E-Book, Deutsch, 152 Seiten
Reihe: tredition GmbH
Roth Vorsicht Operation
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-347-88469-4
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nichts für Ältere
E-Book, Deutsch, 152 Seiten
Reihe: tredition GmbH
ISBN: 978-3-347-88469-4
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Autor ist Fachanwalt für Medizinrecht und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Beruflich ist der Autor als Rechtsanwalt tätig. Insbesondere Behandlungsfehler, privates und gesetzliches Krankenversicherungsrecht, privates und gesetzliches Unfallversicherungsrecht und Verkehrsunfallrecht werden vornehmlich bearbeitet. Als gerichtlich bestellter Betreuer kennt der Autor die Probleme älterer Menschen in unserer Gesellschaft.
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Der Herzkatheter
Die koronare Herzerkrankung ist einer der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Zum Herzbericht 2021 zeigt sich, dass 2020 insgesamt 121.462 Menschen an den Folgen der koronaren Herzerkrankung verstorben sind. Darunter waren 44.529 Todesfälle wegen Herzinfarkt. Weiterhin ist die koronare Herzerkrankung Hauptursache für eine Herzinsuffizienz. Alleine im Jahr 2020 starben 34.885 mehr Menschen an Herzinsuffizienz. In diesem Zusammenhang ist natürlich eine Herzkatheteruntersuchung eine sinnvolle Maßnahme. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass der Job eines Klinikdirektors darin besteht, Krankenhausbetten zu füllen. Wenn ein teurer Operationssaal unterhalten wird, kann gerne mal eine Herzkatheteruntersuchung folgen. Jens Baas von der Technikerkrankenkasse hat dies dem Nachrichtenmagazin ZEIT aus dem Jahre 2022 so mitgeteilt. Auch der für Management im Gesundheitswesen an der Fakultät Wirtschaft der Technischen Universität Berlin lehrende Professor Reinhard Busse hat in einem Interview mit der taz die Ansicht vertreten, 800 von 1400 Kliniken in Deutschland seien verzichtbar. So würden jeden Tag 500 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt erleiden und 300 Krankenhäuser würden sich um solche Menschen kümmern. Das durchschnittliche Krankenhaus hat aber erstens keinen Herzkatheter und zweitens keinen Kardiologen, der rund um die Uhr da wäre. Letztendlich bemängelt Professor Busse, dass jedes Krankenhaus sich insgesamt zu wenig Erfahrung aneignen kann. Daher wird eine Mengenausweitung auf Herzerkrankungen die Folge sein. Will jedes Krankenhaus mindestens einen Herzinfarkt pro Tag als Patienten sehen, dann brauchen wir nach Ansicht von Herrn Busse nur 500 Krankenhäuser, denn nur ein belegtes Bett kann Geld erwirtschaften. Ob allerdings genannte Mindestmengen ein Garant für Qualität sind, ist mehr als fraglich. (Siehe Tagesspiegel vom 22.09.2021.)
Zum anderen ist zu bedenken, dass es viele andere Gründe gibt, warum wir in der Breite viele Krankenhäuser haben. Gerade die Nichtspezialisierung ist ein Merkmal des Landeskrankenhauses, in dem viele geriatrische Patienten eine Versorgung erhalten und die eben keinen Herzkatheter brauchen.
Professor Wehkamp von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg und Professor Heinz von der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin haben in einer Studie 2018 festgestellt, dass rein aus finanziellen Gründen unnötige Operationen in Krankenhäusern stattgefunden hätten. Im Mai 2018 erfolgte in der Sendung Plusminus in der ARD ein Betrag, in dem es um einen Fall in Hamburg ging, bei dem 2010 im medizinischen Versorgungszentrum ein Geschäftsführer von seinen Ärzten 20 Herzkatheteruntersuchung pro Tag verlangt haben soll. Bei Nichterfüllung habe er mit Gehaltsabzug gedroht.
Ein Herzkatheter kommt zum Einsatz, um Erkrankungen des Herzens, der Herzklappen oder der Herzkranzgefäße auf einem Monitor sichtbar zu machen. Bei einem Herzkatheter handelt es sich um einen feinen, biegsamen Kunststoffschlauch. Er wird unter Röntgenkontrolle durch ein Blutgefäß bis zum Herzen vorgeschoben. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Arten der Herzkatheteruntersuchungen:
Die erste ist der sog. Rechtsherzkatheter (auch Venöser oder Einschwemm-Katheter). Hierbei wird der Katheter über eine Vene in der Leiste oder der Armbeuge bis in die rechte Herzkammer und die Lungenschlagader vorgeschoben. Er hat einen kleinen aufblasbaren Ballon an der Spitze und wird so mit dem strömenden Blut eingeschwemmt. Nun kann man z. B. den Druck der rechten Herzkammer und der Lungenschlagader messen. Um die rechte Herzkammer, den Blutfluss und die Funktion der Herzklappen beurteilen zu können, wird über den Katheter ein Kontrastmittel gespritzt.
