Sacerdoti | Himmel im Herzen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

Sacerdoti Himmel im Herzen

Roman
16001. Auflage 2016
ISBN: 978-3-492-97206-2
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

ISBN: 978-3-492-97206-2
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gerade hat Inary Monteith aus einer Dummheit ihren besten Freund Alex verloren, da erreicht sie ein alarmierender Anruf aus ihrer schottischen Heimat: Ihre Schwester ist schwer krank. Inary reist sofort von London in ihr Heimatdorf Glen Avich. Dort angekommen, werden schmerzvolle Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit wach. Dazu spukt Alex ihr ständig im Kopf herum, und ihrer Schwester geht es zunehmend schlechter. Als Inary keinen Ausweg mehr sieht, weist ihr eine alte Gabe ihrer schottischen Großmutter den Weg zur Heilung ihres Herzens ...

Daniela Sacerdoti ist die Urenkelin des italienischen Schriftstellers Carlo Levi. Sie wurde in NeapeI geboren und ist in Südtirol aufgewachsen, wo sie als Lehrerin arbeitete, bis sie in Glasgow ein neues Leben begann. Hier widmet sie sich ganz ihrer Familie und dem Schreiben.
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2Ich habe sie immer schon geliebt
Alex

Sie ist fort. Die Wand protestiert nicht, als ich immer und immer wieder auf sie einschlage.

Ein Fehler.

Als solchen hat sie unsere gemeinsame Nacht bezeichnet, und dann hat ihr Handy geklingelt. Es gab einzelne Wortfetzen und Tränen, und ich wusste nicht, ob ich zu wütend war, sie auch nur anzuschauen, oder ob ich sie in meinen Armen halten, sie trösten und ihr sagen sollte, dass alles gut werden würde, dass es ihrer Schwester bestimmt gut ginge, dass ich immer, immer auf ihrer Seite sei, egal, was auch passieren würde. Dass ich immer für sie da sei.

Doch ich sagte nichts. Ich stand einfach nur da und war zu verletzt, um etwas sagen oder mich auch nur bewegen zu können.

Und dann zog sie sich hastig an. Ihr Gesicht war tränenüberströmt – sie wollte gerade zur Tür hinaus, und wie ich befürchtete, auch raus aus meinem Leben. Da ergriff ich ihre Hand und drehte Inary zu mir herum, damit sie mich ansehen musste. »Was auch immer das letzte Nacht war, Inary, bezeichne es nicht als einen Fehler. Du darfst meine Gefühle für dich nicht als Fehler bezeichnen.«

Sie erwiderte nichts. Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss, und damit war sie fort.

Ich habe Inary schon immer geliebt, zumindest fühlt es sich so an.

Bei unserer ersten Begegnung war sie über und über mit Farbe beschmiert. Sogar ihr wunderbares kastanienbraunes Haar – mit einer Farbe irgendwo zwischen Rot und Braun, ein warmer, kupferfarbener Ton, den ich bislang nur auf Gemälden gesehen hatte – war mit lilafarbenen Strähnen versehen. Ich bin besessen von Farben, und der Anblick dieser jungen Frau, wie sie in Lila, Rot und Blau gekrönt gewesen war, als sei sie gerade aus einem Gemälde von Chagall gestiegen, hatte mir den Atem geraubt.

Ich half Lesley beim Umzug in ihre neue Wohnung. Sie hatte mich mit einem Transporter voller Kram überfallen, und ich musste weitere Müllbeutel und Kisten in mein Auto laden – sie besaß genug, um mit ihrem Hausstand zwei Gebäude zu bestücken. Zudem hatte sie mir einen Satz Schlüssel übergeben, und ich war gerade dabei, diesen aus meiner Tasche zu fischen, während ich einen großen Umzugskarton auf einem Arm balancierte, als ich sah, dass die Tür bereits offen stand. Also schob ich mich in die Wohnung, und da stand sie dann. Inary. Ich hatte schon so viel von Lesleys bester Freundin oben aus dem Norden gehört, doch irgendwie hatten wir uns bisher immer verpasst.

»Du musst Alex sein«, stellte sie fest und lächelte strahlend.

