E-Book, Deutsch, 190 Seiten, Format (B × H): 124 mm x 180 mm
Reihe: LYX.digital
Ruhmann Bruchlandung auf Wolke 7
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7363-0388-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 190 Seiten, Format (B × H): 124 mm x 180 mm
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-7363-0388-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als ihr Flugzeug wegen eines Vulkanausbruchs auf Island notlanden muss, glaubt Erotikautorin Samantha Thorn im falschen Film zu sein. Eigentlich sollte sie in wenigen Stunden in einem sündhaft teuren Designerkleid in Edinburgh die Filmpremiere ihres neuesten Bestseller-Romans feiern. Stattdessen sitzt sie ohne Geld, ohne Handy und vor allem ohne Zukunft in der isländischen Einöde fest. Denn im allgemeinen Chaos der Notlandung wurde ihre Handtasche gestohlen - samt Laptop und neuestem Manuskript. Einziger Lichtblick ist Zufallsbekanntschaft Mike: Zusammen mit dem gutaussehenden Backpacker setzt Sam zur Verfolgung an - ohne zu ahnen, dass sie auf dem besten Weg ist auch ihr Herz auf Island zu verlieren! (ca. 190 Seiten)
Sabrina Ruhmann verbrachte schon in der Schule ihre Sommerferien mit dem Schreiben von Geschichten. Auch heute kann sie neben Job und BWL-Studium die Finger nicht von der Tastatur lassen und schreibt am liebsten unterhaltsame und humorvolle Romane, die gute Laune machen. Statt am Schreibtisch in ihrem Haus in der Nähe von Bamberg darauf zu warten, dass die Muse sie küsst, reist sie, so oft es geht, in der Welt herum. Dabei faszinieren sie vor allem die wilde Natur und die Mystik von Ländern wie Irland und Island, wo sie auch gerne ihre Romane spielen lässt.
Autoren/Hrsg.
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1
»Sehr geehrte Fluggäste, soeben haben wir das Gebiet potenzieller Turbulenzen verlassen. Der Pilot hat die Anschnallzeichen wieder ausgeschaltet. Zu Ihrer eigenen Sicherheit bitten wir Sie jedoch, den Sitzgurt während des gesamten Fluges geschlossen zu lassen.«
Melayne fragte sich, ob es überhaupt nötig war, diese Handlung des Piloten in der Durchsage noch einmal zu erwähnen. Doch wahrscheinlich starrte nicht jeder ununterbrochen die Leuchtanzeige an, sobald außerplanmäßige Anschnallpflicht herrschte. Trotzdem war es beruhigend, noch einmal aus dem Mund der Stewardess zu hören, dass die Absturzgefahr vorüber war.
Geräuschlos stieß sie den Atem aus, den sie die ganze Zeit mehr oder weniger angehalten hatte. Doch ihre Erleichterung wollte sich noch auf andere Art Luft verschaffen. Zum Glück saß sie ganz vorn, sodass sie als Erste bei der Toilette war. Dass sie sich wegen ein paar möglicher – nicht einmal eingetretener – Turbulenzen immer fast in die Hose machte, hatte sie ihrer übertriebenen Flugangst zu verdanken.
Als sie die Kabine wieder verließ, hatte sich eine Schlange davor gebildet. Eine Frau musterte sie prüfend. Melayne erkannte sofort die Frage im Blick der etwa vierzigjährigen Frau, gepaart mit dem typischen Hauch Überraschung. Die Verblüffung wurde immer größer, während das Fragende verschwand – ebenfalls wie erwartet.
»Sie sind doch …«, flüsterte die Frau kaum hörbar.
Melayne lächelte höflich. »Die Toilette ist jetzt frei.« Die Ignorier-Technik funktionierte nie, und doch schlug sie einen Haken und ließ sich wieder auf ihren Sitz in der Mitte zwischen zwei Männer fallen.
Gerade als sie den Gurt angelegt hatte, wie sie es vorbildlich während des ganzen Fluges tat, tauchte die Frau von der Toilette neben dem Mann zu ihrer Linken auf. Jetzt verfluchte Melayne die vordere Reihe, obwohl sie ahnte, dass die Dame ihr auch bis in die hinterste gefolgt wäre.
Wann hatte das alles eigentlich angefangen, sie zu stören? Ihr kam es vor, als wäre es gestern gewesen, dass sie noch eine Absage nach der anderen von Verlagen in ihrem Briefkasten gefunden hatte.