Die zweite Form der Untersuchung ist der Linksherzkatheter (auch arterieller oder großer Katheter). Er wird über eine Schlagader (Arterie) in der Leiste, Armbeuge oder dem Handgelenk bis in die linke Herzkammer vorgeschoben. Mithilfe eines Kontrastmittels lassen sich sowohl die linke Herzkammer, die Aorta (Hauptschlagader), die Funktion der Herzklappen und der Blutfluss beurteilen. Die Untersuchung mit einem Linksherzkatheder ist die häufiger verwendete Methode. Hierbei ist mittels einer dazugehörigen Röntgenuntersuchung die Untersuchung der Herzkranzgefäße möglich, indem man ein Kontrastmittel injiziert. Somit kann man nach möglichen Verengungen suchen. Bestätigt sich der Verdacht auf eine Herzkranzgefäßverengung (koronare Herzkrankheit, KHK), kann diese gleich mitbehandelt werden. Die verengte Stelle kann direkt mithilfe des Ballons geweitet werden. Nun kann auch ein Stent (Gewebestütze aus Metall) eingesetzt werden, damit das Gefäß offenbleibt. Allerdings wird durch eine Linksherzkatheder-Untersuchung (Koronarangiografie) nicht immer klar, ob ein verengtes Gefäß geweitet werden muss. Mittels eines flexiblen Drahts mit einem eingebauten Sensor, der durch das verengte Gefäß geschoben wird, misst man den Druck vor und nach der Engstelle. Je größer der Druckunterschied, desto stärker ist der Blutfluss in Richtung Herz gestört. Der gemessene Wert wird Fraktionelle Flussreserve (FFR) genannt.
Bei beiden Untersuchungsformen können Gewebeproben entnommen werden oder mögliche Ursachen von Herzrhythmusstörungen ersehen werden. Ärzte können mit speziellen Kathetern messen, wie viel Liter Blut pro Minute durch das Herz gepumpt werden, und somit beurteilen, ob die Herzleistung eingeschränkt ist oder nicht.
Indikation einer Herzkatheteruntersuchung
Eine Herzkatheteruntersuchung kommt vor allem infrage bei Kurzatmigkeit, Brustschmerzen und Beklemmungsgefühlen oder nach einem Herzinfarkt. Mit dem Linksherzkatheter können Lage und Ausmaß einer möglichen Verengung der Herzkranzgefäße bestimmt werden,
• bei einer koronaren Herzkrankheit oder
• bei Verdacht auf eine krankhafte Veränderung oder einer Funktionsstörung der Herzklappen,
• vor einer Herzoperation (bei geplanten Herzklappen- oder Bypassoperationen werden vorher mit einem Herzkatheter mögliche Veränderungen am Herzmuskel und an den Herzkranzgefäßen geprüft) und
• zur Entnahme von Gewebeproben (z. B. bei einer Herzmuskelentzündung).
Zur Vorbereitung ist es wichtig, dem Arzt mitzuteilen, welche bekannten Erkrankungen der Patient vorweist, z. B. Diabetes, Blutgerinnungsstörungen, Entzündungen und Allergien. Ebenso muss der Arzt wissen, welche Medikamente der Patient einnimmt (Betablocker, Antidiabetika, Gerinnungshemmer …).
Vor dem jeweiligen Eingriff sind ein EKG, eine Blutdruckmessung sowie ein Blutbild erforderlich. Das Blutbild gibt Aufschluss über die Blutgerinnung sowie über die Nieren- und Schilddrüsenwerte. Diese sind wichtig, wenn z. B. ein jodhaltiges Kontrastmittel gespritzt werden soll.
Eventuell können auch weitere Untersuchungen, z. B. das Röntgen der Lunge oder eine Ultraschalluntersuchung notwendig werden.
Der Ablauf einer Herzkatheteruntersuchung
Der Eingriff kann sowohl in einem Krankenhaus als auch in einer speziellen Praxisklinik (ambulant) durchgeführt werden.
Circa sechs Stunden vor dem Eingriff darf nichts mehr gegessen werden. Die Einstichstelle (auch Punktionsstelle genannt) wird bei Bedarf rasiert und örtlich betäubt. Auf Wunsch erhält der Patient ein B eruhigungsmittel.
Das Gefäß wird punktiert und der Katheter eingeführt. Dabei erfolgt eine ständige Sichtkontrolle auf einem Monitor. In der Regel spürt man davon nichts, da die Innenwände der Gefäße schmerzunempfindlich sind.
Welche Risiken hat eine Herzkatheteruntersuchung?
Die Herzkatheteruntersuchung gilt im Allgemeinen als sichere Untersuchungsmethode. Sie wird als minimalinvasiv bezeichnet, denn für den Zugang zum Herzen sind keine großen Schnitte notwendig. Bei etwa einem Prozent der Untersuchungen kommt es allerdings zu Komplikationen. Das klingt zwar wenig, aber da es sich hierbei um eine Untersuchung am Herzen handelt, können diese Komplikationen für den Betroffenen schwerwiegend sein.
Zu den Risiken gehören:
• Blutungen und Blutergüsse an der Einstichstelle
• allergische Reaktionen auf das Kontrastmittel (z. B. Juckreiz, Schwellungen, Atemnot oder sogar ein Kreislaufschock)
• (meist vorübergehende) Herzrhythmusstörungen
• Verletzungen von Gefäßen und Nerven
• ein akuter Herzinfarkt oder Schlaganfall
Das Risiko steigt, wenn schon schwere Herz- oder Begleiterkrankungen bestehen.
Gibt es konservative Behandlungsmethoden zur Herzkatheteruntersuchung?
Prof. Eike Nagel, Direktor des Instituts für Experimentelle und Translationale Kardiovaskuläre Bildgebung...




