Rothberg | Unerwünscht und ungeliebt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 143, 100 Seiten

Reihe: Sophienlust Extra

Rothberg Unerwünscht und ungeliebt

Sophienlust Extra 143 - Familienroman
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98986-253-1
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Sophienlust Extra 143 - Familienroman

E-Book, Deutsch, Band 143, 100 Seiten

Reihe: Sophienlust Extra

ISBN: 978-3-98986-253-1
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In diesen warmherzigen Romanen der beliebten, erfolgreichen Sophienlust-Serie ist Denise überall im Einsatz. Denise hat inzwischen aus Sophienlust einen fast paradiesischen Ort der Idylle geformt, aber immer wieder wird diese Heimat schenkende Einrichtung auf eine Zerreißprobe gestellt. Doch auf Denise ist Verlass. In der Reihe Sophienlust Extra werden die schönsten Romane dieser wundervollen Erfolgsserie veröffentlicht. Warmherzig, zu Tränen rührend erzählt von der großen Schriftstellerin Patricia Vandenberg. »Tante Isi, Tante Isi!«, schallte es durch das Kinderheim Sophienlust. Im ersten Stock wurde eine Tür geöffnet. Denise von Schoenecker trat auf den Flur, ging bis zum Treppengeländer und sah in die Halle hinab. »Wo brennt es denn, dass ihr so schreit?« Sie strich sich über das schwarze Haar und lachte. Ihr Sohn Henrik kam die Treppe heraufgestürmt. »So komm doch schon, Mutti, sonst versäumst du ja den Märchenonkel. Schwester Regine hat schon das Radio eingeschaltet. Gleich gehts los.« Er kehrte wieder um, noch bevor er die Mutter erreicht hatte. »Ja, beeile dich, Tante Isi«, riefen die anderen Kinder in der Halle. Dann verschwanden sie im Aufenthaltsraum. Denise von Schoenecker sah auf die Uhr und lächelte. Nun, es dauerte noch zehn Minuten, bis der Märchenonkel vom Stuttgarter Rundfunk seine Geschichte erzählen würde, aber natürlich waren die Kinder schon ungeduldig und in gespannter Erwartung. Als Denise den Aufenthaltsraum betrat, legten einige der zwanzig Kinder den Finger auf den gespitzten Mund. Denise nickte. Ja, sie wollte leise sein. Schnell setzte sie sich an einen der Tische.

Der Name Gert Rothberg steht für Spitzenqualität im Bereich des guten Unterhaltungsromans. Die Schriftstellerin Gert Rothberg hat dem Liebes- und dem Schicksalsroman ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. Sie schildert zu Herzen gehende, dramatische Handlungspassagen meisterhaft und zieht ihre Leserinnen und Leser von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann. Die Lektüre ihrer Romane ist ein einzigartiges Erlebnis. Nach zahlreichen Verwicklungen versteht es Gert Rothberg, ein brillantes, überzeugendes Happy End zu gestalten.
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»Tante Isi, Tante Isi!«, schallte es durch das Kinderheim Sophienlust.

Im ersten Stock wurde eine Tür geöffnet. Denise von Schoenecker trat auf den Flur, ging bis zum Treppengeländer und sah in die Halle hinab. »Wo brennt es denn, dass ihr so schreit?« Sie strich sich über das schwarze Haar und lachte.

Ihr Sohn Henrik kam die Treppe heraufgestürmt. »So komm doch schon, Mutti, sonst versäumst du ja den Märchenonkel. Schwester Regine hat schon das Radio eingeschaltet. Gleich gehts los.«

Er kehrte wieder um, noch bevor er die Mutter erreicht hatte.

»Ja, beeile dich, Tante Isi«, riefen die anderen Kinder in der Halle.

Dann verschwanden sie im Aufenthaltsraum.

Denise von Schoenecker sah auf die Uhr und lächelte. Nun, es dauerte noch zehn Minuten, bis der Märchenonkel vom Stuttgarter Rundfunk seine Geschichte erzählen würde, aber natürlich waren die Kinder schon ungeduldig und in gespannter Erwartung.

Als Denise den Aufenthaltsraum betrat, legten einige der zwanzig Kinder den Finger auf den gespitzten Mund. Denise nickte. Ja, sie wollte leise sein. Schnell setzte sie sich an einen der Tische.

Da klang auch schon die sympathische Stimme von Eugen Luchs, dem Märchenonkel, aus dem Rundfunkgerät.

