E-Book, Deutsch, Band 135, 100 Seiten
Reihe: Sophienlust Extra
Rothberg Drei suchen eine neue Heimat
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98986-245-6
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sophienlust Extra 135 - Familienroman
E-Book, Deutsch, Band 135, 100 Seiten
Reihe: Sophienlust Extra
ISBN: 978-3-98986-245-6
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Name Gert Rothberg steht für Spitzenqualität im Bereich des guten Unterhaltungsromans. Die Schriftstellerin Gert Rothberg hat dem Liebes- und dem Schicksalsroman ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. Sie schildert zu Herzen gehende, dramatische Handlungspassagen meisterhaft und zieht ihre Leserinnen und Leser von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann. Die Lektüre ihrer Romane ist ein einzigartiges Erlebnis. Nach zahlreichen Verwicklungen versteht es Gert Rothberg, ein brillantes, überzeugendes Happy End zu gestalten.
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»Ein Brief von Sascha«, rief Denise von Schoenecker verwundert aus, als sie den Umschlag mit der Handschrift ihres ältesten Sohnes, der in Heidelberg studierte, neben ihrem Teller entdeckte. »Sicher etwas Wichtiges. Sascha schreibt doch sonst nicht.«
Es war ein Samstagmorgen, und die Familie saß am Frühstückstisch. Es herrschte ausgesprochene Wochenendstimmung.
»Ziemlich dicker Brief«, stellte Henrik mit vollem Munde fest, während seine Mutter den Umschlag öffnete. »Aber geschrieben hat er kaum etwas«, fügte er hinzu, als er bemerkte, dass sein großer Bruder der Mutter einen Zeitungsausschnitt geschickt hatte, dem er nur einen Zettel beigefügt hatte.
Henrik war sieben Jahre alt und das jüngste Mitglied der Familie von Schoenecker. Der fünfzehnjährige Nick, eigentlich auf den schönen Namen Dominik getauft, reckte den Hals. Er wollte so schnell wie möglich erfahren, was Sascha geschrieben hatte.
Nur Alexander von Schoenecker, der Gutsherr von Schoeneich, fasste sich in Geduld und frühstückte seelenruhig weiter. Er wusste, dass seine Frau ihm ohnehin erzählen würde, was Sascha wollte.
Denise überflog zuerst die wenigen Zeilen von Sascha.
Liebe Mutter! Ich glaube, das wäre ein Fall für Sophienlust. Ob Du Dich einschalten könntest? Das kleine Mädchen und die beiden Hunde können einem leidtun. Herzliche Grüße an alle. Dein Sascha.
Denise griff nun nach dem Zeitungsausschnitt. Schweigend warteten ihre beiden Söhne. Sie verbargen ihre Neugier durchaus nicht. Nur die Einsicht, dass sie ihre Mutter durch Fragen nur am Lesen hindern würden, ließ sie still bleiben.
»Das ist wirklich ein Fall für Sophienlust«, sagte die schlanke dunkelhaarige Frau nun mit einem Lächeln. »Sascha hat einen Artikel entdeckt, in dem von einem Kind berichtet wird, das nach dem Tod seines Vaters in ein Heim gebracht wurde.«
»Ist es kein gutes Heim?«, unterbrach Nick seine Mutter aufgeregt. »Dann müssen wir das Kind sofort nach Sophienlust holen.«
»Das Heim ist sicherlich nicht schlecht, Nick. Aber das kleine Mädchen hat zwei große Hunde, die ihrem Vater gehörten. Da diese Hunde im Waisenhaus keinen Platz fanden, wurden sie verkauft.«
»Gemein«, warf Henrik ein. »Ist ihre Mutti auch gestorben? Hat sie sonst niemanden mehr?«
»Das Mädchen scheint ganz allein auf der Welt zu stehen. Es blieb wohl nichts anderes übrig, als das Kind und die beiden Hunde zu trennen. Aber niemand hatte damit gerechnet, dass die Hunde ihrem neuen Eigentümer ständig weglaufen würden. Sie fanden den Weg zum Kinderheim und standen bellend vor der Tür, sprangen durchs Fenster ins Haus und ruhten nicht, bis sie ihre kleine Herrin entdeckten. Das wiederholte sich so oft, dass der neue Besitzer vom Kauf der Tiere zurücktrat. Jetzt will natürlich niemand mehr die Hunde kaufen. Vor allem aber mag sich das kleine Mädchen nicht von ihren vierbeinigen Freunden trennen lassen.«
»Ist ja auch wirklich nicht nötig. Wir holen das Mädchen nach Sophienlust, Mutti. Andrea nimmt die beiden Hunde bestimmt gern im Tierheim auf.«
Nick bekam heiße Wangen. Sobald es um Sophienlust ging, war er ganz und gar bei der Sache. Denn ihm hatte seine Urgroßmutter, Sophie von Wellentin, den Herrensitz Sophienlust hinterlassen. Nach ihrem letzten Willen war dort eine Zufluchtsstätte für in Not geratene Kinder entstanden. Diese segensreiche Einrichtung wurde von seiner Mutter betreut, denn noch ging Nick zur Schule und konnte die Verantwortung für Sophienlust nicht selbst übernehmen.
