E-Book, Deutsch
Reihe: tredition GmbH
Rüthemann Wenn Augen wieder lächeln lernen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-347-55565-5
Verlag: tredition GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der lange, steinige Weg, der mit dem Tod der Eltern für die 10-jährige Lisa begann, endet mit 25 Jahren in einer aussergewöhnlichen, aber trotzdem glücklichen Liebsbeziehung.
E-Book, Deutsch
Reihe: tredition GmbH
ISBN: 978-3-347-55565-5
Verlag: tredition GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Johann A. Rüthemann ist ein 69-jähriger, neugeborener Autor. Nachdem er sein Leben in der Restaurantküche und der Logistik verbracht hatte, produzierte er 10 Jahre Käsefondue. Dann beschloss er, genug Käse, jetzt schreibe ich. Das war schon länger sein Traum. Es soll ein Roman über echte und falsche Liebe werden. Er kenne die echte, und dürfe sie jeden Tag leben und erleben. Über die Falsche liest und hört man jeden Tag. Er sagt auch, geniesse sie wie ein Glas Wein. Nicht den Fusel, rein soll er sein.
Autoren/Hrsg.
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10
Pünktlich steht das Taxi vor dem Haus.
Sie greift ihren Mantel, schritt nach draußen und schließt die Haustür. Der Taxifahrer fährt sie durch Stadtgebiete, die ihr fremd sind. Dann dem See entlang bis weit außerhalb der Stadt, zu einem modernen Haus, auf einer Anhöhe gelegen.
Erstaunt in die Weite blickend verlässt Lisa das Taxi. Wartend sieht sie Fredy auf der Terrasse. Die Begrüßung ist herzlich, eine kurze Umarmung.
Dabei flüstert er ihr ins Ohr „Du siehst umwerfend aus. Du wirst heute viele Freunde kennenlernen. Es wird eine wunderbare Party.“
„Ja, danke.“
Lisas Euphorie hält sich in Grenzen. Ihm bleiben ihre Zweifel verborgen. Ihr ist nicht klar, wie sie die Geschwindigkeit der Anmache deuten soll.
Die Traumvilla liegt auf einer Anhöhe, abseits mit Blick auf einen Teil des Zürichsees. Lisa genießt den Fernblick auf den See und die Berge.
„Komm, ich stell dir ein paar Freunde vor.“
Die bewundernden, und gleichzeitig herausfordernden Blicke der männlichen Gäste bleiben an ihr kleben. Sie sieht überwiegend junge, sexy Frauen. Jede puppenhafter als die andere. Sie bemüht sich, alles gleichgültig auf sich einwirken zu lassen. Bin ich nun Fredys Freundin, oder auch eine von denen? Er stellte sie als Frau an seiner Seite vor, was viele mit Bewunderung zur Kenntnis nahmen.
Fredy reicht ihr ein Glas Champagner. „Schau dich ein wenig um, ich bin gleich wieder da.“
Mit dem Drink in der Hand erkundet sie langsam das Haus. Es ist groß mit vielen Zimmern. Auf der Terrasse bemerkt sie den großen Pool. Die Gäste stehen drum herum, diskutieren stehend oder sitzend, meist mit einem Glas Champagner in der Hand. Sie entdeckt einzelne Paare, die abseits Zärtlichkeiten austauschen. Teilweise hemmungslos. Zurück im Haus zählt sie bestimmt dreißig Personen. Sie hält Ausschau nach Fredy, doch sie findet ihn nicht. Unsicherheit ersetzt ihre noch erwartungsvolle, freudige Laune, bis ein Gast sie von der Seite anspricht.
„Gefällt es Ihnen hier, sind sie zum ersten Mal dabei?“
Dabei? sinniert Lisa kurz, dreht sich verwundert um und sieht einem 30-jährigen Schönling direkt in seine grünen Augen.
