Sander | Death de LYX - Wenn ich dich kriege | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 100 Seiten

Reihe: Death-de-LYX-Reihe

Sander Death de LYX - Wenn ich dich kriege


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8025-9435-9
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, Band 3, 100 Seiten

Reihe: Death-de-LYX-Reihe

ISBN: 978-3-8025-9435-9
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Death de LYX: Die besondereThriller-Reihe von LYX - jeden Monat eine neue Zerreißprobe für die Nerven! Kate Mulligan erwacht aus einem tiefen Schlaf und findet sich auf einer abgeschieden Farm irgendwo in Texas wieder. Sie kann sich nicht erinnern, wie sie hergekommen ist, und auch den Farmer und seinen Sohn hat sie noch nie gesehen. Als beide darauf beharren, dass sie nicht Kate Mulligan, sondern Shannon O'Riley, die Verlobte des Farmersohns ist, beginnt sie langsam zu begreifen, welch furchtbarer Albtraum hier auf sie wartet ... Death de LYX - regelmäßig spannende Kurzgeschichten mit Nervenkitzel-Garantie als E-Book. Stöbern Sie auch in den anderen Titeln der Reihe!



Der in Köln geborene Ralph Sander veröffentlichte Anfang der 90er Jahre das mehrbändige, wegweisende Sekundärwerk "Star Trek-Universum", seitdem ist er als Übersetzer und Autor tätig. Unter verschiedenen Pseudonymen sind von ihm zahlreiche Mysteryromane und Krimis erschienen, der SF-Roman "Der Garten" sowie der Katzenkrimi "Kater Brown und die Klostermorde" wurden unter seinem Namen veröffentlicht.

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Ein Ventilator.

Ein Deckenventilator.

Der sich unablässig drehte.

Bis ihr schwindlig wurde.

Kate schloss die Augen, um nicht diese andauernde Bewegung sehen zu müssen. Sie zog die Brauen zusammen und versuchte sich zu erinnern, wo sie sich befand und wie sie hergekommen war. Das Letzte, woran sie sich erinnern konnte, war ein Bus, in dem sie gesessen hatte. Aber wo war sie hingefahren? Und wo war sie hergekommen?

Vorsichtig schüttelte sie den Kopf. Ob das tatsächlich ihre letzte Erinnerung war, konnte sie nicht mit Sicherheit sagen. Sie strengte ihren Verstand an, aber sobald sie versuchte, diesen Bildern eines Busses auf den Grund zu gehen, war es so, als würde sie in einen dichten Nebel geraten, der ihr die Orientierung nahm und sie ziellos umherirren ließ.

Ehe sie die Augen vorsichtig wieder öffnete, drehte sie den Kopf zur Seite, um den Ventilator nicht wieder sehen zu müssen. Sie lag bis zur Taille zugedeckt auf einem luxuriös großen Doppelbett und trug ein leichtes Baumwollnachthemd. Im Zimmer war es warm, und nur der Ventilator sorgte für einen gleichmäßigen, kühlen Luftzug. Trotzdem suchte sie die Wand über dem Nachttisch neben dem Bett ab und entdeckte mehrere Kippschalter. Nur einer von ihnen zeigte nach unten. Da es taghell war und keine Lampe im Zimmer brannte, musste das der Schalter für den Ventilator sein.

Sie streckte sich, bis sie ihn erreicht hatte, drückte ihn nach oben und ließ sich wieder zurück aufs Bett sinken. Sekundenlang schien es so, als hätte sie mit ihrer Aktion nichts bewirkt, aber dann stellte sie fest, dass der Ventilator tatsächlich langsamer wurde und kurz darauf zum Stillstand kam.

»Schon besser«, murmelte sie, und nachdem sie sich noch einen Moment länger ausgeruht hatte, setzte sie sich auf und rutschte zur Bettkante. Kate reckte die Arme und merkte, dass sie sehr wohl bei Kräften war. Im Liegen war ihr das nicht so vorgekommen, was vermutlich an dieser seltsamen Kombination aus weit entfernter Benommenheit und einer völlig klaren Wahrnehmung ihrer Umgebung lag. Es war ein Zustand, den sie einfach nicht in Worte fassen konnte.

