Sandow / Laurent | Silvia-Duett - Folge 12 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 12, 112 Seiten

Reihe: Silvia-Duett

Sandow / Laurent Silvia-Duett - Folge 12

Nur du kannst meine Sehnsucht stillen/Wenn du an meiner Seite gehst ...
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1264-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Nur du kannst meine Sehnsucht stillen/Wenn du an meiner Seite gehst ...

E-Book, Deutsch, Band 12, 112 Seiten

Reihe: Silvia-Duett

ISBN: 978-3-7325-1264-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nur du kannst meine Sehnsucht stillen.

Für die Ärzte und Schwestern ist es wie ein Wunder, als die Unfallpatientin Catrin Roberts aus jahrelangem Koma aufwacht: Der jungen Frau ist das Leben neu geschenkt worden. Aber wie kann dieses Leben für Catrin ein Geschenk sein? Sie muss erfahren, dass eine andere Frau inzwischen den Platz an der Seite ihres Mannes eingenommen hat. Catrin weiß nicht, wie sie das ertragen soll. Doch es gibt Menschen, die ihr helfen wollen. Einer von ihnen ist ihr Arzt, Dr. Christian Bender. Er macht Catrin eines Tages die schönste Liebeserklärung, die eine Frau sich denken kann: 'Ich habe ein Leben lang nach dir gesucht ...'

Wenn du an meiner Seite gehst ...

Clarissa, ich will dich etwas fragen', sagt Felix von Scheven lächelnd und hält die schöne junge Frau liebevoll am Arm fest. Wird er ihr jetzt einen Heiratsantrag machen? Natürlich wird sie Nein sagen und Felix nicht merken lassen, was sie wirklich fühlt, denn in einem ist Clarissa von Metz sich ganz sicher: Felix ist ein unverbesserlicher Schürzenjäger und kein Mann zum Heiraten. Dass sie ihm mit diesem Urteil bitter unrecht tut, will sie nicht wahrhaben, und dass der eigentliche Grund, Felix abzulehnen, ein ganz anderer ist, würde sie nicht einmal sich selbst eingestehen. Denn Clarissa hat Angst - vor ihren eigenen Gefühlen und vor der Liebe.

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Das traditionsreiche Weingut Sonnenhof lag inmitten der Kulturlandschaft des Rheingaus, an einen sanften Hügel geschmiegt, dessen Ausrichtung nach Süden ihn für den Anbau lieblicher Tropfen prädestinierte.

Seit vielen Generationen bewirtschaftete die Familie von Metz den Betrieb. Im Laufe der Jahrzehnte waren die Rebflächen stetig gewachsen, doch mittlerweile hatte man das Limit erreicht, hinter dem nur noch Massenproduktion und Qualitätsabbau zu erwarten waren.

Lorenz von Metz, der Gutsherr, legte allerdings größten Wert auf den guten Namen und den damit verbundenen Qualitätsanspruch, für den seine Weine standen. Er, ein Mann in den besten Jahren, war mit Leib und Seele Winzer und ein gewiefter Geschäftsmann.

Wie ein echter Landedelmann verstand er es, seine Produkte zu fairen Preisen zu verkaufen, und er machte hoch zu Ross eine ebenso gute Figur wie beim Schneiden und Binden der Reben, wenn er mit seinen Angestellten in einer Reihe im Weinberg stand.

Während seine Frau Eva-Marie stets deutlichen Abstand zum Personal auf dem Sonnenhof wahrte und es ihr nie in den Sinn gekommen wäre, sich neben der Köchin an den Herd zu stellen, sah ihre Tochter darin ganz gewiss keinen Fauxpas.

Clarissa war auf dem Sonnenhof geboren und aufgewachsen und fühlte sich dem Land und dem Besitz ebenso verbunden wie den Menschen, die hier lebten und wirtschafteten. Sie machte dabei keinen Unterschied zwischen einem Mitglied ihrer Familie und der Köchin oder einem Stallburschen.

Wegen ihrer natürlichen, ungekünstelten Art war Clarissa von Metz allseits beliebt. Wenn sie am frühen Morgen auf ihrem Rappen durch die Felder und Weinberge ritt, dann gab es niemanden, der sie nicht freundlich grüßte oder ihr zuwinkte. Und jeder Gruß wurde erwidert.

