Sage | Falkenreiter - Flucht aus Luma | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 320 Seiten

Reihe: Falkenreiter

Sage Falkenreiter - Flucht aus Luma


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-505-14438-7
Verlag: Schneiderbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 320 Seiten

Reihe: Falkenreiter

ISBN: 978-3-505-14438-7
Verlag: Schneiderbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Fantasy-Fans aufgepasst: Falken, Freundschaft und ein unvergessliches magisches Abenteuer
Alex weiß nicht viel über ihre Eltern, aber sie hat ein paar Zauberkarten von ihnen geerbt. Sobald sie die Hand darüber bewegt, kann Alex in die Vergangenheit sehen, aber auch in die Zukunft. Das tut sie natürlich nur heimlich, denn in Luma ist Magie streng verboten. Als ihr Geheimnis auffliegt, flieht Alex aus ihrer Heimat. Doch ein Falkenreiter des Königs ist längst hinter ihr her. Wird Alex' Magie stark genug sein, um allen Gefahren zu trotzen und ihre Eltern zu finden?

Von einer der erfolgreichsten Kinderbuchautorinnen: Die Bücher von Angie Sage haben sich weltweit über 3,5 Millionen Mal verkauft und wurden in 33 Sprachen übersetzt!

»Das ist ein richtig spannendes Fantasy-Abenteuer voller Überraschungen.« Gabriela Grunwald, , 24.10.2021

»Und wieder mal hat Angie Sage eine großartige magische Welt voller Phantasie erschaffen. [...] wunderbar!« Katharine Mahrenholtz, , 04.02.2022



Angie Sage ist in London geboren und lebt in Cornwall. Sie liebt das Meer, gruselige alte Häuser und Zeitreisen (der einfachste Weg: Geschichtsbücher lesen). Sie ist die Autorin der weltweiten Bestseller-Serie rund um Septimus Heap, die in 33 Sprachen übersetzt wurde und sich allein in den USA mehr als 3,5 Millionen Mal verkauft hat.

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Weitere Infos & Material


1. Kapitel

Die Karten

»Ein Monster«, sagte Alex, während ihre Finger wie die Flügel eines Vogels über das schimmernde Sechseck flatterten, das vor ihr auf dem staubigen Boden lag. Alex – mager und klein für ihr Alter, mit dunkel blitzenden Augen und einer Menge dichter, schwarzer Locken, die von einem grünen Stoffband zusammengehalten wurden – kauerte neben der niedrigen Mauer, die den Marktplatz der Klippenstadt Luma umgab. Sie war gut versteckt hinter dem Stand einer Gewürzhändlerin, einer dicken Frau in leuchtend gelber Jacke und weitem, fliederfarbenem Rock. Freundlicherweise warnte sie Alex jedes Mal vor den Schildwachen, wenn diese sich näherten. Zum Dank legte Alex ihr manchmal die Karten, deren Vorhersagen unheimlich genau waren.

Neben Alex kniete ein Junge mit kurzen, braunen Haaren. Fasziniert starrte er das Sechseck an – so etwas hatte er noch nie gesehen. »Warum sagst du Monster?«, fragte er vorwurfsvoll. Er kam sich etwas betrogen vor.

Alex zuckte mit den Schultern, schnippte mit den Fingern, und das Schimmern erlosch. Das große Sechseck verschwand und hinterließ sieben winzige Sechsecke, die gerade so groß waren, dass sie in ihre Hand passten. Sie lagen im Staub, oblatendünne Plättchen aus magischem Perlmutt, von denen jedes in einer anderen Farbe glänzte, die über ihre Oberfläche waberte wie Öl auf Wasser. Alex klaubte sie auf und schob sie zu einem flachen Stapel zusammen. »Ich habe etwas Riesengroßes gesehen – bestimmt ein Monster. Es war in einer Höhle, mit Menschen. Wahrscheinlich wollte es sie fressen.«

»Fressen?« Der Junge sah sie entsetzt an.

Alex zuckte mit den Schultern. »Warum sollte ein Monster sonst Menschen in seine Höhle bringen?«

Der Junge atmete auf. »Du hast also nicht gesehen, dass das Monster die Menschen gefressen hat?«

Alex schüttelte den Kopf. »Nein, hab ich nicht. Und jetzt muss ich los. Bin spät dran.«

Der Junge hob eine Hand. »Kannst du es noch mal versuchen? Bitte. Nur noch einmal«, bat er und wollte Alex einen weiteren Silberpfennig zustecken.

