Sapper | Frau Pauline Brater | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 260 Seiten

Sapper Frau Pauline Brater


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-3466-7
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 260 Seiten

ISBN: 978-3-8496-3466-7
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wer ist Frau Brater, oder wer war sie? Warum sollen wir uns für sie interessieren? Ist sie eine Künstlerin, eine Gelehrte, eine Wohltäterin für die Menschheit gewesen? Hat sie auf irgend einem Gebiet Hervorragendes geleistet und sich in der Welt einen Namen gemacht? Diese so berechtigten Fragen haben der Autorin viele Bedenken verursacht, denn sie müssen alle verneint werden. Frau Brater ist nie in die Öffentlichkeit getreten, sie war nichts weiter als eine deutsche Frau. Wer sie nicht persönlich kannte, weiß nichts von ihr. Aber das ist eben der Punkt: wer sie persönlich kannte, der hatte einen tiefen Eindruck von ihrer Eigenart, der empfing von ihr, was er gerade bedurfte; denn sie konnte vieles geben: Klarheit in schwierigen Lebensfragen, Erheiterung in bedrückter Stimmung, Aufrüttelung der Energielosigkeit, Wahrheit im Scheinwesen, Hinweisung zum Göttlichen ...

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VII. 1858–1862



Die ersten Münchner Jahre in der stillen Augustenstraße waren verhältnismäßig ruhig vorüber gegangen, aber es kam allmählich anders.

Als Abgeordneter stand Brater nicht mehr, wie früher, allein. Eine kleine Gruppe national gesinnter Männer fand sich in der Kammer zusammen und bald bildete sich zwischen diesen ein Freundschaftsverhältnis, das auch häuslichen Verkehr mit sich brachte. Oft war das Haus Brater der Mittelpunkt, in dem sich die kleine Truppe zusammen fand, die es unternahm, gegen den altbayrischen Fanatismus anzukämpfen und für den deutschen Bundesstaat unter Preußens Führung einzutreten.

Die erste praktische Folge der Beratungen dieser kleinen Partei war die Gründung einer Wochenschrift, deren Redaktion Brater übernahm. Einer der vorzüglichsten Mitarbeiter derselben war Professor Baumgarten, ein Braunschweiger, der damals mit seiner Familie in München lebte und mit dessen Frau sich auch Pauline bald herzlich befreundete, standen doch ihre Männer im gleichen Kampf, an dem beide Frauen mit ganzem Herzen Anteil nahmen. Bald zeigte sich’s, daß eine Wochenschrift nicht genüge, und es trat an Brater die Lebensfrage heran, ob er die Redaktion einer großen politischen Tageszeitung übernehmen wolle. Professor Baumgarten hat diese Überlegungen in einem Aufsatz der Preußischen Jahrbücher geschildert und wir teilen sie in seinen Worten mit:

"Die schwache Stimme einer Wochenschrift konnte in dem Lärm jener Tage nicht weit dringen. Wir erkannten bald, daß, wenn der überaus rührigen Agitation im Süden, welche soeben um ein Haar Deutschland in einen verderblichen Krieg gestürzt hätte, wirksam entgegen gearbeitet werden sollte, eine tägliche Zeitung nicht entbehrt werden könnte. Nach langen Verhandlungen, vielen Mühen wurde es möglich, die Begründung eines solchen Blattes ernstlich ins Auge zu fassen. Und zwar in München, in dem eigentlichen Hauptquartier der Gegner. An die Ausführung eines so verwegenen Planes ließ sich aber nur denken, wenn ein Mann von hervorragender Fähigkeit, von bedeutender Autorität in dem Lande und von unantastbarem Charakter die Leitung übernahm. Denn daß das Auftreten einer gegen Preußen gerechten, der nationalen Sache aufrichtig ergebenen Zeitung in München mit den größten Schwierigkeiten verknüpft sein werde, deren nur ganz ungewöhnliche Leistungen Herr zu werden hoffen dürften, darüber konnte sich niemand täuschen. Alles hing daran, ob Brater sich entschließen mochte, der Redaktion seine Kraft, vielleicht seine Existenz zu widmen.

