Rudolf | Cats & Crime | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 338 Seiten

Reihe: Krimis

Rudolf Cats & Crime


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-9783-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 4, 338 Seiten

Reihe: Krimis

ISBN: 978-3-7578-9783-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Drei Kriminalgeschichten, in denen Katzen eine wichtige Rolle bei der Aufklärung spielen.

Brigitta Rudolf lebt mit ihrem Mann und Kater Tiger am Rande des Wiehengebirges in einer kleinen Kurstadt. Geplant sind noch weitere Krimis mit Tieren.
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Die Tote im Garten


Guten Tag meine Damen und Herren!

Meine Katzenmama heißt Agatha, und mich hat sie Rambo getauft. Außer uns beiden gehört auch Heinfried Wucherpfennig zur Familie. Agatha und er wohnen zwar nicht zusammen, aber er kommt so gut wie täglich zu uns oder wir besuchen ihn. Er wohnt nämlich auch in unserer Straße, nur ein paar Häuser weiter. Heinfried ist ein ganz verträglicher Zeitgenosse, und ich mag ihn gern. Vor allem, weil er häufig ein Leckerli für mich in der Tasche hat. Im Gegensatz zu seinem Namen ist er nämlich durchaus großzügig, obwohl er keine dicke Rente hat, wie manch andere Zeitgenossen. Heinfried wird von Agatha meistens liebevoll Heini genannt. Weil ich einen roten Pelz habe und von Jugend an ein begeisterter Mäusejäger bin, hat mir der Heini einen passenden Spitznamen verpasst. Er hat mich den „roten Mausolini“ genannt, denn ich verwöhne ihn und Agatha immer wieder gern und schenke ihnen meine dicksten Mäuse, obwohl ich gerade die selbst „zum Fressen gernhabe“.

Diesen Namen fand Agatha so toll, dass sie mich seither auch oft so nennt. Na ja, was soll´s, es gibt Schlimmeres oder? Ihr könnt mich nennen wie Ihr wollt, ich höre auf beide Namen. Und manchmal ist es ja auch ganz nützlich, wenn man ein Pseudonym hat hinter dem man sich verstecken kann, das sagt Agatha jedenfalls. Sie schreibt nämlich Krimis, aber nicht unter ihrem richtigen Namen. Bis vor Kurzem hat sie sich diese gruseligen Geschichten von Mord und Totschlag immer ausgedacht, aber nun sind wir tatsächlich, noch dazu in unserer direkten Nachbarschaft, selbst in so eine böse Sache reingeraten. Stellt Euch das mal vor!

Ich konnte es zunächst gar nicht glauben, als ich unsere Nachbarin, die Frau Zirngiebel, in ihrem Garten liegen sah. Sie mochte keine Tiere, deshalb hat sie mich immer verjagt, wenn ich bei ihr aufgetaucht bin. Aber in ihrem Garten leben viele Nager, daher habe ich gelegentlich auch dort aufgeräumt. Eigentlich hätte sie mir dafür dankbar sein müssen, finde ich jedenfalls. Und dann lag sie eines Tages in ihrer bunten Kittelschürze mitten im Gemüsebeet, einfach so und rührte sich nicht mehr. Ich hatte gleich ein komisches Gefühl, wollte der Sache aber trotzdem auf den Grund gehen. Deshalb habe ich mich vorsichtig an sie herangepirscht, aber als sie immer noch nicht reagierte, da wusste ich Bescheid. Trotzdem habe ich zur Sicherheit ihren leblosen Körper einmal gründlich abgeschnüffelt, konnte aber nichts wirklich Bedeutsames riechen – leider. Schon zu Lebzeiten mochte ich ihren Geruch, eine Mischung aus billiger Seife und Mottenkugeln nicht. Agatha und Heini konnten die Zirngiebel auch nicht leiden, weil sie eine „rechte Zwiderwurzen“ war, wie Heini mal gesagt hat. Er hat vor einigen Jahren Urlaub in Süddeutschland gemacht, seither würzt er seine Sätze gelegentlich mit bajuwarischen Ausdrücken. Ich glaube, das bedeutet auf gut Deutsch so viel wie ein boshaftes Klatschweib. Im letzten Frühling hat sie ihn sogar beim Ordnungsamt angeschwärzt, weil die Bäume aus seinem Garten angeblich zu weit auf den Gehsteig ragten. Auf diese Anzeige hin sollte er seine Bäume innerhalb einer bestimmten Frist stutzen, das hat er uns dann wutschnaubend erzählt. Seitdem kann Heini sie noch weniger leiden als zuvor. Und als Agatha einige Tage später einen Zahnarzttermin hatte, schlug Heini ihr vor, den an die olle Zirngiebel abzutreten.

„Wieso das denn?“, hat Agatha ihn erstaunt gefragt.

„Damit die Alte sich ihren Giftzahn ziehen lassen kann!“, hat Heini geknurrt, und daraufhin bogen er und Agatha sich vor Lachen. Darüber müssen sie sich jetzt jedenfalls keine Gedanken mehr machen.

Nachdem ich die Zirngiebel tot in ihrem Garten gefunden habe, bin ich gleich nach Hause gelaufen, um Agatha zu alarmieren. Zum Glück war sie da. Allerdings wusste sie zunächst gar nicht was ich von ihr wollte, als ich sie nach Kräften angemaunzt habe. Aber nachdem ich keine Ruhe gegeben habe, ist sie schließlich doch aufgestanden und mitgekommen. Als sie Frau Zirngiebel sah, hat sie sich sofort vergewissert, dass ihr nicht mehr zu helfen war. Dann sind wir zurückgegangen, und sie hat zuerst Heini und gleich danach die Polizei angerufen.