Kate stand auf und ging zum Fenster, schob den beigefarbenen Vorhang zur Seite und kniff die Augen zusammen. Durch den ziemlich dünnen Stoff war es im Zimmer bereits hell gewesen, aber jetzt tauchte der Sonnenschein sie in gleißendes Licht. Nachdem sie sich an die Helligkeit gewöhnt hatte, kniete sie sich auf das dicke Kissen, das auf der Fenstersitzbank lag, und sah, dass sie sich im ersten Stock eines Gebäudes befand. Gleich unterhalb des Fensterbretts befand sich das leicht geneigte Holzdach einer Veranda. Ein Streifen aus fester Erde erstreckte sich vom Haus bis zu einem Zaun, dahinter begann eine kräftig grüne, saftig wirkende Weide, die so weit reichte, wie Kate sehen konnte. Tiere erblickte sie nicht, auch keine Menschen.

»Das könnte Texas sein«, überlegte sie halblaut. Diese Vermutung half ihr aber auch nicht weiter, da sie keinen Bezug zu diesem Bundesstaat herstellen konnte. »Definitiv nicht Arizona«, ergänzte sie murmelnd. Nach dem Stand der Sonne zu urteilen, musste es kurz nach Mittag sein.

Mitten am Tag und sie lag im Schlafanzug … in einem ihr unbekannten Schlafanzug in einem fremden Bett? Was zum Teufel war denn nur geschehen? Sie wandte sich vom Fenster ab und betrachtete das Zimmer etwas genauer. Zu beiden Seiten des Betts standen Nachttische, an der Wand ihr gegenüber hatte eine lange Kommode Platz gefunden. Links von ihr stand ein großer, wuchtiger Schrank, der aus dem gleichen dunkel gebeizten Holz wie alles hier im Zimmer und an den Rändern der Türen mit kunstvollen Schnitzereien verziert war. In einer Ecke stand ein Tisch mit zwei Stühlen, und auf dem Tisch lag ein Buch. Auf den Nachttischen stand je eine kleine Lampe mit dunkelblauem Schirm, die Birnen der Deckenlampe waren mit den gleichen Schirmen versehen.

Das Ganze besaß einen ähnlich formalen Charme wie ein Zimmer in einem Hotel, das sich gern zur obersten Liga gezählt hätte, aber über das Mittelmaß nicht hinaus reichte. Nicht etwa, weil es nicht bezahlbar gewesen wäre, diesen Luxus nachzuempfinden, sondern weil derjenige, der das hier eingerichtet hatte, noch nie eines von den wirklich teuren Hotels zu Gesicht bekommen hatte und damit auch gar nicht wusste, was dort Standard war.

Sie zuckte zusammen, als auf einmal der Türknauf gedreht wurde und die Tür aufging. Ein Mann kam herein, mit einer Hand balancierte er ein Tablett, mit der anderen machte er die Tür weiter auf. Sein Blick war auf das Tablett konzentriert, auf dem eine Tasse Kaffee, ein Glas Orangensaft und ein Teller mit Rührei und Speck stand. Die Flüssigkeiten schwappten bedenklich hin und her, aber irgendwie brachte der Mann es fertig, dass nichts überlief. Nachdem er die Tür leise hinter sich zugedrückt hatte, stutzte er, da sein Blick auf das Bett fiel. Aus dem Augenwinkel bemerkte er den Schatten, den Kate warf, und drehte sich zu ihr um.

»Du bist auf, das ist schön«, sagte er und lächelte sie an.

Kate betrachtete ihn, aber ganz egal, wie lange sie diese Gesichtszüge auch musterte, sie war sich sicher, den Mann noch nie gesehen zu haben. Er schien Ende dreißig oder Anfang vierzig zu sein, also gut zehn Jahre älter als sie. Sein leicht angegrautes Haar trug er ordentlich gescheitelt, die Koteletten reichten etwa bis zur Hälfte der Ohren. Er war glatt rasiert und trug keine Brille. Gekleidet war er in ein kariertes Hemd und Jeans, dazu Sportschuhe, aber das konnte daran liegen, dass er sich im Haus befand. Ansonsten hätten nämlich Cowboystiefel viel besser zu seinem Erscheinungsbild gepasst. Er war mindestens einen halben Kopf größer als sie. Sein Gesicht wurde nicht durch irgendwelche Narben verunziert, die Nase war schmal und gerade, also hatte er sie sich vermutlich noch nie gebrochen. Das bedeutete, er war entweder noch nie in eine Schlägerei verwickelt worden oder aber er hatte seinen Gegner so schnell zu Boden geschickt, dass der ihn gar nicht erst hatte treffen können.

