Rupp | Fachinhalte vermitteln und präsentieren | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 195 Seiten

Rupp Fachinhalte vermitteln und präsentieren

Effektiv und nachhaltig aus- und weiterbilden
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-8169-0135-8
Verlag: expert verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Effektiv und nachhaltig aus- und weiterbilden

E-Book, Deutsch, 195 Seiten

ISBN: 978-3-8169-0135-8
Verlag: expert verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Vorträge, Vorlesungen, direkte Unterweisungen und Instruktionen sind wesentliche Formen der Vermittlung von Fachinhalten in der Aus- und Weiterbildung in allen Institutionen weltweit. Die dort gebotene Qualität hält den Ansprüchen oft nicht stand. Die Entscheidung zwischen neuen Trends und bewährten Methoden fordert sowohl erfahrenes Lehrpersonal als auch Fachkräfte in Unternehmen immer wieder aufs Neue heraus. Das vorliegende Buch bündelt deshalb die wichtigsten Faktoren und Methoden, um effektiv und nachhaltig (Fach-)Wissen zu vermitteln.

Dr. Andreas Rupp ist Unternehmensberater, Trainer, Coach sowie Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen und Universitäten weltweit.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


IEffektive Vermittlung und Präsentation von Fachinhalten


1Konzeptioneller Rahmen für die Vermittlung von Wissen und Kultur


1.1Sprache als einzigartige soziale und kognitive Fähigkeit


Mit der Sprache verfügt der Mensch über einzigartige kognitive und soziale Fähigkeiten und Fertigkeiten. Er verwendet die Sprache, um soziale Prozesse zu organisieren und um die Herausforderungen und notwendigen Anpassungsprozesse an die Umwelt zu bewältigen. Einer diese Prozesse ist es, bei gemeinsamen Handlungen zu kooperieren. Dies beinhaltet die Fähigkeit, kognitives und kulturelles Wissen weiterzugeben und zu vermitteln. Um Wissen weiterzugeben, bedarf es dabei einer gemeinsamen Intentionalität (Tomasello, 2020). Dies bedeutet, dass zwei Akteure ein gemeinsames Ziel verfolgen und ihre Aufmerksamkeit auf ein Objekt ausrichten, dass also eine Zwei-Ebenen-Struktur gegeben ist (Tomasello, 2020), die sowohl Gemeinsamkeit als auch Individualität beinhaltet. Somit ist die Vermittlung von Informationen die kognitive Fähigkeit zu abstrahieren, eine objektive Sicht auf eine Entität darzustellen und diese mit Sprache zu vermitteln. Es geht also über die eigene individuelle Sichtweise hinaus.

Diese hier nur in Kürze beschriebenen Prozesse sind wichtig, um die Prozesse, die bei der Vermittlung und Weitergabe von Informationen geschehen, einordnen zu können und um zu verstehen, worum es beim Vermitteln von Inhalten in letzter Konsequenz geht. Denn das Präsentieren und Vermitteln ist immer auch ein kooperativer Prozess mit dem gemeinsamen Ziel, mehr zu wissen und sich gegenseitig zu helfen. Man macht das nicht für sich allein. Das würde, ontogenetisch betrachtet, auch keinen Sinn ergeben (Tomasello, 2020).

Dazu wurden im Laufe der Entwicklung des Menschen in vielen Kulturen verschiedene Formen der Informationsweitergabe (Vortrag, Präsentation, Instruktion, Vorlesung) entwickelt, wie auch ein institutioneller, kollektiver Rahmen und Raum geschaffen. Ein institutioneller Raum ist z.B. die Universität, an der die Informationsweitergabe mit Hilfe von Vorlesungen durchgeführt wird. Neben den Formen der Informationsweitergabe wurden auch Formen des Miteinandersprechens entwickelt, wie z.B. die Diskussion, mit dem Ziel, Inhalte zu vertiefen, zu verfestigen oder sich weiteres Wissen anzueignen. Wobei auch eine gute Diskussion immer die Weitergabe von Informationen beinhaltet.