»Hallo«, sagte die Frau mit einem Grinsen, das breiter nicht hätte sein können. »Samantha Thorn, richtig? Ich bin ein großer Fan! Könnte ich ein Autogramm bekommen?«
Im nächsten Moment hielt sie Melayne eine dieser kleinen quadratischen Flugzeugservietten entgegen, als wollte sie ihr den Speichel vom Mund wischen.
Bevor die Situation peinlich werden konnte, schnappte sich Melayne die Serviette und kramte in ihrer riesigen Handtasche, die so groß war, dass sogar ihr Laptop hineinpasste, nach einem Stift. Noch bevor sie fündig wurde, reichte der Mann zu ihrer Rechten ihr einen Kugelschreiber.
»Soll ich eine persönliche Widmung schreiben?«, fragte sie, während sie das kleine Tischchen herunterklappte und die Serviette darauflegte.
»Ja, bitte«, erwiderte die Frau und nickte ein paarmal übertrieben wie ein Wackeldackel.
Melayne wartete, doch ihr Fan dachte wohl, dass sie sich die Widmung selbst aus der Nase ziehen würde. »Nämlich?«
»Oh!« Die Frau überlegte. »Für Laura.«
Es wurde immer skurriler. Nun schrieb sie schon auf Servietten: »Für Laura. In Liebe, Samantha Thorn«. Doch die Dame freute sich und ging mit dem Papiertuch zurück an ihren Platz. Entweder hatte sie ganz vergessen, dass sie eigentlich zur Toilette gehen wollte, oder aber – und das stimmte Melayne nun wirklich paranoid – die Frau hatte gesehen, dass sie zur Toilette gegangen war, und hatte sie dann extra für das Autogramm davor abgepasst.
Der ältere Mann, der links von ihr saß, blickte sie von der Seite an: »Sie brauchen einen Bodyguard.«
»Am besten zwei!«, stimmte sie mit einem Schmunzeln zu.
Als sie den Blick wieder nach vorn richtete, sah sie, wie eine weitere Serviette auf ihren Tisch geschoben wurde. Fragend blickte sie ihren anderen Sitznachbarn an, der ihr den Stift geliehen hatte. Bisher hatte sie nur seine großen, dreckverkrusteten Wanderschuhe genau gemustert, die neben ihren nagelneuen violetten High Heels mit den süßen Riemchen an den Fersen ein Bild des Schreckens abgaben. Seine zottelige Frisur und das abenteuerlustige Grinsen passten ins Bild.
»Ich wette, Sie wissen noch nicht einmal, wer ich bin.«
»Samantha Thorn«, sagte er trocken.
»Und weiter?«
»Sie sind … Schriftstellerin.«
Samantha sah ihn aus dünnen Augenschlitzen an. »Woher wissen Sie …?«
»Ich sehe es Ihnen an.«
»Wie …?« Eine kurze Erschütterung des Flugzeuges, die wahrscheinlich nur sie spürte, brachte sie ins Stocken. Ihre Hand krallte sich in die Lehne.
»Sie haben den ganzen bisherigen Flug über auf Ihrem Laptop herumgetippt, ohne ein einziges Mal aufzusehen«, erklärte er schließlich.
»Ich gebe keine Autogramme mehr.« Was redete sie denn da? So etwas hatte sie nie beschlossen. Doch das Rütteln des Flugzeuges zog ihre gesamte Aufmerksamkeit auf sich, sodass sie nicht in der Lage war, ein vernünftiges Gespräch zu führen.
»Schade, wie wäre es dann mit Ihrer Telefonnummer?«
Entgeistert sah sie ihn an. Immerhin hatte er es geschafft, sie für einen Moment ihre Angst vergessen zu lassen. Melayne schätzte ihn auf Mitte bis Ende zwanzig, also höchstens zwei oder drei Jahre älter als sie selbst. Abermals wanderte ihr Blick von seinen dunklen Zotteln und dem zugegebenermaßen nicht unattraktiven Gesicht hinab zu seinen Schuhen. Ohne zu antworten, legte sie ihm dann die Serviette auf den Schoß und reichte ihm seinen Kuli, bevor sie ihren Tisch wieder hochklappte und ihren Laptop hervorholte. Beim Schreiben konnte sie sich am besten beruhigen; gut, dass er sie daran erinnert hatte.