Die junge Frau mit den schönen braunen Augen kannte keinen Standesdünkel, was schon des Öfteren zu einiger Verstimmung bei der Mutter geführt hatte. Denn Eva-Marie von Metz stammte aus einer sehr konservativen Familie. Sie hatte gelernt, dass man sich nur in den eigenen Kreisen zu bewegen hatte, und diese eiserne Regel bestimmte ihr Leben bis zum heutigen Tag.

Als sich Clarissa entschieden hatte, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten, und ein Studium in Önologie beginnen wollte, hatte das lange und zähe Streitigkeiten mit ihrer Mutter nach sich gezogen.

Eva-Marie war absolut dagegen gewesen. Nicht, dass sie ihre Tochter als zukünftige Gutsherrin ablehnte, das gewiss nicht, aber Clarissa sollte heiraten und die Leitung des Betriebes ihrem Mann überlassen. Sie konnte dann, wie Eva-Marie es tat, dem Haushalt vorstehen und sich den gesellschaftlichen Verpflichtungen widmen, die eine solche Stellung mit sich brachte.

Dass ihre Tochter diese Einstellung rundweg ablehnte und sie sogar als altmodisch und falsch bezeichnete, hatte die Gutsherrin schon oft gekränkt. Allein die Tatsache, dass sich zwischen Clarissa und dem Nachbarssohn Felix von Scheven etwas entwickelt hatte, das vielleicht zu einer standesgemäßen Heirat führen würde, konnte Eva-Marie ein wenig beruhigen.

Doch der Dickkopf ihrer Tochter war sprichwörtlich, und die Gutsherrin sah Clarissa noch längst nicht als glückliche Braut. Der Weg bis dahin schien weit, bedachte man das eigenwillige Temperament der jungen Frau, die nur tat, was sie selbst für richtig hielt.

An diesem sonnigen Morgen Mitte Mai kehrte Clarissa bereits von einem frühen Ausritt zurück, als ihre Mutter gerade das Frühstückszimmer betrat. Sogleich zeigte sich eine steile Unmutsfalte zwischen den perfekt geschwungenen Brauen der Gutsherrin. Ihr strenger Blick ruhte anklagend auf den staubigen Reitstiefeln ihrer Tochter, dem verwehten Haar und der lässig in der schmalen Taille geknoteten Bluse.

Doch Clarissa schien es gar nicht zu merken.

»Morgen, Mama, ich ziehe mich schnell um, dann komme ich auch frühstücken«, entschied sie munter. »Ist Paps schon auf?«

»Seit einer Weile. Er wartet auf uns.« Eva-Marie seufzte leise. »So, wie du aussiehst, solltest du besser zuerst duschen.«

»Ach, das geht schon. Das bisschen Erde kann trocknen und abfallen«, scherzte ihre Tochter und strebte die Freitreppe hinauf, die von der Halle des Gutshauses in den ersten Stock und ins Dachgeschoss führte.

Das große Gebäude bot eine Menge Platz und eignete sich nicht nur zum Wohnen, sondern auch zum Repräsentieren. Sehr zum Bedauern der Gutsherrin geschah Letzteres aber eher selten. Die prunkvollen Feste, die sie hier früher hatte erleben dürfen, gehörten der Vergangenheit an. Und das wollte der eleganten Frau ganz und gar nicht gefallen.

Als sie nun das Frühstückszimmer betrat, das nach Osten hin lag und vom Licht der Morgensonne erfüllt war, schaute sie ihren Mann mit leicht gequältem Blick an.

»Du müsstest unbedingt mal ein ernstes Wort mit deiner Tochter reden, Lorenz«, sagte sie bekümmert. »Sie lässt sich von Tag zu Tag mehr gehen …«

»Clarissa ist ein Mädchen nach meinem Herzen«, meinte der Gutsherr gelassen und faltete die Morgenzeitung zusammen. »Sie studiert eifrig und mit dem nötigen Verständnis, und bald wird sie an meiner Seite den Sonnenhof leiten können. Das macht mich wirklich stolz und glücklich.« Er bemerkte, dass seine Frau etwas einwenden wollte, und fuhr versöhnlich fort: »Und sie wird Felix heiraten. Das kommt dir doch entgegen, nicht wahr?«

»Wünschst du dir keinen Schwiegersohn?«, fragte sie spitz.

»Aber natürlich«, versicherte Lorenz gutmütig. »Nur ist mir das noch nicht so wichtig. Unsere Tochter ist jung, sie hat noch Zeit mit dem Heiraten, und die sollte sie sich auch nehmen, finde ich. Nur wenn sie Felix wirklich lieb hat, sollte sie auch seine Frau werden.«

Eva-Marie von Metz bedachte ihren Mann mit einem Blick, aus dem leichte Verärgerung sprach.

