Sartena | Fürsten-Roman 2481 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2481, 64 Seiten

Reihe: Fürsten-Roman

Sartena Fürsten-Roman 2481

Ein Schloss muss es sein ...
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1901-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Schloss muss es sein ...

E-Book, Deutsch, Band 2481, 64 Seiten

Reihe: Fürsten-Roman

ISBN: 978-3-7325-1901-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Seit Ingeborg Hoffmann von ihrem verstorbenen Onkel reich geerbt hat, ist sie von der Idee besessen, in ein Schloss zu ziehen. Ihr Mann und ihre Tochter Franziska belächeln ihr Vorhaben, doch Ingeborg wird tatsächlich innerhalb weniger Wochen fündig: Das Schloss einer Adelsfamilie, die in einen finanziellen Engpass geraten ist, steht zum Verkauf. Ingeborg Hoffmann, sofort Feuer und Flamme für dieses Objekt, überredet Mann und Tochter, das hübsche Schloss einmal anzusehen.

Als sich die beiden Parteien bei der Besichtigung gegenüberstehen, könnte die Stimmung nicht eisiger sein. Die Familie Hoffmann hält überhaupt nichts von den versnobten Adligen, während die Familie von Wilsdorf nur spöttisch auf die neureichen Kleinbürger herablächelt. Einzig zwischen Franziska und Prinz Moritz knistert es heftig. Aber eine solche Liebe kann keine Zukunft haben, denken beide ...

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»Ein Schloss muss es sein …«

Frau Ingeborg Hoffmann, Hausfrau und bisher Eigentümerin eines durchschnittlichen Reihenhauses, sprach diesen nicht ganz unbescheidenen Wunsch in vollem Ernst aus.

»Meinst du nicht, ein schönes neues Haus würde auch genügen?«, wandte Herr Hoffmann ein. »Es gibt da jede Menge Angebote auf dem Immobilienmarkt.«

Ingeborg Hoffmann schüttelte den Kopf. »Das brauchst du mir nicht zu sagen. Ich kenne den Immobilienmarkt.« Diese Aussage stimmte, denn die letzten Wochen hatte Ingeborg Hoffmann nichts anderes mehr getan, als die Internetseiten nach exklusiven Immobilien zu durchforsten. »Ich möchte kein ganz normales Haus!«

»Es könnte ja eine Villa sein«, schlug ihr Mann vor.

»Nein«, entschied seine Gattin. »Eine Villa finde ich auch zu bescheiden. Du darfst nicht vergessen, dass wir jetzt dank Onkel Günther reich sind!« Ihre Augen leuchteten. »Und zwar richtig reich! Millionenschwer, sozusagen.«

»Dein guter Onkel Günther, Gott hab ihn selig«, brummte Herr Hoffmann, um damit seine Anerkennung für den verstorbenen Verwandten auszusprechen, dessen Millionenerbe sie diesen unerwarteten Reichtum zu verdanken hatten.

Es war wirklich sehr nett von dem ihm unbekannten Onkel seiner Frau gewesen, ihnen das Geld zu vererben, wenngleich Herr Hoffmann langsam anfing, dieses Erbe als anstrengend zu empfinden. Bisher war er nämlich eigentlich ganz zufrieden mit ihrem normalen Leben gewesen, und insgeheim bedauerte er es ein wenig, dass seine Frau nun so ganz hoch hinaus wollte.

Was, um Himmels willen, sollten sie mit einem Schloss anfangen? Die Vorstellung erschien Herr Hoffmann abwegig. Allerdings war er zu gutmütig, um seiner Frau die Freude zu verderben.

Ingeborg Hoffmanns Augen wurden feucht. »Wenn ich daran denke, dass Onkel Günther mich als Kind nur ein einziges Mal auf den Knien gehalten hat, bevor er nach Silicon Valley ausgewandert ist, um dort sein Vermögen mit Computersoftware zu machen. Ich muss ein reizendes Baby gewesen sein.«

»Vermutlich liegt es ganz einfach daran, dass er selbst keine Kinder hatte und du seine nächste Verwandte bist«, wagte Herr Hoffmann zu bemerken und erntete sogleich einen empörten Blick.

