E-Book, Deutsch, 264 Seiten
Rudolf Cats & Christmas
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-6454-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 264 Seiten
ISBN: 978-3-6951-6454-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Brigitta Rudolf lebt in kleinen Kurstadt am Wiehengebirge.. Bisher sind 35 Bücher erschienen, u.a. Weihnachtsgeschichten, Kriminalgeschichten, viele Tiergeschichten, Liebesgeschichten, u. a.
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Schneeflöckchen
In diesem Jahr hatte der Winter sehr früh eingesetzt und es war tüchtig kalt. Geschneit hatte es seit Tagen auch immer wieder, was vor allem die Kinder begeisterte. So wie es aussah, würde sich in diesem Jahr der immer wiederkehrende Traum vieler Menschen von einer weißen Weihnacht erfüllen. Weil es genug Schnee gab, hatten Manuel und Carina mit ihren beiden Kindern Emma, genannt Emmi, und Fynn einen riesigen Schneemann gebaut. Der stand jetzt stolz und aufrecht im Garten, trug einen ausrangierten Gartenhut von Manuel auf dem Kopf und hatte eine dicke Mohrrübennase und zwei Kohleaugen erhalten, aus denen er fröhlich in die Runde schaute.
„Allein fühlt er sich bestimmt einsam, ich finde, er sollte noch eine Schneefrau kriegen“, hatte Emmi gefordert, und so hatten sie ihm noch eine Gefährtin zur Seite gestellt. Die bekam von Carina ein Kopftuch umgebunden und trug einen alten, ausrangierten Gürtel um die pralle Taille.
„Jetzt ist es aber genug, ich bin schon ganz durchgefroren, lasst uns für heute ins Haus gehen“, verlangte Carina anschließend, und alle fügten sich dieser strengen Anordnung widerspruchslos.
„Nur gut, dass ich Euch immer zu Fuß zum Kindergarten bringen kann“, seufzte sie am nächsten Morgen. Im Gegensatz zu ihren Kindern mochte sie den Winter weniger, vor allem, wenn Schnee und Eis sie am Autofahren hinderten. Sie verpackte ihre beiden Sprösslinge so dick wie möglich mit Stiefeln, Handschuhen, Schal und Mütze, trotz aller Proteste von Emmi, die das gar nicht mochte. Dann stiefelten sie los. Fynn, der im nächsten Sommer zur Schule kommen würde, blieb in der „Drachengruppe“, und danach wurde Emmi in der „Katzengruppe“ abgegeben, bevor sie sich wieder auf den Heimweg machte. Beide gingen gern in den Kindergarten und brachten auch von dort viele Ideen und Anregungen mit nach Hause, so auch heute. Als sie die beiden abholen wollte, begrüßte Emmi ihre Mama gleich mit den Worten: „Mama, wir haben im Garten eine Schneekatze gebaut! Komm, die musst Du Dir unbedingt ansehen“, und zog Carina mit sich, um ihr das Kunstwerk zu zeigen. Doch, die große Katze aus Schnee war wirklich gelungen, fand Carina.
„Mama, Papa soll uns helfen, zu Hause auch eine Schneekatze zu machen“, wünschten sich Emmi und Fynn.
„Oder einen Drachen, aber der ist vielleicht sogar für Papa zu schwer, oder?“, erkundigte sich Fynn. Seine Gruppe hatte es versucht, war aber gescheitert, und so hatten sie stattdessen mehrere große Schneemänner fertiggestellt. Die trugen alle aus alten Beständen des Kindergartens bunte Schals oder Mützen und waren lustig anzuschauen.
„Wenn Papa nach Hause kommt, dann erzähle ich ihm von der Schneekatze“, beschloss Emmi, und gleich nachdem Manuel das Haus betreten hatte, überfiel sie ihn mit der Idee, dass ihr Schneemannpärchen im Garten unbedingt auch eine Katze haben müsse.
„Langsam, lass mich doch erst mal richtig ankommen“, bremste Manuel den Eifer seiner kleinen Tochter, versprach ihr aber am nächsten Tag auf dem Heimweg, beim Kindergarten vorbeizufahren, um sich dort die tolle Schneekatze anzusehen.
„Dann weißt Du ganz genau, wie sie aussehen muss“, verkündete Emmi, und auch ihr Bruder Fynn schloss sich dem Wunsch seiner kleinen Schwester dringend an.
„Oder kriegst Du vielleicht doch einen richtigen Drachen hin?“, erkundigte er sich hoffnungsvoll bei Manuel.
„Oje, das weiß ich wirklich nicht, Fynn“, bekannte Manuel, „aber ich will es gern versuchen.“ Damit mussten sich die beiden Kinder für diesen Abend zunächst einmal zufriedengeben.
Wie er es versprochen hatte, schaute Manuel sich am nächsten Nachmittag die Kunstwerke aus Schnee auf dem großen Gelände des Kindergartens an. Die waren von der Straße aus gut zu erkennen. Die liegende Katze nachzumachen, traute er sich ohne weiteres zu, aber für Fynn einen Drachen aus Schnee zu formen, das würde sicher nicht ganz so einfach werden. Vielleicht konnte ihm ja sein Freund Tristan von nebenan am kommenden Wochenende dabei helfen. Laut Wetterbericht sollte es vorläufig kalt bleiben. So schlug er Fynn und Emmi vor, am kommenden Samstag ihr Glück zu versuchen. Wenn er in der Woche nachmittags von der Arbeit kam, dann würde es viel zu schnell dunkel, um so eine knifflige Aufgabe zu erfüllen, erklärte er den beiden, ging aber ans Telefon, um sich der Hilfe seines Freundes zu versichern. Tristan war zudem der Patenonkel von Fynn und stimmte sofort begeistert zu. Wenn er damit seinem Patensohn eine Freude machen konnte, so täte er das gern, erklärte er.
