E-Book, Deutsch, 456 Seiten
Rusch Der Sohn des ehemaligen Abtes
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-8554-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ryu und der Schwarzmagier
E-Book, Deutsch, 456 Seiten
ISBN: 978-3-6957-8554-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Michael Rusch, 1959 in Rostock geboren, ist von Beruf Rettungsassistent. Heute lebt er als Rentner in Lutterbek. Im Jahre 2012 veröffentlichte er seinen ersten und autobiografischen Roman Ein falsches Leben mit dem Self-made-Verlag Lu-lu. Danach wendete er sich der Fantasy zu und veröffentlichte mit dem AAVAA Verlag im Januar 2014 den ersten Band aus der Reihe Die Legende von Wasgo mit dem Titel Die ewige Nacht. Im September desselben Jahres erschien die Fortsetzung Luzifers Krieg. Es folgten Angriff aus dem Himmel (2015) und Bossus Rache (2017). Mit dem fünften Band Wasgos Großvater endete 2018 Die Legende von Wasgo. Ebenfalls 2014 veröffentlichte Rusch mit dem AAVAA Verlag eine überarbeitete Version seines Romans Ein falsches Leben in zwei Bänden. Im Jahr 2020 hatte er den Roman nochmals überarbeitet und ihn im Juli desselben Jahres wiederholt mit BoD mit dem Titel Das Leben des Thomas Schneider herausgegeben. Im Jahre 2015 gründete Rusch seinen eigenen Verlag Die Blindschleiche und veröffentlichte damit seinen Roman Die drei Freunde, ein Drama nach wahren Begebenheiten und in dem er eigene Erlebnisse verarbeitet hatte. In diesem Roman rückte er das Thema Kindesmisshandlung in den Focus. Im Sommer 2019 entschloss er sich aus gesundheitlichen Gründen, seinen Verlag aufzulösen und diesen Roman zu überarbeiten, den er erneut als Selfmade-Autor mit BoD veröffentlichte. Im gleichen Jahr beendete Rusch die Zusammenarbeit mit dem AAVAA Verlag und überarbeitete Die Legende von Wasgo, die er bereits im Januar 2020 mit BoD in zwei Bänden erneut veröffentlichte. Band 1 enthält die ersten drei und Band 2 den vierten und fünften der ehemaligen 5 Bände. Jetzt wendete sich Rusch einem weiteren Bereich der Literatur zu. 2020 veröffentlichte er den ersten Band seines Horror-Romans Das Hochhaus. Band 2 folgte im Januar 2023. Außerdem erschien im Jahre 2021 sein dystopischer Roman Der Wegbereiter. Im November 2023 veröffentlichte Rusch seinen wahrscheinlich besten Roman, der den Titel Der Sohn des Abtes trägt. Hierbei handelt es sich um einen Fantasy-Roman mit historischem Hintergrund, in dem Rusch reale historische Personen und Ereignisse in die Handlung einbezogen hat. Sein Fantasy-Roman Der Engel Thoralf und sein Kriminal-Roman Tödliche Politik - Mordsstimmung in Aantenbek sollten Ruschs letzte Romane sein, die er im Jahre 2024 herausgab. Doch dann wurde er von einem Leser gebeten, diesen vorliegenden Roman zu schreiben.
Autoren/Hrsg.
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Dem Shogun ausgeliefert
Im Jahre Kaicho 20, dem dreizehnten Tag des siebenten Monats, befand sich eine kleine Reisegesellschaft auf dem Weg von Koga nach Edo. Nach europäischer Zeitrechnung handelt es sich um den dreizehnten Juli 1615. Die Sonne schien von einem strahlend blauen Himmel auf die Erde herab. Die Temperaturen waren an diesem schönen und warmen Sommertag wie zum Reisen geschaffen. Bäume, Büsche und Wiesen säumten den Weg der Menschen, deren Umgebung in eine grüne Landschaft verwandelt und von blühenden Blumen noch zusätzlich geschmückt wurde. Außerdem sahen die Reiter in der Ferne einige Berge, die ihre Augen auf angenehme Weise reizten. Das Gezwitscher der Vögel drang an ihre Ohren und sie konnten den Gesang der gefiederten Freunde genießen. Die Natur bot ihnen ein sehr farbenfrohes und friedfertiges Bild. Besonders schön erschien das Konzert der vielen Vögel den Teilnehmern an der schrecklichen Schlacht in Osaka, die erst vor einem Jahr in dieser Stadt gegen die Vampire ausgetragen worden war. Die Menschen hatten dort die Hölle auf Erden erlebt, von der sie nicht wussten, ob es diese in der Unterwelt jemals gab. Aber die Schlacht gegen die Blutsauger war für sie tausendmal schlimmer gewesen als das schlimmste Ereignis, das einen Menschen dort ereilen könnte. Ein leichter Wind wehte den Reisenden ins Gesicht und erleichterte ihnen das Reiten auf der Tokaido, die Kyoto mit Edo verband. Sie hatten Koga und Kyoto schon seit einigen Tagen hinter sich gelassen und befanden sich nur noch drei Stunden von einer Poststation entfernt, in der sie am heutigen Tag die Nacht verbringen wollten. Noch ahnten die Reisenden nicht, dass sie dort eine schwierige Mission zu erfüllen haben würden.