Sein Gesicht wirkte eher unscheinbar. Er konnte sich in einer Menschenmenge bewegen ohne aufzufallen und wäre rasch wieder vergessen.

»Wie fühlst du dich?«, fragte er, nachdem er das Tablett auf dem Tisch abgestellt hatte.

Sie schüttelte verständnislos den Kopf. »Entschuldigen Sie, aber … kennen wir uns?«, erwiderte sie.

Der Mann wurde schlagartig ernst. Sein freundliches Lächeln verschwand und wich einem Ausdruck, der zwischen Entsetzen und Resignation schwankte. »Du weißt nicht, wer ich bin?«

Kate zuckte mit den Schultern. »Nein, ich habe Sie noch nie gesehen. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern«, fügte sie dann noch hinzu, denn wenn sie konsequent sein wollte, konnte sie nicht darauf beharren, ihn noch nie gesehen zu haben. Er konnte ihr in einem Supermarkt oder einer Mall dutzendmal entgegengekommen sein oder beim Italiener am Nebentisch gesessen haben – sie hätte ihn einfach vergessen.

»Oh nein«, murmelte er bestürzt. »Ich bin Gene.«

»Angenehm, Kate Mulligan«, entgegnete sie höflich.

»?«, wiederholte er ungläubig und flüsterte mehr zu sich selbst: »Nicht schon wieder.«

»Nicht was schon wieder?«, hakte sie ungewollt erschrocken nach.

»Ich … warte hier, ich bin gleich zurück«, sagte er hastig und ging zur Tür. »Du kannst ja schon mal einen Happen essen. Vielleicht … wenn du nicht auf leeren Magen nachdenken musst … vielleicht dann …«

»Vielleicht was?«, rief sie ihm nach, aber er hatte das Zimmer bereits verlassen.

Kate stand da und schaute verdutzt zur Tür. Sollte sie ihm folgen? Immerhin war sie keine Gefangene, also konnte sie sich auch frei bewegen. Sie ging zur Tür, drehte den Knauf und atmete erleichtert auf, als sie sich öffnete. Tatsächlich! Man hatte sie hier nicht eingesperrt.

Im Flur, der nur von dem Licht erhellt wurde, das durch die Oberlichter über den Türen dorthin gelangte, begab sie sich zur Treppe am anderen Ende. Der Mann war bereits nicht mehr zu sehen. Entweder hatte er sich so beeilt, dass er mit deutlichem Vorsprung im Erdgeschoss angekommen war, oder er war in eines der vier anderen Zimmer auf dieser Etage verschwunden.

Als Kate jemanden reden hörte, hielt sie kurz inne. Dann erkannte sie Genes Stimme, die andere Stimme klang um einiges älter.

»Tatsächlich?«, fragte der Mann mit der tieferen Stimme.

»Ja, sie hat sich mir wieder als Kate Mulligan vorgestellt«, antwortete Gene. »Ich dachte, diese Phase hätte sie hinter sich, aber … offenbar doch nicht. Der Arzt hatte doch schon solche Fortschritte feststellen können, und jetzt … ich finde, das ist ein herber Rückschlag.«

»Na ja«, sagte der andere. »Vielleicht hat es ja auch gar nichts zu bedeuten. Möglicherweise kann sie diese scheinbaren Erinnerungen noch nicht so ganz von den echten unterscheiden. Außerdem ist sie gerade erst aufgewacht. Als ich vor einer halben Stunde nach ihr gesehen habe, da hat sie noch fest geschlafen. Ich könnte mir vorstellen … okay, ich bin auch nur Laie auf dem Gebiet, trotzdem könnte ich mir vorstellen, dass sie im Traum diese Kate war, und nach dem Aufwachen bringt sie das jetzt durcheinander.«

Einen Moment lang herrschte Schweigen.

»Am besten wird es sein«, fuhr die ältere Stimme fort, »wenn du dich an das hältst, was der Doc gesagt hat. Wenn sie wieder glaubt, Kate zu sein, dann musst du ihr einfach ganz in Ruhe noch einmal erklären, was passiert ist. Du musst nur eben sehr geduldig sein. Der Doc hat gesagt, dass...



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