Sangue | Dark Hope - Gebieter der Nacht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 350 Seiten

Reihe: LYX.digital

Sangue Dark Hope - Gebieter der Nacht


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8025-9799-2
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 350 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-8025-9799-2
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Empathin Hailey Williams weiß vom ersten Moment an, dass ihr neuer Fall sie an ihre Grenzen bringen wird. Seit dem Wendejahr 2024, als sich magische Wesen auf der ganzen Welt der Menschheit zu erkennen gaben, arbeitet sie für The Last Hope, eine Organisation zur Vermittlung zwischen den magischen Arten. Als Beraterin musste sie schon mehr als einen heiklen Fall zwischen übernatürlichen Wesen schlichten. Doch mit Kyriakos, dem Herrscher des größten Vampirclans in Amerika, und Rave Jones, Anführer eines Rudels Wolf-Gestaltwandler, stehen sich zwei erbitterte Feinde in ihrem Büro gegenüber: Eine tote Wölfin wurde auf dem Territorium der Vampire gefunden und jemand scheint einen Krieg zwischen den Arten lostreten zu wollen, der die gesamte Weltordnung ins Wanken bringen könnte. Hailey bleibt wenig Zeit, doch wie soll sie als unparteiische Instanz vermitteln, wenn der geheimnisvolle Vampirfürst dabei viel zu tief in ihre Seele blickt und eine Leidenschaft in ihr weckt, der sie unmöglich widerstehen kann?



Vanessa Sangue lebt in Duisburg und hat dort 2013 ihr Abitur gemacht. Bücher sind ihre große Leidenschaft, und es war nur eine Frage der Zeit bis sich ihre Passion auch auf das Schreiben ausweitete. Ihre Begeisterung für das Übernatürliche zeigt sich in ihren Romantic-Fantasy-Romanen.

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1


Hailey starrte an ihre Zimmerdecke. Der Ventilator drehte müde seine Kreise, aber irgendwie schaffte er es dennoch nicht, die gewünschte Kühlung zu bringen. Wen wunderte es? Es war mitten im Frühling, und der Sommer war nicht mehr weit entfernt. Und in Louisiana war der Sommer milde gesagt schwül. An manchen Tagen fühlte es sich an, als könnte man die Luft mit einem Messer zerschneiden, wenn man sich nur genug Mühe gab.

Aufseufzend warf sie das dünne Laken von sich, das ihr in diesen Tagen als Decke diente, und stampfte ins Badezimmer. Der Wecker auf ihrem Nachttisch zeigt 3.46 Uhr in der Früh. Draußen regte sich nichts außer ein paar Vögeln und dem Zirpen der Grillen. Ein Albtraum hatte Hailey aus dem Schlaf gerissen, und die jahrelange Erfahrung sagte ihr, dass sie Schlaf jetzt vergessen konnte. Also war die wahrscheinlich beste Entscheidung, eine Dusche zu nehmen, eine kalte wohlgemerkt, und sich auf den Tag vorzubereiten.

Als das kalte Wasser ihren verschwitzten Körper traf, erschauerte sie erst, um dann einen Seufzer der Erleichterung auszustoßen. Es waren halt immer noch die simplen Dinge im Leben, die einen glücklich machen konnten. Nachdem sie fertig geduscht war und sich in eine alte Jeansshorts und ein übergroßes T-Shirt gekleidet hatte, machte Hailey sich auf den Weg in die Küche. Diese unchristliche Zeit schrie geradezu nach einer warmen Tasse Tee. Ja, sie wusste, dass die meisten Menschen, die sie kannte, sich wohl eher Kaffee einflößen würden, und das am besten intravenös, doch Kaffee war nie ihr Ding gewesen. Während das Wasser zu kochen anfing, setze Hailey sich an die Theke in ihrer Küche, die diese vom Wohnzimmer trennte, und starrte aus dem gegenüberliegenden Fenster. Ihre Schicht begann erst in etwa vier Stunden. Was sollte sie bis dahin tun?

Mehr aus Gewohnheit als aus wirklicher Lust griff sie nach der Akte, die auf der Theke vor ihr lag und klappte sie auf. Ihr aktueller Fall. Ein Mädchen, vierzehn Jahre, Opfer eines gewalttätigen Vampirangriffs, Diagnose: posttraumatische Belastungsstörung. Das arme Ding hatte seit über einem Monat nichts mehr gesagt, bevor sie zu Hailey gekommen war. Niemand durfte sie anfassen. Ihre Wunden konnten damals nur versorgt werden, weil ein Sanitäter es geschafft hatte, ihr ein Narkotikum zu spritzen. Als sie wieder zu sich gekommen war, hatte sie sofort angefangen zu schreien, wenn jemand sie anfasste. Bis gestern wusste niemand, wie sie hieß, da sie kein Wort sprach. Es war so gut wie nichts über sie bekannt, und es schien auch niemand nach ihr zu suchen. Ja, die schwierigen Fälle landeten immer bei Hailey.