Der Shogun Tokugawa Ieyasu ließ ab 1601 nach europäischer Zeitrechnung die damaligen fünf Hauptreiserouten, die sogenann ten Gokaido, bauen, die Edo mit den Provinzen Japans verbanden und an denen Poststationen entstanden waren, in denen Reisende eine Unterkunft für die Nacht finden und ihre Post aufgeben konnten. Aber sie hatten auch noch eine andere Bedeutung, denn sie spielten eine wichtige Rolle im Verkehr und Handel des feudalen Japans, und waren Zentren für den Austausch von Informationen. Außerdem waren sie wichtige kulturelle Einrichtungen. Mit den Poststationen des Wilden Westens zweihundert Jahre später in Amerika sind sie jedoch nicht vergleichbar.
Die Reisegesellschaft war zum Shogun unterwegs, zu der auch Yokoyama Ryu und seine Braut Naomi gehörten. Sie wurden von der Mutter der jungen Frau und dem Pflegevater des Bräutigams begleitet, dem ehemaligen Abt des buddhistischen Zen-Klosters aus Koga. Nakamura Sho hatte den damals fünfjährigen verwaisten Ryu als seinen Sohn angenommen und ihn auf seine Bitte zu einem Ninja ausgebildet. Der alte Abt selbst war, bevor er in die Jahre kam, ein erfahrener Ninja gewesen. Noch heute beherrschte er als alter Mann die Kampfkünste so gut, dass er sich, falls es einmal notwendig sein sollte, allein gegen einen jungen Mann verteidigen und ihn außer Gefecht setzen konnte. Weitere ehemalige Mönche, die ebenfalls aus dem Koganer Kloster stammten und Ninjas waren wie Ryu auch, zählten zu den Begleitern des jungen Paares.
Für seine Tapferkeit und Treue zum Shogun hatte Tokugawa Ieyasu den Hauptmann seiner Spezialeinheit mit dem Lehen Choshu belohnt. Außerdem hatte er ihn zum Hatamoto ernannt. Doch das hatte Ryu nicht gewollt. Sein Herz hatte ihn zu seiner geliebten Naomi hingezogen. Aber weil der Shogun ihn in den Stand eines Samurais und Daimyos erhoben hatte, während Naomi eine einfache Bäuerin geblieben war, erlaubten die gesellschaftlichen Verhältnisse dem jungen Paar nicht, zu heiraten. Eines Tages hatte Ryu all seinen Mut zusammengenommen und den Shogun gebeten, seine Naomi heiraten zu dürfen. Er sah sich noch jetzt beim Shogun sitzen und ihm seinen wichtigsten Herzenswunsch vortragen.
Tokugawa Ieyasu hatte Ryu wohlwollend angeschaut und ihm erlaubt, seine Geliebte nach Edo zu holen. Dort wollte er Naomi in den Stand eines Samurais erheben und somit dem jungen Paar die Hochzeit ermöglichen.
Wie es sich für einen Hauptmann gehörte, ritt Ryu auf seinem Pferd seinen Samurais voran. Neben ihm ritten Ren und Yuma, der ihn neckte: „Seht euch doch nur mal unseren Hauptmann an. Sein Grinsen will sein Gesicht gar nicht mehr verlassen.“
„Lass ihn doch, schließlich wird er bald heiraten. Ich kann Ryu gut verstehen. Denn nicht oft ist unser Shogun so großzügig zu einem Samurai wie dieses Mal zu Ryu“, antwortete Ren.
„Ich weiß nicht, ob es Großzügigkeit ist oder ob er will, dass ich ihm gewogen bleibe. Schließlich hat er erkannt, wie wertvoll wir Ninjas für ihn sind. Erst recht, weil wir eigentlich keine Ninjas, sondern eher Kämpfer gegen mysteriöse Kräfte sind wie zum Beispiel Vampire“, sagte Ryu mit ernstem Gesicht und schaute Yuma dabei an.
