E-Book, Deutsch, Band 30, 393 Seiten
Reihe: Argeneau
Sands Vampir allein zu Haus
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7363-1228-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 30, 393 Seiten
Reihe: Argeneau
ISBN: 978-3-7363-1228-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Schön ist es, ein Vampir zu sein ...
Seit dem dramatischen Tod ihrer Freundin hat Allie deren kleinen Sohn Liam in ihrer Obhut und ist auf der Flucht vor abtrünnigen Vampiren. Was das Ganze noch komplizierter macht: Liam ist unsterblich und benötigt Blut zum Überleben. Allie versorgt ihn daher mit ihrem eigenen. Doch je älter der Junge wird, desto mehr Blut braucht er. Mehr als Allie geben könnte. Da scheint der Einbruch in die Blutbank eine gute Idee - bis sie auf frischer Tat ertappt wird und sowohl die Abtrünnigen als auch ihre Jäger auf sie aufmerksam werden. Für Allie stellen alle Unsterblichen eine Bedrohung dar, aber als sie auf Magnus trifft, steht ihre Welt auf einmal kopf ...
'Die Geschichte über diese unsterbliche Liebe macht die Fans definitiv glücklich!' Library Journal
Band 30 der erfolgreichen Vampirserie um die liebenswerte Argeneau-Familie
Die kanadische Autorin Lynsay Sands hat zahlreiche zeitgenössische und historische Romane verfasst. Sie studierte Psychologie, liest gern Horror- und Liebesromane und ist der Ansicht, dass ein wenig Humor "in allen Lebenslagen hilft". Mit der Argeneau-Serie gelang ihr der große Durchbruch in den USA. Weitere Informationen unter: www.lynsaysands.net
Weitere Infos & Material
1
Magnus verließ das Flugzeug und blieb auf den Stufen der Gangway abrupt stehen. Seine Finger schlossen sich fester um den Griff seines Koffers, als ihm ein eisiger Nordwind ins Gesicht wehte. Der Wind war kalt genug, um ihm den Atem zu rauben, und für einen Moment wünschte er, er könnte kehrtmachen, sich wieder in seinen Sitz sinken lassen und darauf bestehen, ins heimische England zurückgeflogen zu werden. Dann bemerkte er den SUV, der auf die private Landebahn gefahren kam.
Er straffte die Schultern, zog den Kopf ein und eilte die Stufen zur Rollbahn hinunter, wobei er sich bei jedem Schritt gegen den kalten Wind stemmen musste. Er war entschlossen zu bleiben, immerhin war er nicht den weiten Weg von England hergekommen, nur um beim ersten eisigen Windhauch den Rückzug anzutreten. Schließlich konnte er nicht einfach ohne die Frau heimkehren, die er hier abholen sollte.
»Was hast du dir dabei gedacht? Hast du gewartet, bis die Wettervorhersage die schlimmste Kälte ankündigt, um dann einen Flug zu buchen?«
Magnus hob den Kopf, als er die Worte hörte, die ihm galten. Dabei sah er, dass der SUV dicht vor ihm angehalten hatte und ein junger dunkelhaariger Mann auf der Fahrerseite ausstieg und um den Wagen herum auf ihn zukam.
»Tybo«, begrüßte Magnus ihn und übergab ihm den Koffer, als der andere Mann seine Hand danach ausstreckte. »Es ist ein wenig frisch.«
»Ein wenig frisch? Verdammt, es ist saukalt«, rief Tybo, um das Pfeifen des Winds zu übertönen, während er den Koffer auf die Rückbank des SUV stellte. Er warf die Tür zu und bemerkte: »Es würde mich wundern, wenn der Pilot überhaupt noch starten kann. Ich möchte wetten, dass sich schon Eis auf den Tragflächen gebildet hat.« Dann lief er zur Fahrerseite zurück.
Magnus reagierte mit einem knappen Raunen und nahm auf dem Beifahrersitz Platz, da er es kaum erwarten konnte, sich von der Wärme im Wageninneren umfangen zu lassen.
»Wie war der Flug?«, fragte Tybo, während er verschiedene Tasten und Schalter bediente, um die Heizung etwas höher zu stellen.
»Ohne irgendwelche Zwischenfälle. Ich habe die meiste Zeit geschlafen«, gab Magnus zu und lehnte sich nach hinten, als ihm die warme Luft ins Gesicht wehte.