Sie arbeitete für eine Organisation, die sich The Last Hope, die letzte Hoffnung, kurz TLH, nannte. Für diese Organisation waren die verschiedensten Menschen tätig. Männer und Frauen unterschiedlichsten Alters, Kämpfer, Ärzte, Psychologen und viele andere. Hailey war offiziell eine Beraterin. Inoffiziell bedeutete das, dass sie aufgrund ihrer Fähigkeiten einen speziellen Draht zu Menschen aufbauen konnte, und das innerhalb weniger Momente. Damit war ihr Aufgabenspektrum riesig. Sie beriet einzelne Parteien in magischen Angelegenheiten, von Menschen bis zu Vampiren, verhandelte zwischen Organisationen, Gruppierungen oder verschiedenen Spezies, sie vermittelte auch zwischen einzelnen Parteien, zum Beispiel zwischen einem angepissten Werwolf und einer selbstgefälligen Fee, und manchmal, was gar nicht so selten vorkam, wie man annehmen sollte, versuchte sie die geschädigte Psyche eines Menschen zu reparieren, wie in ihrem aktuellen Fall.

Hailey war eine Empathin.

Es gab nur sehr wenige von ihnen, und vor der Wende hatte sie nicht einmal gewusst, was so komisch, so falsch an ihr gewesen war. Und danach ging alles ganz schnell. Die Menschen merkten ziemlich fix, dass es auch unter ihnen eine gewisse Andersartigkeit gab. Nicht unbedingt gleich magische Kreaturen, aber doch Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Akademien wurden aus dem Nichts errichtet, und Menschen wie Hailey bekamen dort eine Ausbildung. Sie war damals noch sehr jung gewesen, dreizehn Jahre alt, und ihre Kräfte waren noch formbar und konnten geschult werden. Andere hatten nicht so viel Glück gehabt. Die Zeit der Wende brachte viele Opfer mit sich.

Aber Hailey hatte Glück, und sie gelangte auf eine der besagten Akademien. Ihre Eltern waren schon lange tot, und ihre Pflegefamilie war froh, das komische Mädchen loszuwerden, das grundlos zu weinen anfing und im Allgemeinen einen sehr labilen emotionalen Zustand hatte. Fünf Jahre später machte sie ihren Abschluss mit Auszeichnung und begann danach direkt für TLH zu arbeiten. Es war ein guter Job, der sie erfüllte und ihr die Möglichkeit gab, ihre Fähigkeiten für etwas Gutes einzusetzen. Dennoch sehnte sie sich manchmal nach mehr. Aber sie konnte nie genau sagen, worin dieses »mehr« eigentlich bestehen sollte. Es fühlte sich einfach so an, als würde ihr etwas fehlen. Sie hasste dieses Gefühl.

Das Pfeifen des Teekessels holte sie wieder in die Gegenwart zurück. Hailey erhob sich von dem Hocker und machte sich an die Zubereitung ihres Tees, während sie über ihren aktuellen Fall nachgrübelte. Vampire machten sie immer nervös. Sie wusste nicht, woran es lag, aber etwas an ihnen weckte in Hailey den Wunsch, die Fähigkeiten, die sie während ihrer Grundausbildung bei TLH erlernt hatte, anzuwenden. Jeder, der bei TLH anfing, von der einfachen Sekretärin bis zum Krieger, durchlief eine Grundausbildung, bestehend aus mentalem Training, Basiswissen in den verschiedensten Kampfkünsten sowie in Selbstverteidigung und Deeskalation (worüber sich die Kämpfer in der Regel nur amüsierten, da ihre Deeskalation meist in einem blutigen Gemetzel endete). Dazu kamen weitere psychische und physische Trainingseinheiten.

Die Gestaltwandler hatten eine strenge Ordnung und blieben meist in den Reihen ihres Rudels, die Magier stellten in den seltensten Fällen eine Bedrohung dar, genauso wie die Hexen und die meisten anderen magischen Kreaturen waren sie entweder Einzelgänger, oder es gab so wenige von ihnen, dass sie einfach keine Bedrohung darstellen konnten. Nicht, dass es hier zu Missverständnissen kommt: Alle magischen Wesen waren gefährlich und konnten großen Schaden anrichten, ohne gleich in einer großen Anzahl aufzutreten, dennoch entschieden sich die meisten für ein friedliches Miteinander.

