Sands Ein Vampir für jede Jahreszeit
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8025-9201-0
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 300 Seiten
Reihe: Argeneau
ISBN: 978-3-8025-9201-0
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die Argeneaus - die sympathischste Vampirfamilie der Welt! Mit viel Charme und Humor finden weitere Mitglieder des Vampirclans die wahre Liebe ihres unsterblichen Lebens. Katricia Argeneau wird mit dem schüchternen Polizeichef Teddy Brunswick in seiner Blockhütte eingeschneit - und die beiden haben viel Zeit, ihre Gefühle füreinander zu entdecken. Mirabeau LaRouche hingegen hätte niemals damit gerechnet, bei einem Auftrag, der sie in den schmutzigen Untergrund New Yorks führt, auf Ihren Seelenpartner zu treffen ... Zwei Stories rund um die Argeneaus - erstmals zusammen in einer Anthologie: »Ein Vampir unterm Weihnachtsbaum« und »Ein Vampir zum Valentinstag«! Inklusive der noch nie vorher veröffentlichten Bonusgeschichte: »(K)ein Bund fürs Leben«!
Die kanadische Autorin Lynsay Sands hat zahlreiche zeitgenössische und historische Romane verfasst. Sie studierte Psychologie, liest gern Horror und Liebesromane und ist der Ansicht, dass ein wenig Humor "in allen Lebenslagen hilft". Mit der Argeneau-Serie gelang ihr der große internationale Durchbruch.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1
Als Teddy aufwachte, stellte er fest, dass er sich über Nacht wie ein Maulwurf unter der Bettdecke eingegraben hatte und fror. Das war seltsam, denn normalerweise strampelte er im Schlaf immer die Laken weg, und kalt war ihm beim Aufwachen eigentlich auch nie.
Anscheinend war die Heizung ausgefallen. Er warf die Decke von sich, setzte sich auf und sah sich um. Im grellen Sonnenlicht, das von draußen ins Zimmer flutete, konnte er sehen, wie sich bei jedem Atemzug ein Wölkchen vor seinem Mund bildete.
Oh ja, die Heizung war definitiv aus. Er zog eine Grimasse, schwang sich aus dem Bett und eilte durch den Flur. Der Teppich unter seinen Füßen fühlte sich kalt an. Am Ende des Korridors lag der weitläufige Hauptraum des Hauses, eine Kombination aus Wohnzimmer, Küche und Esszimmer. Die linke, mit Teppich ausgelegte Hälfte bildete den Wohnbereich. Dort standen zwei Sessel, ein Sofa und eine Schrankwand mit einer Heimkino- und Musikanlage. Außerdem gab es einen offenen Kamin. Die rechte Hälfte war gekachelt und beherbergte die Küche und den Essbereich.
Auf dem Weg zum Wandthermostat warf Teddy automatisch einen Blick auf die Digitaluhr am Herd. Irritiert stellte er fest, dass die Anzeige nicht funktionierte, und blieb stehen. Auch das Display des DVD-Players unterm Fernseher war tot. Teddy ahnte schon, was los war. Probeweise betätigte er den Lichtschalter und war kaum überrascht, als nichts geschah. Nicht nur die Heizung war ausgefallen, sondern die komplette Stromversorgung.
»Na toll«, murmelte er verärgert und machte sich auf den Weg zurück ins Schlafzimmer. Im Cottage war es jetzt schon unangenehm kalt, und durch den Stromausfall würde es noch schlimmer werden. Wenn er weiter so – bloß im Schlafanzug und barfuß – im Flur herumstand, verschwendete er nur sinnlos Körperwärme. Also beschloss er, sich schnell anzuziehen und sich dann ein warmes Örtchen in der Stadt zu suchen, von dem aus er sich bei Marguerite melden und sie fragen konnte, wer für die Behebung des Stromausfalls zuständig war.
In einer Ecke des Schlafzimmers, das er für sich ausgewählt hatte, stand ein Stuhl, auf dem er seinen Koffer abgestellt hatte. Teddy klappte den Deckel auf und nahm sich das dickste Paar Socken heraus, das er finden konnte – und zur Sicherheit noch ein weiteres. Er ging mit den Socken in der Hand zum Bett, sah dabei zufällig aus dem Fenster und blieb jäh stehen.
