Rowland | Der Geschmack von Gold und Eisen | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 608 Seiten

Reihe: Der Geschmack von Gold und Eisen

Rowland Der Geschmack von Gold und Eisen


Neuauflage 2024
ISBN: 978-3-7569-9973-6
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 608 Seiten

Reihe: Der Geschmack von Gold und Eisen

ISBN: 978-3-7569-9973-6
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kadou Mahisti, der schüchterne Prinz von Ara?t, ist überfordert, als seine Schwester eine Tochter zur Welt bringt. Noch in derselben Nacht wird in eine der Gilden des Königreichs eingebrochen. Kadou muss sich mit einem mächtigen Botschafter anlegen, der zugleich der Vater der neugeborenen Prinzessin ist. Die Auseinandersetzung endet für Kadou mit einer Demütigung. Um seine Loyalität gegenüber der Sultanin zu beweisen, erklärt sich Kadou bereit, den Einbruch aufzuklären. Ihm zur Seite steht sein neu ernannter Leibwächter, der gutaussehende Evemer. Doch der begegnet Kadou nur mit kalter Feindseligkeit. Während die beiden einer Verschwörung auf die Spur kommen, die nicht nur das Königshaus, sondern die Stabilität des gesamten Reiches gefährdet, kommen sie sich langsam näher. Beide müssen lernen, über sich hinauszuwachsen, um ihr Zuhause zu schützen und ihrer neuen Liebe eine Chance zu geben.

ALEXANDRA ROWLAND hat bereits mehrere queere Fantasy-Bücher verfasst, von denen Der Geschmack von Gold und Eisen erstmals auf Deutsch veröffentlich wird. Zusammen mit Freya Marske und Jennifer Mace hostet Alexandra den Hugo-nominierten Podcast Be the Serpent, in dem sie über Medien und die Rolle von Fanfiction im literarischen Diskurs reden. Alexandra hat einen Abschluss in Weltliteratur, Mythologie und Volkskunde. Ihre Kindheit verbrachte sie auf einem Segelschiff auf den Bahamas, zurzeit lebt sie in den USA.
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1

Mit fünfundzwanzig Jahren wurde Prinz Kadou zu seiner großen Erleichterung Onkel.

Die Zeit, in der seine Schwester schwanger war, hatte er in größter Angst und Sorge verbracht. Am Ende verlief das Ganze jedoch so alltäglich wie nur möglich, von der erfreulichen Tatsache mal abgesehen, dass die fragliche Nichte ihn in der Thronfolge eine Stufe weiter nach unten beförderte.

In der Nacht von Zelihas Niederkunft betete Kadou stundenlang inbrünstig im Tempel, bis die gute Nachricht endlich mit dem Krachen von Feuerwerkskörpern verkündet wurde – ein Schauer farbiger Pracht –, und Kadou das Gefühl hatte, zum ersten Mal seit Monaten wieder durchatmen zu können. Vielleicht sogar seit Jahren … als würde er nach einer stürmischen Nacht auf See das Licht eines Leuchtturms erspähen.

Frieden und Erleichterung zu empfinden war allerdings ein Luxus, den sich auch Prinzen nicht länger als ein paar Augenblicke leisten konnten: Auf Prinzessin Eynes Geburt folgten tagelange Festlichkeiten – für den Hof, für die Bewohner der Hauptstadt, den Rest des Königreichs und für die vielen Hundert Kahyalar, die dem Palast und der Regierung treu und hingebungsvoll dienten. Da Kadous Schwester, die Sultanin, indisponiert war und ihre eigene Chance auf etwas Frieden genüsslich ausnutzte, fiel ihm die Aufgabe, das Haus Mahisti gegenüber der Bevölkerung zu vertreten, ebenso zu wie ein größerer Teil der täglichen Regierungsgeschäfte. Darunter fiel auch ein äußerst alarmierender Einbruch in der Schiffsbauergilde in der Nacht der Geburt selbst. Außerdem wurde ein paar Tage später eine wohlhabende Händlerin aus Oissos dabei erwischt, wie sie eines der blasphemischsten Verbrechen beging, die Kadou sich vorstellen konnte. Zu guter Letzt waren da noch die verstörenden Wutausbrüche von Siranos gewesen, dem leiblichen Vater der Prinzessin. Diese Ausbrüche beunruhigten Kadou mit seinen ohnehin schon angeschlagenen Nerven auf einer persönlichen Ebene genauso, wie es die beiden ersten Katastrophen auf größerer Ebene taten.