Alexander von Schoenecker warf Nick einen liebevollen Blick zu. »Recht hast du, Nick. Ein Glück, dass wir nicht nur Kinder lieben, sondern auch Tiere.«
Denise ließ das Zeitungsblatt sinken. »Am besten, ich versuche mich mit dem Heim telefonisch in Verbindung zu setzen. Ich fürchte nämlich, dass das Kind recht unglücklich ist. Der Reporter hat die Meldung sicher nicht nur wegen der Treue der Hunde gebracht, die natürlich eine nette Story für seine Leser hergibt. Er empfindet wohl auch echtes Mitleid mit dem Kind, dem die Tiere nun doch wieder genommen werden müssen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass sich eine Familie findet, die bereit ist, ein Kind und zwei Hunde bei sich aufzunehmen. So etwas ist eben nur in Sophienlust möglich.«
»Und in Andreas Tierheim«, fügte Henrik hinzu, obwohl er eben dabei war, das dritte Honigbrötchen zu verzehren, und infolgedessen schon wieder einen vollen Mund hatte.
»Zuvor solltest du aber wenigstens frühstücken, sofern deine Söhne dir noch etwas übrig lassen, Isi«, schaltete Alexander sich fürsorglich ein. »Auf eine Viertelstunde wird es doch nicht ankommen.«
Denise aß und trank, doch ihre Gedanken beschäftigten sich mit dem Kind. Niemand wusste besser als sie, wie viel bitteres Leid ein Kinderherz erfahren konnte. Deshalb war sie fest entschlossen, dem kleinen Mädchen zu helfen.
»Dürfen wir nach Sophienlust radeln?«, fragte Nick. »Du kommst ja später auch hin und wirst uns erzählen, ob es klappt mit dem Kind.«
»Fahrt nur los«, entgegnete Denise. »Aber verbreitet nicht gleich, dass ein kleines Mädchen zu uns kommen soll. Vorläufig steht nämlich noch gar nichts fest.«
»Das schaffst du bestimmt, Mutti«, meinte Nick im Brustton der Überzeugung. »Es ist doch wahnsinnig wichtig, dass dem Kind geholfen wird. Den Hunden natürlich auch.«
Die beiden Buben standen auf und verließen das Haus. Sophienlust lag nicht allzu weit von Schoeneich entfernt. Nick und Henrik waren meist dort zu finden. Nick besaß in dem ehemaligen Herrenhaus von Sophienlust sogar ein eigenes Zimmer, in dem er gelegentlich übernachten durfte.
Denise leerte ihre Tasse und erhob sich.
»Ich mache inzwischen einen Rundgang durch die Stallungen, Liebste«, sagte ihr Mann. »Du wirst jetzt wohl eine Zeit lang am Telefon beschäftigt sein. Am Sonnabend ist es nicht leicht, die richtigen Leute zu erreichen.«
Denise schmiegte die Wange an die ihres Gatten. »Aber am Montag ist es vielleicht schon zu spät, Alexander. Ich muss versuchen, gleich zu helfen. Kindertränen sind die traurigsten Tränen.«
*
Die Leiterin des Waisenhauses war eine sympathische Frau von etwa vierzig Jahren. Sie wirkte ein wenig überarbeitet. Das große, etwas altmodische Gebäude, in dem das Heim untergebracht war, hallte vom fröhlichen Lärm spielender Kinder wider. Eine gedrückte Atmosphäre schien hier nicht zu herrschen.
