Rowland | Vom Dämon versucht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Reihe: LYX.digital

Rowland Vom Dämon versucht


1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8025-8451-0
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-8025-8451-0
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kara Gillian ist keine gewöhnliche Kommissarin. Sie besitzt die Fähigkeit, in die Welt des Übersinnlichen zu blicken und Dämonen zu beschwören. Und bei ihrem neuesten Fall kann sie die Hilfe des attraktiven Dämon Rhyzkahl gut gebrauchen. Kara hat erstaunliche Parallelen zwischen zwei Mordfällen entdeckt. Die Opfer wurden nicht einfach nur ermordet, sondern ihrer Seelen beraubt. Der Täter scheint übernatürliche Kräfte zu besitzen und zur Oberschicht der Stadt Beaulac, Louisiana, zu gehören. Als weitere Leichen gefunden werden, muss Kara feststellen, dass sie über die Welt der Dämonen noch einiges zu lernen hat ...



Diana Rowland lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Louisiana. Nach einem Mathematikstudium hat sie alle möglichen Jobs ausgeübt, unter anderem als Polizistin, Kriminaltechnikerin und Assistentin in einer Leichenhalle.

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1

Der Dämon war kaum mehr als ein Hauch von Nebel mit Zähnen und für das normale Auge so gut wie nicht sichtbar. Er wand sich in wellenförmigen Bewegungen auf dem Rücksitz meines Taurus, während ich durch die Nacht fuhr und meine Reifen gleichmäßig über den Asphalt summten. Der fast volle Mond tauchte die Umgebung in schattiges Silber, und selbst der verlassene Highway, der durch stinkendes Sumpfgebiet führte, wirkte in diesem Licht geradezu schön. Auf jenem Abschnitt der Straße begegneten mir überhaupt keine anderen Scheinwerfer, aber das überraschte mich nicht, da es hier draußen weder Häuser noch Geschäfte gab – weit und breit war nur Sumpf, lediglich unterbrochen von der einen oder anderen trockenen Insel, die so tat, als wäre sie ein Wald.

Ich konnte hören, wie der Dämon leise, hungrige Laute von sich gab, und ich brachte ihn zum Schweigen, indem ich die arkanischen Fesseln etwas fester zog. Er würde früh genug etwas zu fressen bekommen, aber zuerst musste er die Aufgabe erledigen, auf die wir uns geeinigt hatten. Ich hatte schon oft mit dieser Art Dämon zu tun gehabt und wusste, dass sie weitaus weniger eifrig waren, wenn sie erst mal gefressen hatten – dann rollten sie sich lieber satt und zufrieden zusammen.

Ich fuhr weiter, bis ich bei dem Dämon eine Veränderung spürte – eine plötzliche Anspannung, als spitzte er seine nicht existierenden Ohren. Ich fuhr an den Straßenrand, dann ging ich auf die andere Seite des Wagens und öffnete die hintere Tür. Irgendwie war es ein absurdes Gefühl, auf dem Rücksitz meines Autos einen Dämon herumzuchauffieren, aber mitten im Sumpf wäre eine Beschwörung nicht gut möglich gewesen. Das funktionierte nur in einem extra dafür gezeichneten Diagramm in meinem Keller.

Mit einem Raunen und voller Jagdeifer glitt der Dämon aus dem Wagen. Es war ein Ilius – ein Dämon der dritten Ebene, ungefähr so intelligent wie ein Hund, aber tausendmal besser, wenn es darum ging, eine Fährte aufzunehmen. Er war kaum mehr als ein Nebelhauch, und in meiner Andersicht nahm ich ihn als eine Art Rauchsäule mit Zähnen wahr, die mal aufblitzten und dann wieder verschwanden – wie ein wimmelnder Schwarm rauchförmiger Piranhas. Ohne Andersicht – einem Sinn jenseits aller Sinne, mit denen die meisten Leute die profane Welt um sich herum wahrnahmen – war er praktisch unsichtbar, abgesehen von dem tiefen Gefühl von Verunsicherung, das einen ergriff, wenn man mit ihm in Berührung kam.