Alex schob die Münze weg. »Es wird nichts ändern«, sagte sie. »Das tut es nie.«

»Bitte!«, flehte der Junge. »Es ist wichtig. Bitte.«

Alex seufzte. »Na schön, aber du musst dich konzentrieren. Denk an deine Frage und sonst nichts.«

»Mach ich. Versprochen.« Der Junge legte sich die Hände an die Schläfen und drückte dagegen, als könnte er so seine Gedanken sammeln.

Flink legte Alex sechs Sechsecke zu einem Kreis, so, dass sie einander berührten. In die Mitte des Kreises legte sie das letzte, in dem, wie der Junge bemerkte, die Ziffer sieben zu schwimmen schien. Wieder ließ sie die Finger darüber flattern, und der Junge sah gebannt zu, wie die Ränder der kleinen Plättchen verschwanden und zu einem großen, glänzenden Sechseck wurden, über dessen Oberfläche regenbogenbunte Farben flirrten.

Alex begann, ihren Zeigefinger zu drehen, und die Farben folgten ihrer Fingerspitze und wirbelten herum wie eine Spirale. In der Mitte des Strudels tauchte ein dunkler Fleck auf, der rasch größer wurde, er sah aus wie eine sich weitende Pupille in einer bunten Iris. Alex hörte auf zu rühren und stützte die Hände auf den Boden. Es half ihr, das Gefühl abzuschwächen, in einen Abgrund zu stürzen – ein Gefühl, das sie immer überkam, wenn sie in die Dunkelheit in der Mitte des Kreises blickte.

Der Junge beobachtete sie genau, die Hände noch immer an die Schläfen gepresst, und hielt vor Konzentration den Atem an. »Was siehst du?«, fragte er.

»Dasselbe wie eben. Eine Art … Monster.«

»Was für eins?«, fragte der Junge. Er beugte sich vor und blickte in die Karten, um es mit eigenen Augen zu sehen. Doch er sah nichts als die sanft kreiselnde Spirale mit dem dunklen Punkt in der Mitte, und Enttäuschung stieg in ihm auf. »Das ist doch nur ein Trick«, sagte er verärgert. »Irgendwie bringst du die Farben dazu, sich zu bewegen, und dann tust du so, als würdest du etwas darin sehen.«

»Wenn du das glaubst, dann verzieh dich«, zischte Alex. »Ich lege meine Karten nicht für Leute, die mich eine Trickserin nennen.«

Der Junge rührte sich nicht. Er blieb auf den Knien und starrte weiter in den Farbenwirbel. »Tut mir leid«, murmelte er. »War nicht so gemeint. Bitte sag mir, was du gesehen hast.«

Alex seufzte. Sie konnte seine Reaktion ja verstehen. Sie wäre auch besorgt und verärgert, wenn sie nach ihrem Bruder gefragt und nur das Wort »Monster« zur Antwort bekommen hätte. Rasch warf sie einen Blick über die Mauer und hielt nach den auffälligen orangefarbenen Umhängen der Schildwachen Ausschau. Es war früher Abend, und das Markttreiben legte sich, sodass ihr nun weniger Menschen Deckung verschafften. Mit voller Konzentration starrte sie noch einmal in die schwarze Tiefe. »Das Monster ist kalt. Es rührt sich nicht. Seine Gelenke tun weh. Sein Herz steht still.«

»Oh.« Der Junge klang enttäuscht. »Wird das so bleiben? Kannst du sehen, ob es immer kalt sein wird? Werden seine Gelenke immer wehtun? Wird sein Herz immer stillstehen? Kannst du es mir sagen? Bitte?«

Alex schaute nicht gern in die Zukunft, doch die Hartnäckigkeit des Jungen weckte ihre Neugier. Wieder stützte sie die Hände zu beiden Seiten des Sechsecks auf den Boden, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, und blickte so tief in die Dunkelheit, dass ihr schwindlig wurde. »Feuer. Es frisst Feuer. Sein Herz schlägt. Ich fühle es.« Sie ließ sich zurück auf die Fersen sinken und hatte das Gefühl, dass sich alles um sie drehte.