Ich erinnere mich genau der eingehenden Gespräche welche wir im Sommer über die Sache hatten. Wie immer erwog er alle Momente der Frage mit der Objektivität eines durch keine Umstände beeinflußten Richters; die hohe politische Wichtigkeit, ja Notwendigkeit des Unternehmens erkannte er vollkommen an, aber über seine Mißlichkeit, über die fast unübersteiglichen Hindernisse, denen er begegnen werde, täuschte er sich ebensowenig. Namentlich war ihm klar, daß für ihn persönlich ein fast zu großes Opfer damit verbunden sei. Nach langer, mühseliger, entbehrungsvoller Arbeit war er endlich dahin gelangt, sich in Bayern eine bedeutende Stellung zu erringen. Hielt er sich im Kreise der bayerischen Politik, so konnte ihm eine höchst befriedigende, d. h. für das öffentliche Interesse fruchtbare und seinen bescheidenen persönlichen Ansprüchen gerecht werdende Zukunft nicht entgehen. Betrat er dagegen den Boden der deutschen Politik mit einer in Bayern bei Regierung und Volk gleich verhaßten Richtung, so durfte er für die Zukunft noch viel schwereren Kämpfen entgegensehen, als ihm die Vergangenheit gebracht hatte.

Er zählte damals vierzig Jahre; er war ohne Vermögen; nur angestrengte Tätigkeit und eine seltene Einfachheit des Lebens machte ihm möglich, mit der Feder zu erwerben, was die Bedürfnisse seiner Familie erforderten. Unter allen diesen Verhältnissen würden sehr wenige sich entschlossen haben, auf das Wagnis einzugehen. Brater unternahm es dennoch kraft jener Mischung geistiger Eigenschaften, der man in dieser Weise nur sehr selten begegnen wird. Er war ganz klare, scharfe Kritik und zugleich hingebende Begeisterung. Er besaß ganz die Nüchternheit des Verstandes, welche meistens zu klugem Egoismus führt und verband damit einen enthusiastischen Patriotismus, wie er meist nur in unklaren Köpfen wohnt ....

... Brater hatte sich nicht getäuscht. Als er am 1. Oktober 1859 die erste Nummer der "Süddeutschen Zeitung" herausgab, tobte es förmlich von allen Seiten gegen ihn. Man fand es geradezu unerträglich, daß sich in München ein "preußisches Blatt" ans Licht wage. Jede Verdächtigung in der kleinen Schmutzpresse der Stadt, jede persönliche Schikane wurde in Bewegung gesetzt, um Brater die Existenz in München unmöglich zu machen. Wer freilich die Blätter der jungen Zeitung las, der wurde von all diesen jede Stunde des Herausgebers verbitternden Widerwärtigkeiten nichts gewahr. ..... Der Grundgedanke, Deutschlands Führung durch Preußen, wurde den widerwilligen Gemütern der Süddeutschen mit nie aussetzender Konsequenz, aber zugleich mit jener schonenden Milde gepredigt, welche am besten geeignet ist, dauernde Überzeugungen zu begründen. Der deutsche Beruf Preußens hat niemals im Süden einen wirksamern Vorkämpfer gehabt als Braters Süddeutsche Zeitung. Anfangs mit einmütigem Haß empfangen, wurde sie in kurzer Zeit das Lieblingsblatt des gebildeten München."