»Ich bin überzeugt davon, dass er mich als Baby in Erinnerung behalten hat.«

Franziska Hoffmann, die dem Dialog ihrer Eltern bisher nur schweigend gefolgt war und dabei das lange Fell des Zwergspitzes der Familie kraulte, lachte hell auf.

»Ach Paps, lass Mama doch die Illusion, dass sie das unerwartete Erbe ihrem Charme als Baby zu verdanken hat. Im Übrigen bin ich deiner Meinung. Ich finde auch, dass Mama damit übertreibt, wenn sie jetzt gleich in ein Schloss ziehen will.«

»Du als unsere einzige Tochter solltest dich über unsere Pläne lieber freuen«, wies ihre Mutter sie zurecht. »Welche Zwanzigjährige kann schon von sich behaupten, Schlossbesitzer als Eltern zu haben?«

»Fipps, nun ist es aber genug.« Franziska wehrte die zärtliche Schnauze des Hundes ab und schüttelte den Kopf. »Erstens seid ihr noch gar keine Schlossbesitzer, und zweitens finde ich unser kleines Reihenhaus eigentlich urgemütlich. Ich habe mich hier jedenfalls immer wohlgefühlt.«

Herr Hoffmann schenkte ihr einen dankbaren Blick. Seine Tochter war sein absoluter Augenstern. Was für ein erfreuliches Bild sie abgab, gemeinsam mit dem Hund auf dem Fußboden.

Franziska war mit ihrem langen braunen Haar und den klaren blauen Augen nicht nur bildhübsch, sie war auch klug – für ihr Anglistikstudium hatte sie erst vor Kurzem ein Stipendium bekommen –, und sie war, gottlob, vernünftig. Der unerwartete Reichtum ihrer Eltern war ihr keineswegs zu Kopf gestiegen. Was man von ihrer Mutter leider nicht behaupten konnte.

Frau Hoffmann war dem Blick ihres Mannes gefolgt. Auch sie war sehr stolz auf ihre Tochter, jedoch mehr aus anderen Gründen. Sie erkannte durchaus, wie hübsch Franziska war, und dachte darüber nach, dass sie gute Aussichten auf eine vornehme Heirat hatte. Vor allem ein ganz bestimmter Kandidat kam ihr dafür in den Sinn.

»Jetzt, wo du einen echten Grafen als Verehrer hast, würde ein Schloss doch sehr gut zu uns passen«, bemerkte sie.

»Ach, Mama«, wehrte Franziska ab.

»Was heißt hier ›ach, Mama‹?«, blieb Frau Hoffmann hartnäckig. »Bist du jetzt mit Arthur von Weißenburg liiert oder nicht?«

Franziska merkte, dass sie verlegen wurde. Gerade weil sie spürte, dass ihre Mutter ihre Beziehung zu Graf Arthur so verbindlich machen wollte, ging sie innerlich auf Abstand. Arthur sah zweifelsohne sehr gut aus, er konnte witzig und charmant sein und machte ihr recht unverhohlen den Hof. Doch war sie deswegen ernsthaft in ihn verliebt und wollte sie tatsächlich eine Gräfin von Weißenburg werden? Auch wenn ihre Mutter in diesen Titel vernarrt war, für Franziska bedeutete er nichts.

»Ich werde mir ganz bestimmt keinen Mann passend zu deiner Immobilie aussuchen«, bemerkte sie ein wenig genervt.

»Aber ich darf mir ja wohl noch eine Immobilie passend zu deinem Mann aussuchen«, entgegnete Ingeborg Hoffmann ungewohnt schlagfertig.

»Arthur von Weißenburg ist nicht mein Mann. Noch lange nicht. Und ob er es jemals wird, ist noch ungewiss«, machte Franziska sie aufmerksam.

»Ach, unterhalten wir uns lieber über etwas anderes«, mischte sich Herr Hoffmann ein, der keinen Streit zwischen seinen »beiden Frauen« haben wollte.

»Du hast recht, Paps«, lenkte Franziska sofort ein. Und um ihrer Mutter einen Gefallen zu tun, aber auch, um das Thema »Arthur von Weißenburg« zu beenden, fügte sie hinzu: »Hast du dir denn schon ein Schloss ausgesucht, das dir gefällt?«

Frau Hoffmanns Laune hellte sich schlagartig auf.

