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Sarti | Wuzzi und der Zaubertrank des Jahrhunderts | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

Sarti Wuzzi und der Zaubertrank des Jahrhunderts


2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-7484-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

ISBN: 978-3-7534-7484-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wuzzi und der Zaubertrank des Jahrhunderts In Nanurb, der unterirdischen Wichtelstadt, herrscht große Sorge: Immer wieder verschwinden Wichtel spurlos. Fieberhaft, aber vergeblich forschen die ältesten und weisesten Wichtel nach einem Zaubertrank, um die Vermissten ausfindig machen zu können. Der talentierte Wichtel Wuzzi, in der Wichtelschule Klassenbester in Stein- und Kräuterkunde, darf nicht mithelfen. Er ist noch zu jung. So macht Wuzzi sich selbst auf die Suche nach dem Rezept und bucht einen Zauberkurs bei der geheimnisvollen Hexenmeisterin Zita. Auf seiner Reise erlebt er jede Menge Abenteuer mit Gnomen, Trollen, Hexen und Kobolden, merkwürdigen Tieren und teuflischen Winden. Fast immer an seiner Seite: seine treue Freundin Luna, eine vorlaute Fee. Wird es Wuzzi gelingen, den Zaubertrank des Jahrhunderts zu brauen und damit die verschwundenen Wichtel wiederzufinden? Ein Buch zum Vorlesen und Selberlesen über einen Wichteljungen, der auf seiner Abenteuerreise nicht nur Mut und Selbstvertrauen dazu gewinnt, sondern auch neue Freunde.

Susanna P. Sarti schrieb schon in den ersten Schuljahren Kurzgeschichten und las sie ihren Mitschülern vor. Nach dem Studium ist sie in das Berufsleben eingestiegen und das Schreiben musste erst einmal warten. Seitdem sie Mutter zweier Söhne ist, taucht sie wieder regelmäßig in die fantasievolle Welt der Kinder ab. Dort hat sie vor einiger Zeit auch ihre Schreibgeräte wiedergefunden. Als gebürtige Schwarzwälderin kehrt sie oft mit ihrem Mann, den beiden Jungs und dem Familienhund in diese Gegend zurück. Dort ist sie auch dem jungen Wichtel begegnet, der ihr seine Geschichte erzählt hat. www.wuzzi-der-wichtel.de
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Der geheimnisvollste Ort in Nanurb ist das Wichtellabor, das hinter der Bibliothek liegt. Hier werden Zaubertränke gebraut. Das Labor darf nur von den Mitgliedern des Ältestenrats betreten werden. Die Tür ist mit einer massiven Eisenkette versperrt. Auf einem gelben Schild steht in großen, bedrohlichen Buchstaben „Nicht-Mitgliedern des Ältestenrats – UND DAMIT UNBEFUGTEN – ist der Zutritt strengstens verboten.“

Vor genau dieser Tür steht Wuzzi und starrt auf das Verbotsschild. Er will nicht warten, bis er alt und weise ist. Er will jetzt lernen, wie magische Tränke zubereitet werden. Schließlich will er eines Tages der Beste darin sein. Dann könnte er etwas gegen Krankheiten erfinden. Vielleicht würde es ihm auch gelingen, ein Elixier zu mischen, das die gelben Nadeln und Blätter der Tannen und Bäume im Wald wieder grün werden lässt. Vor allem aber könnte er schon jetzt dem Ältestenrat dabei helfen, den Jahrhunderttrank herzustellen.

„Ich mag dieses Schild nicht. Ein Labor ist fast wie eine Schule, und die ist auch für jeden geöffnet. Für jeden, der etwas lernen will“, sagt Wuzzi verärgert und blickt zu Luna, die auf dem Briefkasten daneben hockt.

„In diesem Labor wird mit gefährlichen Flüssigkeiten hantiert. Das ist etwas ganz anderes als in der Schule. Dort lernst du vernünftige Dinge“, antwortet die Fee.

„Vernünftige Dinge? In der Schule? Wie bitte?“, wendet Wuzzi erbost ein. „Wie kannst du das behaupten? Du bist eine Fee und hast noch nie die Schule besuchen müssen.“

„Du hast mir erst kürzlich begeistert erzählt, was ihr über die Sterne gelernt habt. Und was das Wichtellabor anbelangt: Es gibt nun einmal aus gutem Grund Regeln und Verbote wie diese“, erwidert Luna.

