Saft | A Fragile Enchantment | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 431 Seiten

Reihe: LYX.digital

Saft A Fragile Enchantment

New-Adult-Fantasy meets Historical Romance, von der Autorin von A DARK AND DROWNING TIDE
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7363-2409-1
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

New-Adult-Fantasy meets Historical Romance, von der Autorin von A DARK AND DROWNING TIDE

E-Book, Deutsch, 431 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-7363-2409-1
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»IST DAS EIN TRAUM?«
»ICH WEISS NICHT. KÜSSEN WIR UNS BIS ZUM MORGENGRAUEN UND FINDEN ES HERAUS.«

Niamh Ó Conchobhair hat eine magische Gabe: Sie kann Erinnerungen und Emotionen in Stoffe einweben und kreiert so verzauberte Kleidung, die sogar die Aufmerksamkeit des Herrschers des Nachbarkönigreichs Avaland weckt. Sie wird eingeladen, die Garderobe für die anstehende Hochzeit des Prinzen zu gestalten. Am Hof angekommen lernt Niamh den angehenden Bräutigam Kit Carmine persönlich kennen - und gerät direkt mit dem grüblerischen und sturen jungen Mann aneinander. Doch trotz ihres holprigen Starts entwickelt sich mit der Zeit eine ganz besondere Verbindung zwischen ihnen, die auf keinen Fall sein darf und von der ausgerechnet die Klatschpresse erfährt ...

»Eine magische Geschichte vom An-sich-selbst-Glauben, die einem das Gefühl gibt, nach einer langen Reise endlich am richtigen Ort, bei den richtigen Menschen, angekommen zu sein.« ZWISCHEN.PRINZEN.UND.BADBOYS

Der neue Roman der NEW-YORK-TIMES-Bestseller-Autorin Allison Saft



Allison Saft hat ihr Studium an der Tulane Universität mit einem Master in englischer Literatur abgeschlossen und wohnt mittlerweile an der Westküste der USA. Wenn sie nicht gerade Tuchakrobatik übt, findet man sie an der Seite ihres Partners und ihres italienischen Windhundes Marzipan.

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2


Niamh dachte, sie hätte sich verhört.

Oder hatte er einen Scherz gemacht? Ja, so musste es sein. Niemand, schon gar kein Adliger, konnte so dermaßen unhöflich sein. Doch als sie sich zu einem Lächeln zwang, wurde es nicht besser. Der junge Mann stand mit verschränkten Armen da und musterte sie kritisch. In seinen Augen lag ein herausforderndes, provokantes Funkeln – eine offensichtliche Falle.

Nur ein Dummkopf würde hineintappen.

»Niamh Ó Conchobhair.« Sie machte einen tiefen Knicks und hoffte, dass sie sich richtig verhielt. Warum hatte sie nicht zugehört, als Erin von den Feinheiten der gehobenen Kreise Avalands und ihren absurden Förmlichkeiten erzählt hatte? »Es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen.«

Doch damit war seine Frage offenbar nicht beantwortet. Sofern es überhaupt etwas bewirkte, steigerte es seine Missbilligung noch. »Bestimmt«, sagte er säuerlich und wandte sich wieder dem Prinzregenten zu. »Warum bin ich hier?«

»Das«, sagte der Prinzregent mit kaum verhohlener Verärgerung, »ist deine Schneiderin, Kit.«

Deine Schneiderin. Ihr wich die Farbe aus dem Gesicht, als ihr bewusst wurde, wen sie vor sich hatte. Dieser entsetzliche, ungehobelte Mann war der Bruder des Prinzregenten. Der zweite Sohn des Königs von Avaland. Prinz Christopher, der Herzog von Clearwater. Der Bräutigam.

Er würdigte sie keines Blickes. »Ah. Dies ist also ein Hinterhalt.«

»Mir war nicht klar, dass es eine solche Zumutung für dich sein würde, wenn ich sie dir vorstelle.« Der Prinzregent senkte die Stimme. »Du musst mir verzeihen, dass ich dachte, du würdest gern mit ihr sprechen, bevor ich sie bei dir Maß nehmen lasse.«

»Warum solltest du auch etwas anderes denken?«, entgegnete Kit geradezu rebellisch. Aus jeder Silbe sprach Unmut. »Ich unterstehe deinem Befehl.«

In diesem Moment hörte Niamh Keramik reißen – und ein trockenes Splittern, als Scherben auf dem Boden aufschlugen. Sie drehte sich um und erschrak zu Tode. Die Stechpalme in der Ecke hatte angefangen zu glimmen, die Blattadern leuchteten golden vor Magie. Die Wurzeln bohrten sich durch die Sprünge in dem Kübel. Neue Triebe brachen hervor und bildeten perfekte geometrische Formen. Der Zorn des Prinzregenten war anscheinend so geordnet und penibel wie der Rest von ihm.

