Ruttan | Küss die Zweifel einfach fort | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

Ruttan Küss die Zweifel einfach fort


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0639-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

ISBN: 978-3-7515-0639-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Erfährt er von ihrem dunklen Geheimnis, wird er sie verachten, dessen ist sich die Ärztin Esme sicher. Ihr Kollege Dr. Carson Ralston ist charmant, anziehend - und verboten für sie! Seine Küsse schmecken zwar süß und erregend. Doch ihre Zweifel können sie nicht zerstreuen ...



Amy Ruttan ist am Stadtrand von Toronto in Kanada aufgewachsen. Sich in einen Jungen vom Land zu verlieben, war für sie aber Grund genug, der großen Stadt den Rücken zu kehren. Sie heiratete ihn und gemeinsam gründeten die beiden eine Familie, inzwischen haben sie drei wundervolle Kinder. Trotzdem hat Amy es nach der Geburt ihres zweiten Kindes geschafft, sich Zeit zu nehmen, um sich ihren langjährigen Traum zu erfüllen: Sie schrieb ihren ersten Liebesroman! Davon hatte sie geträumt, seit sie zum ersten Mal ein solches Buch von ihrer Oma geschenkt bekommen hatte und von der romantischen Geschichte und dem gutaussehenden Helden verzaubert worden war. Heute vermag sie es selbst, ihre Leser mit magischen Worten zu verzaubern - und das, obwohl ihre Kinder die Autorin auch oft als persönliche Taxifahrerin und Köchin beanspruchen.
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1. KAPITEL

„Was will sie hier eigentlich?“, knurrte Carson mürrisch.

„Sieht aus, als würde sie Blumen in einen Topf pflanzen“, bemerkte Schwester Louise Adams trocken.

Carson drehte sich um und warf der altgedienten Arzthelferin seines Vaters, die inzwischen für ihn arbeitete, einen strengen Blick zu. Er hatte gar nicht bemerkt, dass sie sich angeschlichen hatte. Wie ein Ninja. „Ich habe Sie nicht nach Ihrer Meinung gefragt.“

Sie sah ihn tadelnd an, so wie damals, wenn er als kleiner Junge im Büro seines Vaters Unfug gemacht hatte. Ein Blick, der ihm immer noch einen Schauer über den Rücken jagte! Carson merkte, dass er zu weit gegangen war.

„Wenn Sie meine Meinung nicht hören wollen, Dr. Ralston, sollten Sie in meinem Wartezimmer nicht laut denken.“

„Entschuldigung, Louise.“ Er rieb sich seinen Nacken. „Ich hasse es bloß, was hier in Crater Lake gerade alles passiert!“

Ihr Gesichtsausdruck wurde etwas weicher. „Nun ja. Die Stadt wächst. Dass sich ein weiterer Arzt hier niederlässt, war nur eine Frage der Zeit!“

Carson runzelte die Stirn und schob seine Hände in die Hosentaschen, während er der neuen attraktiven Ärztin gegenüber beim Pflanzen zusah. Crater Lake veränderte sich und er wusste noch nicht, ob ihm das gefiel. Sein Vater war über vierzig Jahre lang der einzige Arzt in Crater Lake gewesen, noch bevor Carson das Licht der Welt erblickte. Er hatte die Praxis schon von seinem Großvater übernommen. Und nun war es Carsons Praxis. Seine Eltern waren in den Ruhestand gegangen und in wärmere Gefilde gezogen.

Seit das Städtchen Crater Lake im Jahr 1908 gegründet wurde, hatte es immer einen Ralston-Arzt am Ort gegeben. Daran erinnerte ihn sein Vater nur zu gern. Das einzige Mal, dass es zwei Ärzte gab, war gewesen, als Danielle mit ihm hier lebte und nach dem Studium mit ihm hier praktizierte, doch das war etwas anderes. Sie wollten zusammen arbeiten, heiraten und eine Familie gründen. Aber die Beziehung hielt nicht lange. Danielle mochte das beschauliche Leben und die langen Winter im Nordwesten Montanas nicht.

Luke ist auch Arzt.