Ein wesentliches Element bei der Informationsweitergabe ist die Zuverlässigkeit. Die Informationen, die weitergeben werden, müssen zuverlässig sein, man muss, wenn in ein Wissensgebiet eingeführt wird oder dieses erweitert wird, den Informationen vertrauen können. Interessant ist dabei, dass z.B. Kinder bis zum Alter von ca. 5–7?Jahren vor allem dem Weltwissen der Erwachsenen vertrauen und nicht dem Wissen, dass sie von Gleichaltrigen erhalten. Zuverlässigkeit (Reliabilität) ist für die Weitergabe von Wissen von entscheidender Bedeutung. Ohne die Zuverlässigkeit der Informationen und der Fähigkeit zur Perspektivenänderung (vom Ich zum Du und Wir) hätte es, ontogenetisch gesehen, keine Entwicklung der Sprache gegeben. Tomasello (2020) hat dies sehr schön mit dem Beispiel der Jagd auf einen Hirsch dargestellt: Wenn ich zum Lagerplatz zurückkomme und die anderen in der Gruppe darüber informiere, dass es am Fluss einen Hirsch zum Jagen gibt, muss diese Information zuverlässig sein, sonst würde sich mein Gegenüber nicht mehr darauf einlassen, meiner Aufforderung ein zweites Mal zu folgen.

Abbildung?1: Sprache vermittelt Wissen und Kultur

Im Laufe der Entwicklungsgeschichte der Menschheit wurden also ganz unterschiedliche Methoden zur Weitergabe von Wissen und der Vermittlung von Fachinhalten entwickelt.

1.2Lehrmethoden zur Vermittlung von Wissen


Dabei wird die Frage, was jetzt gute und effektive (kommunikative) Methoden zur Vermittlung von Wissen sind, schon sehr lange diskutiert. Schon Cicero (106–43 v. Chr.) hat sich im damaligen Rom mit der Frage auseinandergesetzt, wie man am besten unterrichtet.

Die Frage nach dem „gut“ und den Methoden im Zusammenhang mit der Vermittlung von Wissen sollte aber besser ersetzt werden durch Fragen wie „Gut für welche Ziele?“, „Gut für wen?“ und „Gut unter welchen Umständen?“ Dazu, wie man mit diesen Fragen umgehen kann, findet man in vielen Fachdisziplinen, die sich mit dem Unterrichten auseinandersetzen, interessantes und valides Wissen.

Schließt man sich diesen Fragen und der Auffassung, die ihnen zugrunde liegt, an (wie u.a. Joyce et al., 2014), dann ist die Suche nach der einen, besten, effektivsten, lernwirksamsten Methode zur Vermittlung von Wissen ein fragliches Unterfangen. Methoden des Unterrichtens werden aufgrund bestimmter Auffassungen von der Natur des Menschen und – daraus folgend – bestimmter Arten von Lernzielen und Verfahren entwickelt, ausgeformt oder verwendet, da sie diese Auffassungen jeweils zu fördern vermögen. Deshalb sind sie auch jeweils nur für das wirksam, wofür sie vorrangig entwickelt worden sind. Damit werden bestimmte Ziele in den Vordergrund gerückt und zu ihrer Erreichung bestimmte unterrichtliche Vorgehensweisen, Unterrichtsverfahren oder -methoden sowie zugehörige Aktivitäten ausgewählt und zugeordnet. Andere Ziele und durchaus wirksame Vorgehensweisen werden dagegen (manchmal notwendigerweise) vernachlässigt (Joyce, et al., 2014).