Während Niamh sich von dem Schreck erholte, betete sie, dass sie nicht mit offenem Mund dagestanden hatte. Mit jeder neuen Generation verschwand die Magie etwas mehr aus der Welt, und auf eine so mächtige Magie traf man derzeit nur noch selten.

Sie war mit Horrorgeschichten über die Macht der avlischen Königsfamilie aufgewachsen. Wie sie durch Auslaugung des Bodens die Fäule verursacht hatte. Wie während des Iverischen Unabhängigkeitskrieges Gestrüpp aus der Erde geschossen war, dessen Dornen, lebendigen Bajonetten gleich, die Soldaten erstochen hatten. Niamh hatte diese Erzählungen immer für übertrieben gehalten. Nun war sie sich nicht mehr so sicher, wozu die Carmines imstande waren.

Wie hatte der Vater des Prinzregenten eine solche Kraft so grausam einsetzen können? Hätte er es nicht getan, wäre ihre Familie vielleicht nicht derart in Not geraten. Vielleicht wären weniger Angehörige ihres Volks dazu verdammt gewesen, wie sie dieses Schiff zu besteigen. Vielleicht hätte sie nicht alles hinter sich lassen müssen, um für ihre Liebsten zu sorgen. In ihr stieg plötzlich eine solche Wut auf, dass sie selbst ganz erschrocken war.

Doch der Prinzregent schien viel zu sehr mit seinem Bruder beschäftigt, um ihr Beachtung zu schenken. Seufzend ließ er die Luft zwischen den Zähnen entweichen. Die goldenen Funken in seinen Augen verschwanden, und er war wieder die Gelassenheit in Person. Wie durch Zauberkraft heraufbeschworen, löste sich ein Diener aus den Schatten und zog eine Schere aus seiner Brusttasche. Er machte sich daran, die Stechpalme auf eine überschaubare Größe zu stutzen. Das stetige Schnippschnapp zerriss die Stille. Ein weiterer Diener erschien, um die Scherben des Kübels aufzufegen, und verschwand binnen Sekunden wieder.

»Wir werden dieses Gespräch in Kürze beenden. Unter vier Augen.« Der Prinzregent, der offenbar noch nicht mit Kit fertig war, wandte sich Niamh zu. Seine Miene war unerträglich ernst, als würde er mit einer in ihrer Ehre verletzten Dame von edler Abkunft sprechen und nicht mit einem iverischen Mädchen. Nachdem ihre Gedanken gerade eben eine so finstere Wendung genommen hatten und sie schon so herablassend von seiner Haushälterin behandelt worden war, brachte es sie aus der Fassung. »Es tut mir furchtbar leid, Miss O’Connor. Mein Bruder hat sich vergessen.«

Kit gab ein Geräusch von sich, das kein richtiges Lachen war. »Was immer du mir zu sagen hast, kannst du hier und jetzt sagen.«

Empörung wallte in ihr auf. Sie war ein Mensch, kein Möbelstück und keine Schachfigur in seinem lächerlichen Stellvertreterkrieg. Er sollte sich hüten, seinen Bruder – den faktischen Herrscher des Königreichs – vor einer Fremden mit einer derart unverfrorenen Respektlosigkeit zu behandeln. Bevor sie es sich anders überlegen konnte, sagte sie: »Dann sind Sie also nicht an Mode interessiert?«

Die Luft vibrierte vor Spannung. Beide Prinzen sahen sie überrascht an, und sie tat ihr Bestes, um nicht unter ihren Blicken zu vergehen.

Oh Götter. Was hatte sie getan?

Kit setzte abermals eine abweisende Miene auf. »Nein, das halte ich für Zeitverschwendung.«

Seine knappe Zurückweisung verblüffte sie. Er bemühte sich nicht einmal der Form halber um Höflichkeit und würdigte ihre Lebensaufgabe herab. So heiter, wie es ihr möglich war, entgegnete sie: »Ich für meinen Teil habe eine rechte Leidenschaft dafür.«

»Tatsächlich?« Er klang erstaunlich neugierig, und sie war so erfreut, dass sie über ihre Antwort nachdachte.