„Heini, die Zirngiebel ist tot, mausetot“, rief sie in den Hörer.

„Was sagst Du da?“, antwortete Heini bestürzt. „Du machst Witze.“

„Nein, das wäre doch wohl ein schlechter Scherz“, antwortete sie erbost. „Komm rüber und schau selbst nach.“

Agatha hatte nämlich ihre Hörgeräte nicht drin, daher musste sie das Telefon laut stellen. Das macht sie gern, wenn sie allein ist und es nicht darauf ankommt, wie sie meint. Die ollen Dinger im Ohr drücken nämlich immer so, sagt sie. Und eigentlich sollte sie auch ihre Stützstrümpfe regelmäßig tragen, aber mit denen ist es wohl ähnlich.

„Sie kneifen“, hat sie gesagt, und deswegen liegen sie meistens in der Schublade. Sie hat Krampfadern, deshalb hat der Arzt ihr die verschrieben. Sie will sich aber nicht operieren lassen, weil sie den Weißkitteln nicht wirklich über den Weg traut. Meine Katzenmama ist eben ein kleines bisschen eigensinnig, genau wie ich, vielleicht verstehen wir uns gerade deshalb so prima. Ach ja, die Jüngste ist sie natürlich auch nicht mehr, aber das genaue Alter einer Dame darf man nicht verraten, hat Heini gesagt, weil das unfein ist. Außerdem denke ich, dass ich Euch fürs Erste genug über meine Familie erzählt habe.

Nachdem Agatha mit Heini telefoniert hatte, kam er tatsächlich sofort zu uns rüber, um selbst nach dem Rechten zu sehen.

„Wir müssen die Bullen anrufen“, sagte er.

„Hab´ ich doch längst gemacht, die müssen jetzt jeden Moment kommen“, antwortete Agatha.

„Hast Du ´ne Ahnung was da passiert sein könnte?“

„Nee, nicht wirklich. Ich durfte die Leiche ja nicht anfassen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass sie vergiftet worden ist“, mutmaßte Agatha.

„Wie kommst Du darauf?“

„Na ja, ich finde, ihre Gesichtsfarbe deutet daraufhin, und äußerliche Verletzungen konnte ich nicht sehen.“

Dann hörten wir in der Ferne schon das Martinshorn dröhnen, und wenig später waren zwei Beamte vor Ort. Gleich hinter ihnen kam auch noch ein kleines, rotes Auto mit quietschenden Reifen zum Stehen, und eine Dame und ein junger Mann stiegen aus. Die Frau war ungefähr in Agatha´s Alter schätze ich, also auch nicht mehr ganz taufrisch. Aber man soll sich nicht von Äußerlichkeiten täuschen lassen, dass weiß ich längst. Die Frau stellte sich als Kommissarin Stöckmann vor, und dann zeigte sie auf den jungen Schnösel neben sich und erklärte: „Das ist mein Assistent Leo Büscher. Haben Sie auf der Wache angerufen?“, wandte sie sich an Heini.

„Nein, das war Frau Stechemesser“, antwortete er wahrheitsgemäß und Agatha nickte.

„So, so. Na, dann legen Sie mal los“, forderte die Kommissarin Agatha auf. Sie musste ihr haarklein alles erzählen was sie wusste, während die Beamten schon mit einem rotweißen Band den Tatort absperrten. Mittlerweise waren nämlich schon die ersten neugierigen Nachbarn gekommen, aber die wurden sofort von dem jungen Assi der Kriminalkommissarin weggeschickt.

„Das ist ein Tatort, und Sie haben hier nichts zu suchen!“, tat er sich wichtig. „Oder hat jemand von Ihnen etwas gesehen oder gehört? Nicht? Na also, dann Abmarsch. Wir kommen später noch zu Ihnen!“ schnauzte er die Leute unfreundlich an.

Arroganter Fatzke, dachte ich bloß. Im Übrigen war ich es doch, der die Zirngiebel gefunden hatte, aber um mich kümmerte sich niemand. Dabei hätte ich den Kripobeamten so einiges erzählen können. Zum Beispiel, dass Frau Zirngiebel heute Besuch von einer älteren Dame bekommen hat. Das habe ich gesehen, weil ich mal wieder in ihrem Garten auf der Pirsch war. Diese Frau habe ich hier noch nie gesehen. Die Zirngiebel war über ihren Besuch offenbar sehr erstaunt, außerdem war sie gerade dabei ihre Fenster zu putzen. Trotzdem hat sie die Fremde ins Haus gelassen. Durch die offene Terrassentür habe ich gesehen, dass die beiden Frauen zusammengesessen, etwas getrunken und sich miteinander unterhalten haben. Gerade wollte ich zurück in den Garten huschen und mich wieder vor dem Mauseloch postieren, als ich mitbekam, dass die Zirngiebel aufsprang und böse wurde. Dann hat sie ihre Besucherin rausgeworfen. Kurz danach kam sie in den Garten. Sie hatte ein ganz rotes Gesicht und taumelte, so als wäre sie betrunken. Dann ist sie plötzlich umgekippt und das war´s. Als Heini, nach einem Herrenabend, mal einen über den Durst getrunken hatte, schwankte er auch so. Dann hat er mitten in der Nacht bei uns geklingelt, anstatt nach Hause zu gehen. Er faselte die ganze Zeit was von „lauter vollbusigen Dirndlweibern um uns herum“, und Agatha war darüber gar nicht amüsiert. Ganz im Gegenteil, sie war mächtig...



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