.« Rayne gelang es nicht ganz, die Ungeduld aus ihrer Stimme herauszuhalten. Typisch Vladi. Wenn er etwas Interessantes in Erfahrung gebracht hatte, ließ er sich die Einzelheiten gerne aus der Nase ziehen.
»Also, es wird dir möglicherweise nicht gefallen, aber ich bin auf Anhaltspunkte gestoßen, dass der Bund des Thot in der Vergangenheit mit Atherton Enterprises zu tun hatte.« Der Bund des Thot war der Geheimbund der Nosferatú, der mit großer Wahrscheinlichkeit hinter dem Verschwinden des Drachenauges steckte. Rayne runzelte die Stirn. »Dienstleistungen im Security-Bereich«, redete Vladi weiter. »Überwachung des Transports von wertvollen Gütern. Personenschutz. Solche Sachen.«
»Atherton Enterprises?« Rayne pfiff durch die Zähne. Atherton Enterprises war ein großes Transportunternehmen, das einem gewissen Liam Atherton gehörte, auch bekannt als der Rubindrache. Wenn der Bund des Thot tatsächlich mit Atherton Enterprises unter einer Decke steckte, dann warf das auf die Sache ein ganz neues Licht.
»Mein Kontaktmann hat Finanztransaktionen zwischen der Firma und Mitgliedern des Geheimbundes entdeckt«, erklärte Vladi. »Was bedeutet, dass der Bund Aufträge für den Rubindrachen erledigt hat.«
»Und du glaubst, der Rubindrache könnte auch diesmal seine Finger im Spiel haben?«
»Nicht ausgeschlossen«, antwortete Vladi. »Die Geheimbünde wechseln gerne mal die Auftraggeber. Sind die Geschäftsbeziehungen für beide Seiten lukrativ, dann sie können aber auch über Jahre hinweg bestehen. Gut möglich, dass der Bund des Thot im Auftrag von Liam Atherton gehandelt hat. Dann ist der Gegenstand, der deinem Boss gestohlen wurde, auf direktem Wege in den Hort des Rubindrachen gewandert.«
»Danke, Vladi«, sagte Rayne und stand vom Sofa auf. »Das ist wirklich ein interessanter Hinweis.«
Das Rubinhaus war eine der zahlreichen Drachendynastien, die sich im Laufe der Geschichte herausgebildet hatten. Rayne wusste nicht genau, wie viele es von ihnen auf der Welt gab. Aber neben dem Jadehaus war das Rubinhaus die zweite große Dynastie, die ihren Sitz direkt in New York hatte. Sollte der Rubindrache tatsächlich in den Diebstahl des Drachenauges verwickelt sein, dann wurde die Sache um einiges komplizierter.
»Gern geschehen«, sagte Vladi. »Ich hatte das Gefühl, nach dem Debakel neulich bin ich dir noch was schuldig.«
»Schon in Ordnung«, erwiderte Rayne. »Ich glaube dir, dass du mit dem Überfall nichts zu tun hattest.«
»Trotzdem«, beharrte Vladi. »Ich hoffe, meine Ehre ist wiederhergestellt. Du weißt, es bedeutet mir sehr viel, wie du über mich denkst. Allerdings«, seine Stimme klang mit einem Mal ehrlich besorgt, »ich hoffe auch, dass du nicht so verrückt bist, in Hort des Rubindrachen einzubrechen.«
»Das lass mal meine Sorge sein«, sagte Rayne. »Ich muss erstmal herausfinden, ob sich der gestohlene Gegenstand tatsächlich im Besitz des Rubindrachen befindet. Dann sehen wir weiter.«
»Sehr schön«, erwiderte Vladi. »Und wenn ich dich an eine Kleinigkeit erinnern dürfte?« Kurz herrschte Stille am anderen Ende der Leitung. »Das Gemälde im Besitz des Rubindrachen, das ich gerne zurückhätte. Ich weiß, nach dem Überfall letztens ist unsere Abmachung eigentlich nichtig. Aber …« Er räusperte sich. »Wenn es dir nichts ausmacht, vielleicht ergibt sich bei deinen Recherchen ja Gelegenheit, es für mich aufzuspüren? Ich wäre dir sehr dankbar.«
Rayne musste grinsen. Wenn es um Geschäftliches ging, hatte Vladi sein Gedächtnis noch nie im Stich gelassen.
»Klar«, erwiderte sie. »Ich schau mal, was sich machen lässt.« Damit legte sie auf.
Der Rubindrache. Bei dem Gedanken musste sie erst einmal tief durchatmen. Liam Atherton galt als einer der mächtigsten und gefährlichsten unter den Herrschern der Drachenhäuser. Ehrgeizig und gewissenlos. Rayne war ihm noch nie begegnet, aber sie hatte Geschichten über ihn gehört. Anscheinend bediente er sich zwielichtiger Geschäftspraktiken. Es hieß, der Rubindrache verhandele nicht. Wenn ihm jemand in die Quere kam, dann wurde er ausgeschaltet. Und zwar auf eine Weise, die es wie einen natürlichen Tod aussehen ließ. So häuften sich unter seinen Konkurrenten beispielsweise die Selbstmorde. Bisher hatte ihm allerdings noch nie jemand etwas nachweisen können.
Natürlich wusste Rayne nicht, wie viel von diesen Anekdoten der Wahrheit entsprach. Aber eines war ihr klar: Liam Atherton war ein Mann, mit dem man sich besser nicht anlegte.
Eine halbe Stunde später – Rayne hatte es sich gerade mit einem Morgenkaffee auf dem Wohnzimmersessel bequem gemacht – klingelte es schon wieder. Diesmal waren es jedoch die Anfangstakte von Eternal Flame, die aus dem Flur zu ihr herüberdrangen.
Der Jadedrache. Seufzend stand Rayne auf und holte das Handy aus ihrer Jackentasche.
»Ja?«, meldete sie sich.
»Mei Liu will Sie sprechen«, drang die emotionslose Stimme des Kontaktmannes aus dem Hörer.
»Wann?«
»Sofort.« Der Anrufer legte auf.
Rayne pfefferte das Handy auf das noch ausgeklappte Schlafsofa. Sie hatte noch nicht einmal gefrühstückt und musste sich schon mit zwei Drachenhäusern herumschlagen. Ein Gespräch mit Mei Liu war kaum dazu geeignet, ihre Laune zu heben. Und natürlich erwartete die rechte Hand des Jadedrachen wie immer, dass Rayne alles stehen und liegen ließ und sofort zu ihr eilte. Zähneknirschend stellte sie die Kaffeetasse auf den Tisch und ging ins Bad, um zu duschen und sich anzuziehen. Was blieb ihr auch anderes übrig?
Mei Liu trug ein maßgeschneidertes Kostüm in Taubenblau. In ihrer kinnlangen Frisur tanzte kein Haar aus der Reihe. Ein wenig neidisch dachte Rayne an ihre eigenen widerspenstigen Strähnen.
»Nehmen Sie Platz«, sagte Mei Liu. An dem hochglanzpolierten Konferenztisch saß ihr Assistent Trevor, der einige Papiere vor sich ausgebreitet hatte, die er eingehend studierte. »Kaffee? Tee?«
»Kaffee, bitte«, sagte Rayne. An einem Morgen wie diesem war Koffein das einzige Mittel, um bei Verstand zu bleiben.
»Trevor?«
Die Kaffeekanne stand auf einem Tablett auf dem Tisch. Trevor erhob sich...