„Na also!“, freute sich Manuel und gab die freudige Nachricht gleich an seine Familie weiter.
Am Samstag hatten Manuel und Carina sich eigentlich darauf gefreut, etwas länger schlafen zu können, aber Fynn und Emmi waren genauso früh erwacht wie immer und standen pünktlich parat, um auch die Eltern zu wecken.
„Papa, Du hast es versprochen, Dich heute um die Schneekatze zu kümmern!“, erinnerte Emmi ihn. Ein Versprechen, ganz gleich welcher Art, musste unter allen Umständen eingehalten werden, das hatten Carina und Manuel ihren Kindern beigebracht. Also erhob sich Carina als Erste, um ein schnelles Familienfrühstück vorzubereiten, denn viel Zeit würden sich die Kinder heute ganz sicher nicht dafür nehmen. So wurden die beiden anschließend warm eingepackt und gingen mit Manuel nach draußen. Wie abgemacht tauchte kurz danach auch Tristan auf, und bald waren alle eifrig bei der Arbeit. Als Carina später in den Garten kam, um ihre Hilfe anzubieten, wurde auch diese gern angenommen. Mit vereinten Kräften wurde jede Menge Schnee zusammengetragen und bald lag eine prächtige Schneekatze den beiden Schneeleuten zu Füßen. Natürlich bekam auch sie schwarze Augen aus Kohlestückchen und einen Schnurrbart aus einigen dünnen Zweigen.
„Die ist toll geworden“, begeisterte sich Emmi und umarmte ihre Eltern. „Viel schöner als die im Kindergarten“, fand sie zudem. „Ich schenke ihr meinen pinkfarbenen Schal, den Oma Monika mir gestrickt hat, damit sie nicht frieren muss“, beschloss sie. Carina wusste, sie würde ihrer kleinen Tochter diese Idee ohnehin nicht ausreden können, also erhob sie keinerlei Widerspruch. Den Schal konnte man ja schließlich wieder waschen, wenn die Schneekatze ihn nicht mehr benötigen würde. „Und was ist jetzt mit meinem Drachen?“, erkundigte sich Fynn bei Tristan und Manuel. „Den kriegst Du, ich habe auch schon eine Idee, wie wir den machen können“, beruhigte ihn Tristan.
„Der soll aber nicht direkt neben der Katze stehen, sonst kriegt sie womöglich Angst vor ihm“, bat Emmi, bevor sie ins Haus stürmte, um ihren Schal zu holen. Mit diesem guten Stück um den Hals würde sicher jeder gleich erkennen, dass es sich um eine weibliche Katze handelte. Das war Emmi sehr wichtig!
„Ich werde Dich Schneeflöckchen nennen, gefällt Dir der Name?“, fragte sie nach ihrer Rückkehr die Schneekatze, die natürlich nicht widersprach.
„Kein Problem, wir setzen Fynn´s Drachen ein Stück weiter, aber es wird sowieso ein netter Drache, keine Angst, Emmi“, beruhigte Tristan sie, bevor er sich nach einer kurzen Pause wieder mit Manuel und Fynn an die Arbeit machte.
„Also Schneeflöckchen, willkommen in unserem Garten“, sagte Carina amüsiert und freute sich, als sie sah, wie glücklich Emmi ihre neue Freundin anschaute. Auch Fynn war eifrig dabei, Tristan und Manuel immer weitere Schneemengen herbeizuschaffen, damit auch der von ihm gewünschte Drache entstehen konnte. Dank der tatkräftigen Mithilfe von Tristan hatte Manuel es tatsächlich geschafft, auch einen Drachen aus Schnee in den Garten zu holen. Fynn war darüber ausgesprochen glücklich und sehr stolz, als Carina und Emmi ihn gebührend bewunderten. Er war wirklich beeindruckend geworden und sah überhaupt nicht böse aus. Im Gegenteil fanden alle, denn Manuel und Tristan hatten ihm kein furchterregendes, sondern ein fröhlich grinsendes Gesicht gegeben. Nach getaner Arbeit bot Carina Tristan und ihren Lieben einen stärkenden Eintopf an und drängte darauf, dass sie den Rest des Tages nicht nur draußen verbringen sollten.
„Die Schneeleute könnt Ihr auch vom Fenster aus anschauen, sonst werdet Ihr Euch noch erkälten“, meinte sie.
In ihrer Wohnsiedlung sprach es sich sehr schnell herum, dass im Garten der Wittes einige wunderschöne, wenn leider auch vergängliche Kunstwerke standen, und so kamen in der nächsten Zeit sehr viele Besucher zu ihnen, um sich alles anzusehen. Durch die lange Kälteperiode dieses Winters hatte sich die mühevolle Arbeit wirklich gelohnt. Am zweiten Weihnachtsfeiertag trafen sich einige Nachbarn spontan bei ihnen, um gemeinsam eine Glühweinparty zu feiern. Dabei wurden auch etliche Fotos von den Figuren gemacht, um sie „für die Ewigkeit festzuhalten“, wie Tristan sich ausdrückte. Wenn sie daran dachte, dass der Schnee...




