E-Book, Deutsch, Band 141, 100 Seiten
Reihe: Sophienlust Extra
Rothberg Wenn du noch eine Schwester hast
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98986-251-7
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sophienlust Extra 141 - Familienroman
E-Book, Deutsch, Band 141, 100 Seiten
Reihe: Sophienlust Extra
ISBN: 978-3-98986-251-7
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Name Gert Rothberg steht für Spitzenqualität im Bereich des guten Unterhaltungsromans. Die Schriftstellerin Gert Rothberg hat dem Liebes- und dem Schicksalsroman ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. Sie schildert zu Herzen gehende, dramatische Handlungspassagen meisterhaft und zieht ihre Leserinnen und Leser von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann. Die Lektüre ihrer Romane ist ein einzigartiges Erlebnis. Nach zahlreichen Verwicklungen versteht es Gert Rothberg, ein brillantes, überzeugendes Happy End zu gestalten.
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Frühling in Sophienlust. Seit Tagen wehte ein lauer Wind über die Hügel und nahm die letzten Reste des winterlichen Schnees mit sich. Auf den Wiesen wagten sich die ersten Gänseblümchen und Schlüsselblumen hervor, in der lauen Luft zwitscherten Meisen und Finken ihr Hochzeitslied.
Auch in den Köpfen der Kinder spukte der Frühling herum. Auf einmal fanden es die meisten unerträglich, sich mit der langweiligen Schule herumzuplagen. Viel lieber nutzten sie jede nur denkbare Gelegenheit, im Freien herumzutollen. Es erging ihnen nicht anders als den Hunden oder den Ponys auf der nahe gelegenen Koppel.
»Ein Glück, dass die Ferien vor der Tür stehen«, sagte Frau Rennert, die Heimleiterin, zu Denise von Schoenecker. »Die Kinder sind kaum noch zu bändigen.«
Denise, der Fremde immer kaum glauben konnten, dass sie bereits einen sechzehnjährigen Sohn hatte, lächelte weich. »Seien Sie ehrlich, liebe Frau Rennert. Waren wir denn anders?«
»Glücklicherweise nicht«, gab diese mit einem humorvollen Augenzwinkern zurück. »Die Kinder erinnern uns an unsere eigene Jugend und lassen uns das Alter vergessen. Trotzdem werde ich die Rasselbande heute Nachmittag ein bisschen beschäftigen. Sie sollen im Wald Palmkätzchen schneiden. Dabei können sie sich austoben.«
Denise nickte zustimmend. »Eine glänzende Idee.« Sie streifte ihre Handschuhe über. »Ich fahre jetzt nach Maibach. Der Zahnarzt ist wieder einmal fündig«, setzte sie mit einer komischen kleinen Grimasse hinzu. »Am Spätnachmittag komme ich noch einmal vorbei und nehme Nick und Henrik mit. Für die beiden wird es kein Opfer sein, über Mittag in Sophienlust zu bleiben.«
»Besonders dann nicht, wenn es wie heute als Nachtisch Zitronencreme gibt«, meinte Frau Rennert. Denise lachte. »Unser Henrik weiß Magdas Kochkünste zu schätzen. Nick aber auch. Er lässt es sich nur nicht so anmerken.«
Dominik, genannt Nick, und Henrik waren die Söhne von Denise. Dominik, der ältere der beiden, entstammte ihrer ersten Ehe mit Dietmar von Wellentin, während Henrik ein Sohn Alexander von Schoeneckers war, den sie in zweiter Ehe geheiratet hatte.
Auch Alexander war verwitwet gewesen, als er Denise geheiratet hatte. Er hatte zwei Kinder aus erster Ehe in die zweite mitgebracht, Sascha und Andrea, die jetzt beide schon erwachsen waren. Sascha studierte in Heidelberg, Andrea war mit dem Tierarzt Dr. Hans Joachim von Lehn verheiratet. Das junge Ehepaar hatte schon selbst einen Jungen, den kleinen Peterle, der von allen nach Strich und Faden verwöhnt wurde.
Nick ging noch ins Gymnasium. Eines Tages würde Sophienlust ihm gehören. So hatte es seine Urgroßmutter Sophie von Wellentin bestimmt. Laut ihrem Testament war der große Besitz in eine Stiftung umgewandelt worden, die den Zweck hatte, in Not geratenen Kindern eine neue Heimat zu geben.