»Frau von Schoenecker?«, vergewisserte sich die Leiterin, als Denise ihr gegenübersaß.
»Ja, die bin ich, liebe Frau Weiß. Ich habe mich der Einfachheit halber sofort in meinen Wagen gesetzt. Jetzt können wir die Angelegenheit persönlich besprechen.«
Irene Weiß sah Denise dankbar an. »Ich bin froh, dass Sie da sind, Frau von Schoenecker. Durch einen glücklichen Zufall konnte ich eben telefonisch mit dem zuständigen Beamten des Jugendamtes sprechen. Sophienlust ist ihm bekannt. Es bestehen absolut keine Bedenken, Josi Unger zu Ihnen zu schicken. Nur wegen der beiden schrecklichen Köter mache ich mir Sorgen. Es sind zwei große Jagdhunde, richtige Ungetüme. Es kann unmöglich Ihr Ernst sein, dass Sie diese Tiere mitnehmen wollen, nur um Josi eine Freude zu bereiten.«
Denise lächelte. »Sophienlust liegt auf dem Lande. Bei uns gibt es eine Menge Tiere. Meine Tochter, die mit einem Tierarzt verheiratet ist, wird die Hunde in das von ihr errichtete Tierheim aufnehmen. Ich habe bereits mit ihr darüber gesprochen.«
Irene Weiß schaute Denise zweifelnd an. »Sie haben schon eine verheiratete Tochter?«, meinte sie unsicher.
Denise lachte.
»Sie meinen gewiss, dazu sei ich noch zu jung. Damit haben Sie nicht ganz unrecht. Unsere beiden älteren Kinder stammen aus der ersten Ehe meines Mannes. Sascha ist Student. Durch ihn erhielt ich die Zeitungsnotiz über das Kind und die beiden Hunde. Andrea hat gleich nach der Schule geheiratet und ist bereits Mutter eines kleinen Jungen. Ihr Wohnsitz ist ganz in der Nähe von Sophienlust. Falls Josi sich nicht sofort von ihren Hunden trennen will, darf sie zunächst bei meiner Tochter wohnen.«
»In einem öffentlichen Heim kann man unmöglich für jedes Kind eine Ausnahme machen«, versetzte die Heimleiterin seufzend. »Sie sind zu beneiden, dass Sie nach eigenem Ermessen handeln dürfen.«
»Sophienlust ist das Vermächtnis einer gütigen alten Dame. Wir verfügen über genügend Platz und glücklicherweise auch über ein stattliches Vermögen, das zum Nutzen der Kinder verwendet werden kann.«
»Schade, dass ich nicht mit meinen siebzig Schützlingen zu Ihnen übersiedeln kann«, erwiderte Frau Weiß bedauernd.
»Alle könnten wir in Sophienlust auch nicht aufnehmen. Da müssten wir anbauen. Aber wenn sich ein Notfall ergeben sollte, können Sie sich jederzeit an mich wenden.«
»Josi Unger ist ein echter Notfall«, erklärte Frau Weiß ernst. »Sie konnte sich vom ersten Tag an nicht bei uns einleben. Die Mutter ist bei der Geburt des kleinen Mädchens gestorben. So zog der Vater das Baby allein auf. Er war Maler und Grafiker. In der Hauptsache beschäftigte er sich mit der Illustration von Kinder- und Jugendbüchern. Vater und Tochter bewohnten ein winziges Haus weit außerhalb der Stadt. Die großen Hunde waren Josis beste Freunde und Spielgefährten. Hier im Heim, unter völlig veränderten Bedingungen, fühlt sich das Kind unglücklich und sehnt sich nach dem toten Vater. Dass man die Hunde weggab, konnte die arme Josi überhaupt nicht begreifen.«
»Eine traurige Geschichte. Wo sind die Hunde jetzt? Ich bin darauf vorbereitet, Josi und ihre Hunde mitzunehmen, wenn Sie mir die Erlaubnis dazu...