All das ergab in der Summe eine so turbulente Woche, dass Kadou kaum eine Atempause bekam und seine neue Nichte seit ihrer Geburt kaum länger als ein paar Minuten im Arm halten konnte.

Wenn eine Flut ihren Höhepunkt erreichte, bedeutete das jedoch auch, dass sie unweigerlich wieder abebben würde. Ihre Majestät schien der gleichen Meinung zu sein. Sie beschloss außerdem, dass es ihre Aufgabe sei, die Dinge zu beschleunigen.

»Du siehst dünn aus«, sagte Zeliha mit der herrischen Stimme einer großen Schwester, als sie nach Kadous gehetzten Berichten endlich einen Moment Zeit zum Reden fanden. Zeliha hatte darauf verzichtet, sich weiter auszuruhen und von der Geburt zu erholen, als sie hörte, weswegen die oissische Händlerin verhaftet worden war. Daraufhin erklärte sie, sich selbst um die Angelegenheit zu kümmern, damit Kadou der Schiffsbauergilde seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenken konnte. Ihnen war zu Ohren gekommen, dass ein Satyota aus Inacha in der Stadt war – einer der Wahrheitshexer, wie sie umgangssprachlich auf der Straße genannt wurden. Sie hatten ihn angeheuert, denn sie konnten ihn gut gebrauchen, um Azuta Melachrinos tou Thorikou zu befragen, woher sie die gewaltige Menge Falschgeld bekommen hatte, mit der sie eine Spielschuld zu begleichen versuchte.

Das Verhör war nicht gut gelaufen. Azuta war zu schlau, um zu antworten, wenn sie stattdessen mit einer Gegenfrage oder einer Halbwahrheit antworten konnte. Als man sie zurück in ihre Zelle zerrte, blieben Zeliha und Kadou einen Moment allein, ungesehen von all jenen, vor denen sie Förmlichkeit heucheln mussten.

»Du siehst aus wie ein ausgewrungener Spüllappen. Isst du genug? Schläfst du genug?«

Beides hatte er kaum getan. Er machte sich zu viele Gedanken über die ausbleibenden Fortschritte bei den Ermittlungen in der Schiffsbauergilde, über die Arroganz von Siranos, der sich in Gespräche einmischte, die ihn nichts angingen, und dabei leidenschaftlich erklärte, dass seine Landsmännin Azuta Melachrinos einen fairen Prozess und eine Vertretung vor Gericht verdiene …

Nein, natürlich hatte Kadou kaum geschlafen und auch nicht mehr gegessen als gelegentlich ein paar Bissen. Er machte sich zu große Sorgen darüber, dass er einige seiner Probleme den falschen Leuten anvertraut hatte.

Bevor er ihr antworten konnte, erklärte Zeliha, es sei höchste Zeit, dass sie alle für einen Tag aus dem Palast herauskämen und über alles nachdächten, nur nicht über das Regieren des Königreichs. Eine Jagd, sagte sie, sei genau das Richtige.

Man erzählte sich, dass in längst vergangenen Zeiten die große Eroberin Asanbughaa an dieser Küste landete. Sie habe erklärt, dies sei der Ort, an dem sie die Hauptstadt ihres neuen Königreichs erbauen werde. So erschuf einer ihrer Zauberer das große Plateau, auf dem heute der Palast stand. Die umliegende Landschaft bestand größtenteils aus ebenen Wäldern oder freiem Ackerland, das im Landesinneren zu sanften Hügeln und im Osten und Norden zu einem Gebirge anstieg.

Auf der landeinwärts gelegenen Seite des Plateaus führte ein Pfad abwärts. Ihm gegenüber lagen die Serpentinen der Palaststraße, von denen aus man einen freien Blick auf die Stadt hatte. Der kleine Weg war sogar noch steiler und wurde absichtlich in einem leicht verwahrlosten Zustand belassen. Nackte Erde, Bäume und Sträucher, die an den Rändern und in den Kurven wild wucherten, verbargen den Weg vor Beobachtern. Er war gerade breit genug, dass zwei Pferde aneinander vorbeikommen konnten, und an manchen Stellen mussten die Reiter sogar absteigen, um das zu bewerkstelligen.

Unten im Wald befand sich eine Lichtung – der übliche Sammelplatz zu Beginn der herrschaftlichen Jagden. Die Diener waren schon vor Stunden eingetroffen – oder vielleicht sogar schon am Tag zuvor –, um luftige, farbenfrohe Zelte und Pavillons aufzubauen, die mit Teppichen und Kissen ausstaffiert waren. Der prächtigste Pavillon gehörte natürlich der Sultanin. Kadou war überrascht, dass sie bereits auf ihn wartete, als er mit den wenigen Höflingen eintraf, die nach den Feierlichkeiten der vergangenen Woche noch nicht aufs Land zurückgekehrt waren.