Daß eine solche Berufsergreifung auch das Familienleben stark beeinflußte, ist selbstverständlich. Sofort ergab sich das Bedürfnis, in den Mittelpunkt der Stadt zu ziehen. Frau Brater schreibt darüber an ihre Freundin Emilie von Breuls, geb. Kopp: "Ich bin eigentlich eine halbe Strohwitwe geworden; Du hast vollkommen Recht, wenn Du meinst, die Zeitung werde meinem Mann viel Arbeit machen, es ist mir fast zu arg, dazu muß er seine Geschäfte in der Nähe der Druckerei und Post vornehmen, so daß er sich mit seinen Redakteuren in der Stadt ein paar Zimmer mieten mußte, wo er nun den ganzen Tag ist und ich ihn nur mittags ganz kurz sehe, im April ziehen wir nun ganz hinein und so sehr ich’s bedauere, unsere schöne, freie sonnige Wohnung mit einer Stadtwohnung vertauschen zu müssen, so kann ich’s nun doch kaum erwarten, bis der unbehagliche Zustand des Hin- und Herrennens auf einem halbstündigen Weg ein Ende nimmt; daß Du die Süddeutsche Zeitung liest, freut mich sehr; Du kennst nun dadurch unser ganzes Leben, denn ihr Inhalt und überhaupt was sich jetzt in der Welt zuträgt beschäftigt meinen Mann ausschließlich und somit auch mich, ich bin ganz und gar eine Politikerin geworden und von meiner Zeitung eingenommen wie von meinen Kindern."

Im Frühjahr machte sich Frau Brater daran, eine für die veränderten Umstände passende Wohnung zu suchen, und mietete eine solche. Aber nach kurzer Zeit benachrichtigte sie der Vermieter, daß er sein Wort zurücknehmen müsse, – er hatte inzwischen erfahren, um wen es sich handle, und wagte es nicht, sich mit einem so staatsgefährlichen Mietsmann einzulassen. So mußte Frau Brater ihre Wanderung aufs neue antreten und fand endlich eine entsprechende Wohnung in der Dienersgasse Nr. 23. Freilich war es ein altes, dunkles Haus, mitten im Lärm der Straßen und ihre geliebten Sterne waren ihr durch das gegenüberliegende Regierungsgebäude verdeckt. Auch das ganze Hauswesen bekam plötzlich einen anderen Anstrich. Das größte Zimmer wurde für die Redaktion eingeräumt, der eine oder andere Mitarbeiter wohnte auch im Stockwerk, geschäftig ging es den ganzen Tag aus und ein und ein Laufbursche mußte angestellt werden. Dies alles gab einen gehörigen Zuwachs von Arbeit und das Familienleben gewann nicht an Gemütlichkeit durch diese Änderung, auch war es für Frau Brater peinlich mit anzusehen, daß ihr Mann eine allzugroße Arbeitslast übernommen hatte. Sie schreibt darüber an ihre Schwiegermutter:

"... Daß Ihr die Zeitung lest, ist eine herrliche Verbindung, Ihr seht ja daraus immer, was uns beschäftigt; an Neujahr soll sie nun etwas größer werden, freilich auch teuerer und wir sind nun begierig, ob die Maßregel nicht etwa ungünstig auf die Abonnentenzahl wirkt, die ohnedies langsam zunimmt. Bis dahin hoffen wir endlich auch einen brauchbaren Gehilfen für den einen unbrauchbaren gefunden zu haben und ebenso einen Referenten für den Landtag; Du wirst gesehen haben, daß der Landtag im Januar zusammentritt, ein großer achtmonatlicher Landtag! Wenn diese Zeit schon überstanden wäre! Karl hat nun alle seine übrigen Arbeiten abgegeben und wenn derselbige Referent tüchtig ist, so wird es eher leichter werden, aber die Einnahmen werden sich nicht splendid stellen."

Daß sich tüchtige Hilfskräfte für solch eine Zeitung schwer fanden, ist selbstverständlich, und manche merkwürdige Figur tauchte im "Redaktionszimmer" auf, um bald wieder zu verschwinden. Doch fanden sich auch bedeutende Männer zu dieser politischen Arbeit ein, Leuthold, der Dichter, Vecchioni, der nachherige Leiter der Münchener Neuesten Nachrichten, und vor allem Adolf Wilbrandt, der spätere Schriftsteller und Direktor des Wiener Burgtheaters, damals ein schöner, geistig anregender junger Mann, nichts weniger als trockener Politiker. In seinen Artikeln für die Süddeutsche Zeitung zeigte sich schon seine hohe literarische Begabung. Er wohnte im Haus Brater und wurde hochgeschätzter Freund der Familie. Wilbrandt verkehrte viel in dem geselligen Kreise, dessen Mittelpunkt Paul Heyse war und...



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