Beispiel: Wenn man der Auffassung ist, es sei dem Menschen eigen, die Welt zu verstehen, indem man sich Wissen aneignet, organisiert, Probleme erspürt und Lösungen für sie entwickelt, dann konzentriert man sich auf den Aspekt Informationsverarbeitung. In diesem Fall ist u.a. der Fachvortrag, die Vorlesung, ein geeignetes Verfahren. Denn Vorlesungen haben zum Ziel, Wissen zu vermitteln, und sind darin auch sehr effektiv (Klinzing, 1998). Andere Ziele der Bildung und Ausbildung, wie z.B. der Aufbau sozialer Kompetenz und die Entwicklung selbständigen Lernens, werden beim Vortrag oder der Vorlesung allerdings vernachlässigt, wenn nicht gar verhindert.

Bei den Unterrichtsmethoden geht es nicht nur darum, bestimmte Unterrichtswirkung zu erzielen. Unterrichtsverfahren bergen in sich auch indirekte, erzieherische Effekte und Auswirkungen, die bei ihrer Verwendung ebenfalls erreicht werden können. Direkte Auswirkungen beziehen sich auf die Bewältigung bestimmter Lernstoffe und Fertigkeiten (z.B. die Aneignung von Wissen sowie Fertigkeiten in der Organisation von Wissen im Rahmen einer akademischen Disziplin) und bilden die Grundlage für die unterrichtlichen Aktivitäten, mit deren Hilfe sie bewältigt werden sollen. Sie lenken die Lernenden in bestimmte Richtungen. Indirekte Wirkungen werden dagegen durch das Erleben, die Erfahrungen mit und innerhalb des Unterrichtsverfahrens sowie der Lernumgebung, die dieses schafft, vermittelt.

Beispiel 1: Die Präsentation, die Vorlesung, die Unterweisung ist u.a. ein effektives Verfahren, um große Wissensbestände zu vermitteln. Doch werden beim Vortrag andere Effekte (indirekte Effekte) der Bildung und Ausbildung, wie z.B. der Aufbau sozialer Kompetenz und die Entwicklung selbständigen Lernens, vernachlässigt, wenn nicht gar verhindert.

Beispiel 2: Eine Konkurrenz zwischen den Lernenden kann zur Erreichung direkter Effekte anspornen, aber die Atmosphäre einer Konkurrenzsituation kann Lernende auch miteinander verfeinden (indirekter Effekt).

Unterrichtsmethode

Wirkung A: wünschenswert?

Wirkung B: wünschenswert?

Wirkung C: wünschenswert?

Tabelle?1: Wirkung von Unterrichtsmethoden

Somit haben wir in Unterrichtsmethoden und bei der Weitergabe von Wissen direkte Instruktionseffekte und indirekte oder erzieherische Effekte.

Deshalb sollten Vorgehensweisen und Unterrichtsmethoden bei ihrer Auswahl daraufhin geprüft werden, welche Auswirkungen sie direkt anstreben, aber auch, welche Auswirkungen sie indirekt erreichen. Zum Beispiel kann ein Unterrichtsverfahren auch deshalb ausgewählt werden, weil es bestimmte indirekte, „erzieherische“ Auswirkungen hat, auch wenn dabei die direkten Ziele nicht so effektiv erreicht werden.

Übung:

Bitte fassen Sie den Grundgedanken der vorangegangenen Argumentation zusammen.

Bitte entwerfen Sie mögliche sinnvolle Kombinationen von Ihnen bekannten Unterrichtsformen/-methoden:

1.3Argumente für und gegen die Vermittlung von Wissen in Form von Vorträgen


Die Wissensvermittlung in Form von Vorträgen, Präsentationen oder Unterweisungen ist ein Verfahren oder eine Methode, um große Wissensbestände zu transportieren, und hat mehrere Vorteile. Dazu gehören z.B. die Punkte, dass

  • Grundlagenwissen schnell und zuverlässig vermittelt werden kann,

  • der Aufbau von Wissen schnell und effektiv erfolgen kann,

  • aktuelles Wissen schnell, flexibel und direkt vermittelt werden kann,

  • eigene Forschungsergebnisse kommuniziert und geteilt werden können, die sonst nirgendwo (oder noch nicht)...



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