»Gut, dann bist du also ausgeruht und einsatzbereit«, sagte Tybo, legte den ersten Gang ein und wendete auf der Rollbahn.
»Einsatzbereit?«, fragte Magnus argwöhnisch. »Ich muss für nichts einsatzbereit sein. Ich werde lediglich zu Marguerite Argeneau Notte gebracht, weiter nichts. Und da sollst du mich hinbringen, wie mir gesagt wurde.«
»Na ja, wie die Dinge liegen, ist Marguerite hergekommen, um dich persönlich abzuholen«, ließ Tybo ihn wissen.
»Und warum fährst du mich dann nicht zum Haus, sondern in Richtung Tor?«, wunderte er sich, während sein Blick zum Haus der Vollstrecker wanderte, das an ihnen vorbeizog.
»Also, wie ich schon sagte, ist Marguerite hergekommen, um dich abzuholen, und während wir auf dich gewartet haben, kam sie mit mir und Sam ins Gespräch, und wir haben über deine Lebensgefährtin geredet …«
»Meine mögliche Lebensgefährtin«, korrigierte Magnus ihn, was er aber mehr zu seinem eigenen Schutz machte. Er wollte nicht mit zu großem Enthusiasmus an die Sache herangehen, solange er nicht wusste, ob sie wirklich zu etwas führen würde. Er lebte schon sehr lange und hatte sich die meiste Zeit nach einer Lebensgefährtin gesehnt. Da würde es für ihn völlig niederschmetternd sein, wenn er sich allzu große Hoffnungen machte, die am Ende womöglich in einem Scherbenhaufen enden würden. Da war es besser, wenn er erst einmal abwartete, wie sich die Dinge entwickelten.
Tybo quittierte das mit einem flüchtigen Brummen, fuhr dann jedoch fort: »Mortimer kam in die Küche, als wir uns unterhielten, und zwar genau in dem Moment, als ihr Name fiel: Allison Chambers.«
»Allie«, berichtigte Magnus ihn. »Marguerite sagt, sie möchte lieber Allie genannt werden.«
»Ja, Allie. Jedenfalls hatte er kurz zuvor den Polizeifunk abgehört und mitbekommen, dass eine Frau namens Allison Chambers festgenommen worden war, weil sie eine Blutbank ausgeraubt hatte. Er wollte jemanden hinschicken, um …«
»Was?«, unterbrach Magnus ihn erschrocken. »Meine Allie hat eine Blutbank überfallen?«
»Ja. Zumindest sind wir uns ziemlich sicher, dass es deine Allie ist. Immerhin war es die Blutbank, bei der sie beschäftigt ist. Mortimer wollte Valerian und mich ins Krankenhaus schicken, um herauszufinden, ob die Tat irgendetwas mit Unsterblichen zu tun hat oder nicht. Aber als ihm dann klar wurde, dass sie deine Lebensgefährtin ist …«
»Sie hat eine Blutbank überfallen?«, wiederholte Magnus, der noch immer nicht über die Tatsache hinwegkam, dass sie überhaupt irgendetwas überfallen hatte. Dann erst wurde ihm bewusst, was Tybo noch gesagt hatte. »Wieso ins Krankenhaus? Wurde sie verletzt?«
»Mortimer ist sich nicht sicher, wieso die Polizei sie ins Krankenhaus gebracht hat. Du weißt, Polizisten geben über Funk nur das Nötigste durch.«
Magnus verzog den Mund angesichts dieses spärlichen Informationsflusses und war nun in Sorge, dass seine mögliche Lebensgefährtin verletzt sein könnte und vielleicht sogar im Sterben lag. Das würde genau zu ihm passen, dass er seiner Lebensgefährtin begegnete, wenn diese gerade gestorben war.
»Deshalb fahren wir jetzt zum Krankenhaus und werden da der Sache auf den Grund gehen«, schloss Tybo seine Ausführungen ab.