Ich öffnete die Papiertüte, zog die Baseballmütze heraus und erlaubte dem Ilius, sich darumzuwinden und den Geruch, das Gefühl für denjenigen, den ich finden wollte, in sich aufzunehmen.

„Such!“, befahl ich und unterstrich das Kommando mit entsprechendem Druck auf mentaler Ebene. Der Dämon glühte in meiner Andersicht auf, dann schoss er über das Gras davon und verschwand wie ein arkanischer Zephir zwischen den Bäumen.

Sobald er verschwunden war, atmete ich einmal tief durch, dann lehnte ich mich gegen meinen Wagen und wartete. Ich hegte keinen Zweifel daran, dass er den verschwundenen Jäger finden würde. Davon, ob der Mann lebendig oder tot war, würde dann abhängen, was ich als Nächstes tun würde. Ich hoffte nur, dass der Dämon nicht allzu lange brauchte. Im Juli war die Hitze im Süden Louisianas selbst um vier Uhr morgens schon erdrückend. Und hier, mitten im Sumpfgebiet, lag die Luftfeuchtigkeit leicht bei hundert Prozent. Schweißperlen bildeten sich auf meinem Gesicht und an meinem Hals, und ich wischte sie mit dem Ärmel fort, wobei ich hoffte, dass ich nicht allzu viel von dem Anti-Mücken-Zeug erwischte, mit dem ich mich übergossen hatte. Hunderte der kleinen Blutsauger surrten um mich herum, aber bisher hielt das Mittel sie mir vom Leib. Zumindest der Ilius brauchte sich um die Mücken keine Sorgen zu machen.

Es gab eine Dämonenhierarchie mit zwölf verschiedenen Ebenen, die von Menschen beschworen werden konnten, die die Gabe besaßen, ein Portal zwischen dieser Welt und dem Reich der Dämonen zu öffnen. Je höher die Ebene, desto mächtiger der Dämon – und umso schwieriger die Beschwörung. Aber für diesen kleinen Suchauftrag brauchte ich keinen hochrangigen Dämon. Diese Beschwörung war mehr eine Übung gewesen, ein kleines Fingerspiel – aber den Idioten zu finden, der beschlossen hatte, allein im Moor jagen zu gehen, war ein netter Nebeneffekt.

Allerdings war dies seit zwei Monaten der erste Dämon, den ich beschworen hatte, und ich wollte einfach sichergehen, dass ich immer noch wusste, wie es ging.

Weißblondes Haar ergoss sich wie ein Fluss aus Seide über mich, als er sich hinabbeugte, um mich zu küssen. „Vermisst du meine Berührungen schon, Liebes?“ In seinen uralten Augen funkelte Amüsement.

Ich sah aus zusammengekniffenen Augen zu ihm auf. „Ja und nein.“

Er lachte und nahm meine Hand, um mich auf einen weißen Marmorbalkon zu führen, der auf ein leuchtend blaues Meer hinausführte. „Ist das so eine schwierige Frage?“

Ich beobachtete die Dämonen, die über das Wasser flogen. „Ich vermisse dich, aber du machst mir auch eine Höllenangst.“

Er stand hinter mir und legte sanft seine Arme um mich. „Ich würde dir niemals etwas antun, Kara. Beschwöre mich nur. Dir wird nichts geschehen, du bist bei mir in Sicherheit.“ Ich lehnte meinen Kopf gegen ihn, als er begann, mich behutsam zu streicheln. Er liebkoste meinen Hals, und eine Gänsehaut breitete sich auf meinem ganzen Körper aus. „Aber was du unter ‚Sicherheit‘ verstehst, stimmt vielleicht nicht mit meiner Vorstellung davon überein“, sagte ich und stöhnte auf, als er mein Ohrläppchen zwischen die Zähne nahm.

