E-Book, Deutsch, Band 2, 348 Seiten
Reihe: Fated Shadow
Rylee Fated Shadow II
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7438-4545-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Pentref Mawre
E-Book, Deutsch, Band 2, 348 Seiten
Reihe: Fated Shadow
ISBN: 978-3-7438-4545-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Schlummert in Aveline noch ein Fünkchen der Dimensionswandlerin Nagual? Das zumindest vermuten Samael, der Höllendämon, und Azrael, der gefallene Engel. Um Gewissheit zu erlangen, macht sich das ungleiche Trio auf den Weg nach Pentref Mawre, eine andere und magische Dimension. Doch dort erwartet sie eine Überraschung: Das Reich hat einen neuen Herrscher. Und der hat seine ganz eigenen Pläne mit ihnen ...
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Lektionen
»Knie dich hin.« Der unterschwellige Befehlston stand im Widerspruch zu seiner sanften Stimme. Mit wenigen Schritten war er beim Fenster und verdunkelte den Raum, indem er die schweren fliederfarbenen Vorhänge zuzog. Ohne Widerworte sank Aveline auf die Knie. Die innere Anspannung wollte sie auffressen, als sie aufsah und den hochgewachsenen Mann vor sich beobachtete. Eine kleine Lampe mit mattem Schein war die einzige Lichtquelle. Während sich ihre Augen an die dunklen Lichtverhältnisse gewöhnten, versteifte sich ihr Körper spürbar. Die Temperatur im Zimmer schien kontinuierlich anzusteigen. Die dicken Vorhänge konnten die Hitze von draußen nicht gänzlich verbannen. Er zog sein schwarzes T-Shirt aus, warf es lässig auf den opulenten Sessel neben sich, bevor er sich umdrehte und sie anschaute. Zum ersten Mal konnte Aveline seinen Oberkörper genauer betrachten und spürte plötzlich Hitze in sich aufsteigen. Ihre kleinen Flügel entfalteten sich. So sehr sie auch versuchte, es zu unterbinden, es gelang ihr nicht. Sie streckte ihre Brust heraus. Als wollten sie ihr Luft zufächeln, bewegten sich die Schwingen mit leichten Schlägen. Mit gebanntem Blick starrte sie ihn an und musste unweigerlich schlucken. Ein leichter Schweißfilm legte sich über ihre Stirn. Jeder Muskel seines durchtrainierten Oberkörpers, der von wohlgeformten Armen eingerahmt wurde, zeichnete sich ab. Die Proportionen stimmten bis ins kleinste Detail. Während er sie umrundete, schaute er sie aus seinen blauen Augen durchdringend an, wie ein Tiger, der seine Beute ins Visier nahm. Mit wachsamem Blick verfolgte Aveline jede seiner Bewegung. Schließlich war er aus ihrem Sichtfeld verschwunden, als er hinter ihr zum Stehen kam. Ihre kleinen Flügel streckten sich zu den Seiten, dehnten sich aus, bis die Kralle an jedem Ende in bedrohlicher Stellung verharrte. Aveline schloss die Augen und legte den Kopf in den Nacken. In dieser Position wartete sie darauf, was passieren würde. Azrael so nah hinter ihrem Rücken zu wissen, verursachte ihr ein seltsames Gefühl in der Magengegend. Bilder, die sie eigentlich vergessen wollte, tauchten vor ihrem geistigen Auge auf. Eine Gänsehaut schoss ihre Wirbelsäule hinunter. In diesem Moment ergriffen seine Hände ihre Flügel, hielten sie kraftvoll fest und drückten sie nach unten. Aveline erstarrte und keuchte. Ihr Puls begann zu rasen. Die Flügel wehrten sich heftig und wollten der Umklammerung entfliehen. Immer wieder wurde ihr Oberkörper kräftig vor und zurück gerissen. Verzweifelt versuchte sie, die Schwingen zur Ruhe zu zwingen, sie zu bändigen. Sie wollte aufstehen, doch Azrael hielt ihre Flügel fest im Griff, und damit auch sie. »Atme, Aveline! Ganz ruhig«, hauchte er ihr von hinten ins Ohr. »Konzentriere dich auf die Schwingen.« So sehr sie es auch versuchte, es wollte ihr nicht gelingen. Verbissen presste sie die Lippen zusammen. »Es geht nicht«, keuchte sie hilflos. »Gib jetzt nicht auf, Aveline«, ermahnte er sie. Seine Stimme wurde forscher, drängender. Noch immer spürte sie die kräftigen Hände, die verhinderten, dass sie von dem wilden Geflatter ihrer Schwingen durch das Zimmer gezerrt wurde. Schließlich riss sie sich zusammen, schloss die Augen und schaffte es tatsächlich, etwas ruhiger zu werden. Das Schlagen der Flügel ließ allmählich nach, als ein Seufzer der Erleichterung aus ihr herausbrach. Ein Schweißtropfen rann ihre Wange hinunter, während sie sich dazu zwang, weiterhin ruhig zu bleiben. Krampfhaft konzentrierte sie sich auf ihre Atmung. Presste die Lippen zu einem schmalen Streifen zusammen. Versuchte, ihren wild pochenden Herzschlag zu bändigen. Langsam und ganz sachte strich er mit dem Finger an der äußeren Kante ihres ledrigen Flügels entlang, der sofort erstarrte, bis er schließlich bei der Kralle angelangt war. Das Gefühl, das sich in ihr entwickelte, war unbeschreiblich. Fast erotisch. Diese körperliche Reaktion verwirrte sie. Avelines Wangen erröteten, zugleich stellten sich ihre Nackenhärchen auf. Erneut beschleunigte sich ihr Atem und die Schwingen begannen wieder um sich zu schlagen. Ohne Vorwarnung bohrte sich eine der Krallen in ihren Oberarm wie der Stachel eines Skorpions, verhakte sich in ihrem Fleisch und riss mit einem Ruck ein Loch in die Haut. Sie schrie schmerzerfüllt auf. Blut rann an ihrem linken Arm hinab. Reflexartig schnellte ihre Hand zur Wunde und bedeckte sie. Gerade noch konnte sie verhindern, das Gleichgewicht zu verlieren. Noch immer wollten sich die Flügel nicht beruhigen. Sie versuchte erneut, sich zu konzentrieren. Tatsächlich hatte sie das Gefühl, dass die Flügel langsamer in ihren Bewegungen wurden, bis sie ausgebreitet verharrten. »Setz dich auf die Fersen, Engelchen, dann hast du mehr Halt, und atme tief ein und aus.« Behutsam strich er kurz mit der Hand über ihr glattes Haar. Aveline folgte seiner Anweisung, während er ein weiteres Mal zu einer Runde um sie herum ansetzte. »Das machst du sehr gut.« Er stellte sich vor sie, mit dem Gesicht zum Fenster.
