E-Book, Deutsch, Band 2099, 144 Seiten
Reihe: Baccara
Ryan Viel mehr als diese eine Nacht
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-2539-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2099, 144 Seiten
Reihe: Baccara
ISBN: 978-3-7337-2539-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Küsst sie gerade wirklich Ryan Bateman, zärtlich und voller Verlangen? Nie hätte Tessa sich träumen lassen, dass ihr bester Freund sie so leidenschaftlich in seine Arme zieht. Doch nachdem der attraktive Single sie auf einem Wohltätigkeitsball ersteigert hat, ist sowieso nichts mehr, wie es war. Denn der Womanizer verwöhnt sie auf ihrem Wochenend-Trip nicht nur von Kopf bis Fuß, Ryan gibt ihr auch das Gefühl, die begehrenswerteste Frau der Welt zu sein. Warum denkt sie dann an Cinderella, deren Traum um Mitternacht zerplatzt?
Reese Ryan schreibt Liebesgeschichten, die nicht nur sexy und gefühlvoll sind, sondern in denen sie auch von kleineren Familiendramen erzählt. Reese ist im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten geboren und aufgewachsen, ihre Familie hat aber auch Wurzeln in Tennessee.
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1. KAPITEL
Verunsichert blickte Tessa Noble auf die Anordnung der Kugeln auf dem Billardtisch; sie war ratlos.
„Ich bin erledigt“, murmelte sie vor sich hin. Ein paarmal hatte sie zu stark gestoßen, vor allem aber war sie nicht richtig bei der Sache. So oder so: Sie würde verlieren.
Aber wie sollte sie sich auch aufs Poolspiel konzentrieren, wenn ihr bester Freund Ryan Bateman ein so eng anliegendes T-Shirt trug? Sein Sixpack, seine beeindruckenden Armmuskeln – alles zeichnete sich plastisch unter dem dünnen Stoff ab. Wäre das Shirt eine Nummer größer gewesen, hätte sie das alles nicht so deutlich gesehen, aber nein, er hatte sich ja unbedingt eines anziehen müssen, das eine Nummer zu klein war. War das vielleicht Absicht? Und dann dieser Anblick, wenn er sich über den Tisch beugte und sein fester, knackiger Hintern die hautengen Jeans fast sprengte …
Nein, kein Wunder, dass sie unter diesen Umständen wie eine blutige Anfängerin spielte!
„Keine Sorge, du bist noch lange nicht erledigt“, munterte Ryan sie auf. Seine Stimme war sonor und ein wenig rau; Tessa hätte ihm stundenlang zuhören können, auch wenn er nur das Telefonbuch vorgelesen hätte. Diese Stimme strahlte Sinnlichkeit und Selbstbewusstsein aus.
Tessa errötete; sie wusste selbst nicht, warum. Sie fühlte sich unsicher wie ein Schulmädchen bei seinem ersten Date.
„Ich weiß sowieso nicht, warum ihr eure Zeit mit Billardspielen verplempert, wenn ihr doch so viel schönere Sachen machen könntet“, flüsterte Gail Walker ihr anzüglich ins Ohr und nahm anschließend einen kräftigen Schluck Bier.
Tessa drückte ihrer Freundin den Ellenbogen leicht in die Rippen, aber die lachte nur. So war Gail eben – immer ein bisschen zu direkt, vor allem wenn sie mehr als einen Drink intus hatte.
Mit dem Queue in der Hand ging Tessa um den Billardtisch herum, während ihr Spielgegner Roy Jensen sich in Geduld übte. Schließlich seufzte sie und schüttelte den Kopf. „Es ist hoffnungslos“, sagte sie. „Ich weiß wirklich nicht, mit welchem Stoß ich mich hier noch aus der Affäre ziehen könnte. Falls du eine Lösung siehst – ich sehe sie nicht.“
Ryan kam näher zu ihr. Jede seiner Bewegungen hatte etwas Animalisches, etwas Raubtierhaftes. Gefährlich und doch verführerisch …
„Du unterschätzt dich, Tessa“, murmelte er. „Versuch dich zu konzentrieren. Blende alles aus, die Geräuschkulisse, deine Zweifel …“
Sie betrachtete die Poolkugeln, hielt den Kopf schief, biss sich auf die Unterlippe. „Nein, Ryan, egal von welcher Position aus – da gibt es nichts, was gelingen könnte.“
„Bist du sicher?“, fragte er. „Schau doch mal zur Vierer-Kugel.“ Die Kugel war zwischen zwei Kugeln ihres Gegners förmlich eingeklemmt.
