E-Book, Deutsch, 276 Seiten
Rudolf Cats and Crime (IV)
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-7361-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 276 Seiten
ISBN: 978-3-6957-7361-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Brigitta Rudolf lebt mit ihrem Mann und Kater Tiger in einer kleinen Kurstadt am Rande des Wiehengebirges Bisher sind 36 Bücher von ihr erschienen, u.a. weitere Katzen- und Hundekrimis, Cosy-Krimis, Tiergeschichten und Weihnachtsbücher.
Autoren/Hrsg.
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Ein starkes Team
Ungläubig schaute Sarah auf den Brief, den sie soeben aus dem Postkasten genommen und geöffnet hatte. In großen Buchstaben, die ganz offensichtlich aus Zeitschriften ausgeschnitten waren, stand dort zu lesen:
Ich weiß, was Du früher getrieben hast!
Nichts weiter, aber das würde vielleicht erst der Anfang sein, fürchtete Sarah. Das konnte nicht wahr sein, nein, das durfte einfach nicht wahr sein. Sarah war so glücklich, als sie nach dem Tod ihres Freiers Carl Immhoff, an der Seite von Marius ein neues Leben begonnen hatte. Marius war in Frankfurt der ermittelnde Kommissar im Fall Immhoff. So hatten sie sich kennengelernt. Marius war Sarah gleich aufgefallen, weil er sie sehr nett und einfühlsam behandelte. Außerdem sah er blendend aus, auch das hatte sie natürlich bemerkt, als sie ihm zum ersten Mal begegnete. Ursprünglich kam Sarah aus der Provinz, und sie hatte eine Weile in einer großen Rechtsanwaltskanzlei in Frankfurt gearbeitet und während dieser Zeit auch nebenberuflich als Callgirl gearbeitet. Sie hatte einfach Freude an der körperlichen Liebe. Als sie Konstantin Birkner traf, hatte er sie in gut situierte, einflussreiche Kreise eingeführt und ihr Männer vorgestellt, die sie für ihre Liebesdienste gut bezahlten. Anfangs war sie ihm dafür dankbar und hatte diese Kontakte genutzt, so gut sie konnte. Carl Immhoff, ein älterer Industrieller, war einer der ersten Kunden, die Konstantin ihr vermittelt hatte. Carl war Sarah gleich sympathisch. Er behandelte sie stets respektvoll und war zudem auch sehr großzügig. So hatte sich Sarah nach einiger Zeit durchaus vorstellen können, ihn als einzigen Kunden zu behalten. Vor allem, nachdem ihr damaliger Freund Konstantin einige unangenehme Kerle angeschleppt hatte, die Sarah nicht länger ertragen konnte und wollte. Leider war dieser Plan daran gescheitert, dass Carl plötzlich und unerwartet verstorben war – ausgerechnet in ihrem Bett. In ihrer Not hatte sie Konstantin angerufen und um Hilfe gebeten, weil sie einen Skandal vermeiden wollte. Das wäre sicher auch nicht im Sinne von Carl und seiner Familie gewesen. Konstantin war auch gekommen, um die Leiche verschwinden zu lassen. Wenig später hatte er das allerdings ausgenutzt, um sie damit erpressen zu können. Er hatte ihr sogar weisgemacht, dass er es so aussehen lassen könne, als sei sie die Mörderin von Carl. Naiv, wie sie zu der Zeit noch war, hatte Sarah sich von ihm einwickeln lassen. Das bereute sie längst, bevor sie es endlich wagte, einen Privatdetektiv hinzuzuziehen. Zu ihrem Glück wurde Konstantin am Schluss mit dessen Hilfe gefasst und unschädlich gemacht. Da er außer der Sache mit Carl, in die Sarah ihn dummerweise mit hineingezogen hatte, noch etliches andere auf dem Kerbholz hatte, war er zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Sicher hatte sie es auch Marius zu verdanken, weil er ihre Aussage in dem Fall so formuliert hatte, dass sie lediglich als Zeugin aussagen musste, nicht als Beschuldigte. Damals hatten Marius und sie sich zum ersten Mal getroffen. Der Anwalt, den der Privatdetektiv ihr empfohlen hatte, war wirklich gut. So schaffte er es tatsächlich, dem hohen Gericht zu erklären, dass es Konstantin war, der Sarah in den ganzen Schlamassel verwickelt hatte, indem er sie überredete, Carl´s Leiche lieber verschwinden zu lassen, statt die Polizei zu rufen. Das hätte sicher auch reichlich Wirbel gemacht, wäre aber letztlich die bessere Alternative gewesen, wie Sarah jetzt wusste. Trotzdem war die ganze Angelegenheit äußerst unangenehm und peinlich für Sarah gewesen. Ihren Job in der Anwaltskanzlei hatte sie sofort gekündigt, aber ihr ehemaliger Chef hatte sie gebeten, noch einmal mit ihm zu sprechen, wenn sie ihre persönlichen Sachen aus dem Büro abholen wollte. Netterweise hatte er ihr dafür einen Termin gegeben, nachdem alle anderen Mitarbeiter aus dem Büro nicht mehr zugegen waren. Er kannte die Familie Immhoff und war natürlich mehr als bestürzt über die Ereignisse, zumal seine eigene Mitarbeiterin darin verwickelt war. Sarah hatte überlegt, ob sie das ablehnen und ihn bitten sollte, ihr stattdessen die wenigen privaten Habseligkeiten und das Arbeitszeugnis, um das sie ihn gebeten hatte, per Post zu senden. Aber dann kam sie sich feige vor und ging doch lieber persönlich zu ihm.