Bei seiner Ankunft gestern Abend war es bereits dunkel gewesen, und im Scheinwerferlicht des Wagens hatten die vereisten Äste der Bäume und der hohe Schnee links und rechts der Einfahrt wunderschön ausgesehen und wie Edelsteine geglitzert. Doch heute wirkte die Landschaft schon nicht mehr so bezaubernd. Missmutig stellte er fest, dass über Nacht mindestens ein halber Meter Neuschnee gefallen war. Sein Pick-up war nur noch ein Schneehaufen in der Einfahrt.
»Mist«, fluchte er leise und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Was war nun zu tun? Warm anziehen, eine Schaufel suchen, seinen Truck ausgraben, dann in die Stadt fahren und dort ein warmes Café suchen, wo es gemütlicher war als hier, und von dem aus er Marguerite anrufen konnte.
Oder sollte er sie lieber gleich verständigen? Inzwischen war Teddy mit den Socken fertig und zog nun Jeans und Pullover über seinen Schlafanzug. Die Einfahrt freizuschaufeln, würde sicher eine ganze Weile dauern, und wenn er jetzt gleich anrief, wäre derjenige, der den Stromausfall beheben konnte, wahrscheinlich schon hier, ehe Teddy die Räumarbeiten beendet hätte.
Ja, dieser Plan war besser. Also zog sich Teddy fertig an und eilte in die Küche, wo er sein Telefon abgelegt hatte. Am Vorabend hatte er es noch ans Ladegerät angeschlossen. Dummerweise schien der Strom bereits kurz danach ausgefallen zu sein, denn die Ladestandanzeige war inzwischen weiter gesunken. Als er das Handy einschaltete, piepste es noch einmal warnend und ging dann aus.
Knurrend schob Teddy es in die Hosentasche, zog Mantel, Schal und Stiefel an, nahm sich seine Handschuhe und öffnete die Küchentür. Die Wohnräume im Cottage waren schon kalt, aber im Windfang herrschten erst recht eisige Temperaturen. Missmutig verzog er das Gesicht, blieb aber nicht stehen, sondern nahm sich schnell die Schaufel, die an der Wand lehnte, und eilte nach draußen.
Sobald er von der Veranda trat, steckte er knietief im Schnee. Er stapfte durch das pulvrige Weiß zum Pick-up, lehnte die Schaufel gegen den Truck und wischte den Schnee dann so lange vom Auto, bis er den Griff der Seitentür gefunden hatte. Er würde den Wagen starten, das Handy am Zigarettenanzünder laden und die Heizung aufdrehen, damit die Scheiben schon mal abtauen konnten, während er den Rest des Autos freilegte. Dummerweise hatte er die Wagentür am Vorabend abgeschlossen, und nun war das Schloss eingefroren – und den Enteiser hatte er, als er alles für seinen Trip zusammengepackt hatte, achtlos ins Handschuhfach geworfen – dort lag er noch immer. Er seufzte und ärgerte sich, dass er vergessen hatte, ihn mit ins Haus zu nehmen.
»Heute ist nicht mein Tag«, knurrte er und blickte zur Straße hinüber. Die schmale Auffahrt des Hauses wand sich unter einigen Bäumen entlang und gewährte den Bewohnern ein Maximum an Privatsphäre. Leider war sie aber auch sehr lang, und an einem Tag wie heute war das zweifellos ein Nachteil. Den Weg freizuschaufeln, würde Stunden dauern. Allerdings durfte Teddy darauf hoffen, dass ihm diese Arbeit erspart bliebe und er nur sein Auto und die unmittelbare Umgebung freischippen musste, denn Marguerite hatte erwähnt, dass die Bezirksverwaltung für die Räumung der Straßen verantwortlich war und es außerdem einen Hausmeister gab, der unter anderem die Einfahrt des Cottages frei hielt und sich auch sonst um alle anfallenden Arbeiten rund um das Haus der Willan-Schwestern kümmerte.
Bis die Straßen wieder geräumt waren und der Hausmeister herkommen konnte, um für die Einfahrt zu sorgen, wäre hoffentlich auch das Türschloss aufgetaut. Das Beste war wohl, erst einmal Feuerholz aus dem Schuppen zu holen, den Kamin im Wohnzimmer anzuzünden und sich etwas aufzuwärmen, während er wartete.