Carson schnaubte bei dem Gedanken an seinen älteren Bruder, der ebenfalls Arzt war. Luke hasste die Enge der Praxis. Er zog es vor, in den Wäldern Bären zu verfolgen – oder was immer er da oben in den Bergen trieb. Luke lag nichts daran, die Familientradition aufrechtzuerhalten. Dieser Job blieb an Carson hängen.

Dr. Petersen, die neue Ärztin in Crater Lake, stand auf und streckte sich. Ihr blondes Haar schimmerte in der hellen Frühsommersonne. Er wusste noch nicht viel über die neue Einwohnerin von Crater Lake. Die meisten wussten nicht viel über sie. Seit sie hergezogen war, war sie für sich geblieben.

Ihre Praxis war noch nicht eröffnet, und obwohl es ihm egal sein konnte, fragte Carson sich, wer sie wohl war.

Die Tür ging auf und Carson sah, wie sein Bruder hereinkam, in derben Jeans und Lederjacke, über seiner Schulter hatte er ein Seil geschlungen. Louise gab einen verärgerten Laut von sich, als sie den Schmutz sah, den er reinschleppte.

„Ruhiger Tag?“, fragte Luke und legte das Seil auf einen Stuhl ab.

„Ja. In einer Stunde kommen die Johnstone-Zwillinge zur Impfung.“

Luke zuckte zusammen. „Vorher bin ich wieder weg.“

Louise stand auf und stemmte empört die Hände in ihre ausladenden Hüften. „Würden Sie bitte dieses verfilzte Seil mitnehmen? Mein Wartezimmer war sauber, bis Sie hier aufgetaucht sind. Ganz ehrlich? Wenn Ihre Eltern noch hier wären …“

Luke grinste. „So wie Sie das sagen, klingt es, als wären sie schon tot. Sie leben in Naples in Florida am Rande eines Golfplatzes und genießen das Leben.“

Carson lächelte. „Komm, wir gehen in mein Büro. Entschuldigen Sie bitte, Louise.“ Carson schaute noch einmal aus dem Fenster, aber Dr. Petersen war schon im Haus verschwunden. Luke folgte seinem Blick und sah seinen Bruder nachdenklich an.

Im Büro angekommen, setzte sich Luke auf einen der Stühle. „Was ist so interessant da draußen?“

„Es gibt eine neue Ärztin in der Stadt“, sagte Carson.

Luke grinste und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Oh, ich verstehe.“

„Was verstehst du?“

„Ich habe sie gesehen. Ich bin ja nicht blind.“

Carson schnaubte. „Das meine ich nicht.“

Luke zog eine Augenbraue hoch. „Was meinst du dann?“

„Es ist eine neue Ärztin in der Stadt. Und sie bedroht unsere Familientradition.“

Luke zuckte mit den Schultern. „Es ist deine Praxis, nicht meine.“

So war sein Bruder. Er scherte sich nicht um die Familienpraxis und um die Generationen von Ralstons, die ihren Schweiß gelassen hatten, um die Praxis und die Stadt aufzubauen. Das war etwas, das nur Carson am Herzen lag.

Tut es das wirklich?

Carson rieb sich den Nasenrücken. „Ich dachte, du wärst dagegen, die Stadt zu vergrößern, um einen Ski-Hot-Spot daraus zu machen.“

„Das bin ich. Nun … ich war es, aber ich konnte es am Ende ja nicht verhindern.“

„Vielleicht hättest du mal die öffentlichen Versammlungen besuchen sollen“, sagte Carson. Wann hatte Luke das Interesse daran verloren? Naja, es war ja nicht seine Sache! Außerdem sah er am Blick seines Bruders, dass Luke nicht darüber reden wollte. Zeit für einen Themenwechsel!

