Rudolph | Der Bote | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 29, 170 Seiten

Reihe: Conte Krimi

Rudolph Der Bote

Ein Science-Fiction-Krimi
Erste Ebook-Auflage
ISBN: 978-3-95602-025-4
Verlag: CONTE-VERLAG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Science-Fiction-Krimi

E-Book, Deutsch, Band 29, 170 Seiten

Reihe: Conte Krimi

ISBN: 978-3-95602-025-4
Verlag: CONTE-VERLAG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Noch einmal öffnete ich Södermanns Kladde und las in der akkuraten Schrift, wie ein solcher Brief zu beantworten sei. Ein leeres weißes Rechteck wurde sichtbar, ein dünner senkrechter Strich blinkte. Ich drückte eine Taste - auf dem Rechteck erschien ein 'e'. Ich lachte auf.' Das Jahr 2168 in Zeiten von Postkutschen und rationiertem Wasser. Im Weiler Bankies findet man die Leiche eines Unbekannten. Ein Kriminalrichter reist an, um den Fall zu untersuchen. Merkwürdiges geschieht, die Zeit fließt schneller, ein Strudel, der alles und jeden erfasst. Unter einem Schafstall summen Computer, unter Ruinen liegen Relikte einer merkwürdigen Vergangenheit.

Dieter Paul Rudolph, 1955 in Blieskastel/Saar geboren, arbeitet als Literaturwissenschaftler und Multimedia-Entwickler, Kritiker, Herausgeber und Autor. Sein erster Kriminalroman 'Menschenfreunde' erschien 2008 im Shayol - Verlag. Er ist Herausgeber der zehnbändigen Reihe 'Criminalbibliothek 1850 - 1933,' Mitherausgeber der 'Krimijahrbücher' und als 'dpr' fleißiger Blogger im Internet (www.hinternet.de/weblog).
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Autoren/Hrsg.


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Erster Mord
Zweiter Mord
Dritter Mord
Vierter Mord


Erster Mord

Wach. Es stinkt nach Schafscheiße. Schnell auf und das Gesicht in die Waschschüssel getunkt. Ah! Kalt! Wasser abschütteln und runter, rasch, rasch, komm. Angeekelt einen Blick auf meine Umrisse im Heu, dunkler als das Zeug drum herum, wahrscheinlich nass. Klar doch: nass. Möchte gar nicht wissen, wie das riecht. Schon hell draußen?

Es dämmert. Gut so.

Unten wird zuerst die Kaffeemaschine eingerichtet, eingeschaltet, dann der Laptop hochgefahren. Beides geht viel zu langsam – Geduld, Geduld, ich müsste mehr Geduld haben! Sagt sich so. Immerhin: Der Generator brummt gleichmäßig und diskret, ist da oben nicht zu hören. Keine Gefahr.

So. Jetzt warten. In der Zwischenzeit: Einwählen, Emails checken. Auch wieder eine Ewigkeit. Klack, klack, klack, mit den Fingern auf die Tischplatte musiziert. Endlich: der Kaffee ist durch. Die erste Tasse in drei, vier großen Schlucken, dass ich mir die Zunge daran verbrenne.

Was Wichtiges im Mailfach? Die übliche Erinnerung aus der Zentrale: Au-gen-auf! Ja, ja. Augen auf. Ihr habt leicht reden.

Keine Unterschrift. Soll ich eine Antwort tippen? Nee, oder? Doch? Wird erwartet, ja, ja, ja. Aber an wen eigentlich? Den Priester? Den Silberkopf – lass ihn das bloß nicht hören …? Die Quatschtante – äh … die Stirnumkränzte?

»Alles unter Kontrolle. Planmäßiger Gang der Dinge. Herzliche Grüße!«

›Herzliche Grüße‹ streichen. Die sind imstande und drucken das aus und heften das ab. Man macht sich zum Gespött der Nachwelt … Issn das da?

Ha! Der Programmierer hat ein neues Spiel geschickt! Der weiß, was ich brauche! Space Car Race, ohne Bindestriche, der hats nicht so mit Sprache. Muss er auch nicht. Heißt race nicht auch ›Rasse‹? Doch, gelt? Komisch.

Also, was haben wir denn da. Mit 200000 Sachen die Sekunde durch x-beliebige Galaxien gerast, aufpassen, feindliche Flotten aus bizarren Fahrzeugen, Sternbarrieren als Hindernisse, schwarze Löcher – tilt. Planeten kaputtballern, unbewohnte zehn Punkte, bewohnte hundert. Um die Kugeln kurven, möglichst dicht, aufpassen, dass dich die Schwerkraft nicht ins Nirwana katapultiert oder mitten ins Herz des Bösen, wo sie einen mit ihren Bomben zupflastern. Wer 10 000 Punkte hat, gewinnt.