Es gab viel zu viele mögliche Erklärungen. Weil Nähen das Einzige war, was sie konnte. Weil sie die Einzige in zwei Generationen war, die noch über einen Rest der schwindenden Gabe ihrer Familie verfügte, und es ihre Aufgabe war, sie zu bewahren. Weil es trotz des Zeitdrucks, der Überstunden und der Tränen nur wenig auf der Welt gab, was sie glücklicher machte, als andere glücklich zu machen. Letztlich entschied sie sich für etwas Unbedenkliches, aber Wahres. »Ich liebe schöne Dinge, und ich stelle gern Sachen her, in denen Menschen sich schön fühlen.«

»Was für ein Unsinn.« Er fuhr so heftig auf, als hätte sie auf einen blauen Fleck gedrückt. »Schönheit ist nichts, was man sich zur Lebensaufgabe macht. Dafür interessieren sich nur pfauenhafte Narren und eitle Fatzken.«

Niamh schreckte zurück. Er war nicht nur unhöflich, er war gehässig. Und das völlig ungerechtfertigt. Er wollte schließlich heiraten. Er trug Schuhe, die mehr kosteten, als sie in einem Monat verdiente. Er stand da in seiner Seidenweste, die förmlich darum bettelte, in einem Modemagazin abgebildet zu werden. Seide! Noch dazu im Sommer. Hoffentlich würde er sie durchschwitzen. Hoffentlich würde er …

»Erweise unserem Gast die gebührende Achtung, Christopher«, sagte der Prinzregent mit schneidender Stimme. »Sie ist eine Gemeine, aber dennoch von göttlichem Geblüt.«

Niamh hatte die Bezeichnung »von göttlichem Geblüt« noch nie gehört, aber es war klar, was er meinte: Sie besaß die Gabe der Magie. Wenn die Avaländer glaubten, auch ihre Magie stamme von den Göttern, dann waren die avlischen und die iverischen Mythen womöglich gar nicht so unterschiedlich, wie man sie hatte glauben machen.

Vor langer Zeit, so besagten die Geschichten, waren Hunderte Götter nach Iverland gesegelt und hatten es zu ihrem Zuhause gemacht. Bevor sie sich hinter dem Vorhang zur Domhan Síoraí verborgen hatten, hatten einige von ihnen sterbliche Geliebte und gaben ihre Magie an die Kinder weiter. Jeder, der die Gabe besaß, behauptete, von einem Gott abzustammen. Da waren Luchta, der Schwerter und Schilde schmiedete, die bei einer Schlacht das Blatt wenden konnten; Dian Cecht, dessen Heilmittel jede Verletzung kurierten; Goibnu, dessen Schlemmereien den Hunger eines Mannes für ein Jahrzehnt stillen konnten; Bres, der mit seiner Redegewandtheit jeden Streit schlichtete; Delbaeth, der Feuer speien konnte wie ein Drache; und natürlich ihre Namenspatronin Niamh. Sie empfand es als Ironie, dass sie nach der Königin des Landes der Ewigen Jugend und Schönheit benannt worden war.

»Wie du wünschst, Jack.« Kit wandte sich ihr erneut zu. »Dann lassen Sie mal sehen.«

Sie verstand seine unausgesprochene Drohung: Gib mir einen Grund, dich nicht auf das Schiff zurückzuschicken. Er hielt sich nicht für höherstehend als sie; er wusste, dass er es war. Schon in dem Moment, als sie die Einladung des Prinzregenten erhalten hatte, war Niamh klar gewesen, dass es sich nicht um eine Belohnung für bisher Erreichtes handelte, sondern um den Beginn einer neuerlichen Prüfung. Als Gemeine, als Iverin, musste sie in Avaland doppelt so schwer arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Doch schließlich wurden ihre Ängste von Entschlossenheit verdrängt, und sie brannte darauf, sich zu beweisen – und auch Kit zu beweisen, dass er sich täuschte.

»Gerne«, stieß sie hervor, und es klang viel...


Saft, Allison
Allison Saft hat ihr Studium an der Tulane Universität mit einem Master in englischer Literatur abgeschlossen und wohnt mittlerweile an der Westküste der USA. Wenn sie nicht gerade Tuchakrobatik übt, findet man sie an der Seite ihres Partners und ihres italienischen Windhundes Marzipan.



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