Rudolf | Engel trifft man überall ... | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

Rudolf Engel trifft man überall ...

24 Weihnachtsgeschichten
2. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7460-5114-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

24 Weihnachtsgeschichten

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

ISBN: 978-3-7460-5114-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Vierundzwanzig neue Weihnachtsgeschichten, stimmungsvoll, besinnlich, nachdenklich, und auf Wunsch vieler Leser spielen dieses Mal gleich in mehreren Geschichten auch Haustiere mit.

Brigitta Rudolf lebt mit ihrem Mann und Kater Tiger in einer kleinen Kurstadt am Rande des Wiehengebirges. Es sind weiterhin Bücher über Tiere, neue Krimis und Weihnachtsgeschichten geplant.
Rudolf Engel trifft man überall ... jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Weihnachten im Schuhkarton


Genau diese Aktion war es, die Olga eines Tages auf die Idee brachte, sich für die Kinder in ihrer alten Heimat in Russland zu engagieren. Weihnachtsgrüße, die in einen Schuhkarton passten, mit so wenig Aufwand so viel Freude machen zu können, das war eine ganz wunderbare Sache, fand sie. Olga und Igor waren als Kinder mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen, und in Russland gab es zwar noch immer einige entfernte Verwandte, allerdings war der Kontakt zu ihnen inzwischen recht spärlich geworden. Er beschränkte sich in der Regel auf ein Päckchen zu Weihnachten und ab und schrieben sie den Leuten dort eine Karte zum Geburtstag, auf die allerdings nur sporadisch eine Antwort kam. Das Leben dort hatte eben ganz andere Dimensionen. Aber ihre Idee ließ Olga keine Ruhe, und Igor stimmte ihren Plänen sich darum zu kümmern gleich vorbehaltlos zu. Die beiden wünschten sich schon lange ein Kind, bisher leider vergeblich, vielleicht war sie deshalb schon im Sommer auf diesen Gedanken gekommen, das vermutete Igor jedenfalls. Olga beschloss, ihre Cousine Tatjana zu kontaktieren und sich bei ihr zu erkundigen, ob es eventuell in der Nähe ein Waisenhaus gab, das man unterstützen konnte. Deshalb setzte sie sich hin und schrieb an Tatjana. Unerwartet schnell kam die Antwort. Die Leiterin des Waisenhauses, das sie ausfindig gemacht hatte, hieß Frau Poltowa. Sie würde sich sehr freuen, wenn Olga und Igor sich bei ihr melden würden. Tatjana schrieb weiterhin, dass auch sie sehr glücklich wäre, die beiden einmal wiederzusehen, falls Igor und Olga tatsächlich selbst nach Russland kommen sollten.

Olga war in den letzten Wochen nicht untätig geblieben und hatte etliche ihrer Freunde, Nachbarn und auch einige Arbeitskollegen für ihr geplantes Projekt gewinnen können. Daher lagerten bereits viele Sachspenden in ihrem geräumigen Keller. Kinderkleidung in verschiedenen Größen, Handtücher, Putzmittel und sogar Konserven hatte sie erhalten. Nachdem sie von Frau Poltowa eine Liste mit den Namen ihrer Schützlinge sowie deren Alter erhalten hatte, konnten ihre Helfer sich danach jeweils ein Kind aussuchen, für das sie gern ein Päckchen packen wollten. In dem Waisenhaus wurde wirklich alles gebraucht, das hatte die Heimleiterin durchblicken lassen.

Nachdem sich Igor zunächst einmal um die Einreiseformalitäten gekümmert hatte, was gar nicht so einfach gewesen war, konnten Olga und er einige Tage vor Weihnachten ihr Auto voll packen und sich auf den Weg machen. Dafür hatten beide einen Teil ihres Jahresurlaubs aufgespart. Es war eine lange und anstrengende Fahrt, und sie waren heilfroh, als sie endlich dort ankamen. Schnell hatten sie in dem verschlafenen kleinen Ort das Waisenhaus gefunden. Die Heimleiterin empfing das Paar aus Deutschland sehr herzlich und bot ihnen gastfreundlich auch eine Schlafgelegenheit an, die Olga und Igor allerdings ablehnten, da sie von Tatjana erwartet wurden. Frau Poltowa staunte über die vielen Dinge, die ihre Gäste aus dem Auto holten. Einige Kinder hatten ihre Ankunft natürlich bemerkt, wurden aber von Frau Poltowa schnellstens wieder fort geschickt, denn die vielen bunt verpackten Weihnachtspäckchen sollten doch eine Überraschung bleiben. Olga schluckte, als sie bemerkte, wie ärmlich die Kinder gekleidet waren. Sie und Igor waren gewiss nicht reich, aber eine solche Armut, die kannte man bei ihnen in Deutschland kaum. Sogar Igor, der längst nicht so empfindsam war wie seine Frau, fiel das gleich auf. Morgen war Heiligabend und er freute sich riesig darauf, einmal selbst den Weihnachtsmann spielen zu dürfen!

Nachdem sie alle mitgebrachten Sachen ausgeladen und die hübsch verpackten Geschenkpäckchen vor den neugierigen Kinderaugen in Sicherheit gebracht hatten, lud Frau Poltowa ihre Gäste sehr freundlich zum Abendessen ein.