Zeliha hatte es sich, umgeben von Ministern, auf einem niedrigen Diwan bequem gemacht und hielt Prinzessin Eyne in den Armen. Ihr Pavillon aus schwerer blauer, mit silbernen Ornamenten bestickter Seide, an dessen Dach eine Fontäne aus weißen Federn prangte, warf ein kühles Licht auf sie. Als sie Hufgetrappel hörte, schaute sie auf. »Kadou!«, rief sie. »Komm her, kleiner Bruder.«

»Majestät«, antwortete er, stieg vom Pferd ab und verbeugte sich. »Ich habe nicht damit gerechnet, dass du hier sein würdest.«

»Ich habe die Jagd schließlich organisiert, oder etwa nicht?«, antwortete sie trocken und rückte Eyne ein wenig zurecht, um eine Hand freizubekommen und Kadou zu sich zu winken. »Komm her, habe ich gesagt. Alle anderen können gehen, vielen Dank.«

»Ich hätte nicht gedacht, dass du dich schon genug erholt hast, um auf die Jagd zu gehen.« Kadou reichte einem seiner Kahyalar Wings Zügel und zog den Kopf ein, um unter den zurückgeschlagenen Stoffbahnen des Pavillons hindurchzugehen. Jemand hatte sie an den Eckpfählen hochgebunden, damit eine frische Brise hindurchwehen konnte. Die Minister, die sich wie befohlen zurückzogen, verbeugten sich im Vorbeigehen vor ihm.

»Oh, ich habe mich definitiv noch nicht ganz erholt«, antwortete sie und deutete auf einen Stuhl neben sich, auf dem Kadou Platz nahm.

»Die Kahyalar haben mich ganz stilvoll in einer Sänfte hergeschafft, als wäre ich schon Witwe. Es werden noch einige Wochen vergehen, bevor ich es ertragen kann, wieder auf einem Pferd zu sitzen. Bediene dich doch bitte«, forderte sie ihn auf und wies mit dem Kopf auf ein Tablett mit geschnittenem Obst, das in Reichweite stand. Sie selbst nahm sich ein Stück Melone. »Ich kann das Gebären nicht empfehlen, Kadou«, bemerkte sie ernsthaft. »Du solltest dich bemühen, es zu vermeiden.«

Er verdrehte demonstrativ die Augen und sie grinste. Hier draußen war alles besser, außerhalb des Palastes und weit weg vom Hof. Es war einfacher, so zu tun, als wären sie beide noch Kinder oder Jugendliche, nur der Prinz und die Kronprinzessin, die kaum Sorgen hatten. Vielleicht einmal davon abgesehen, dass Hauslehrer und Gelehrte sie ununterbrochen bedrängt hatten und die Kahyalar nervös um sie herumgeschwirrt waren, während Zeliha irgendein neues Abenteuer ausrief und Kadou hinter sich herschleifte.

»Ehrlich gesagt«, fuhr sie fort, »ich kann mir gar nicht vorstellen, ein Baby zu haben, ohne dass sechs Kahyalar bereitstehen, um zu helfen. Und selbst dann verschwinden sie immer im falschen Moment. Kannst du sie mal nehmen? Mir fallen gleich die Arme ab. Sie ist schwerer, als sie aussieht.«

Kadou zog den Stuhl näher heran, und zu zweit schafften sie es, ihm Eyne in die Arme zu legen, wobei das Kind nur ein paar Mal vor sich hin brummelte, jedoch nicht aufwachte. Sie war schon merklich größer und pummeliger als noch in der Woche zuvor. Kadou hatte keine Ahnung gehabt, dass Babys so schnell wuchsen. »Wenn du die Jagd selbst nicht genießen kannst, warum hast du uns dann alle hier rausgeschleppt?«

Zeliha stieß einen tiefen Seufzer aus und streckte und lockerte die steifen Arme. »Ich bin es furchtbar leid, dauernd von Azuta Melachrinos zu hören. Ich habe so viel Falschgeld angestarrt, dass mir schon die Augen wehtun.«

»Sind es wenigstens … schlechte Fälschungen?«, fragte Kadou ohne große Hoffnung.

»Sieh selbst.« Zeliha nahm zwei...



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