Rudolf | Kriminelle und andere Machenschaften | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 316 Seiten

Rudolf Kriminelle und andere Machenschaften


3. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7448-2699-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 316 Seiten

ISBN: 978-3-7448-2699-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kurze Kriminalgeschichten, nicht ganz ernst gemeint. Auch für Nicht-Krimi-Leser geeignet.

Die Autorin lebt mit ihrem Mann und Kater Jonny in einer kleinen Kurstadt am Rande des Wiehengebirges. Außer ihren Tiergeschichten gibt es Schmunzelkrimis, Kurzgeschichten und bisher drei Weihnachtsbücher.
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Eva und der Killer


Eva

Vielleicht bilde ich es mir ja nur ein, aber diese komischen Unfälle in den letzten Wochen, die kann ich mir einfach nicht anders erklären, als dass es jemand auf mich abgesehen hat. Aber warum bloß?

„Ja und wer soll das sein?“, hat Sven, mein Mann, mich ungläubig gefragt, als ich mich ihm anvertraut habe. Langsam kommt mir tatsächlich der Verdacht, dass Sven selbst dahinter stecken könnte. Wir führen wahrhaftig keine Bilderbuchehe, nein wirklich nicht, aber wenn er die Nase voll hat, dann könnte er doch einfach die Scheidung einreichen. Klar, mir gehört unsere Schreinerei zur Hälfte, aber eine Goldgrube ist sie auch nicht. Geld kann also nicht das Motiv sein, aber was dann? Hat er vielleicht eine andere? Das glaube ich aber auch nicht, das hätte ich doch sicher bemerkt, so etwas fällt einer Frau doch auf. Außerdem sind wir hier nicht in einem schlechten Krimi, sondern in einer bodenständigen, westfälischen Kleinstadt. Hier ist noch nie ein Mord passiert …

Oleg

Schnell, unauffällig und diskret, das ist mein Motto, und in gewissen Kreisen habe ich inzwischen deshalb einen guten Ruf als Killer. Meine Opfer spüren nichts, und dem Einen oder Anderen habe ich vielleicht sogar mit seinem unerwartet schnellen und schmerzlosen Tod einen Gefallen getan – wer weiß das schon so genau. Aber dieses Mal ist es anders, das spüre ich einfach. Vielleicht hätte ich diesen Auftrag erst gar nicht annehmen sollen, zumal er ohnehin aus dem Rahmen fällt. Noch nie habe ich, sozusagen privat, jemanden abgemurkst. Es ging bisher immer um handfeste, meistens wirtschaftliche Interessen, und meine Opfer waren ausnahmslos Männer, die selbst auch vor nichts zurückgeschreckt hätten. Manchmal waren ihre Gegner einfach schneller, indem sie mich engagierten. Verdient hatten sie es alle, aber diese Frau? Ich komme einfach nicht dahinter, warum ich ausgerechnet sie töten soll; sie sieht doch so harmlos aus, aber lange kann ich es trotzdem nicht hinauszögern, genau so hat es mein Mittelsmann mir ausrichten lassen.

Eva

Also Anette, das ist ja meine beste Freundin, die findet es auch komisch, was mir in der letzten Zeit so alles passiert ist. Das können langsam keine Zufälle mehr sein, meint sie. Erst dieser Beinaheunfall, als ich mit dem Rad auf dem Heimweg vom Kirchenchor war, und die Kette plötzlich absprang. Ausgerechnet an der abschüssigen Stelle da am Steilhang, fast hätte ich mir dabei etwas gebrochen, aber ich hatte mir nur den Fuß tüchtig verstaucht. Zum Glück konnte ich noch rechtzeitig abspringen, bevor mein Rad unversehens ins Leere sauste. Mehrere schmerzhafte Prellungen und eine leichte Gehirnerschütterung hatte ich auch. Das war Pech, dachte ich damals.

Als mir dann noch die Sache mit der U-Bahn passierte, war das ein ziemlicher Schock! Weil mein Rad noch in der Reparatur war, bin ich einige Tage später dann mal mit der U-Bahn in die Stadt gefahren. Als ich, nachdem ich meine Besorgungen erledigt hatte, am Nachmittag zurückfahren wollte, stand ich am Bahnsteig und sah schon wie die U-Bahn ankam, da bekam ich plötzlich von hinten einen Stoß und wäre fast auf die Schienen gestürzt. Trotzdem habe mich instinktiv gerade noch mit einer Hand an dem Schild mit den Fahrplänen festhalten können. Das war vielleicht ein Schreck! Gesehen habe ich allerdings niemand, aber eingebildet habe ich mir das wohl nicht, oder etwa doch? Ich bin doch eigentlich kein „Stolpervogel“. Von dem Schock hatte ich mich zuhause immer noch nicht ganz erholt, wollte aber Sven nichts da von erzählen, weil ich ihn nicht beunruhigen wollte. Außerdem war ich nicht sicher, ob er nicht mal wieder sagen würde, ich hätte zu viel Phantasie.

Zwei Tage später hatte ich diese furchtbare Magenverstimmung, und auch Sven fühlte sich ohnehin an dem Tag nicht gut und wollte meinen leckeren Eintopf deshalb nicht mitessen. Hätte er mir das eher gesagt, dann hätte ich mir die ganze Arbeit sparen können. Stundenlang habe ich gebraucht um das Gemüse zu schnippeln, und dann hat er kurz vor dem Essen angeblich keinen Appetit mehr und fühlt sich unwohl. Also habe ich allein davon gegessen. Hat mir auch gut geschmeckt, aber weil frische Pilze mit drin waren, habe ich den Rest davon nicht aufgehoben, schließlich soll man die nicht wieder aufwärmen. Wenig später war mir dann auch schlecht, und ich musste mich übergeben. Vielleicht liegt mal wieder ein Magen-Darm-Infekt in der Luft habe ich erst gedacht, zumal es Sven ja auch nicht so gut ging.