Dieser hielt seinem Blick stand. Dabei wirkte Yuma einerseits überrascht und andererseits besorgt. „Das hört sich aber sehr aufrührerisch an und kann zum Tode führen, Ryu. Mit solchen Reden solltest du sehr vorsichtig sein. Wie meinst du das überhaupt? Der Shogun muss doch dir gewogen sein und nicht du ihm. Schließlich kann er uns befehlen, was er will. Wir haben seinem Willen zu gehorchen.“
„Nein, Yuma, ich will nicht gegen den Shogun aufbegehren. Warum sollte ich das tun. Das wäre dumm. Aber ich weiß, wie sehr er uns braucht. Und deshalb will er jede Unzufriedenheit unsererseits vermeiden und macht uns in einigen Situationen Zugeständnisse, in denen er seine Samurais wegjagen oder sogar bestrafen würde. Er will, dass es uns gut geht. Er hat mich zum Daimyo gemacht, weil er wusste, dass ich mit euch teilen werde. Die Zeit dafür war günstig, weil genug Daimyos gegen die Blutsauger ums Leben gekommen waren und er die Lehen neu vergeben musste. Da fiel es gar nicht auf, einen jungen unbedeutenden Hüpfer wie mir einen richtigen Samurai vorzuziehen. Schließlich hatte er uns schon vorher zu Samurais gemacht. Die Umstände, die dazu geführt hatten, waren nach Osaka natürlich nicht mehr spruchreif. Ihr dürft nie vergessen, dass er uns einerseits in der Hand hat, weil er Kraft seiner Macht mit uns tun kann, was er will. Es ist zwar unsere verdammte Pflicht, jeden Befehl unseres Herrn widerspruchslos zu befolgen, aber andererseits weiß er auch, wenn wir gesund und körperlich fit sind, wird uns ein Auftrag nicht so schnell unser Leben kosten, als wären wir unterernährt und krank. Dann können wir für ihn die gefährlichsten Aufträge übernehmen. Aber ihr dürft auch nicht vergessen, dass wir alle schon mehrmals unser Leben für ihn und unser Land riskiert haben. Denkt doch mal daran, dass von unseren Freunden tatsächlich schon mehr als die Hälfte ihr Leben verloren hat.“
Nun schaute Ren Ryu entsetzt an. „Aber das waren doch die Vampire, die unsere Männer umgebracht haben!“
Ryu stoppte sein Pferd und ritt zu Yuma und Ren. „Und wer hat uns nach Edo befohlen und uns danach nach Osaka geschickt?“
Auch Yuma und Ren stoppten jetzt ihre Pferde. Ihre Gesichter drückten Entsetzen aus. Sie machten sich ehrliche Sorgen um ihren Freund und Hauptmann. Solche Reden konnten ihn ins Gefängnis bringen und ihm sogar den Kopf kosten. Auch die anderen Ninjas, die jetzt auf Befehl des Shoguns zu Ryus Leibgarde gehörten, hielten ihre Pferde an. Sie kannten Ryu, seit er als Kind zu ihnen ins Kloster gebracht worden war und mochten diesen sonst so besonnenen, und selten hitzigen jungen Mann, der Ryu mit seinen dreiundzwanzig Jahren noch war. Meister Nakamura hatte sein Pferd ebenso zu seinem Sohn geführt, weil er dessen Worte vernommen hatte. Wenn es notwendig sein sollte, wollte er einen Streit zwischen Ryu und seinen Kameraden verhindern.
„Hatten wir denn eine Wahl? Nein, die hatten wir nicht“, beantwortete Ryu seine Frage selbst und sprach sofort weiter. „Hätten wir uns geweigert, hätte er uns suchen und töten lassen. Er ist der Shogun und kann über uns verfügen, wie er es will. Wir sind seine Spezialeinheit. Was glaubt ihr? Kämpfen wir besser, wenn wir zufrieden sind?“
Zweifelnd sah Ren Ryu an und meinte: „Du glaubst doch nicht etwa, dass es noch mehr Vampire gibt?“
„Wer weiß das schon so genau? Auf jeden Fall glaube ich, dass uns einige entkommen sein müssen. Bei dem Durcheinander während der Schlacht hat doch niemand genau darauf geachtet, ob es jemandem gelang, zu verschwinden. Wir befanden uns alle irgendwie in einem Blutrausch.“ Ryu atmete einmal tief ein, er brauchte frische Luft.
Diese Pause nutzte Yuma. „Ryu, du hast wahrscheinlich recht. Es waren Tausende von diesen Blutsaugern bei diesem Abschlachten dabei. Auch wenn die Burg Osaka bis auf ihre Grundmauern abgebrannt ist, bin ich davon überzeugt, dass einige von ihnen dort Zuflucht gefunden haben. Vielleicht im Keller, im Verlies oder irgendwo anders unter der Burg. Es gibt dort Ausfalltunnel, die gegraben wurden. Wir selbst, also unsere Leute haben einen solchen Tunnel gegraben, als die Vampire uns jede Nacht auf der Burg angegriffen hatten.“
Ren ergänzte Yumas Worte mit einer Frage: „Also werden die Vampire...