»Und du musst Hilary sein«, erwiderte ich.

»Inary«, korrigierte sie mich lächelnd. »Kein H oder L. Aber ein N in der Mitte.«

»Oh, tut mir leid …«

»Mach dir keine Gedanken.« Wieder lächelte sie. »Das passiert mir andauernd. Meine Mutter war in einem Buch über schottische Märchen über den Namen gestolpert, aber sonst habe ich ihn noch nie irgendwo gehört. Sind das Sachen von Lesley?«, fragte sie dann und deutete auf den großen Karton in meinen Händen.

»Ja, ja, aber da kommt nicht mehr viel. Nur noch etwa siebenundzwanzig weitere Kartons wie dieser. Wir werden ungefähr in einer Woche fertig sein, denke ich.«

Sie lachte. Das ist gut, fand ich. Ich brachte sie zum Lachen.

»Da sind auch noch ein paar Müllsäcke. Oh, und Lesley ist ebenfalls mit dem Transporter auf dem Weg hierher.«

»O nein!« Inary schob sich eine Haarsträhne hinters Ohr. Zwar redete sie weiter, und ich hörte auch ihre Worte, doch verstehen konnte ich sie nicht. Ich befand mich irgendwo anders, an einem windigen, wunderschönen Ort, an dem ich als Kind einmal gewesen war und den ich dann für lange Zeit vergessen hatte. »Ich wusste schon, dass Lesley sammelwütig ist, aber mir war nicht klar, wie viel Kram sie besitzt! Komm, ich zeig dir ihr Zimmer. Es befindet sich am Ende des Flurs, dort drüben. Alex?«

Ich riss mich aus meinen Gedanken. »Ja. Ja, tut mir leid.«

»Du brauchst dringend eine Tasse Tee!« Wieder lachte sie. Sie war so … lebendig. Neben ihr fühlte ich mich ganz grau, als trüge sie all die Farben in sich, die ich jemals brauchen würde.

»Das wäre toll, vielen Dank.« Ich stellte den Karton in Lesleys Zimmer ab und folgte ihr in die Küche, während ich mir verzweifelt den Kopf darüber zerbrach, was ich sagen sollte. »Also, Lesley hat erzählt, dass du aus Schottland kommst …«, fing ich an.

»Aber nicht, dass ich einen starken Akzent oder so was hätte …«

Ich musste lachen. Natürlich besaß sie den weichen, singenden Tonfall der schottischen Highlands. »Woher kommst du?«

»Aus Glen Avich, nicht weit von Aberdeen. Das Dorf ist winzig, wahrscheinlich hast du noch nie davon gehört. Und du?«

»Ich bin in Edinburgh groß geworden …«

»Hallo!« Lesley kam herein und schleppte einen weiteren Umzugskarton an. Mit einem Seufzer stellte sie den Karton auf dem Boden ab, wobei ihr ihre Mähne aus winzigen Flechtzöpfen ins Gesicht fiel.

»Hallo! Ich habe schon mal mit Streichen angefangen!«, rief Inary.

»Das sehe ich«, erwiderte Lesley mit Blick auf Inarys vollgespritzte Kleidung. »Du hast Alex also schon kennengelernt. Endlich! Ich wollte euch bereits seit einer Ewigkeit miteinander bekannt machen …«

Ich bin mit Lesleys Bruder Kamau zur Uni gegangen – so haben Lesley und ich uns kennengelernt. Zwischen uns bestand nie etwas anderes als eine reine Freundschaft, obwohl ich mich oft nach dem Grund dafür gefragt habe – schließlich verstanden Lesley und ich uns wunderbar. Dennoch ist nie mehr daraus geworden. Nachdem dann einmal allen Beteiligten, inklusive uns, klar geworden war, dass wir nur Freunde waren und es auch bleiben würden, hatte sich zwischen uns eine sehr tiefe Freundschaft entwickelt. Was aber Kamau natürlich nicht davon abhielt, uns miteinander verkuppeln zu wollen, auch wenn ich damals eine Zeit lang eine Freundin gehabt hatte – Gaby.

