Sambanis / Ludwig | Positive Fremdsprachendidaktik | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 284 Seiten

Reihe: narr STUDIENBÜCHER

Sambanis / Ludwig Positive Fremdsprachendidaktik


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-381-12893-8
Verlag: Narr Francke Attempto Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 284 Seiten

Reihe: narr STUDIENBÜCHER

ISBN: 978-3-381-12893-8
Verlag: Narr Francke Attempto Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Positive Fremdsprachendidaktik ist ein neuer Ansatz für das Lehren und Lernen von Sprachen, der es ermöglicht, insbesondere Erkenntnisse der Positiven Psychologie für einen zeitgemäßen Fremdsprachenunterricht nutzbar zu machen und so positive Entwicklungen in Gang zu setzen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie es gelingen kann, aus der aktuellen Belastungskrise herauszufinden und gute Bildungslaufbahnen mit erfolgreichem Sprachenlernen zu ermöglichen. Denn Sprachen sind die tragende Säule von Lern- und Entwicklungsprozessen sowie von innerer Balance. Mit ihrem Band zur Positiven Fremdsprachendidaktik stellen Michaela Sambanis und Christian Ludwig einen neuen Ansatz vor, der sprachliche Lernziele mit Achtsamkeit und Selbstfürsorge für Lernende und für Lehrende verbindet, aktuelle Entwicklungen und Bedarfe zur Kenntnis nimmt, darauf reagiert und Antworten gibt.

Univ.-Prof. Dr. Michaela Sambanis lehrt Didaktik des Englischen an der Freien Universität Berlin. Gastprof. Dr. Christian Ludwig lehrt Didaktik des Englischen an der Freien Universität Berlin.
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Psychologisches Kapital (PsyCap) | Michaela Sambanis & Christian Ludwig im Gespräch mit Eva Lermer


Abstract

This article explores the role of Psychological Capital (PsyCap) for learners and teachers and its potential for the language classroom. The strength- and growth factors of hope, efficacy, resilience, and optimism (HERO) that constitute people’s PsyCap contribute to well-being, motivation, and academic success. This article is based on an interview with the renowned professor, Eva Lermer. Michaela Sambanis and Christian Ludwig have reflected on her valuable contributions to the topic. These contributions have been expanded in the text below regarding implications for language teaching and learning, as well as complemented by selected teaching impulses which the reader finds in the final section of this article.

Prof. Dr. Eva Lermer hat die Forschungsprofessur Organisationspsychologie und soziale Kompetenzen an der Technischen Hochschule Augsburg inne und ist u.a. durch Ihre wertvolle Publikation zur Positiven Psychologie (2019) eine ausgewiesene Expertin in diesem Forschungsfeld. Im Spätsommer 2024 beantwortete sie unsere Fragen zum Psychologischen Kapital, um uns, das Herausgeber:innenteam sowie die Leser:innen des vorliegenden Bandes, an ihrer Expertise teilhaben zu lassen.

1 Welche Bedeutung hat das Psychologische Kapital (PsyCap)?


In schreibt Lermer, die Forschungslage zusammenfassend, es sei davon auszugehen, dass Menschen durch Übungen bzw. „intentionale Aktivitäten“ ihr Psychologisches Kapital „zumindest über den Bereich von 40 %“ (2019: 80) selbst entwickeln können. Die PsyCap-Ressourcen, die durch das Akronym HERO abgebildet werden (vgl. Infobox), sind also nicht statisch. Vielmehr bilden sie einen besonders wertvollen Ansatzpunkt für positive Erziehung, Bildung und, auch im weiteren Verlauf des Lebens, Entfaltung, Zufriedenheit, Leistungsfähigkeit und persönliches Aufblühen. „Sie sind einfacher zu beeinflussen als die Intelligenz oder Persönlichkeitsmerkmale und dabei stabiler als Emotionen oder Stimmungen“ (Sambanis/Ludwig 2024: 41). Emotionen lassen sich durch die Kriterien Valenz, Intensität, Häufigkeit, Referenz, Kontext und zeitliche Dimension klassifizieren. Sie lassen sich außerdem im Hinblick auf deren Dauer von Stimmungen unterscheiden. Letztere halten oftmals etwas länger an als Emotionen, aber auch Stimmungslagen vergehen wieder, während PsyCap als Ressource bestehen bleibt. Es ist also lohnend und wichtig, sich mit dem Psychologischen Kapital und seinen Verbindungen zu Lernfreude, Leistungsbereitschaft und Wohlergehen zu befassen sowie mit Möglichkeiten, den Sprachunterricht durch HERO-Aktivitäten, d.h. und unterstützende Aktivitäten, zu bereichern. Damit werden positive Sprachlernerfahrungen ermöglicht und zugleich ein Beitrag zur mentalen Gesundheitsförderung geleistet.

Zahlreiche Studien haben in den letzten Jahren schon die beiden Fragen untersucht, ob mehr Psychologisches Kapital tatsächlich zu positiven Effekten führt (mehr Zufriedenheit, Motivation, bessere Leistungen etc.) und ob sich durch entsprechende Übungen die HERO-Komponenten weiterentwickeln lassen. Beides trifft zu.