„Ja, ich bin mit Fredy das erste Mal auf einer Party.“
Der Blick des erregt wirkenden Gastes trifft sie tief. Ihr Herz fängt an zu pochen. Sie fühlt sich unbehaglich und will der Lage entgehen. Er fasst sie aus dem Nichts sanft am Arm, um ihr zu deuten, stehen zu bleiben. Seine Erregung ist nicht zu übersehen. Es passiert so unvermittelt, dass sie sich von ihm wegdreht. Sie schlendert legere an teils offenen oder verschlossenen Türen vorbei. Fredy war nirgends zu sehen. Einen älteren Herrn fragt sie, ob er ihn gesehen habe.
„Ich glaube, er ist in diesem Zimmer“, erwidert er und deutet auf eine geschlossene Tür.
„Danke.“
Sie klopft kurz, bevor sie eintritt. Die Frau ist um 35, und äußerst attraktiv. Sie sitzt auf Fredys Schoß. Seine rechte Hand gleitet langsam zwischen den Oberschenkel unter ihren ultrakurzen Mini. Lisa erschrickt und erblasst. Sie dreht sich, knallt die Tür hinter sich mit Wut und Entsetzen zu. Verstohlene Blicke, und das Getuschel, das sie begleitet, sind ihr in diesem Moment egal. Nur wegrennen von allem, was sie gesehen hat. Das sind ihre einzigen Gedanken. Sie schnappt sich ein Taxi. Ihre Enttäuschung ist elend. Sie schämt sich dafür, sich mit Fredy eingelassen zu haben. Ja, sie würde die geplante Vertragsbesprechung platzen.
Die Suche nach dem Schlüssel ist erfolglos. Sie greift kurzentschlossen zum Handy. Die halbverschlafene Stimme am anderen Ende strahlt durchs Telefon Wärme.
Bin ich verrückt. Lisa ist verunsichert. Zu spät.
„Rosetti?“
„Hier spricht Lisa de Vries.“
„Woher haben Sie meine Nummer?“
Stotternd entschuldigt sich Lisa für den späten Anruf.
„Es ist elf Uhr nachts. Ist was passiert?“
„Darf ich vorbeikommen?“
„Ich weiß nicht, wir kennen uns kaum.“
„Ja, aber sie kennen Fredy. Ich bin da in was hineingerutscht, womit ich nicht umgehen kann. Es tut mir sehr leid für diese späte Störung.“
Maria erinnert sich an ihr Gefühl für Lisa, welches sie beim ersten Treffen erfasste. Dieses gibt ihr das unbestimmte Vertrauen, zuzustimmen.
Das Taxi steht noch vor dem Haus. Schon ist Lisa wieder auf dem Weg, zu Maria. Ob das wohl gut geht? Sie macht sich Vorwürfe. Wie konnte ich eine bisher mir kaum bekannte Frau mitten in der Nacht anrufen.
„Komm rein, mit dir habe ich nicht gerechnet.“
„Entschuldige bitte. Weißt du, ich habe in Zürich niemanden, dem ich mich anvertrauen kann. Da bist du mir eingefallen. Ich hatte in den letzten Jahren nicht immer eine gute Hand was Vertrauen betrifft. Doch bin ich mir sicher, ja ich habe dich in der sehr kurzen Zeit auch beobachtet, dass ich dir vertrauen kann. Jetzt bin in Panik geraten. Darum dieser Überfall, spät nachts.“
„Fredy?“
„Ja“, sagt Lisa nach kurzem Zögern.
„Und wie soll ich dir da helfen? Er ist mein Chef.“
„Bitte sei ehrlich zu mir“, sagt Lisa. „Wenn ich dich damit in Schwierigkeiten bringe, gehe ich sofort.“
In diesem Augenblick schauen sich beide in die Augen. Es war wie eine gegenseitige Analyse bis tief ins Herz.
„Weißt du Lisa, ich habe nur zugestimmt, weil ich in deinem Blick Ehrlichkeit und Reife gesehen habe. Du unterscheidest dich von den jungen Girls, die Fredy sich angelacht hat.“
Lisa schluckt zweimal, bevor sie in der Lage ist, zu antworten.
