Rothberg | Arpad, der fremde Junge | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 133, 100 Seiten

Reihe: Sophienlust Extra

Rothberg Arpad, der fremde Junge

Sophienlust Extra 133 - Familienroman
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98986-243-2
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Sophienlust Extra 133 - Familienroman

E-Book, Deutsch, Band 133, 100 Seiten

Reihe: Sophienlust Extra

ISBN: 978-3-98986-243-2
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In diesen warmherzigen Romanen der beliebten, erfolgreichen Sophienlust-Serie ist Denise überall im Einsatz. Denise hat inzwischen aus Sophienlust einen fast paradiesischen Ort der Idylle geformt, aber immer wieder wird diese Heimat schenkende Einrichtung auf eine Zerreißprobe gestellt. Doch auf Denise ist Verlass. In der Reihe Sophienlust Extra werden die schönsten Romane dieser wundervollen Erfolgsserie veröffentlicht. Warmherzig, zu Tränen rührend erzählt von der großen Schriftstellerin Patricia Vandenberg.

Der Name Gert Rothberg steht für Spitzenqualität im Bereich des guten Unterhaltungsromans. Die Schriftstellerin Gert Rothberg hat dem Liebes- und dem Schicksalsroman ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. Sie schildert zu Herzen gehende, dramatische Handlungspassagen meisterhaft und zieht ihre Leserinnen und Leser von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann. Die Lektüre ihrer Romane ist ein einzigartiges Erlebnis. Nach zahlreichen Verwicklungen versteht es Gert Rothberg, ein brillantes, überzeugendes Happy End zu gestalten.
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Andrea von Lehn stand am Fenster. Sie hatte ihren Sohn Peterle auf dem Arm. »Warte nur, Peterle, wenn du erst laufen kannst, werden wir nicht so oft im Haus sein«, redete sie auf den Jungen ein. »Ich freue mich ja schon so darauf, mit dir im Tierheim von einer Box zur anderen zu marschieren. Alle werden deine Freunde sein. Unser alter Esel Benjamin, die Bärenmutter Isabell mit Taps und Tölpl, unsere zwei frechen Affen, der junge Esel und alle, die wir gerade bei Waldi & Co. aufgenommen haben.«

Der kleine Junge tapste seiner Mutter ins Gesicht und krähte vergnügt, als habe er sie verstanden.

»Die Hunde sind ja schon deine Freunde, Peterle. Severin und Waldi wetteifern miteinander, dich zu bewachen.« Andrea lauschte in die Diele hinaus. »Ich glaube, das Telefon läutet. Da müssen wir hingehen, Peterle. Dein Vati ist draußen.«

Etwas gleichgültig nahm Andrea den Hörer ab. Aber kaum hatte sie einige Sekunden gelauscht, da rötete sich ihr Gesicht vor Erregung. »Ja, ja, mein Mann wird sofort losfahren«, sagte sie. Rasch legte sie auf und lief zur Haustür. Während sie Peterle fest an sich drückte, rief sie mit einer Stimme, die weithin zu hören war: »Hans-Joachim! Hallo, Hans-Joachim, komm schnell!«

Der junge Tierarzt kam aus der Garage gelaufen. Er sah erschrocken aus.

»Was ist denn los, Andrea?«

Jetzt kam die Dogge Severin über den Hof geprescht und kläffte laut. Ihr folgten der Dackel Waldi mit seiner Frau Hexe. Die beiden hatten große Mühe, mit ihren kurzen krummen Beinen nicht allzu weit hinter der Dogge zurückzubleiben. Aber im Gekläff standen sie nicht hinter ihr zurück.

Dr. von Lehn hielt sich die Ohren zu und schimpfte: »Da soll man ein Wort verstehen.« Er lief zu seiner Frau. »Auch ohne das Gekläff der Hunde hättest du dich zu mir bemühen können«, tadelte Andrea. »Du wirst immer bequemer. Am liebsten hättest du es, wenn ich dir mit Peterle immerzu nachliefe, damit du nur ja keinen Schritt zu viel zu tun brauchst.«

»Ach, wäre das schön, Andrea.« Hans-Joachim legte den Arm um die Schultern seiner Frau. »Sehr aufregend scheint aber das, was du mir zu sagen hast, nicht zu sein, sonst würdest du nicht zuvor einen Streit mit mir anfangen.«

»Du forderst mich ja dazu heraus, wenn du vor der Garage stehen bleibst und nur schreist: ›Was ist denn los, Andrea?‹ Beeile dich, du musst sofort nach Maibach fahren. Dort ist etwas Schreckliches passiert. Knapp vor dem Bahnhof hat sich ein Pony den Huf in einer Schiene eingeklemmt. Bis jetzt konnte niemand das arme Tier befreien.«

»Was es nicht alles gibt«, sagte Hans-Joachim.