„Ich werde nicht gestatten, dass irgendjemand dir etwas antut, Kara“, murmelte der Dämonenfürst. „Beschwöre mich! Du brauchst, was ich dir geben kann.“

Ich fröstelte, immer noch verunsichert von meinem Traum der letzten Nacht. Das alles war … ein Traum gewesen. Sonst nichts. Trotz der warmen Nacht fröstelte ich. Ich wünschte, ich könnte mir da wirklich so sicher sein. Es gab noch eine weitere Art von Dämonen oberhalb dieser zwölf Ebenen: die Dämonenfürsten. Es wurde als praktisch unmöglich angesehen, einen Dämonenfürsten zu beschwören. Oder besser gesagt – mit genug Energie und Vorbereitung war es technisch durchaus machbar, aber diese Erfahrung dann auch zu überleben war etwas völlig anderes. Trotzdem hatte ich aus Versehen Rhyzkahl beschworen, einen der mächtigsten Dämonenfürsten überhaupt, und ich war tatsächlich noch am Leben.

Nachdem Rhyzkahl bei dieser Beschwörung erschienen war, ohne dass es meine Absicht gewesen war, hatte er eine Verbindung zu mir aufgebaut, und eine Zeit lang war er mir in meinen Träumen erschienen, so lebhaft und real, dass ich selbst nicht wusste, ob ich wach war oder schlief. Und Teile dieser Träume übertrugen sich sogar in die reale Welt, was sich zeigte, als er einmal eine Verletzung, die ich mir zugezogen hatte, heilte, als er mir im Traum erschien. Aber diese Begegnungen hatten aufgehört, nachdem er mir das Leben gerettet hatte. Seitdem träumte ich zwar immer wieder von ihm, aber es fühlte sich nie so intensiv an.

Ich wusste, ich sollte froh sein und erleichtert, dass die Verbindung offenbar nicht mehr existierte. Aber ich war mir nicht sicher, wie ich gefühlsmäßig dazu stand. Oder zu ihm. Es war auch nicht besonders hilfreich, dass viele der Träume voller heißer Erotik waren – und ich immer mittendrin. Ich wachte dann jedes Mal zitternd vor Lust und Verlangen auf – Gefühle, die sich schnell in Verwirrung und Unsicherheit verwandelten. Schickte er mir diese Träume, um mich daran zu erinnern, was wir miteinander erlebt hatten und was er mir zu bieten hatte? Oder waren die Träume lediglich Botschaften meiner verkorksten Psyche, die mich daran erinnerte, dass ich keinen Freund hatte, keinen Sex und nicht mal die Aussicht auf zumindest eines von beidem? Wie dem auch sei, ich hätte gut ohne diese Erinnerungen leben können.

Ich spürte, dass der Ilius zurückkehrte, bevor ich ihn sah. Ich stieß mich vom Wagen ab und richtete mich auf, als er um mich herumwirbelte und seine schemenhaften Zähne mich streiften. Ich unterdrückte ein Zittern.

„Zeig!“, befahl ich, während ich meine Augen schloss. Bilder flackerten hinter meinen Augenlidern, verschwommen und schwer zu erkennen, aber diese Eindrücke waren von Gerüchen und Geräuschen begleitet und dem Gefühl von Distanz, als würde ich dem Weg folgen, den der Dämon zurückgelegt hatte. Auf den Geruch war ich nicht sonderlich scharf. Der Jäger war nämlich tot, das Gesicht aufgedunsen, und der widerliche Gestank der Verwesung umgab ihn. Ich hatte keine Ahnung, wie er gestorben war – an einer Verletzung oder weil er ertrunken war –, wichtig war für mich nur, dass sich die Leiche hier in der Gegend befand.

Ich öffnete die Augen, dann hielt ich dem Ilius die Tür auf. Er wirbelte noch einmal um mich herum, und ich spürte seinen zunehmenden Hunger. Er hatte seine Aufgabe erfüllt und wollte seine Belohnung. Ich verstärkte meinen mentalen Griff an den arkanischen Fesseln, obwohl mir der Schweiß aus den Achseln lief. „Nicht hier....


Rowland, Diana
Diana Rowland lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Louisiana. Nach einem Mathematikstudium hat sie alle möglichen Jobs ausgeübt, unter anderem als Polizistin, Kriminaltechnikerin und Assistentin in einer Leichenhalle.

Diana Rowland lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Louisiana. Nach einem Mathematikstudium hat sie alle möglichen Jobs ausgeübt, unter anderem als Polizistin, Kriminaltechnikerin und Assistentin in einer Leichenhalle.



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