Rudolf | Plätzchenduft, Sternenglanz und Schneegestöber | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 232 Seiten

Rudolf Plätzchenduft, Sternenglanz und Schneegestöber


2. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7693-6012-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

ISBN: 978-3-7693-6012-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



24 Weihnachts- und Adventsgeschichten für die ganze Familie

Brigitta Rudolf lebt mit ihrem Mann und Kater Tiger in eier kleinen Kurstadt in Ostwestfalen. Das Buch Plätzchenduft, Sternenglanz und Schneegestöber ist ihr 32. Buch und das 6. Buch mit Weihnachts- und Adventsgeschichten, wie immer mit 24 Kurzgeschichten.
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Das Engelchen und der Schneemann

Susi, das jüngste Engelchen im Himmel, mochte nichts lieber als durch das große Himmelsfernrohr auf die Erde hinab zu schauen. Was die Menschen so anstellten, das interessierte es sehr. Petrus hatte den kleinen Engel allerdings streng ermahnt, mit dem empfindlichen Gerät äußerst vorsichtig umzugehen. Daran hielt sich das Engelkind, und so gab es für Petrus keinen Grund zur Klage. Jetzt war Winter und es hatte tüchtig geschneit. Der kleinste Engel war ganz begeistert davon. Hier und dort erkannte man schon vereinzelt große Tannenbäume, die mit Lichtern geschmückt waren und in der Dunkelheit hell leuchteten. Von Tag zu Tag wurden es mehr, und daran hatten Susi und alle Engel im Himmel große Freude.

„Bald ist Weihnachten. Dafür arbeiten wir, aber Du bist noch zu klein, um uns zu helfen“, hatte man dem kleinen Engel erklärt.

In diesen Wochen ist immer viel zu tun, und so hatte keiner der größeren Engel viel Zeit, sich um das Engelkind zu kümmern. Stattdessen wurde es als Bote eingesetzt und lief zwischen den himmlischen Werkstätten hin und her, um Nachrichten zu überbringen. Aber es langweilte sich dennoch oft, wenn es so ganz allein durch den weiten Himmel stromerte.

Durch das große Fernrohr sah das Engelchen Susi gespannt dabei zu, wie die Kinder ihre Schlitten hervorholten und damit die Hügel erklommen, um anschließend jubelnd wieder hinunter zu sausen. Einen prächtigen Schneemann hatten die Kinder auf der Erde auch gebaut. Er trug einen bunten Schal und zum Schluss stülpte ihm ein kleines Mädchen eine rote Pudelmütze über den dicken Kopf. Die dunklen Kohlenaugen des Schneemanns schienen vor lauter Lebensfreude zu funkeln und schauten geradewegs zum Himmel hinauf, so kam es dem kleinen Engelmädchen vor. Susi wusste, dass Schneemänner leider in der Regel ein sehr kurzes Leben haben, und hatte sich schon lange so sehr gewünscht, im Himmel einen Schneemann bauen zu können. Der große Schneemann begeisterte das kleine Engelchen über alle Maßen und es wünschte sich nichts mehr, als ihn bei sich zu haben, am liebsten für immer und ewig. Aber zumindest wollte es ihn einmal besuchen. Aber wie sollte das gehen? Schließlich fasste der kleine Engel sich ein Herz und fragte einen größeren Engel: „Wie komme ich auf die Erde?“

„Was willst Du denn dort?“, fragte der große Engel erstaunt.

„Ich habe da einen Freund, den möchte ich gern mal besuchen“, wich das kleine Engelchen aus.

„So, so“, wunderte sich der größere Engel, aber er fragte nicht weiter, sondern erklärte Susi, dass nur der Weihnachtsmann mit seinen Rentierschlitten einmal im Jahr auf die Erde kam, um den Kindern zu Weihnachten Geschenke zu bringen.

„Kann ich da nicht mitkommen?“

„Ich fürchte, das geht nicht, aber Du kannst den Weihnachtsmann ja trotzdem fragen“, schlug der andere Engel vor.

Von dieser Aussicht getröstet, machte sich das kleine Engelmädchen gleich auf den Weg. Der Weihnachtsmann war sehr erstaunt über diese Bitte und wiegte den Kopf hin und her, bis er schließlich sagte: „Am Heiligen Abend habe ich immer so viel zu tun, da kann ich Dich leider nicht mit zur Erde nehmen. Aber lass mich nachdenken, vielleicht fällt mir doch noch etwas ein.“

Sofort bekam das kleine Engelchen ein schlechtes Gewissen, weil es dem lieben Weihnachtsmann, der ohnehin schon so viel zu tun hatte, durch diesen Wunsch noch mehr aufbürdete. Dennoch vertraute es dem verdutzten Weihnachtsmann an; „Ich möchte den dicken Schneemann so gern besuchen oder mir selbst einen bauen. Warum gibt es bei uns im Himmel keine Schneemänner?“

„Weil wir keinen Schnee haben, den brauchen wir hier ja auch nicht“, erklärte der geduldige Weihnachtsmann.