„Ich hole uns was zu trinken. Ein Glas Rotwein, oder lieber was Härteres?“
Lisa nickt nur. Sie überlegt, die Wohnung gleich wieder zu verlassen. Doch das Bauchgefühl sagt, nein. Die Konfrontation mit Marias Urteil gibt ihr Hoffnung. Sie fühlt, es ist ehrlich. Ich bin nicht einfach eine weinende Tussi. Der Schmerz war zu groß.
Lisa trinkt das erste Glas mit einem Zug leer und stellt es mit einem tiefen Seufzer zurück auf den Tisch.
„Erzähl mal“, sagt Maria und sieht sie fordernd an. „Was ist denn passiert?“
Es sprudelt wie ein Schwall aus Lisa heraus. Sie erzählt den Verlauf des Abends in jedem Detail. Die Tränen stehen ihr zuvorderst.
„Was soll ich dir sagen? Ja, Fredy ist kein Mann für feste Beziehungen. Er liebt das Leben und, Frauen. Was ich dir sagen kann ist, dass ich mit Fredy noch keine Frau gesehen habe, wie du eine bist. Ich erlaube mir dieses Urteil, denn bisher waren seine, entschuldige bitte, Gespielinnen sehr Jung, das bist du auch, ich meine eher, unreif. Aber ich denke nicht, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, darüber eine vertiefte Unterhaltung zu führen. Ich verstehe dich. Lass denn Abend einfach mal sacken. Gerne können wir uns darüber unterhalten wenn deine Emotionen sich gelegt haben.“
Lisas Augen werden dabei nass. Sie ringt nach Worten. Maria kann bei Lisas Gequassel nicht verstehen, was sie sagt. Sie legt behutsam den Arm um ihre Schultern und ist einen Moment einfach für sie da. Dann erfasst sie eine eigenartige Energie.
Ist das der Start in eine spezielle Beziehung von Frau zu Frau? Seltsame Gedanken durchströmen Marias Hirn. Ich kenne Lisa erst seit einem Tag. Nun liegt sie hier weinend in meinen Armen. Maria überkommt ein Glücksgefühl. Sie wird gebraucht. Das muss echt sein. Ihr Herz pocht, die Kehle schnürt. Eine nie dagewesene Sehnsucht sticht in ihren Magen. Die Familienmutter hat keine richtigen Freunde. Seit langer Zeit wartet sie darauf, die vielfältigen Sorgen und Probleme einer Familienfrau, mit jemand zu teilen. Oder mit Freundinnen einen Kaffee zu trinken. Das ist ihr Wunsch, seit sie eine Familie hat. Ob diese Zeit heute gekommen ist?
„Wie spät ist es denn?“, fragt Lisa. Sie war in Marias Armen kurz eingenickt.
„Ein Uhr morgens.“
„So spät? Entschuldige bitte“, steht auf und geht zur Tür.
„Bis morgen“, sagt Maria. „Es hat nicht nur dir gut getan“, flüstert sie zum Abschied, schließt die Tür, legt sich zufrieden ins Bett und schläft ein. Die eingehende SMS hört sie nicht mehr.
Am nächsten Morgen ist Maria früh im Büro. Sie hat Lisas Vertrag fertigzustellen. Beinah unbemerkt tritt diese an ihr Pult, und sagt mit sanfter Stimme.
„Hallo und einen schönen Tag, danke für gestern.“
„Gerne.“
„Meldest du mich bitte beim Chef?“
Maria bemerkt den klaren, forschen Blick. Den hatte sie bei allen Schönheiten, die sich Fredy zu eigen machen wollte, vermisst. Sie ist sich sicher, dass diese Frau anders sein würde.
„Klar, er erwartet dich. Bleib standhaft.“
Lisa schließt hinter sich die...