»Mein Gott, nun wundere dich doch nicht erst. Fahre lieber gleich los, Hans-Joachim«, sagte Andrea ungeduldig. »Die Leute dort sind in Todesangst, weil bald der nächste Zug kommt.«

Der junge Tierarzt lief ins Haus. »Den Führerschein werde ich mir ja wenigstens noch holen dürfen«, rief er zurück.

»Woran du noch denken kannst, wenn es brennt. Ich wäre jetzt einfach losgefahren.« Andrea folgte ihrem Mann ins Haus. Dort gab sie ihm einen Kuss. »Dann wird die Zeit dazu auch noch reichen.« Sie lachte.

»Ja, sogar zu einem zweiten Kuss.« Hans-Joachim küsste seine Frau, strich über Peterles Wange und lief hinaus.

»Aber fahre vorsichtig«, rief Andrea ihm nach. Sie stand jetzt mit Peterle auf der Schwelle und machte ein bedrücktes Gesicht. Früher hatte sie ihren Mann immer begleiten können, wenn etwas so Aufregendes passiert war. Aber seit es Peterle gab, musste sie doch mehr im Haus bleiben.

Jetzt ging Andrea ins Freigehege. Dort arbeitete der Tierpfleger Helmut Koster an der Bärenrutsche. Er lachte. »Wie oft werde ich die noch reparieren? Diese übermütige Gesellschaft kriegt alles kaputt. Da, sehen Sie, Taps und Tölpl warten nur darauf, dass ich fertig bin.«

»Ja, und sie machen sehr vorwurfsvolle Gesichter. Allem Anschein nach arbeiten Sie ihnen zu langsam.«

»Wohin ist der Herr Doktor gefahren?«, fragte Helmut Koster.

Andrea erzählte, was passiert war.

»Das kann bös ausgehen«, sagte der Tierpfleger. »Hoffentlich muss das Pony nicht erschossen werden.«

»Machen Sie mir doch nicht solche Angst. Es wäre furchtbar, wenn ein sonst gesundes Tier getötet werden müsste, weil es sich die Fessel verletzt hat.«

Andrea ging durch das Freigehege zurück zur Villa. Der Dackel Waldi begleitete sie. Severin stand jetzt beim Tor. Das tat er meistens, wenn sein Herr weggefahren war.

*

Dr. Hans-Joachim von Lehn fuhr nicht direkt nach Maibach. Knapp vor dem Kinderheim Sophienlust bog er von der Straße ab und benutzte einen holperigen Feldweg, der zum Rosshof führte. Der junge Tierarzt wollte den alten Janosch mitnehmen. Der wusste immer Rat, wenn es um Pferde ging. Nicht umsonst war er so lange Csiskós in der Puszta gewesen. Auf dem Rosshof hatte er zusammen mit der jungen Ilona auch schon einige Pferde ausgeheilt, denen die Tierärzte keine Chance mehr gegeben hatten.

Als Hans-Joachim von Lehn in die Senke hinunterfuhr, in der das Wohnhaus und die Nebengebäude des Rosshofes standen, sah er den alten Janosch von der Koppel kommen. Er hatte seinen schwarzen Filzhut in den Nacken geschoben, denn es war ein warmer Tag.

Aus dem Haus kam Ilona gelaufen. Sie hatte das dunkle Haar aufgesteckt und eine buntbekleckste Arbeitsschürze umgebunden. Ihre Lieblingsbeschäftigung war das Anstreichen aller Dinge, die irgendwie Farbe vertrugen. Auf diese Weise hatte sie aus dem Rosshof schon ein Schmuckkästchen gemacht. Janosch wich ihr aber oft aus. Er behauptete, eines Tages werde sie auch noch ihn anstreichen.

Ilona kam an den Wagen gelaufen und begrüßte den Tierarzt. Er und seine Frau gehörten zu ihren besten Freunden.

»Ich will Ihnen Janosch entführen, Ilona«, sagte Hans-Joachim von Lehn. »Es könnte sein, dass ich ihn sehr nötig brauche.« Er erzählte, was passiert war.