»Meine lieben kleinen Freunde, hier bin ich nun wieder: Habt ihr schon auf mich gewartet?«

Ein vielstimmiges Ja schallte durch den Aufenthaltsraum des Kinderheims. Die kleine Karin drehte sich zu Schwester Regine um und fragte: »Kann das der Märchenonkel jetzt hören?«

Schwester Regine schüttelte den Kopf. »Nein, hören kann er es nicht, aber er weiß ja, wie sehr ihr euch auf ihn freut. Pass auf, er spricht schon weiter.«

»Ich hatte euch das letzte Mal versprochen, heute von einem ganz großen, schweren und plumpem Tier zu erzählen. Von einem Elefanten. Und zwar von einem besonders gescheiten. Er hieß Timbo und war noch sehr jung. Ich habe ihn im Zirkus gesehen. Damals war ich noch ein kleiner Junge und lebte auf der Hallig Hooge. Davon habe ich euch ja schon erzählt. Nun, wenn man jahraus, jahrein auf einer so einsamen Insel mitten im großen Wasser lebt, dann sehnt man sich oft nach dem Festland. Es ist dann immer ein ganz gewaltiges Ereignis, wenn man die Insel einmal verlassen darf. Wird einem aber gar noch ein Zirkusbesuch versprochen, dann ist man noch zappeliger als vor Weihnachten.

Ja, ich konnte schon tagelang vorher kaum noch schlafen, so sehr freute ich mich auf die Tiere im Zirkus. Und als es dann endlich so weit war, gefiel mir am besten der kleine Elefant Timbo.«

Seinem Elefantenalter nach brauchte er noch gar nicht zur Schule zu gehen, aber er war trotzdem ein Rechenkünstler. Darauf schien er sehr stolz zu sein. Das sah man ihm an, als er in die Manege kam. Vor dem roten Samtvorhang mit den goldenen Tressen blieb er stehen und trompetete laut zu den vielen Kindern auf den Bänken hin. Dann trottete er in die Mitte der Manege. Seine Mutter Rani folgte ihm mit dem Mann, der Timbo dressiert hatte. Er hieß Fernando.

Alle Kinder rückten schon unruhig auf den Plätzen hin und her. Sie waren schrecklich neugierig auf Timbos Rechenkünste.

Der Elefant stand jetzt seelenruhig vor Fernando und sah ihn an.

Fernando sagte: »So, Timbo, nun zeige den Kindern, dass du wirklich ein Rechenkünstler bist. Wie viel ist eins und eins?«

Timbo sah aus, als würde er gleich vor Stolz platzen. Seine kleinen Augen verschwanden beinah zwischen den Falten seiner wulstigen Haut. Er stampfte zweimal mit seinem dicken Fuß in den Sand der Manege.

Wir Kinder freuten uns, jubelten und klatschten in die Hände.

Jetzt rief Fernando: »Timbo, wie viel ist zwei und zwei?«

Timbo konnte es kaum erwarten, auf seine Art zu antworten. Er stampfte viermal mit dem Fuß auf, dass der Sand nur so wirbelte.

Seine Mutter Rani stand still neben ihm. Sie beobachtete ihn mit besorgten Augen, wie jede Mutter das tut, wenn ihr Kind eine Prüfung zu bestehen hat.

Jetzt stellte Fernando dem jungen Elefanten die nächste Aufgabe. »Timbo, pass jetzt gut auf, ganz besonders gut. Jetzt kommt das Einmaleins«, Fernando sah uns Kinder an und sagte stolz: »Ja, ja, Kinder, ihr könnt es glauben, Timbo kann multiplizieren. Da staunt ihr aber, was?« Er sah den jungen Elefanten wieder streng an und fuhr fort: »Also, Timbo, wie viel ist ein mal eins?«

Timbo stampfte einmal fest auf. Dazu machte er ein sehr lässiges Gesicht. So, als wollte er sagen: Was ist das schon für mich?

Nun fragte Fernando: »Timbo, wie viel ist zwei mal zwei?«

Timbo hob den Fuß. Aber er ließ ihn in der Luft hängen, zögerte. Er schien jetzt nachdenken zu müssen.

Das erschreckte uns Kinder. Wir fühlten mit Timbo. Zu gut wussten wir, wie peinlich es in der Schule war, wenn man stecken blieb.

Aber jetzt erlöste Timbo uns aus unseren Ängsten. Er stampfte viermal mit dem Fuß in den Sand.

Und das stimmte ja, denn zwei mal zwei ist vier.

Fernando tätschelte Timbos runzeligen Rücken. »Sehr gut, Timbo. Und nun weiter! Die Kinder wollen ja noch mehr von deinen Rechenkünsten sehen. Timbo, zeige uns, wie viel drei mal drei ist. Hast du verstanden? Drei mal drei.«

Timbo hob den Fuß. Er schaute seine Mutter an, danach Fernando. Dann blickte er hilfeflehend zu uns Kindern auf den Bänken.

Wir pressten aufgeregt die Hände aneinander. Warum zögerte Timbo so lange? Hatte er vergessen, wie viel drei mal drei ist?

Doch jetzt begann er zu stampfen. Endlich! Wir zählten mit. Eins – zwei -drei vier – fünf – sechs. Danach blieb Timbos Fuß am Boden.