Bis zu Nicks Volljährigkeit wurde Sophienlust von Denise verwaltet. Ihre starke Persönlichkeit hatte es verstanden, aus einem landläufigen Kinderheim eine Oase des Glücks zu machen.
Es verging nur selten ein Tag, an dem Denise nicht von Schoeneich, dem Gut der Familie von Schoenecker, nach Sophienlust kam, um nach dem Rechten zu sehen. Ihr ganzes Herz hing an Sophienlust. So erging es jedoch allen, die damit zu tun hatten. Die Arbeit dort war eben mehr als ein Broterwerb. Sie war eher eine Aufgabe, der man sich mit Leib und Seele verschrieben hatte und von der man nicht mehr loskam.
Als Frau Rennert oder Tante Ma, wie sie von den Kindern liebevoll genannt wurde, nach dem Mittagessen ihren Vorschlag verkündete, wurde dieser von allen Seiten mit großer Begeisterung aufgenommen.
»Wir gehen gleich los«, sagte Fabian Schöller, ein zehnjähriger Junge.
»Erst werden aber noch die Schularbeiten gemacht«, mahnte Frau Rennert. Und als hier und da ein Flunsch gezogen wurde, meinte sie: »Wenn ihr euch beeilt, könnt ihr ganz bequem bis vierzehn Uhr fertig werden.«
Im Aufenthaltsraum war es während der nächsten Stunde mucksmäuschenstill. Sämtliche Kinder beugten sich über ihre Hefte oder waren in ein Buch vertieft.
»Uff«, sagte Angelika Langenbach nach einer Weile zu ihrer Freundin und schraubte ihren Füllfederhalter zu. »Das wäre geschafft. Bist du auch schon so weit?«
Pünktchen, ein hübsches dreizehnjähriges Mädchen mit zahllosen Sommersprossen, die ihrem feinen Gesicht einen besonderen Reiz verliehen, murmelte: »Gleich. Nur noch den letzten Satz. Die Übersetzung hatte es wieder einmal in sich.« Sie schielte hinüber zu Nick, dem ihre besondere Zuneigung galt. Dieser hatte bereits sein Buch zugeklappt und lächelte zurück.
»Ich habe eine Idee«, meinte er. »Wie wär’s, wenn wir auf dem Rückweg bei Andrea hineinschauen?«
»Fein«, stimmte Henrik seinem grollen Bruder zu. »Andrea hat bestimmt Kuchen für uns.«
Henrik war, wie schon gesagt, ein ausgesprochenes Leckermaul und musste sich deshalb manche Neckerei gefallen lassen. Der Hauptanziehungspunkt bei Andrea von Lehn war jedoch für die meisten Kinder nicht der zweifellos gute Kuchen, den das Hausmädchen Marianne zu backen pflegte, sondern das Tierheim Waldi & Co. Neuerdings lief diesem allerdings sehr häufig der kleine Peter den Rang ab.
Das Tierheim trug seinen Namen nach dem Langhaardackel Waldi, der sich seiner Rolle als Chef des Ganzen sehr wohl bewusst war. Neben Waldi gab es noch die Dogge Severin und den Schäferhund Munko sowie die vielfältigsten Tiere. Zu den Dauergästen im Tierheim zählten unter anderem ein Esel, ein junger Schimpanse und das Reh Bambi.
Pünktchen und Angelika liefen nach den Schularbeiten noch in die Küche, um sich von der Köchin Magda ein paar Zuckerstückchen für Billy, das Liliputpferdchen, geben zu lassen.
»So, ihr wollt Palmkätzchen holen?«, meinte Magda. »Dann bringt mir auch ein paar für den Herrgottswinkel in meiner Stube mit.«
Pünktchen nickte. »Wir vergessen dich schon nicht, Magda.«
Die beiden Mädchen rannten hinaus in den Park, wo sich die anderen Kinder bereits versammelt hatten. Mit von der Partie waren noch Barri, der Bernhardiner und Anglos, Fabians Dogge.