Ja, nett. Heute Abend mal in aller Ruhe durchhecheln. Kann man das auch zu mehreren spielen? Übers Netz? Müsste eigentlich. Klar, müsste eigentlich.

Jetzt noch einen Kaffee und kräftig durchatmen. Ein Stück von diesem furchtbaren Brot mit der ranzigen Margarine. Bäh! Kaut sich vor lauter Abscheu von alleine.

Und wieder hoch. Und wieder die Schafscheiße. Gewöhnt man sich denn nie daran? Die Biester sind auch wachgeworden in ihrem Pferch und blöken hysterisch nach Atzung. Der Hund knurrt, auch noch schlaftrunken, der. Es ist hell draußen, man sieht’s jetzt im Fensterrahmen funkeln und glitzern. Die Klamotten anziehen und raus.

Schafe hüten.

*

Am frühen Nachmittag des 20. August 2168 hielt Extrapost vor der Station des Weilers Bannkies. Ich, einziger Fahrgast, stieg aus. Der Kutscher sprach leise zu seinen nassen Tieren, ich verstand nicht, was er sagte. Der Ort kam mir menschenleer vor. In der Station bewegte sich nichts, die Fensterläden waren geschlossen, dahinter kein Geräusch.

»Zum Bürgermeister?«, fragte ich den Kutscher. Dieser sagte, ohne mich anzusehen: »Da den Berg hoch. Die Bäckerei.« Und redete dann weiter auf die Pferde ein.

Man hatte hier einen Menschen getötet. Die Leiche, die man am Morgen des 11. August 2168 nahe des Weilers Bannkies entdeckt hatte, war ein Fremder mit eingeschlagenem Schädel. Niemand im Ort kannte ihn oder hatte ihn zuvor gesehen. Es wurde Wasser bei ihm gefunden. Der Bürgermeister Winzram hatte Meldung gemacht, nach einem Beamten des Kriminalgerichts verlangt. Nicht jeder an seiner Stelle hätte das getan. Nächst zwanzig Liter in einem Behältnis lagen neben dem Toten. Kostbares Gut. Man hätte es mit den wenigen Mitwissern teilen können: dem Mann, der die Leiche aufgefunden hatte, und einer jungen Frau, die zufällig darüber hinzugekommen war. Den Toten hätte man verschwinden lassen, das geschieht oft. Man regelt die Dinge unter sich. Oder man vergisst sie.

Bannkies mochte aus vierzig Feuerstellen bestehen, ein kleiner und elender Ort wie viele in diesem Bezirk. Es war heiß wie immer zwischen März und November. Ich überquerte die Straße, Staub wirbelte auf. Ich sah die andere Straße, in die ich zu gehen hatte, hoch. Der Berg war mehr ein Hügel, der sich vor gebirgichtem Hintergrund wölbte und deshalb, weil es diesig und gleißend zugleich war, von fremden Augen für einen wirklichen Berg gehalten werden konnte. Links und rechts standen die Gerippe von Häusern. Sie waren nicht zahlreich. Ich zählte sieben zur Linken, acht zur Rechten. Dazwischen einige Hütten, die eine größer als die anderen, das mochte die Bäckerei, das Bürgermeisteramt sein. Ich stieg hinan. Hinter mir ertönte jetzt die Stimme des Kutschers, der eine andere Stimme antwortete, sie lachten dann auch. Sie sahen mir nach, das wusste ich. Ich drehte mich nicht um.

Es waren armselige Hütten in diesem Dorf. Mit aus den jetzt ruinierten Häusern entnommenen Steinen erbaut. Es gab Ritzen, es gab Löcher, mit Stroh, seltener mit Mörtel gefüllt. Die Hütten waren einstöckig, sie waren windschief, die Fenster spärlich, klein und geschlossen. Die Hütte Winzrams hingegen erhob sich in zwei Stockwerken. Sie wirkte solider als die benachbarten. Ein Schild hing über der Tür. Bäckerei. Darunter: Verwaltung. Darunter: Wasserausgabe. Ich klopfte an die Tür.

»Brot morgens, Wasser abends«, sagte nach einer Weile eine Stimme aus dem Innern. Es mochte die des Bäckers selbst sein, denn sie klang wie von einem, der an das Befehlen gewöhnt ist.

»Ich bin der Kriminalrichter.«

Die Stimme hinter der Tür schwieg. Abermals nach einer Weile, wurde die Tür geöffnet.