»Sich lieb haben!«, wiederholte sie mit verächtlichem Unterton. »Das ist nicht die richtige Basis für eine Ehe. Wenn man sich mag, genügt das völlig. Liebe kommt später, das weißt du so gut wie ich. Also, bitte, setze Clarissa in dieser Hinsicht keinen Floh ins Ohr. Ich bin froh, dass sie zumindest bei der Wahl ihres zukünftigen Ehemanns ein wenig Verstand bewiesen hat.«

»Ich bitte dich, Liebes, das solltest du schon unserer Tochter überlassen. Wir beide haben uns lieben gelernt. Aber heutzutage geben sich die Jungen nicht mit ein bisschen Sympathie zufrieden. Da muss es schon Liebe sein, sonst wird eben nicht geheiratet. Und daran können wir auch nichts ändern.«

Die Gutsherrin musterte ihren Mann nachdenklich.

»Hast du Grund zu der Annahme, dass es zwischen Clarissa und Felix nicht stimmt?«, hakte sie nach. »Hat sie etwas angedeutet …«

»Nein, nichts. Ich spreche auch nur allgemein. Denn ich finde, dass wir uns nicht einmischen sollten. Wir können Clarissa ruhig vertrauen. Sie wird schon die richtige Entscheidung treffen.«

»Willst du es tatsächlich darauf ankommen lassen?« Eva-Marie wirkte wenig begeistert. »Du weißt doch selbst, wie unvernünftig die Jugend sein kann …«

In diesem Moment wurden die Schiebetüren zum Frühstückszimmer geöffnet, und Clarissa erschien. Sie hatte sich umgezogen und wirkte in heller Hose und dunkelblauer Bluse mädchenhaft und überaus hübsch.

»Was hat die Jugend nun wieder angestellt, um sich deinen Unmut zuzuziehen, Mama?«, fragte sie lächelnd, drückte ihrem Vater einen Kuss auf die Wange und ließ sich am Frühstückstisch nieder.

Eva-Marie schwieg indigniert, während ihr Mann amüsiert auflachte.

»Wir haben nur ganz allgemein gesprochen, Liebes«, versicherte er seiner Tochter.

»Ach so.« Clarissa schmierte sich ein Brötchen und wollte dabei von ihrem Vater wissen, wie er den Entwurf für die neuen Riesling-Etiketten fand. »Wenn du willst, sehe ich später in der Druckerei vorbei und bringe schon mal einen Probedruck mit«, schlug seine Tochter vor. »Von der Uni aus ist das kein großer Umweg.« Sie warf ihrer Mutter einen fragenden Blick zu, da sie sich nachhaltig geräuspert hatte.

»Vielleicht denkst du daran, dass wir heute zusammen einkaufen gehen wollten. Das Kleid für deine große Party muss noch angepasst werden«, erinnerte Eva-Marie ihre Tochter verstimmt.

»Ach, das hat doch noch Zeit.« Clarissa hob unbekümmert die Schultern. »Erst muss ich mal die Prüfungen schaffen.«

»Da besteht doch wohl kein Zweifel«, meinte ihr Vater überzeugt, doch Clarissa wollte sich nicht festlegen.

»Ich weiß noch gar nicht, ob diese Party überhaupt stattfindet«, sagte sie. »Und jetzt entschuldigt mich, ich muss mich langsam auf den Weg machen. In einer Stunde beginnt die erste Vorlesung.«

Nachdem sie den Raum verlassen hatte, zögerte Eva-Marie nicht lange und erhob sich ebenfalls.

»Da stimmt was nicht«, äußerte sie überzeugt. »Und ich werde dem jetzt sofort auf den Grund gehen!«

Gerne hätte Lorenz von Metz seine Frau gebeten, sich nicht einzumischen, doch er wusste, dass dies keinen Sinn hatte. Wenn Eva-Marie etwas herausfinden wollte, dann tat sie das auch. Aufhalten konnte sie dabei niemand.

Mit einem resignierten Seufzer griff der Gutsherr wieder nach seiner Zeitung. Er konnte nur hoffen, dass Mutter und Tochter nicht in Streit gerieten. Denn dann saß er leicht zwischen allen Stühlen und fand sich am Ende auch noch zwischen den Fronten wieder …

***

Clarissa wollte eben das Haus verlassen, als ihre Mutter sie bat, noch kurz zu bleiben. Eva-Marie war nun sehr ernst, wie die...



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