„Hm, meinst du, das könnte gehen?“ Tessa nahm den Queue, stellte sich in Position, versuchte zu zielen.
Aber sie wagte den Stoß nicht.
„Nein, das kriege ich nicht hin.“ Sie wandte sich um und blickte Ryan an. „Du würdest es vielleicht schaffen – aber ich nicht.“
„Weil du zu angespannt bist. Und weil du falsch stehst.“ Ryan musterte sie einen Augenblick lang, dann umfasste er ihre Hüften mit beiden Händen und schob Tessa ein Stück zur Seite. „So, jetzt stehst du in einer Linie mit der Kugel. So kannst du besser zielen, du wirst sehen.“
Tessa versuchte sich auf die Billardkugel zu konzentrieren, aber es fiel ihr schwer, weil sie Ryans Hände auf ihrer Hüfte spürte. Er war ihr so nah, so verführerisch nah …
Sie riss sich zusammen und nahm die Kugel ins Visier. Unruhig bewegte sie den Queue vor und zurück, um das richtige Gefühl für den entscheidenden Stoß zu bekommen.
„Warte, Moment noch.“ Ryan beugte sich über sie. Er legte ihr einen Arm um die Hüfte und griff mit der anderen Hand nach dem Queue, einige Zentimeter über der Stelle, wo sie ihn festhielt. Gleichzeitig fixierte er mit den Augen die Billardkugel, wobei sein Gesicht nur Zentimeter von Tessas entfernt war. „Jetzt den Queue schön locker halten, nur nicht verkrampfen. Das ist jetzt Millimeterarbeit, da kommt es nicht auf Kraft an, sondern auf Gefühl. Also ganz entspannt sein. Versuch die weiße Kugel genau in der Mitte zu treffen, dann kann nichts schiefgehen. Alles klar?“
„Alles klar.“ Tessa nickte und konzentrierte sich. Sie atmete noch einmal tief durch, dann wagte sie den Stoß. Und sie traf die weiße Kugel tatsächlich genau in der Mitte. Irgendwie war es gar nicht so schwer gewesen.
Die weiße Kugel traf klackend auf die Vierer-Kugel, die daraufhin auf die Ecktasche zurollte, dann aber langsamer wurde, sodass es kurz so aussah, als würde sie direkt vor dem Abgrund stoppen. Aber dann hatte sie doch noch genug Schwung, um in der Ecktasche zu versinken.
„Jaaa!“, schrie Tessa triumphierend und klatschte Ryans erhobene Hand ab. „Du bist der Beste, Ryan! Wenn du mich nicht gecoacht hättest …“
Er winkte ab. „Nein, nein, das war ganz allein dein Werk. Ich habe dir höchstens ein bisschen psychologischen Beistand geleistet.“ Er zwinkerte ihr zu, und ihr wurde ganz heiß.
„Na, auf jeden Fall vielen Dank.“ Sie lächelte. „Ich weiß deine Hilfe wirklich zu schätzen.“
„Wofür hat man schließlich beste Freunde?“, fragte er schmunzelnd, griff nach seiner Bierflasche und nahm einen Schluck.
„Ich dachte, ich spiele gegen Tessa“, grummelte Roy Jensen. „Keiner hat mir gesagt, dass ihr euch allesamt gegen mich verschworen habt.“
„Jetzt stell dich mal nicht so an“, maßregelte Tessa ihren Billardgegner. „Ich höre ja auch regelmäßig weg, wenn wir Scrabble spielen und du die anderen um Buchstabierhilfe bittest.“
Roy murmelte etwas Unverständliches vor sich hin, während Tessa um den Tisch herumging und überlegte, wie sie weiter vorgehen sollte. Sie nahm die Zweier-Kugel ins Visier.