Aber als dann auch noch die Sache mit der Waschmaschine passierte, wurde ich langsam doch hellhörig. Denn bis zu dem Tag, als Sven ausnahmsweise einmal selbst seine Arbeitsklamotten einstecken wollte, hat sie immer reibungslos funktioniert. Danach sollte sie urplötzlich ihren Geist aufgegeben haben? Jedenfalls bestellte Sven den Reparaturdienst, und als ich dann zwei Tage später meine Seidenblusen waschen musste, wäre ich fast an einem Stromschlag drauf gegangen, als ich sie anmachen wollte. Angeblich konnte die Firma keinen Schaden feststellen, als der Monteur erneut kam. Tja, was sollte ich da machen? Bewiesen werden konnte nichts mehr, außerdem lief die Maschine auch wieder einwandfrei, meine Blusen waren jedenfalls blitzsauber, als sie aus der Maschine kamen. Sven meinte, ich hätte mir das alles nur eingebildet, habe ich aber bestimmt nicht, das weiß ich ganz genau! Warum will mir, einer ganz normalen Hausfrau, jemand ans Leder? Bei mir gibt’s doch nichts zu holen. Vielleicht hat Sven doch ein Geheimnis, dem ich auf die Spur kommen sollte, wie Anette vorgeschlagen hat. Sie meint, ich sollte einen Privatdetektiv anheuern um das zu klären, aber von welchem Geld denn? Vom Firmenkonto, das merkt Sven doch sofort und um etwas unbemerkt beiseite zu schaffen, dazu hat es bei uns noch nie gereicht.

Sven

Mannomann, langsam wird meine Zeit wirklich knapp. Noch hat Eva nicht geschnallt, dass tatsächlich ich es bin, der sie loswerden will, nein muss! Aber mir bleibt tatsächlich keine andere Wahl, wenn ich die Lebensversicherung kassieren will. Aber anders geht es nicht, ich will doch mit Nadine neu anfangen, und dafür brauche ich das Geld ganz dringend. Außerdem wird sich die Schwangerschaft von Nadine nicht mehr lange verheimlichen lassen. Nur gut, dass Eva immer noch so arglos ist. Als wir damals die auf Gegenseitigkeit abgeschlossene Lebensversicherung gemacht haben, dachte ich ja vor allem daran Eva abzusichern, falls mir etwas passiert. Schon seit einiger Zeit läuft die Firma aber nicht mehr so gut, und ich habe daran gedacht, die Versicherung wieder aufzulösen, um die Beiträge zu sparen. Bei der Gelegenheit habe ich dann auch Nadine , sie ist meine neue und absolut superattraktive Sachbearbeiterin, bei der „Sei ohne Sorgen Versicherungs - AG“, kennengelernt. Wenn man so will, war das doppeltes Pech für Eva! In Nadine habe ich mich Hals über Kopf verliebt, und sie hat mich erst auf den Gedanken gebracht, dass ich, wenn Eva etwas zustoßen sollte, schließlich ihr Erbe sein werde, jedenfalls wenn man mir nicht nachweisen kann, dass ich dahinter stecke. Nadine ist clever, sie war es schließlich auch, die diesen Kerl aufgetrieben hat, damit er die Drecksarbeit für uns erledigt. Meine dilettantischen Versuche, Eva um die Ecke zu bringen, sind ja kläglich gescheitert. Und auch als Nadine es am U-Bahnhof noch einmal versucht hat, ist nichts passiert. Es ist kaum zu fassen, aber Eva hat tatsächlich wirklich bisher immer unverschämtes Glück gehabt!

Oleg

Dieser Auftrag macht mir wirklich Kopfschmerzen! Eine Frau habe ich noch nie getötet – wollte ich eigentlich auch nie, aber Geld ist Geld und ich habe momentan einen kleinen Engpass. Vielleicht sollte ich das verflixte Glücksspiel in Zukunft doch aufgeben und um die Casinos in der Region einen Bogen machen. Mein Opfer ist ja nicht unattraktiv, da wird es mir nicht schwer fallen, mich an sie ran zu machen. Es lässt sich da bestimmt etwas arrangieren um sie kennenzulernen. Über ihre Lebensumstände muss ich mich sowieso informieren, das macht vieles leichter. Wo und wann man sie am besten trifft, da kann ich ansetzen.

Eva

Ich kann es immer noch nicht fassen – ich, die biedere Eva, habe einen netten Mann kennengelernt, einfach so im Supermarkt. Er hatte gerade an der Fleischtheke ein Wrap gekauft und ist gestolpert, hat mich angerempelt, und mir bei der Gelegenheit den schönen, neuen Pullover beschmutzt. Als Wiedergutmachung wollte er mich unbedingt auf einen Kaffee einladen. Ich hatte Zeit und habe angenommen, warum auch nicht? Er ist ein sehr netter Mann, wenn auch etwas ungeschickt, der Oleg. Er hat mich gefragt, ob ich hier immer einkaufe und auch, ob er mich wiedersehen darf. Ehe ich richtig darüber nachdenken konnte, hatte ich schon ja gesagt. Noch ist alles ganz harmlos, aber ob ich es Sven erzähle, das weiß ich trotzdem nicht.

Oleg

Nein, diesen Engel kann ich nicht umbringen! Nur gut, dass ich vorher noch einige Nachforschungen angestellt habe, war eigentlich kinderleicht. Es ist mal wieder die alte Geschichte. Ein Mann liebt inzwischen eine andere Frau, und die bekommt angeblich ein Kind von ihm, deshalb ist ihm seine Alte im Weg. Außerdem ist da noch die...



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