Und dann lernte ich Inary kennen, in Farben getaucht wie ein geerdeter Regenbogen. Alles an ihr – ihre schmale Figur, der Klang ihrer Stimme, die Art, wie sie lächelte – war so lebendig und frisch, dass es sich anfühlte, als würde sie mich zum Leben erwecken.

Ich merkte, wie Lesley mich dabei beobachtete, wie ich wiederum Inary beobachtete, und wusste, dass sie meine Gedanken erraten würde. Dafür kannte sie mich zu gut. Ich murmelte etwas von siebenundzwanzig Kartons und einem Transporter, den ich zu entladen hatte, und verließ beinahe fluchtartig den Raum.

Den Rest des Tages kam ich mir wie benebelt vor. Lesleys völlig irre Menge an Kram wanderte vom Transporter in ihre Wohnung, Karton für Karton, während ich immer wieder einen Blick auf Inary erhaschte, die Wände anstrich, Tee kochte und zur Musik sang, die Lesley einschaltete. Den Tag ließen wir bei Fish and Chips ausklingen: Die Teller standen ein wenig wackelig auf Umzugskartons, da es hier bislang noch keine Möbel gab. Danach gingen wir noch in einen Pub in Battersea, nicht weit von meinem Haus entfernt. Draußen war es schon dunkel, und wir beeilten uns, um schnell aus der Kälte herauszukommen. Während sich die Mädchen an einen Tisch setzten, lief ich zur Bar, um uns Drinks zu holen.

Als ich mich an die Bar lehnte und darauf wartete, meine Bestellung abgeben zu können, merkte ich plötzlich, dass jemand neben mir stand. Als ich mich umdrehte, entdeckte ich, dass Inary mir gefolgt war; sie stand sehr, sehr nahe neben mir, sodass sich unsere Arme berührten.

»Schon gut«, sagte ich, »ich besorge uns Drinks.«

»Ich weiß. Ich dachte nur, ich könnte dir solang Gesellschaft leisten.«

Diese Zartheit fiel ihr so leicht wie das Atmen. Sie war furchtlos, offen und trug ihre Gefühle stolz zur Schau.

Ein paar Wochen später habe ich mit Gaby Schluss gemacht.

Nach nunmehr drei Jahren, nach einem endlosen wollen wir/wollen wir nicht, hat sie endlich die Nacht mit mir verbracht. Und es dann als einen Fehler bezeichnet, was mir höllisch wehgetan hat.

Sie ist nach Glen Avich zurückgegangen, wurde von den schrecklichen Nachrichten von ihrer Schwester aus London fortgerissen. Ich konnte es nicht fassen, dass Emily im Sterben lag – Emily, die lebhaft und fröhlich wie ein kleines Windrad gewesen war, so eines, das die Leute sich gern in ihre Gärten stellen. Emily, ein Meter fünfzig voller funkensprühendem Elan, voller Unverfrorenheit und Lebenslust.

Bei ihrem ersten Besuch hier unten in London – sie kam nur zweimal zu Besuch; die Reise nach London war zu anstrengend für sie – hatten sie und Inary eine geschlagene Woche lang ohne Unterlass miteinander geredet. Sie waren wie Spatzen, die tschilpten und zwitscherten, da sie so glücklich waren, wieder vereint zu sein.

Völlig unfassbar für mich.

Ich wollte so gern für Inary da sein – ich musste für sie da sein. Aber die Frage war, ob ich mir das weiterhin zumuten konnte? War ich für sie bloß irgendeine Stütze, die sie benutzte und dann wegwarf? Ich hatte es wirklich nicht verdient, so behandelt zu werden. Ihre Ängste und Zweifel gaben ihr nicht das Recht, mich dermaßen zu benutzen.

Wie ein Zombie ging ich ins Büro und watete durch die Arbeit, als sei sie ein Feld voller Schlamm und Morast. Kein Wort von Inary. Das dämliche Telefon klingelte den ganzen Tag über, und es kamen Nachrichten, E-Mails und anderes Zeug herein, das mich nicht interessierte, doch keine der Meldungen stammte von Inary. Ganz offensichtlich meinte sie das, was sie sagte, ernst.

Sobald ich nach Hause kam, ertränkte ich all meine...



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