Das Engelchen trollte sich daraufhin und ging wieder zu dem großen Himmelsfernrohr, um zu schauen ob der Schneemann noch an seinem Platz stand. Natürlich war er noch da – wohin sollte er auch gegangen sein? Er erschien dem kleinen Engelkind anziehender denn je. Aber wie sollte Susi zu ihm gelangen? Schließlich fasste sie einen tollkühnen Plan. Sie hatte doch Flügel. Warum also sollte es ihr nicht gelingen, einfach zur Erde zu fliegen? Und so wartete sie einen günstigen Moment ab, in dem keiner der anderen Engel in der Nähe war, breitete ihre kleinen Flügel aus und flog zur Erde hinunter. Puh, der Weg war viel weiter als gedacht. Aber tapfer hob und senkte der kleine Engel unaufhörlich die Flügel und langsam, ganz langsam kam er seinem Ziel näher. Der Schneemann hatte bemerkt, dass sich am Himmel etwas tat und stutzte, als plötzlich ein goldlockiges Engelchen direkt neben ihm in den Schnee purzelte.

„Wer bist Du und wo kommst Du her?“, fragte er.

Der kleine Engel schüttelte sich den Schnee aus den Flügeln und erklärte munter: „Ich komme aus dem Himmel. Bei uns gibt es leider keine Schneemänner. Mein Name ist Susi. Ich möchte Dich besuchen.“

„Oh, das ist aber schön!“, freute sich der Schneemann; dann fuhr er fort: „Weißt Du, die Kinder kommen nur noch selten zu mir. Die gehen jetzt lieber rodeln.“

Inzwischen hatte man im Himmel festgestellt, das Susi, der kleinste Engel, verschwunden war. Alle waren in heller Aufregung und hatten schon überall gesucht, bis dem Weihnachtsmann plötzlich wieder einfiel, worum Susi ihn vor einigen Tagen gebeten hatte. Das hatte er in seiner Zerstreutheit schon wieder vergessen. Schnell eilte Petrus zum Himmelsfernrohr und sah Susi neben dem Schneemann stehen.

„Da unten ist sie ja!“, rief er.

Er war sehr erleichtert, aber natürlich musste der kleine Engel schleunigst wieder in den Himmel zurückgebracht werden, das stand fest.

„Übermorgen ist Heiligabend; vielleicht könnte ich die Kleine auf meiner Reise um die Erde wieder mit zurückbringen“, überlegte der Weihnachtsmann.

„Und was soll sie bis dahin so allein auf der Erde? Nein, das geht nicht“, wandte Frau Weihnachtsmann ein.

„Dann passe ich solange auf sie auf“, schlug das Engelmädchen Philippa vor.

Sie war schon einige Male auf der Erde gewesen und begleitete den Weihnachtsmann regelmäßig am Heiligen Abend, wenn er die Geschenke zu den Kindern brachte.

„Traust Du Dir das auch wirklich zu?“, vergewisserte sich Frau Weihnachtsmann.

„Aber natürlich!“

„Gut, dann ist das entschieden.“

Mit diesen Worten beendete Petrus die Diskussion. „Aber ich werde jeden Eurer Schritte am Himmelsfernrohr verfolgen, damit Ihr keine Dummheiten macht“, setzte er grimmig hinzu.

Schließlich kannte er den Wildfang Philippa nur zu gut. Als sie in den Himmel kam, hatte sie zunächst bei der Engelschar für mächtig viel Wirbel gesorgt, aber seitdem sie bei dem Weihnachtsmann und seiner Frau lebte, war sie recht vernünftig geworden. Wenig später machte Philippa sich auf den Weg, begleitet von vielen Ermahnungen und noch mehr guten Ratschlägen seitens der lieben Frau Weihnachtsmann. Außerdem hatte sie ein Säckchen mit Sternenstaub dabei, denn wenn Engel die Erde besuchen, können sie damit ihre Flügel unsichtbar machen.

Der Schneemann staunte sehr, als er sah, dass ein zweiter Engel zur Erde hinab schwebte. Susi, das kleinste Engelchen schaute sehr erschrocken drein, weil es befürchtete, ausgeschimpft zu werden. Aber Philippa erklärte Susi, dass der Weihnachtsmann sie beide übermorgen mit zurück in den Himmel nehmen würde und sie sich bis dahin auf der Erde aufhalten durften. Susi jubelte und klatschte vor Freude in die kleinen Händchen. Aber der Schneemann sah traurig drein.

„Dann bin ich ja wieder allein“, seufzte er.

Philippa tröstete ihn und sagte: „Das werden wir sehen. Bestimmt fällt mir bis dahin etwas ein!“

„Können wir ihn nicht mit in den Himmel nehmen?“, fragte Susi hoffnungsvoll.

„Ich denke nicht, da ist es doch viel zu warm für ihn, es sei denn…“, überlegte Philippa.

„Ja?“, fragte der kleine Engel hoffnungsvoll.

Aber mehr wollte Philippa zunächst nicht sagen. Die zwei Tage auf der Erde gingen viel zu schnell vorüber fanden die beiden Engel und der Schneemann. Er wusste viele schöne Geschichten, die er ihnen gern erzählte. Außerdem waren Philippa und Susi gemeinsam auf dem Weihnachtsmarkt gewesen. Dort hatte Susi hinter einer der geschmückten Holzbuden ein winziges Kätzchen aufgelesen. Es war pechschwarz und um das dünne Schwänzchen zog sich ein schmaler, schneeweißer Rand.

„Oh, wie süß!“, jubelte das Engelkind und nahm das offenbar sehr hungrige kleine Wesen sofort auf den Arm. „Wenn wir schon den Schneemann nicht mitnehmen können, dann möchte ich wenigstens dieses Kätzchen nicht hierlassen. Du hast doch auch eine Katze, Philippa. Bitte, bitte!“, bettelte Susi.

Die nette Marktfrau musste schmunzeln, als sie diese kleine Szene beobachtete. Sie hielt die beiden...



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