Für die Hunde war der Spaziergang ein köstlicher Spaß. Bis vor Kurzem hatte noch Schnee gelegen, der weite Ausflüge unmöglich gemacht hatte. Nun genossen die Hunde es, nach Herzenslust im Wald herumzutoben, im Unterholz zu stöbern und zu versuchen, alle die herrlichen Gerüche zu identifizieren.
Besonders Barri, der immer ein paar Nasenlängen voraus war, konnte sich gar nicht genug freuen. Eine Zeit lang folgte er der Spur eines Hasen, doch dann lenkte ihn eine neue Fährte ab. Ein Reh musste hier seinen Wechsel haben, Barri schnüffelte am Boden herum und hob dann witternd seinen Kopf.
Anglos folgte ihm in einiger Entfernung. Die Dogge war noch jung und sehr verspielt. Ihr machte es am meisten Spaß, wenn Fabian Äste oder Tannenzapfen warf und sie diese apportieren konnte. Sie wurde nicht müde, dieses Spiel immer wieder zu wiederholen.
Das vorläufige Ziel der Kinder war der kleine Waldsee, an dessen Ufer zahlreiche Weiden standen. Hier machten die Kinder auch erst einmal halt, um unter fachmännischer Leitung die Kätzchen abzuschneiden. Die Buben kletterten dazu auf die Weiden, während die Mädchen die Zweige bündelten.
Barri war es inzwischen langweilig geworden. Er kümmerte sich nicht mehr um die Kinder, sondern trabte durch den Hochwald, bis er zu einer kleinen, von dichten Bäumen umschlossenen Lichtung kam. Dort endete auch ein schmaler ehemaliger Holzabfuhrweg.
Der Hund warf nur einen flüchtigen Blick auf die Reifenspuren, die sich deutlich auf dem weichen Boden abzeichneten. Etwas ganz anderes erregte seine Aufmerksamkeit. Er stellte lauschend seine Ohren hoch. Was waren das doch für Laute, für seltsame Geräusche in dieser friedlichen Umgebung? Sie hatten so gar nichts mit den Stimmen des Waldes zu tun.
Barri entschloss sich, dies auf der Stelle zu untersuchen. Er wandte sich nach rechts und lief leichtfüßig um die Lichtung herum. Dort, wo die Zweige der Fichten fast bis auf den Boden herunterhingen, stand ein Auto. Der Motor lief, aber sonst regte sich nichts.
Barri schnupperte. Natürlich – Benzingestank, ein Gräuel für eine empfindliche Hundenase.
Eigentlich hätte ich das gleich wissen müssen, dachte Barri. Da er jedoch ziemlich neugierig war, ließ er es nicht bei dieser Erkenntnis bewenden. Er umkreiste das Fahrzeug, stemmte sich mit den Pfoten hoch und sah durch die Scheiben. Das, was er entdeckte, war sogar für einen intelligenten Hund wie ihn einigermaßen befremdlich.
Barri war gewöhnt, dass Leute am Steuer saßen und verschiedene Knöpfe drückten, wodurch sich das Fahrzeug auf geheimnisvolle Art und Weise fortbewegte. Dabei redeten sie oft, lachten oder schimpften, aber auf jeden Fall taten sie etwas. Doch hier herrschte völlige Stille. Auf dem Fahrersitz hockte in sich zusammengesunken eine weibliche Gestalt. Dicht an sie geschmiegt ein Kind, das von den Armen der Frau fest umschlossen wurde.
Sehr mysteriös das Ganze, fand Barri, und auf irgendeine Weise sogar erschreckend. Er stieß mehrmals einen kurzen bellenden Laut aus, in einiger Entfernung spitzte Anglos die Ohren. Er wusste, Barri hatte etwas Interessantes entdeckt. Deshalb gab es für ihn kein langes Überlegen. Nichts wie hin!
Anglos ließ den Tannenzapfen fallen, den er gerade seinem kleinen Herrn hatte bringen wollen und preschte durch das Gebüsch. Fast hätte er dabei noch Fabian umgerannt, der im letzten Moment gerade noch zur Seite springen konnte.
»Na, so was!«, stieß Fabian empört hervor. »Was fällt denn dir ein, Anglos? Komm sofort zurück!«
Anglos, im Allgemeinen...