»Das war’s«, sagte sie. »Noch mal schaue ich nicht nach.«

Der Junge strahlte. »Danke! Danke, das ist großartig! Jay – mein Bruder – wird überglücklich sein.«

Die Menschen sind schon komisch, dachte Alex. Warum ein Monster, das irgendwann Feuer fressen und zum Leben erwachen würde, besser war als ein totes Monster, war ihr schleierhaft. Ein scharfes Zischen der Gewürzhändlerin holte sie in die Wirklichkeit zurück. »Achtung! Schildwache!«

Alex sammelte hastig ihre Karten ein und steckte sie in das kleine, sechseckige Etui, das sie unter ihre grüne Schärpe schob.

Der Junge schien nichts mitzukriegen. »Das Monster, das du gesehen hast«, sagte er, »war es …«

»Pssst!«, machte Alex. »Wenn du noch nicht genug von Monstern hast – genau hinter dir steht eins!«

Der Junge fuhr herum, und Alex packte ihn am Arm. »Nicht umdrehen, du Trottel! Da drüben ist eine Schildwache. Hast du die Frau mit dem orangenen Umhang nicht gesehen? Weissagen ist verboten, weißt du das denn nicht?«

Die Augen des Jungen weiteten sich vor Schreck.

»Du solltest besser verschwinden«, sagte Alex.

»Nein«, erwiderte der Junge entschlossen. »Du sollst keine Schwierigkeiten kriegen, nur weil ich so viel gefragt habe. Außerdem sieht es verdächtig aus, wenn ich jetzt wegrenne, oder?«

»Na gut, dann unterhalten wir uns eben. Wie Freunde.«

Der Junge nickte und schluckte mühsam. »Also, äh … bist du … öfter hier?«

Alex lachte. »Wie Freunde, du Dummkopf. Lass mich mal machen. Hör einfach zu.« Sie redete lauter. »Ich muss bis Sonnenuntergang zu Hause sein. Ich habe versprochen, heute Abend auf Louie aufzupassen.«

»Wer ist Louie?«, fragte der Junge.

»He, wenn wir Freunde sind, solltest du das wissen. Er ist mein kleiner Bruder. Na ja, oder so ähnlich.«

»So ähnlich?«

»Pflegebruder. Er ist süß. Oh, verdammt, sie kommt rüber. Wie heißt du? Manchmal testen sie einen. Ich bin Alex.«

»Benn.«

Alex atmete auf und grinste. »Glück gehabt, Benn. Sie hat sich umgedreht. Scheint an den Würsten da drüben was auszusetzen zu haben.«

Benn stieß einen leisen Pfiff aus. »Gruselig«, sagte er dann.

»Nur, wenn wir erwischt worden wären«, entgegnete Alex. »Sind wir aber nicht.« Dann griff sie mit einem schnellen »Danke!« an die Gewürzhändlerin nach ihrem Bündel und warf es sich über die Schulter.

»He!«, rief Benn ihr nach. »Warte!« Doch Alex verschmolz mit ihrer kurzen, dunkelblauen Jacke und der ausgeblichenen, schwarzen Hose mühelos mit den Schatten.

Benn musterte die kaninchenbauartigen Gassen, die vom Marktplatz abzweigten, und fragte sich, welche Alex wohl genommen hatte und wie sie so schnell hatte verschwinden können. Er seufzte. Er war durcheinander, als stünde plötzlich alles auf dem Kopf. Nicht wegen des Monsters, das sie gesehen hatte, sondern weil er aus irgendeinem Grund wirklich Alex’ Freund sein wollte, nicht nur ihr gespielter Freund, um die Wache zu täuschen. Doch Alex war fort, und weil er ein Händler von außerhalb war, musste er nun gehen, bevor die Tore der Stadt bei Sonnenuntergang geschlossen wurden.

Benns Hand legte sich um seine Einnahmen des Tages – ein Vermögen aus neunundvierzig Silberpfennigen (einen hatte Alex bekommen, aber der war gut angelegt) für eine Wagenladung Zitronen. Das war der Lohn für den mühsamen Weg den steilen Berg hinauf mit einem unwilligen Esel, den er am frühen Morgen zurückgelegt hatte. Er stieg über die Mauer und gab einen weiteren Silberpfennig für ein Säckchen Chiliflocken aus, als Dank an die Gewürzhändlerin, die sie gerettet hatte. »Sei vorsichtig«, sagte sie, nachdem er das Wechselgeld ausgeschlagen und sie die Münze dankbar verstaut hatte. »Die Wachen sehen...



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