Aber ein Kaffee am Feuer wäre doch zu schön, dachte Teddy und spähte wieder sehnsüchtig in Richtung der Straße. Was war bloß mit dem Strom los?
Ihm lag es nicht, tatenlos herumzusitzen und auf Rettung zu warten. Also machte er sich auf und kämpfte sich die Auffahrt hinab. Er würde sich nur kurz eine Übersicht über die Lage verschaffen. Wenn die Straße frei wäre, würde er wieder umkehren, ein Feuer machen und auf den Hausmeister warten. Und wenn sie nicht geräumt war … na ja, er hoffte einfach darauf, dass dem nicht so wäre.
Der Weg zur Straße zog sich schier endlos hin. Als er endlich das Ende der Auffahrt erreicht hatte, war Teddy verschwitzt und außer Atem. Nach dem anstrengenden Marsch taten ihm außerdem die Knie weh – vor vierzig oder zwanzig Jahren wäre das noch ganz anders gewesen. Alt zu werden war wirklich furchtbar, dachte er bei sich und begutachtete missgelaunt die verschneite Straße. Sie war nicht geräumt worden, zumindest nicht bis zum Cottage. Schon in drei Metern Entfernung war sie nicht mal mehr zu erkennen.
Er überlegte, was er als Nächstes tun sollte. Sein Magen knurrte, die Beine schmerzten vom Ausflug in den Schnee, sein Mund war ganz ausgetrocknet und er schwitzte stark. Sein Gesicht dagegen brannte schon vor Kälte. Er zog den Schal weiter vors Gesicht, um sich vor den niedrigen Temperaturen zu schützen, und zwang sich dann weiterzugehen. Nur noch drei Meter, dachte er. Er würde nur noch um die nächste Kurve marschieren, um einen Blick auf die Straße zu werfen, und dann wieder ins Haus zurückkehren und den Kamin anzünden.
Als er die Abzweigung erreichte, wünschte Teddy, er hätte sich die Mühe erspart. Der Anblick der verschneiten Straße, die sich bis zum Horizont schlängelte, war einfach deprimierend. Sie war nicht geräumt, und so wie es aussah, würde es auch noch eine ganze Weile so bleiben. Entweder hatte es in der vorherigen Nacht neben dem Schneefall auch noch gestürmt, oder aber einige ältere Bäume hatten unter der Schneelast nachgegeben. Jedenfalls waren mindestens zwei auf die Straße gestürzt, der erste nur etwa drei Meter von seinem Standort an der Kurve entfernt, der zweite lag weiter weg. Sie müssten erst weggeschafft werden, ehe die Schneepflüge die Straße räumen könnten.
Die abgeknickten Bäume hatten Stromleitungen mitgerissen und so auch den Stromausfall verursacht. Der würde sich also nicht so schnell beheben lassen. Es sah ganz danach aus, als müsse er noch eine ganze Weile ohne Elektrizität auskommen – vorausgesetzt, dass er hierbliebe, dachte er seufzend. Vielleicht sollte er, sobald die Bäume entfernt und die Straßen frei wären, sofort kehrtmachen und die sechsstündige Rückfahrt nach Port Henry antreten.
Die Vorstellung bedrückte ihn. In zwei Tagen war Weihnachten – und um diese Jahreszeit versuchte Teddy, Port Henry so gut es ging zu meiden. Darum war er ja auch hier herausgefahren und hatte das Cottage gemietet. In Port Henry wussten alle, dass er keine Familienangehörigen mehr hatte, mit denen er die Feiertage verbringen konnte, und luden ihn darum zu sich ein. Wäre er in der Stadt geblieben, dann hätte er eine dieser Mitleidseinladungen annehmen müssen. Der Gedanke, Weihnachten als Fremdkörper in einer Familie zuzubringen, die ihn nur aus Barmherzigkeit bei sich aufnahm, deprimierte ihn.
Er schüttelte den Kopf und wollte sich gerade wieder auf den Rückweg machen, als er unter den Bäumen an der gegenüberliegenden Seite der Auffahrt eine Person...