Er begrüßte sie mit den Worten: „Frau Bredenkamp, ich hatte schon befürchtet, Sie würden nicht kommen. Ich will Ihnen nicht verhehlen, dass ich menschlich sehr enttäuscht von Ihnen bin, aber ich war schließlich selbst auch mal jung und habe nichts anbrennen lassen, wie man so sagt. Aus diesem Grund habe ich Ihnen ein passables Zeugnis ausgestellt, denn an Ihrer Arbeit bei uns war ja nichts auszusetzen. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre weitere Zukunft!”
Sarah fühlte sich unendlich erleichtert und bedankte sich herzlich bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber, der sie fragte, ob sie denn schon einen neuen Job in Aussicht habe.
„Nein, noch nicht, aber ich denke, ich werde Frankfurt auch den Rücken kehren, sobald der Prozess vorüber ist”, hatte sie ihm erklärt.
„Das wird sicher das Beste sein”, stimmte er ihr zu.
Damit war sie entlassen und hatte sich schnell von ihm verabschiedet.
Nachdem Sherlock, ihr Kater, den winzigen Stick, den Konstantin bei ihr verloren hatte, gefunden und ihn Sarah sozusagen vor die Füße gepfotelt hatte, musste Sarah noch einmal zur Polizei. Das war die zweite Begegnung mit Marius, und bei der Gelegenheit lud er sie zu einer Tasse Kaffee in der Kantine ein. Sarah hatte sofort zugestimmt, weil sie in seiner Gegenwart wieder das vertraute Kribbeln im Bauch empfunden hatte. Der junge Kommissar war also auch an ihr interessiert, wie sie erfreut feststellte. Nach dieser Begegnung trafen sie sich regelmäßig, was sie allerdings bis nach dem Prozess in aller Heimlichkeit tun mussten. Sonst hätte Marius beruflich Ärger bekommen können. Sarah suchte sich kurz nach der Festnahme von Konstantin einen neuen Job und bekam eine Anstellung in einer großen Kanzlei in Wiesbaden. Von dem Geld, das sie aus ihrer Zeit als Prostituierte zur Seite gelegt hatte, war noch ein Rest übrig, sodass sie sich dort eine Bleibe suchen konnte. Sie hatte Glück und konnte eine relativ günstige, sehr kleine Eigentumswohnung kaufen, die draußen am Stadtrand lag, Gartenbenutzung inklusive. Was vor allem Sherlock freute, denn seitdem hatte er Freigang. Wie liebte ihr Kater es, draußen herumzustromern! Er lief nie weit fort und blieb nachts im Haus, das hatte sich zum Glück ganz gut eingespielt. Natürlich brauchte sie ein Auto, um zur Arbeit zu kommen, aber mit der Hilfe von Marius fand sie einen gebrauchten Kleinwagen, der noch recht gut erhalten und in der Unterhaltung sparsam war. Marius und Sarah pendelten regelmäßig zwischen Wiesbaden und Frankfurt hin und her, um sich treffen zu können. Kurz nach Sarah´s Umzug nach Wiesbaden hatte Marius in seiner Dienststelle ebenfalls um eine Versetzung nach Wiesbaden gebeten. Zu diesem Zweck hatte er sich beim dortigen Landeskriminalamt beworben. Er war sehr zuversichtlich, dass es bald klappen würde. Sie waren sehr verliebt ineinander. Marius mochte es, genau wie Sarah, wenn sie sich auch an ungewöhnlichen Orten lieben konnten. Beide kannten nur wenige Hemmungen, und so hatte ihr allererstes Liebesspiel ausgerechnet im Fahrstuhl eines großen Modehauses stattgefunden. Das fanden beide sehr erregend. Die Aussicht, von einem anderen Kunden dabei erwischt zu werden, hatte sie natürlich zur Eile angetrieben, aber der Kick dabei war unglaublich. Sarah hatte bei Marius zum ersten Mal das Gefühl, in ihm eine verwandte Seele gefunden zu haben. An seiner Seite fühlte sie sich stark und geborgen. Der zweite Prozess gegen Konstantin, bei dem Sarah erneut als Zeugin aussagen musste, belastete sie sehr. Sie wusste, dass Marius ebenfalls im Gerichtssaal saß, um ihr die Daumen zu drücken. Das gab ihr viel Kraft und Zuversicht. Carl Immhoffs Frau nahm ebenfalls an der Verhandlung teil. Natürlich erkannte sie Sarah, aber sie würdigte die ehemalige Freundin ihres Mannes keines Blickes. Auch ihr ehemaliger Chef nickte ihr nur äußerst knapp zu und sah anschließend sogar demonstrativ an ihr vorbei, als er Frau Immhoff begleitete. Nun gut, das war nicht schön, aber Sarah hatte es nicht anders erwartet. Zum Glück ging auch dieser unangenehme Tag vorbei, und Konstantin wurde, zu Sarah´s größter Erleichterung, zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Jetzt konnte sie endlich ihre Zeit in Frankfurt hinter sich lassen und mit Marius nach vorn blicken, um mit ihm einen Neuanfang zu versuchen. Sie hatten viele gemeinsame Interessen. Mochten beide gute Bücher, Kunstausstellungen und trieben Sport. Überglücklich war Sarah, als Marius ihr seine Katze namens „Miss Marple” vorstellte.
„Wie bist Du darauf gekommen, Deiner Katze ausgerechnet diesen Namen zu geben?”, fragte Sarah erstaunt.
„Ich mag die uralten Schwarz-Weiß Filme mit Margret Rutherford. Sie war die beste Miss Marple Darstellerin aller Zeiten, finde ich. Und als ich meine Kleine sah, musste ich gleich an sie denken,...