Verwundert blickte Aveline auf die Tätowierung auf seinem Rücken. Zum ersten Mal nahm sie das Körperbild in seiner Gesamtheit wahr. Noch nie hatte sie Azrael mit freiem Oberkörper gesehen. Sie fragte sich, ob er sich für seine Tätowierung schämte. Vielleicht eine Jugendsünde? Innerlich schüttelte sie den Kopf, da sie noch nicht einmal wusste, wie alt Azrael tatsächlich war. »Wieso hast du dir Flügel auf den Rücken tätowieren lassen?« Als er den Kopf zur Seite drehte, legte sich der Anflug eines Lächelns in seinen Mundwinkel. Sie genoss den Anblick dieses wunderschönen Profils, seine weichen und doch markanten Gesichtszüge, die sie vor Entzücken dahinschmelzen ließen. Seine Anmut raubte ihr fast den Atem. Richtig sexy! Besonders bei diesen verruchten Lichtverhältnissen. Ist das etwa ein verlegenes Lächeln, das ich gerade in seinem Ausdruck zu sehen glaube? Sein Rücken spannte sich und er stemmte die Hände in die Hüften. Die Muskeln begannen miteinander zu tanzen und ließen die Flügeltätowierung lebendig wirken. Aveline traute ihren Augen nicht. Erstaunt öffnete sie den Mund. Ihre Sinne wollten ihr wohl gerade einen Streich spielen. Die Tätowierung verwandelte sich in richtige Flügel. Und was für Flügel! Riesige, aber wunderschöne schwarz glänzende Federn umgaben Azrael wie eine Aura, als er sich ihr zuwandte. Er schien ihre Verblüffung zu genießen. Als er einen plötzlichen Flügelschlag machte, wehte ihr langes schwarzes Haar dabei über die Schultern auf ihren Rücken. Aveline konnte nicht anders, als zu staunen. Ihre Flügel wollten sich ebenfalls beweisen und setzten das heftige Flattern fort. Avelines Miene verzerrte sich. »Verdammt! Nicht schon wieder«, stöhnte sie und zog sich weitere schmerzhafte Schnittwunden zu. Sie warf sich auf den Boden, um der Attacke zu entfliehen. Doch die Flügel drangsalierten sie immer wieder. »Aua! Verdammte Dinger! Lasst mich endlich in Ruhe«, rief sie voller Entsetzen und schlug nach ihnen, als würde eine angriffslustige Wespe ihren Körper umkreisen. Azrael hatte Erbarmen, fing die Schwingen ein und umklammerte sie, sodass sie Aveline nicht weiter verletzen konnten. »Atme, Aveline! Ganz ruhig. Du musst sie kontrollieren, nicht sie dich«, erklärte er in einem forschen Ton, doch sie hatte keine Ahnung, wie sie das anstellen sollte. Die Schwingen machten einfach, was sie wollten. Er lockerte seinen Griff. »Au!« Erneut schaffte es eine Kralle, sich in ihren Arm zu bohren. »Ich kann es nicht!« Sie war der Verzweiflung nah. Mit einem heftigen Ruck riss sie sich aus Azraels Umarmung und Schmerz durchbohrte ihre Schultern. Kurz hatte sie Angst, dass einer der Flügel gebrochen sein könnte, doch die Schwingen setzten ihr heftiges Flattern unerbittlich fort. Sie wollte diese eigenwilligen Dinger, die ihr nur das Leben schwer machten, nicht haben. Andauernd zerrissen ihre T-Shirts. Schützend legte sie die Hände über den Kopf, damit die Krallen sich nicht auch noch an ihrem Gehirn zu schaffen machen konnten. »Das schaffst du schon. Du darfst nicht verzweifeln; die Flügel spüren das. Auch sie müssen sich erst an dich gewöhnen. Gib ihnen die Möglichkeit.« Zärtlich zog er sie zu sich. Azrael hielt Avelines ungewollte neue Errungenschaft fest, um die Quälgeister daran zu hindern, sie weiterhin zu terrorisieren. Mit dem freien Arm umarmte er sie. Sie drückte ihre Stirn gegen seine starke Brust. »Dann sollen diese hässlichen Dinger mir eine Chance geben und damit aufhören, mich umzubringen«, schluchzte sie. »So einfach geht das nicht. Du bist diejenige, die sie kontrollieren soll und muss.« Er zog seine mächtigen Schwingen ein. »Daher wird es deine Aufgabe sein, sie davon zu überzeugen, dass sie dir vertrauen können.« Er runzelte die Stirn, während sein Blick für ein paar Sekunden länger auf ihren Flügeln verweilte. »Glaub mir, wenn ich dir sage,...