Der Wiedereinstieg in die Szene fiel ihr nicht ganz leicht. Sie brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass es nicht nur an ihrer Flugangst und dem Flirt ihres Sitznachbarn lag. Sie hatte auf einmal das Gefühl, von einem weiteren Fluggast beobachtet zu werden, einem Mann in der Sitzreihe links von ihnen. Die kleine Autogrammstunde hatte wohl doch mehr Aufsehen erregt, als sie gehofft hatte. Der Mann schien regelrecht auf ihren Bildschirm zu starren, und auch wenn er aus der Entfernung unmöglich das Geschriebene lesen konnte, klappte sie den Bildschirm etwas zu.
»Was schreiben Sie?«
Melayne musste grinsen. Ihr Sitznachbar schien nicht so schnell aufzugeben. Schade, dass er aussah, als wäre er gerade aus dem Dschungelcamp entlassen worden. Oder auf dem Weg dorthin. »Ich schreibe Thriller.«
»Ich würde ja gerne mal in einen reinlesen.«
Ohne ihm sein Interesse an ihren Büchern wirklich abzunehmen, speicherte Melayne das Dokument ab und schob den Laptop ein wenig zur Seite, um nach ihrer Handtasche zu greifen. Nach kurzem Suchen angelte sie daraus ein dünnes Heftchen hervor, das sie ihm zwischen Zeige- und Mittelfinger reichte. Mit interessiertem Blick klappte er die Leseprobe auf und machte es sich in seinem Sitz gemütlich. Auch Melayne lehnte sich zurück und widmete sich wieder dem Schreiben. Gerade dann, wenn sie es als Ventil benutzte, wie während des Fliegens, kamen ihr die besten Ideen. Die Szenen flossen wie von allein aufs Papier, und sie selbst fühlte sich mehr als Leserin und nicht als Autorin des Ganzen. Von den zwei Seiten, die so in kürzester Zeit entstanden, war sie entzückt. Zu Hause am Schreibtisch wären sie wahrscheinlich nie so gut geworden.
Nach einer Weile räusperte sich der Mann neben ihr. »Ich hätte ja nicht gedacht, dass es darin so zur Sache geht.«
Melayne hätte es als Kompliment aufgefasst, doch sein Tonfall wunderte sie etwas. Widerwillig löste sie sich von ihrem Skript und musterte das Heftchen in seiner Hand.
»Oh, das …« Sie riss es ihm aus der Hand. »Das ist die falsche Leseprobe.« Sie spürte, wie ihr die Röte beinahe schmerzhaft ins Gesicht schoss, als sie sich duckte und erneut in ihrer Tasche kramte. Diesmal kam die richtige Leseprobe zum Vorschein, nämlich die von ihrem aktuellen Actionthriller. Da war doch tatsächlich noch eine von ihrem letzten Erotikroman hineingerutscht. Wie weit hatte er wohl gelesen? Doch eigentlich war die Leseprobe schon ab der ersten Seite alles andere als jugendfrei. Verdammt!
Skeptisch betrachtete er das neue Heftchen.
»Das ist mein aktueller Roman«, erklärte sie, ohne ihn anzusehen. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie er es ein paarmal in der Hand hin- und herwendete.
»Kommen Sie auch aus Toronto?«, fragte er dann.
»Ja.«
»Wie kommt es, dass ich noch nie von Ihnen gehört habe?«
Sie zuckte mit den Schultern. »Ich bin in Europa bekannter als in Kanada.«
»Dann sind Sie wahrscheinlich nicht zum Backpacking auf dem Weg nach Schottland.«
»Nein.« Sie lachte. »Sehe ich etwa so aus?« Melayne blickte von ihrem Laptop auf. Seine breiten Oberarme waren unter einer Outdoorjacke versteckt. »Sie wohl schon?«
»Bingo.«
»Ich bin auf dem Weg zu einer Filmpremiere in Edinburgh.« Melayne verkniff sich jeden weiteren Kommentar zum Thema »Backpacking«. An ihre wenigen Erfahrungen, auch wenn sie Jahre zurücklagen, wollte sie gar nicht erst denken. Von dem einzigen Zeltlager, zu dem ihre Eltern sie als Kind geschickt hatten, musste sie bereits nach zwei Tagen abgeholt werden. Während die anderen Kinder Spaß hatten, brachte das Heimweh Melayne beinahe um, was vor allem an ihrer Abneigung dem Plumpsklo gegenüber, einer sehr unangenehmen nächtlichen Begegnung...