Magnus nickte zustimmend, um gleich darauf verständnislos den Kopf zu schütteln. »Warum um alles in der Welt sollte sie eine Blutbank ausrauben? Marguerite sprach doch davon, dass sie sterblich ist.«
Tybo zuckte mit den Schultern. »Das sollen wir ja herausfinden. Sofern sie diesen Raub überhaupt begangen hat«, fügte er nachdenklich hinzu. »Ich meine, immerhin arbeitet sie da. Vielleicht ist das Ganze auch nur ein Missverständnis.«
»Sie wollen also sagen, dass das alles nur ein Missverständnis war?«
Allie ignorierte die Ironie, die in den skeptischen Worten des älteren Polizisten mitschwang, und konzentrierte sich ganz auf den jüngeren, deutlich mitfühlenderen Kollegen, als sie erwiderte: »Es ist ein Missverständnis, wenn Sie glauben, dass ich in die Blutbank eingebrochen bin. Das ist nicht der Fall. Ich habe einen Schlüssel«, betonte sie. »Ich arbeite da.«
»Und Sie wollten bloß irgendwas umsortieren? Um elf Uhr in der Nacht?«, fragte der ältere Polizist mit unüberhörbar zweifelndem Unterton.
Allie nickte nachdrücklich. »Ich musste Blutkonserven in einen anderen Kühlschrank legen, weil die an ein bestimmtes Krankenhaus gehen sollen. Den Tag über hatte ich nicht daran gedacht.«
»Und um elf Uhr nachts hielten Sie das für eine gute Idee?«
Sie zuckte mit den Schultern. »Ich habe um elf die Party verlassen, und dabei fiel es mir ein.« Sie lächelte flüchtig und fügte hinzu: »Na ja, ich hatte was getrunken, deshalb war das vielleicht nicht die klügste Entscheidung. Aber ich wollte nicht, dass meine Chefin das am Morgen erledigen muss. Sie ist schon älter und hat Arthritis, da ist so was gar nicht so einfach zu bewerkstelligen.« Sie hielt kurz inne und stellte fest, dass die beiden Männer ihr abnahmen, was sie ihnen erzählte. »Außerdem – welche Beute sollte ich in einer Blutbank schon machen? Da gibt es kein Geld und keine Medikamente, die ich weiterverkaufen könnte. Außer Blut gibt es da nichts. Und wer klaut schon Blut?«
Zu ihrer großen Erleichterung schien das ein überzeugendes Argument zu sein, da der jüngere Polizist nickte, als hätte er etwas absolut Einleuchtendes zu hören bekommen. Auch der skeptische Gesichtsausdruck des älteren Polizisten ließ deutlich nach. Dann fragte er jedoch: »Und Ihre Aufmachung?«
Allie sah nach unten auf ihre schwarze Jeans und die schwarze Bluse, wusste aber, dass es den beiden Männern um die schwarze Katzenmaske ging, mit der sie sie ertappt hatten. Zum Glück hatte sie im letzten Moment noch daran gedacht, diese Maske zu ergänzen, falls etwas nicht nach Plan lief und sie erwischt wurde. Gott sei Dank war ihr das noch rechtzeitig in den Sinn gekommen, da sie irgendwann im Verlauf dieser Aktion ohnmächtig geworden und mit dem Kopf auf dem harten Fliesenboden aufgeschlagen war. Offenbar war sie von einer der Putzfrauen entdeckt worden, die um Mitternacht ihren Dienst antraten. Deshalb hatte sie sich auch in der Notaufnahme des Krankenhauses wiedergefunden – mit einem Arzt und den beiden Polizisten an ihrem Bett, die jede Menge Fragen stellten.
»Es war eine Kostümparty«, sagte sie und lieferte ihnen damit die Ausrede, die sie sich schon zuvor zurechtgelegt hatte. »Ich war als Katze verkleidet, nicht als Einbrecherin«, stellte sie klar und hoffte, dass man ihr diese Geschichte abnahm. Wieder nickte der jüngere Polizist, was ihr das Gefühl gab, überzeugend geklungen zu haben. »Die Ohren muss ich auf der Party vergessen haben. Die werden an einem Gummiband getragen, was mir nach einer Weile wehgetan hat. Je später der Abend wurde, umso schlimmer wurden die Kopfschmerzen. Aber vielleicht hatte ich auch einfach nur zu viel getrunken.« In Wahrheit hatte sie keinen Tropfen Alkohol zu sich genommen. Aber ihr war es lieber, wenn die beiden Männer glaubten, dass sie nicht viel vertrug und sie einfach nicht mehr Herr über sich selbst war. Das war immer noch besser, als unter dem Verdacht zu stehen, Blut stehlen zu wollen. Sie konnte es sich einfach nicht leisten, ins Gefängnis zu wandern. Wer sollte dann auf Liam...