2 Welche Rolle spielt PsyCap im Hinblick auf Wohlbefinden und Zufriedenheit? Welche hinsichtlich Motivation, Leistungsfähigkeit und (z.B. Lernerträge)?


Eine konstruktive Haltung zu Rückschlägen und Misserfolgen ist bedeutsam. Studien, z.B. zu Mathematikangst, belegen, dass Überzeugungen und Haltungen einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss haben. Bei einem Experiment ließen Forschende (Dar-Nimrod/Heine 2006) fast 100 Frauen im Alter von 17 bis 48 Jahren auf einen Mathematiktest warten. Dabei hörten die Studienteilnehmenden ein Gespräch mit, an dem sie selbst nicht beteiligt waren. In diesem Gespräch wurde, je nach Gruppe, entweder behauptet, Männer schnitten in Mathematik aus genetischen Gründen besser ab als Frauen oder aber versichert, dass es keinen Geschlechterunterschied gebe bzw. dass dieser, sollte er sich zeigen, auf die Lehrer:innenerwartung zurückzuführen sei. Die Frauen, die von der angeblichen genetischen Mathematikbegünstigung der Männer gehört hatten, schnitten im sich anschließenden Test schlechter ab (Arndt/Sambanis 2017: 113). Formen der Angst, wie die vor Mathematik, resultieren oft nicht nur aus Überzeugungen, sondern auch aus Misserfolgserfahrungen, die besonders bei geringem PsyCap destabilisierend wirken und ungünstige Haltungen verstärken können. Einen gewissen Einfluss hat auch die Genetik bzw. mehrere Faktoren in ihrem Zusammenwirken: „Wenn zu einer gewissen genetischen Vulnerabilität zusätzlich ungünstige Erfahrungen hinzukommen, wird die genetische Disposition sichtbar […]. Allerdings erhöht die genetische Disposition die Chance allgemein, irgendeine Angst zu entwickeln. Ein spezifisches Mathematikangst-Gen gibt es nicht“ (ebd.: 114). Es könnte sich also ebenso Sprechangst in der Fremdsprache entwickeln.

Eine Stellschraube, an der angesetzt werden kann, um positive Entwicklungen in Gang zu bringen, ist, neben den Überzeugungen und Haltungen, der Umgang mit Misserfolgen und Rückschlägen. Ein konstruktiver Umgang damit beginnt mit dem Eingestehen der Niederlage und dem Zulassen der damit verbundenen Emotionen, aber ohne sich in diesen Emotionen festzubeißen (zum Umgang mit negativen Emotionen vgl. Kapitel 5) oder Selbstmitleid aufkommen zu lassen. Es folgt das Analysieren und Nachdenken darüber, wie das Misserfolgserlebnis genutzt werden kann, um sich persönlich weiterzuentwickeln. Menschen mit einem guten Maß an PsyCap haben bessere Chancen, diese Schritte so zu nehmen, dass sie das Erlebte gut verarbeiten und daraus tatsächlich Impulse zur Weiterentwicklung ziehen können. Im Grunde gilt, dass es „tatsächlich sehr gesund [ist], gelegentlich zu scheitern und Rückschläge zu erleben, damit man lernt, damit umzugehen“ (Steeneveld 2024: 95). Der erste und eigentliche Ansatzpunkt, um förderliche Strategien aufzubauen und positive Entwicklungen in Gang zu setzen, ist das Psychologische Kapital. Ein ausgeprägtes PsyCap kann zwar Rückschläge oder schmerzliche Erfahrungen nicht verhindern, aber „es kann uns dabei helfen, besser damit umzugehen“ (ebd.: 143).

3 Welche Rolle spielt PsyCap im Hinblick auf die Gesundheit von Lernenden und Lehrkräften?


Die Verringerung des Stresserlebens (für Stress und Coping vgl. Kapitel 7) dank höherem PsyCap und guten Coping-Strategien sollte angesichts der nachgewiesenen aktuellen Belastungslage ein Ziel mit hoher Priorität sein. In der Pressemeldung zum Präventionsradar 2024 der DAK-Gesundheit heißt es: „Die Situation der Schulkinder in Deutschland verschlechtert sich. Mehr als die Hälfte berichten von Erschöpfung, fast ein Drittel von erhöhter Einsamkeit. Viele Jungen und Mädchen haben Schlafprobleme, Kopf-, Rücken- oder Bauchschmerzen“ (DAK-Gesundheit 2024; vgl. Hansen et al. 2024: o.S.). Der DAK-Chef betont, er sehe „die seelische Gesundheit der nachwachsenden Generation in Gefahr und fordert mehr Präventionsinitiativen“ (ebd.). Dabei kommt Sprache eine zentrale Funktion zu, denn, wie Newberg und Waldman bereits 2012, sogar im Titel ihres Werks, postulierten: , und es ist das Gehirn, das Stressreaktionen steuert. Sprache und das Bewältigen von Stress, Ängsten usw., aber auch Sprache und das Aufbauen von Stärkeressourcen...



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