Aber Vampire … Es jagte ihr jedes Mal einen Schauer über den Rücken, wenn sie auf die eiskalte Wand von deren Gefühlen traf. Jeder sandte auf einer unterschwelligen Frequenz Emotionen aus. Immer. Das war wie ein Gesetz. Nur Vampire nicht. Bei den meisten fühlte es sich an, als hätten sie gar keine, obwohl Hailey wusste, dass das nicht stimmen konnte. Jedes Wesen hatte Gefühle. Es ging gar nicht anders.

Mit der Tasse in den Händen lief Hailey wieder zu ihrer Theke und starrte in ihre Mappe. Große, vor Angst dunkle Augen sahen sie an. Aus einem kleinen Gesicht, das eigentlich von der Unschuld eines Kindes geprägt sein sollte, war es aber nicht. Das blonde Haar fiel ihr in leichten Wellen um den Kopf und endete knapp über ihrem Schlüsselbein. Auf der linken Seite ihres Halses befand sich eine widerliche Narbe. Mehrere dicke, gezackte Linien zogen sich über die gesamte Seite und entstellten die ansonsten makellose Haut. Sie waren ein paar Nuancen heller als das restliche Gewebe und schimmerten leicht rosa. Die Narbe würde nie völlig verschwinden. Es sah nicht immer so aus, wenn ein Vampir jemanden biss. Nein, in der Regel blieb nicht der kleinste Beweis ihrer Nahrungsaufnahme zurück. Nur wenn ein Vampir verrücktspielte und wie eine tollwütige Bestie einen Menschen angriff, wie im Fall des kleinen Mädchens, dann blieben am Ende solche Narben zurück. Falls das Opfer überlebte.

Seit gestern wussten sie, wie das Mädchen hieß: Nina. Hailey hatte es in einer fünfstündigen Sitzung geschafft, ihr ihren Namen zu entlocken. Aber das war auch schon alles gewesen. Heute würde sie wieder mit Nina sprechen. Das Ziel war es, die emotionalen und psychischen Wunden dieses Kindes so weit zu heilen, dass sie in staatliche Obhut übergeben werden konnte. Mehr konnte Hailey nicht für sie tun.

Sie stand auf und spülte ihre Tasse aus, bevor sie sie zum Abtropfen liegen ließ. Es war jetzt beinahe fünf Uhr morgens, und Hailey entschied, dass es Zeit war, zur Arbeit zu fahren. Seit der Wende hatte sich das Gesicht der Welt verändert. Wie sich bald herausgestellt hatte, waren Gestaltwandler und Co. etwas weiter entwickelt, als die Menschen. Inzwischen gab es Automotoren, die keine schädlichen Abgase mehr produzierten, die Medizin hatte einen großen Sprung gemacht, und Hailey wollte gar nicht wissen, was in geheimen Labors noch so alles entwickelt wurde.

Sie schnappte sich die Mappe vom Tresen und verstaute sie in ihrer Tasche, bevor sie sich ihre Schlüssel griff und das Haus verließ. Es war nicht nötig, sich etwas Formelleres anzuziehen. Und außerdem war es selbst um diese Uhrzeit definitiv zu warm für ein Kostüm oder etwas in der Art.

Sie lebte etwa dreißig Minuten Autofahrt entfernt von New Orleans. Hier war es etwas ruhiger und weniger dicht bevölkert, während das geschäftige Treiben von New Orleans sie wahrscheinlich irgendwann in den Wahnsinn treiben würde. Es gab dort einfach zu viele Emotionen, zu viele, um sie alle verkraften zu können. Zwar hatte Hailey mentale Barrieren und Schilde, die sie schützten, aber man konnte schließlich nicht sein gesamtes Leben immer in Habtachtstellung verbleiben. Von Zeit zu Zeit musste man auch mal loslassen.

Und das ging in einer Stadt wie New Orleans nicht. Jeder ließ ein gewisses Maß an Emotionen in seine...


Sangue, Vanessa
Vanessa Sangue lebt in Duisburg und hat dort 2013 ihr Abitur gemacht. Bücher sind ihre große Leidenschaft, und es war nur eine Frage der Zeit bis sich ihre Passion auch auf das Schreiben ausweitete. Ihre Begeisterung für das Übernatürliche zeigt sich in ihren Romantic-Fantasy-Romanen.

Vanessa Sangue lebt in Duisburg und hat dort 2013 ihr Abitur gemacht. Bücher sind ihre große Leidenschaft, und es war nur eine Frage der Zeit bis sich ihre Passion auch auf das Schreiben ausweitete. Ihre Begeisterung für das Übernatürliche zeigt sich in ihren Romantic-Fantasy-Romanen.



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