„Hey, Ryan.“ Lana, die Kellnerin, kam näher und strahlte ihn verführerisch an. „Ich schätze, du könntest noch ein Bier vertragen, stimmt’s?“
Diese Lana! Für Tessas Geschmack scharwenzelte sie viel zu oft um Ryan herum.
„Da sage ich nicht Nein.“ Ryan erwiderte Lanas Lächeln und nahm ihr die Flasche ab.
Tessa biss die Zähne zusammen. Das gefiel ihr nicht, das gefiel ihr ganz und gar nicht. Sie wandte sich ihrer Freundin zu und flüsterte so leise, dass weder Lana noch Ryan sie hören konnten: „Warum nimmt sie nicht einfach seinen Kopf und reibt ihn an ihren Silikonbrüsten, die sie sich von ihrem Exfreund hat spendieren lassen? So hätten sie es beide viel leichter.“
„Was sind denn das für Töne?“, fragte Gail grinsend. „Das hört sich ja so an, als wärst du eifersüchtig.“
„Eifersüchtig, pah!“, sagte Tessa empört. „Ryan und ich sind nur gute Freunde, das weißt du doch.“
„Ja, weiß ich“, erwiderte Gail. „Sehr, sehr gute Freunde. Aber jetzt mal ehrlich. Ihr seid beide ungeheuer attraktiv. Ist es denn wirklich keinem von euch bisher in den Sinn gekommen, dass ihr ein wunderbares Paar abgeben würdet?“
„Mir jedenfalls nicht. Und ihm auch nicht, soviel ich weiß.“ Tessa hielt den Queue fest und wagte ihren nächsten Stoß, lag aber erbärmlich weit daneben. Dieser Schuss war wesentlich weniger schwierig als der vorherige und hätte eigentlich klappen müssen, auch ohne Ryans Hilfe. Aber sie war einfach zu abgelenkt gewesen, weil sie Ryans Unterhaltung mit Lana mithören wollte.
„Na, für jemanden, der mit einem Mann nur gut befreundet ist, zeigst du aber auffällig viel Interesse an seinem Umgang. Vor allem, wenn er aus vollbusigen Serviererinnen besteht.“
Tessa warf ihrer Freundin einen bösen Blick zu.
Gail zuckte nur mit den Schultern. „Was ist denn? Du weißt doch, dass ich recht habe.“
Tessa ärgerte sich über Gails Worte – und auch darüber, dass ihr Billardgegner Roy ihre Ablenkung geschickt zu nutzen wusste. Mühelos versenkte er eine Kugel – und dann noch eine. Jetzt hatte er freie Sicht auf die schwarze Acht. Es würde ein Kinderspiel für ihn sein.
„Also gibst du es zu, oder was?“, bohrte Gail nach.
„Nein, ich bin nicht eifersüchtig auf Lana. Ich finde nur, er hätte was Besseres verdient. Er sollte nicht auf eine Sirene mit Dollarzeichen in den Augen hereinfallen. Die spekuliert doch hundertprozentig darauf, dass er ihr ihre nächsten Implantate finanziert – womöglich im Hintern.“
Gail lachte. „Aber warum sollte er jemandem einen falschen dicken Hintern finanzieren, wenn er doch ganz nah an einem echten dran ist?“ Sie musterte lächelnd Tessas ausgeprägte weibliche Rundungen.
Tessa wusste, dass sie recht kurvenreich war. Das hatte sie von ihrer Mutter geerbt. Aber sie wusste ebenfalls, das Ryan Bateman diese Rundungen kein bisschen beachtete. Denn für ihn war sie einfach jemand aus seiner Clique, quasi geschlechtslos, einer von den Jungs gewissermaßen. Ein bisschen mochte das allerdings auch Tessas Schuld sein, denn sie kleidete sich eher burschikos mit Jeans und karierten Hemden. Ihre weiblichen Reize herauszustellen war nicht ihre Sache.
Irgendwie wollte sie es so. Schlichte, praktische Kleidung passte einfach besser zu ihr.
„Verdammt!“ Wutentbrannt warf Roy seinen Queue zu Boden. Er hatte die schwarze Acht berührt.
Tessa lächelte triumphierend. „Das heißt, ich habe gewonnen!“
„Ja, aber nur, weil ich gepatzt habe“, stieß Roy zwischen zusammengebissenen...