Ich kannte Winzram flüchtig aus der Provinzhauptstadt, an die Umstände erinnere ich mich nicht. Wir sind uns nicht vorgestellt worden, es muss eine offizielle Gelegenheit gewesen sein. Einen schon älteren Menschen, an die fünfzig, hatte ich im Gedächtnis, groß und wohlgenährt, was ihn auffallend machte. Er war zweifellos der Mann, der mir jetzt gegenüber stand und mich musterte.

»Sie sind der Kriminalrichter, ja. Wir kennen uns.«

Ich nickte. Er überragte mich um einen halben Kopf.

»Treten Sie ein. Ich weiß ja, warum Sie hier sind. Sind Sie allein? Haben Sie keine Gehilfen mitgebracht? Keine Gendarmen?«

Ich folgte ihm ins Innere des Hauses und antwortete auf alle Fragen mit einen einzigen »Nein«. Ich sagte, als wir in einem Raum waren, in dem wohl das Brot verkauft, das Wasser ausgegeben wurde: »Mein Gehilfe wird übermorgen nachkommen. Er ist erkrankt.«

Winzram brummte Unverständliches.

Es gab in dem Raum einen langen Tresen und dahinter einige Regale, die jedoch leer waren.

»Kommen Sie hier hinein«, sagte der Bürgermeister und führte mich in ein kleineres Zimmer mit Tisch und Stühlen, einem Schrank. Er hieß mich Platz nehmen. Aus dem Schrank nahm er zwei Gläser und eine Karaffe mit Wasser. Er füllte die Gläser mit dem Wasser.

»Sie sind durstig.«

Ich griff in die Innentasche meiner Jacke, der Bürgermeister winkte ab.

»Das bekommen Sie ohne Marken.«

Ich bedankte mich. Winzram musste ein reicher Mann sein, wenn er Wasser zu verschenken hatte. In den Gläsern befand sich ungefähr je ein zehntel Liter.

»Das Wasserreservoir?«, fragte ich.

»Wir verfügen über eine Quelle, vielleicht vier Kilometer von hier. Es ist ausreichend. Den Toten hat man in der Nähe dieser Quelle gefunden, einen Kilometer entfernt, drei Kilometer vom Dorf.«

»Wo ist der Tote jetzt?«

»In einem Felsenkeller. Wir lagern dort Wasser für Notfälle. Der Keller wird gut bewacht.«

Ich zweifelte nicht daran. Wir tranken schweigend von dem Wasser. Es war gutes Wasser, sogar frisch und kühl, wie es überhaupt in dem Haus angenehm kühl war.

»Wo werden Sie übernachten?«, fragte Winzram dann.

Ich wusste es noch nicht.

»Gehen Sie zu Ballick. Das Haus neben der Poststation. Dort hätte man wohl auch ein Zimmer für Sie, aber der Postmeister ist ein Idiot. Das Essen ist schlecht und er wird Sie mit dem Wasser betrügen. Haben Sie genügend Marken dabei?«

Ich hatte mir für eine Woche Vorrat geben lassen. Es war eine dienstliche Reise, mir standen Extrarationen zu.

»Eine Woche wird ausreichen. Wann wollen Sie die Leiche sehen?«

Ich wollte sie sogleich sehen. Der Bürgermeister nickte.

»Das ist mir recht. Erst gegen Abend geben wir das Wasser für morgen aus, bis dahin sind wir zurück.«

Der Tote lag tatsächlich in einem Felsenkeller. Dieser befand sich am östlichen Ende des Ortes, in den gleichen Hügel getrieben, an dem die Häuser standen. Zwei Wachen saßen davor auf dem Erdboden, einer mit einer Muskete bewaffnet, der andere einen Degen in der Hand. Sie schienen beide ihren Dienst mit gebührendem Ernst zu verrichten und standen auf, als sie uns kommen sahen. Winzram begrüßte sie mit einem Nicken, sie nickten zurück und beachteten mich kaum, ich wurde ihnen nicht vorgestellt.

»Mach die...


Dieter Paul Rudolph, 1955 in Blieskastel/Saar geboren, arbeitet als Literaturwissenschaftler und Multimedia-Entwickler, Kritiker, Herausgeber und Autor. Sein erster Kriminalroman "Menschenfreunde" erschien 2008 im Shayol - Verlag. Er ist Herausgeber der zehnbändigen Reihe "Criminalbibliothek 1850 - 1933," Mitherausgeber der "Krimijahrbücher" und als "dpr" fleißiger Blogger im Internet (www.hinternet.de/weblog).



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