Janosch hatte das mitgehört. Er stieg sofort in den Wagen ein. »Dann aber schnell, Doktor«, drängte er, »damit wir dem armen Tier noch helfen können. Ich weiß doch, wie wenig Rat sich die Leute wissen, wenn einem Pferd etwas Unvorhergesehenes passiert.«

Jetzt machte Ilona genauso ein Gesicht wie zuvor Andrea. Als sie ins Haus zurückging, murmelte sie vor sich hin: »Ich verstehe schließlich auch etwas von Pferden. Aber ob ich mitfahren will, danach bin ich gar nicht gefragt worden.«

Ilona ging an eines der kleinen Fenster des Rosshofes. Und nun hellte sich ihr Gesicht wieder auf, als sie zur Pferdekoppel sah. Dort tummelten sich ihre Lipizzanerstute Sissy, der Hengst Sandor und drei andere Pferde, die sie im Augenblick in Pflege genommen hatte.

Es war schön, im Rosshof zu leben und zu wissen, dass sich so mancher Traum schon erfüllt hatte. Das gab Kraft zum Weiterschaffen.

Hans-Joachim von Lehn und der alte Janosch sahen schon von Weitem die Menschenansammlung beim Bahngleis. Man hatte das Pony also noch nicht befreien können.

Die Leute bildeten eine Gasse, als sie den Tierarzt erkannten.

Jetzt erst sah er, dass das Pony auf dem Boden lag und von mehreren Männern festgehalten wurde.

»Wir haben es erst vor ein paar Minuten geschafft, den Huf aus dem Gleis zu lösen«, sagte der eine der Männer.

Hans-Joachim von Lehn kniete neben dem Pony nieder. Er besah sich den schwer verletzten Huf. Dann blickte er zu Janosch, der neben ihm stand. »Das sieht bös aus.«

»Das Pony wird erschossen werden müssen. Die Fessel scheint auch verletzt zu sein«, sagte jemand. »Aber besser ein Gnadentod, als von der Lokomotive zermalmt zu werden. Das wäre ja das Schicksal des Pferdes gewesen, wenn wir es nicht rechtzeitig hätten befreien können.«

Das Gesicht des alten Janosch rötete sich. »Warum ruft ihr den Tierarzt, wenn ihr das Pony erschießen wollt? So ein Unsinn.« Er wandte sich an Dr. von Lehn. »Bringen wir es in den Rosshof. Wir pflegen es zusammen gesund, Doktor. Ich weiß da eine ganz gute Salbe für den Huf.«

Hans-Joachim von Lehn stand auf. Er sah sich um. »Und wem gehört das Pony?«

Die Leute zuckten die Schultern. Jemand sagte: »Das weiß kein Mensch. Auf einmal ist es auf dem Bahngleis entlanggeprescht, bis es in der Schiene hängen blieb.«

»Wenn es niemandem gehört, nehmen wir es erst recht mit«, sagte Janosch. Seine Stimme hörte sich erfreut an. Nun beugte er sich zu dem schimmelfarbenen Pony hinab. Es hatte eine dunkle Mähne und einen dunklen Schweif. Seine großen Augen sahen Janosch anklagend an.

Der alte Mann klopfte dem Pony den Hals. »Ja, ja, du hast Schmerzen. Und Angst hast du auch ausgestanden. Du bist ein ganz schönes Connemara-Pony. Und du siehst gepflegt aus.«

Die Stimme des alten Janosch ging im Rollen des herannahenden Zuges unter. Das Pony wollte aufspringen.

Nur mit ganzer Kraft konnten es die Männer auf den Boden drücken.

Jetzt donnerte der Zug vorbei. Alle sahen ihm nach, weil sie daran dachten, was geschehen wäre, wenn sie das Pony nicht zuvor hätten befreien können.

»Gehen Sie zum Bahnhof, Doktor«, sagte Janosch, »und rufen Sie Herrn von Schoenecker an. Er soll mit einem Wagen kommen. Aber nicht mit dem Pferdeanhänger, sondern mit einem richtigen Wagen, damit sich das Pony ausstrecken kann.« Jetzt kam es dem Alten doch etwas merkwürdig vor, dass er hier Befehle erteilte. Er sah den jungen Tierarzt betroffen an. »Entschuldigen Sie, Doktor, aber mir dauert das alles viel zu lang. Ich möchte das arme Tier bald behandeln können.«

»Recht hast, Janosch. Aber selbst wenn ich telefoniere, wird noch eine gute Weile vergehen, ehe mein Schwiegervater hier sein kann.«

»Aber er kommt. Er...



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