»Aber ja«, antwortete sie eifrig. »Ich habe mich bereits sehr intensiv umgesehen. Das hier gefällt mir am besten. Schaut euch das an!«

Sie ging zum Esstisch und wühlte in einem Stapel ausgedruckter Papiere, die dort überall verstreut lagen. Wenig später schwenkte sie ein Immobilienangebot in der Hand, über das der Makler die Überschrift »Ein herrschaftliches Anwesen mit Geschichte« gesetzt hatte.

»Da sind auch Fotos von dem Anwesen mit ausgedruckt«, erklärte Ingeborg Hoffmann und blätterte in den Seiten. »Sieht es nicht großartig vornehm aus?«

Ehemann und Tochter beugten sich über die Bilder. Obwohl Franziska wenig von den Schlossplänen ihrer Mutter hielt, war auch sie von dem abgebildeten Anwesen angetan, auf das ihre Mutter deutete.

Das Schloss lag ein wenig erhöht in einer landschaftlich herrlich unberührten Gegend. Der weiß-gelbe Anstrich und die freundlichen, runden Türmchen wiesen darauf hin, dass es zu Zeiten des Barocks errichtet worden sein musste, dabei schien es in einem baulich sehr guten Zustand zu sein.

»Zum Glück keine alte Burgruine«, stellte auch Herr Hoffmann erleichtert fest.

»Natürlich nicht. Was denkt ihr denn?« Frau Hoffmanns Stimme klang beleidigt.

»Und was für eine Geschichte hat dieses Anwesen?«, wollte Franziska wissen, um ihr freundliches Interesse zu demonstrieren.

»Augenblick mal, wo ist denn meine Lesebrille wieder? … Ach, hier!« Franziskas Mutter setzte sich die Brille auf die Nase und las vor: »Das Schloss befindet sich seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Familie von Wilsdorf. Zahlreiche historische Persönlichkeiten, darunter auch der Fürst von Metternich, Maximilian Graf von Montgelas und Otto von Bismarck weilten schon als Gäste unter seinem Dach. Der Stammbaum des Schlossbesitzers Fürst von Wilsdorf reicht bis in die Zeit der Kreuzzüge zurück.«

»Bestimmt spukt es in dem alten Kasten«, gab Herr Hoffmann zu bedenken.

Franziska lachte. »Und jede Nacht sucht uns ein kopfloser Ritter in seiner quietschenden Rüstung heim.«

»Alles Unsinn.« Frau Hoffmann wischte diesen Scherz mit einer Handbewegung beiseite. »Hier steht, dass das gesamte Anwesen vor gut zehn Jahren saniert wurde. Die Ausstattung entspricht gehobenen Ansprüchen, Bäder und Küche sind komplett neu.«

»Brauchen wir denn gleich mehrere Bäder?«, gab Franziska zu bedenken.

»Selbstverständlich. Und gehobene Ansprüche haben wir auch.«

»Du vor allem«, verbesserte Herr Hoffmann halblaut.

»Und warum auch nicht? Jetzt, nachdem Onkel Günther uns sein gesamtes Vermögen hinterlassen hat, …«

»Ihr könntet euch das Schloss ja mal ansehen, wenn es Mama so am Herzen liegt«, schlug Franziska vor, um zu verhindern, dass sich ihre Eltern wieder in derselben Gesprächsschlaufe verfingen wie bereits vorhin.

»Na ja, von mir aus«, meinte ihr Vater. »Aber du sollst es auch sehen!«

Franziska lachte gutmütig. »Wenn ich Zeit habe, meinetwegen. Schön sieht es ja aus, dieses Schloss Wilsdorf, das muss ich zugeben. Wie ein Schloss aus dem Märchenbuch.«

***

Obwohl Schloss Wilsdorf wie im Bilderbuch im heiteren Sonnenschein lag, herrschte in der Bibliothek, in der sich die fürstliche Familie versammelte hatte, eine recht trübe Stimmung. Das war nicht weiter verwunderlich, denn vor wenigen Minuten hatte das Familienoberhaupt, Maximilian Fürst von Wilsdorf, seinen Lieben eröffnet, dass sie vor dem finanziellen Ruin standen.

»Du meinst, wir haben überhaupt kein Geld mehr?«, fragte Fürstin Charlotte ungläubig, nachdem er gesprochen hatte.

Das Gesicht des Fürsten wirkte kummervoll und älter als sonst.

...



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