Wir Kinder sprangen von den Bänken auf. Wir schrien: »Timbo, falsch, falsch. Schnell, du musst noch dreimal stampfen.«

Doch Timbo verstand uns nicht. Wir sahen ihm an, dass er sehr aufgeregt war.

Fernando schüttelte den Kopf. »Aber Timbo, hast du mich falsch verstanden? Ich habe gefragt: Wie viel ist drei mal drei?« Fernando sprach nun die Zahlen noch deutlicher aus. »Also los, Timbo, noch einmal.«

Timbo sah immer unglücklicher aus. Gar nicht mehr wie ein Wunderkind oder wie ein Rechenkünstler. Eher wie ein Schüler, der von seinem Lehrer getadelt wurde.

Aber jetzt begann er zu stampfen. Wieder zählten wir Kinder mit. Diesmal sehr laut. »Eins – zwei – drei – vier – fünf – sechs. Weiter Timbo, weiter. Noch dreimal.«

Timbo schüttelte den Kopf. Er sah sich vorwurfsvoll um und wollte darauf beharren, dass drei mal drei sechs ist.

Fernando war sehr enttäuscht. Er rief uns Kindern zu: »Sagt Timbo, wie viel drei mal drei ist.«

Ein Weilchen blieb es mucksmäuschenstill unter dem Zirkuszelt, dann schrien wir im Chor: »Sechs. Drei mal drei ist sechs.«

Fernando sah sich verblüfft um. Er schien an unseren Rechenkünsten zu zweifeln. Doch dann schlug er sich an die Stirn. Endlich hatte er begriffen, dass wir Timbo nur aus der Patsche helfen wollten.

Timbo hatte das schneller erfasst als Fernando. Er trompetete so glücklich durch das Zirkuszelt, dass es zu wackeln begann. Und seine Mutter Rani unterstützte ihn dabei. »Wir Kinder verstanden das Dankeschön des Rechenkünstlers Timbo. Und wir waren noch glücklicher als er, denn es macht Freude, jemandem zu helfen, statt ihn auszulachen. Denkt doch einmal darüber nach, ob das stimmt.«

Während die Kinder von Sophienlust noch ganz gebannt von der neuen Geschichte des Märchenonkels auf ihren Plätzen saßen, hatte sich Schwester Regine erhoben. Sie ging auf den Zehenspitzen zur Tür.

Dort stand ein kleines Mädchen, das die Kinderschwester nicht kannte. Sie zweifelte, dass es nur deshalb an der Tür stehen geblieben war, weil es ebenfalls den Märchenonkel hatte hören wollen. Das Kind sah verängstigt aus.

Es war ein allerliebstes Mädchen. Es hatte kastanienbraunes Haar, zur Stirn hin kurz geschnitten, im Nacken aber lang und mit einer roten Schleife zusammengebunden. Rot war auch das kurze Trägerröckchen über der weißen Bluse.

Blaugraue Augen sahen Schwester Regine scheu an. Die junge Frau legte den Arm um das Mädchen und fragte: »Wer bist du denn?«

Das Mädchen schluckte zweimal, bevor es antwortete: »Ich bin die Sonny.«

Schwester Regine lächelte. »Dann heißt du wohl Sonja?«

Das Mädchen kam zu keiner Antwort. Die Kinder hatten es jetzt entdeckt und kamen neugierig an die Tür gelaufen. Mit ihnen Denise von Schoenecker. »Haben wir Besuch bekommen, Schwester Regine?«, fragte sie und neigte sich zu dem Mädchen hinab. »Wer bist du und wie heißt du?«

»Sie heißt Sonny«, sagte Schwester Regine, als sie sah, dass das Kind unter den vielen neugierigen Blicken immer verschüchterter wurde.

Doch jetzt holte die Kleine tief Luft und sagte stolz: »So hat mich mein Vati immer gerufen.«

»Aber sicher hast du noch einen anderen Namen. Ich möchte ihn gern wissen.« Das sagte Denise von Schoenecker in ihrer weichen, mütterlichen Art. Sie spürte, dass man dieses Kind nicht noch mehr verängstigen durfte. Es sah ohnehin aus, als wollte es jetzt weglaufen.

»Ja, ich heiße noch Rotter. Und ich bin fünf Jahre alt.«

Die Kinder tuschelten miteinander. Einige waren Sonny ganz nahe auf den Leib gerückt. Deshalb sagte Denise leise: »Schwester Regine, ich nehme Sonny mit. Beschäftigen Sie die Kinder inzwischen.« Sie nahm das Mädchen an die Hand und führte es in ihr Zimmer. Dort drückte sie es in einen Sessel. »Komm, Sonny, sei jetzt ganz lieb und erzähle mir, woher du kommst und was du hier bei uns willst.«

»Hierbleiben will ich.« Das kam wie aus der Pistole geschossen aus Sonnys Mund.

Denise lächelte. »Bei uns hier in Sophienlust? Ich hätte nichts...



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