Carson drehte sich um und setzte sich auf die andere Seite des Schreibtisches. „Was führt dich aus den Bergen hier herunter und was um Himmels willen willst du mit diesem Seil fesseln?“

Ein teuflisches Lächeln erschien auf Lukes Gesicht. Ein Lächeln, das ihre Mutter früher immer in Angst und Schrecken versetzt hatte. Meistens bedeutete es nämlich, dass Luke kurz darauf in ernsthafte Schwierigkeiten geriet. „Nichts Besonderes. Ich wollte nur meine Arzneimittelbestände auffrischen. Ich werde ein paar Gutachter in den Wald führen.“

„Und mit dem Seil willst du sie fesseln und den Bären als Köder vorwerfen?“

„Diese Idee hatte ich auch schon. Aber genau wie du, lieber Bruder, habe ich den hippokratischen Eid geleistet. Ich habe geschworen, keine Gewalt anzuwenden.“

„Hmmm.“

„Du musst mal etwas für dich tun. Du bist zu empfindlich, lieber Bruder.“

Carson schnaubte. „Das musst du gerade sagen. Du weißt ja, dass die Nachbarskinder dich für den Grinch halten. Letztes Jahr hat einer der Johnstone-Zwillinge tatsächlich geglaubt, du würdest von den Bergen runterkommen und ihnen das Weihnachtsfest stehlen!“

„Das habe ich ihr erzählt, weil sie mein Pferd erschreckt hat.“

„Du bist schrecklich zu Kindern!“, sagte Carson.

„Ich kann super mit Kindern. Dad wusste eben, dass du eher der Bürotyp bist und ich eher wild.“

Das muss schön sein.

Der Gedanke überraschte ihn, schließlich kannte er Lukes Art zu leben schon lange. Luke machte immer, was er wollte und strebte nach Freiheit. Carson war eher der zurückhaltende Typ. Der Verlässliche, der nie das Risiko suchte. Carson schüttelte den Kopf. „Solange du nicht nackt durchs Leben rennst, kann es mir egal sein.“

Luke grinste. „Ich wusste gar nicht, dass du so besorgt bist.“

Carson konnte nicht anders und lachte. „Schwing deinen Hintern aus meinem sauberen Büro und geh zurück in deine Berge, bevor Louise einen Herzinfarkt bekommt. Ich habe gleich Patienten. Patienten, die glauben, dass du ihnen das Weihnachtsfest stiehlst.“

„Genau. So, bekomme ich nun meine Sachen? Ich arbeite zwar nicht offiziell in der Praxis, aber streng genommen bin ich Mitinhaber.“

„Du weißt, wo alles ist. Ich muss es dir wohl nicht erklären.“

„Danke.“ Luke stand auf.

„Und nimm dein Seil mit.“ Luke verschwand im Behandlungsraum, während sich Carson zurücklehnte und sich mit der Hand übers Gesicht rieb. In einem Punkt hatte Luke Recht. Er war zu empfindlich. Er arbeitete zu viel.

Du verschwendest hier dein Talent als Chirurg. Warum hast du das Praktikum in der Mayo-Klinik abgelehnt? Warum gibst du die Privilegien auf, die du als Chirurg hättest und arbeitest stattdessen hier als Allgemeinmediziner?

Danielles Worte verfolgten ihn unangenehm – spätestens, seit das alte Verwaltungsgebäude gegenüber verkauft worden war und er Wind davon bekam, dass ein neuer Arzt aus Los Angeles in die Stadt kommen sollte. Die älter werdende Bevölkerung der Stadt wurde allmählich zum Problem und mit dem neuen Tourismusboom kamen zwar mehr Menschen, doch die blieben nicht lange. Carson fragte sich, ob die Zeit des Kleinstadtarztes vorbei war. Vielleicht verschwendete er sein Leben? Vielleicht hätte ihm die Praxis genauso egal sein können wie Luke. Vielleicht wäre er ein großartiger Chirurg geworden?

In letzter Zeit hatte er solche Gedanken immer häufiger. Er ging zwar keine aufregenden Risiken ein, aber er war glücklich mit seinen Entscheidungen. Das war der Weg, den er gewählt hat und er war zufrieden damit. Er war glücklich.

Wen willst du überzeugen?

Er stöhnte. Er sollte die Geister der Vergangenheit verscheuchen und sich in den Griff kriegen. Carson schüttelte die Gedanken ab. Nein, er tat das, was er immer tun wollte. Sicher, er hatte tolle Angebote bekommen, als Chirurg zu arbeiten, aber er hatte abgelehnt. Er mochte das Leben in der Kleinstadt. Er mochte es, dass in Crater Lake jeder jeden kannte. Er würde in der Großstadt untergehen. Er...



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