„Kommen Sie, dann stelle ich Ihnen unsere Kinder vor“, bat sie so herzlich, dass Olga und Igor es ihr nicht abschlagen mochten. Dann ertönte der Gong, und die Kinder kamen aus ihren Zimmern in den großen Speisesaal, um sich dort zu der abendlichen Mahlzeit zu versammeln. Einige der Jüngsten wurden von ihren Erzieherinnen herein gebracht. Eine der Damen hielt einen blonden kleinen Jungen an der Hand, als sie den Speisesaat betrat. Als der Kleine Olga sah, wurde er blass und riss sich von der Hand seiner Erzieherin los. Dann stürzte er, so schnell ihn seine kleinen Beinchen trugen, auf Olga zu und stammelte atemlos: „Mama, Mama!“

Dabei klammerte er sich so fest er konnte an sie und begann haltlos zu schluchzen. Olga beugte sich zu ihm hinunter und nahm ihn auf den Arm. Bei dieser rührenden Szene schossen auch Igor Tränen in die Augen, die er sofort verstohlen wegwischte.

„Tatsächlich, hat Ihre Frau eine gewisse Ähnlichkeit mit seiner Mutter, das muss man sagen“, stellte Frau Poltowa fest, während sie versuchte, Olga den Kleinen abzunehmen. Allerdings ohne Erfolg, denn der klammerte sich nur umso fester an seine vermeintliche Mama, gerade so, als wolle er sie nie mehr loslassen. Er gab erst Ruhe, als man ihm versprach, er dürfe während des Abendessens auf ihrem Schoß sitzen bleiben. Der Knirps hieß Michail und war zweieinhalb Jahre alt, erfuhren Igor und Olga. Michail schmiegte sich ganz fest an Olga und ließ sie nicht aus den Augen, während sie ihn fütterte. Ab und zu strich sie ihm dabei zart über seine Wange und jedes Mal, wenn sie es tat, strahlte er sie dankbar und glücklich an. Auch später, nach dem Abendessen, weigerte er sich strikt, sich von jemand anderem anfassen zu lassen. Als es Zeit für ihn wurde, zu Bett gebracht zu werden, begann er erneut zu weinen und beruhigte sich erst, als man ihm versprach, dass Olga auch am nächsten Tag wieder herkommen würde. Mit Tränen in den Augen sah auch Olga ihm gedankenvoll nach. Dann wurde es für sie und Igor allerhöchste Zeit sich zu verabschieden, denn Tatjana wartete inzwischen sicher schon ungeduldig auf sie.

Als Olga und Igor endlich bei ihr ankamen, war es schon sehr spät geworden, aber der Wiedersehensfreude tat das keinen Abbruch. Als Kinder hatten sich Olga und Tatjana zuletzt gesehen, aber es war vom ersten Augenblick an so. als wären sie nie getrennt gewesen. Sie hatten sich viel zu erzählen, und Olga berichtete ihrer älteren Cousine natürlich auch von der Begegnung mit Michail.

„Stell Dir vor, ich soll seiner Mama ähnlich sehen“, erzählte sie Tatjana.

„Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er gedacht hat, sie ist zurück gekommen, der Arme!“, sagte Tatjana mitleidig.

Sie verstand nur zu gut, dass es vor allem diese Begegnung war, die ihre Gäste sehr aufgewühlt hatte.

Nachdem Olga und Igor sich zurückgezogen hatten, fanden beide keine Ruhe, sondern wälzten sich schlaflos hin und her. Bis Igor es schließlich doch wagte seine Frau anzusprechen, indem er fragte: „Kannst Du auch nicht schlafen?“

„Nein, ich muss immer an die Kinder denken, vor allem an Michail!“, gab sie zu.

„Mir geht es nicht anders.“

„Er ist doch noch so klein, er braucht eine Mama!“, flüsterte Olga erstickt.

Igor nahm sie tröstend in die Arme und wiegte sie sacht hin und her, bevor er antworte: „Eine richtige Familie wünscht sich jedes Kind hier, und wir können nicht allen helfen, aber Michail, den könnten wir doch adoptieren, was meinst Du?“

„Igor, ist das wirklich Dein Ernst? Daran hatte ich auch schon gedacht“, bekannte Olga.

„Er wird sich sicher schnell bei uns eingewöhnen, aber wir sind ja noch einige Tage hier, wir sollten uns alle erst noch ein wenig besser kennenlernen, bevor wir uns endgültig zu so einem Schritt entschließen“, schlug Igor vor.

Damit war Olga zunächst einverstanden, wandte allerdings ein, dass sie vorher gern noch mit Tatjana darüber reden würde.

„Das sollten wir auf jeden Fall, sie wird uns gegebenenfalls auch bei den Formalitäten hier vor Ort zur Seite stehen müssen“, stimmte Igor zu.

Er hatte den kleinen Mann, ebenso wie Olga, schnell ins Herz geschlossen. Sie wünschten sich doch schon lange ein Kind – warum also nicht Michail.

Am nächsten Morgen sprachen sie mit Tatjana über ihren Plan. Die riet ihnen natürlich nichts zu überstürzen, sicherte ihnen aber grundsätzlich jede nur mögliche Unterstützung zu, wenn sie sich dazu entschließen sollten, Michail tatsächlich eines Tages zu sich zu holen.

Zum Weihnachtsfest sind selbstverständlich alle Kinder vor der Bescherung aufgeregt. Es summte und brummte in allen Räumen des Waisenhauses, ähnlich wie in einem Bienenstock, so kam es Igor vor, als er mit Olga das Haus betrat. Vor lauter Aufregung hatte Michail gar nichts gegessen, stürzte aber gleich wieder in Olgas Arme, sobald er sie sah. Er plapperte glücklich vor sich hin und zog sie hierher und dorthin. Zwar verstand Olga kaum ein Wort von dem was er ihr erzählte, aber offenbar brauchten die beiden keine Sprache um sich miteinander zu verständigen, dachte Igor amüsiert. Aber Michail hatte auch verstanden, dass Igor zu Olga gehörte,...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.