„Wenn ich eines nicht leiden kann, dann ist es genau das. Ist uns Wichtelkindern eigentlich auch etwas erlaubt? Dabei könnten die meine Hilfe bei der Herstellung des Jahrhunderttranks gut gebrauchen.“

Die Fee schaut ihren Freund an. „Und wieso sollten die gerade deine Hilfe benötigen?“

„Ich habe gehört, dass das Oberhaupt des Ältestenrats das Rezept für diesen besonderen Trank vergessen hat. Und jetzt fehlt ihnen wohl ein Kraut. Aber sie wissen nicht welches. Und ich habe in der Schule in Stein- und Kräuterkunde die beste Note von allen erhalten. Wenn der Ältestenrat und ich uns zusammentun würden, dann könnten wir es bestimmt gemeinsam schaffen. Ich bin ein großartiger Erfinder. Du weißt doch, dass ich an einer anderen Wirkungsweise des Tranks arbeite. Das könnte ihnen von Nutzen sein.“

„Aber Wuzzi, was hat der Unterricht in Kräuterkunde mit dem Herstellen eines echten Zaubertranks zu tun? Dafür benötigt man viele Wichteljahre Erfahrung.“

Wuzzi zieht die Augenbrauen nach oben. „Ach wirklich? Nach den Ferien komme ich in die Oberstufe. Und mit meinen Fähigkeiten werde ich dann sowieso in den Club zur Förderung begabter Wichtel aufgenommen. Nur weil ich jetzt noch etwas zu jung bin, verzichtet man auf mein Talent? Das ist doch Unsinn.“

Damit das Wissen des Ältestenrats nicht verloren geht, werden jedes Jahr die neuen Wichtelschüler der Oberstufe vom Ältestenrat in das Wichtellabor eingeladen. Diejenigen, die sich beim Mischen von Tränken am geschicktesten anstellen, werden in den Wichteljuniornachwuchsförderclub aufgenommen. Dort erlernen sie zweimal in der Woche unter der Anleitung der Mitglieder des Ältestenrats die Kunst des Brauens von Zaubertränken. Dazu gehört ebenso der Umgang mit hochexplosiven und toxischen Stoffen. Aber auch diese talentierten Wichtel müssen weiterhin die Schule besuchen, da es noch andere wichtige Fächer gibt: die Wissenschaft vom Lauf der Gestirne, Kräuter- und Steinkunde, Schreiben, Lesen, Rechnen, Sport und Geschichte.

Die Fee blickt zur Eisenkette. „Und was willst du jetzt machen? Etwa die Kette zersägen? Du hast sicherlich das geeignete Werkzeug in deinem Schuppen, oder etwa nicht?“

Wuzzi senkt den Kopf und starrt auf seine blauen Schuhe. „Nein, habe ich nicht. In meiner Werkstatt habe ich allerlei Geräte und Zangen, aber nichts, um dieses Schloss zu knacken. Das weißt du ganz genau.“

„Sei nicht enttäuscht. Es hat doch auch etwas Gutes, dass du noch so jung bist. Sicher wirst du mit ein bisschen Glück in ein paar Wochen in diesen unaussprechlichen Juniorclub aufgenommen. Jetzt ist einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt. Es gibt auch noch andere schöne Dinge“, tröstet ihn die Fee.

„Ich ahne schon, was du als Nächstes sagen wirst“, entgegnet der Wichtel. „Wuzzi, du musst dir Freunde in deinem Alter suchen. Wuzzi, Wichtelkinder verbringen ihre Zeit im Bonbonladen. Wuzzi, Wuzzi, Wuzzi“, ahmt der Wichtel die Fee nach.

„Nein, den Bonbonladen würde ich dir nicht vorschlagen. Das wäre unfair. Mit einer Zuckerallergie darf man nicht spaßen.“ Sie streicht sich mit der Hand über die Stirn. „An unseren gestrigen Besuch dort werde ich noch lange denken.“

„Ich auch“, murmelt Wuzzi. „Du hättest mich nicht daran erinnern müssen. Immerhin habe ich Herbaline geholfen und die zerbrochenen Regalbretter wieder prima zusammengeleimt.“

Die Fee nickt. „Wenn auf den Regalen nur nicht diese kostbaren Gläser gestanden hätten. Nachtkraut war darin, das man nur alle fünf Wichteljahre ernten kann.“

„Ich kann doch nichts dafür, dass ich so komisch auf Zucker reagiere. Und warum müssen Wichteljahre auch so lange dauern. Bei Menschen vergehen die Jahre viel schneller“, wendet Wuzzi ein.

„Dann wirst du aber auch schneller älter“, erwidert die Fee, springt auf und zieht Wuzzi die Wichtelmütze ins Gesicht.

„Hör sofort auf damit“, schimpft er. „Du weißt, dass ich das nicht leiden kann. Die schöne Mütze leiert aus.“

Die nachtblaue Mütze mit dem goldenen Stern ist Wuzzis liebstes Stück. Sie sieht beinahe so aus wie eine der Mützen, die die Mitglieder des Ältestenrats bei ihren Zusammenkünften im Wichtellabor tragen. Die anderen Wichtel haben einfarbige Mützen ohne Muster. Wuzzi hatte sich ganz lange eine Zauberermütze gewünscht, die es jedoch im Laden nicht zu kaufen gab. Luna hat ihm schließlich eine aus watteweicher wolle gestrickt. Wuzzi ist sehr gerührt gewesen.

Jetzt zieht er sich die Mütze vom Kopf und betrachtet sie von allen Seiten. „Hoffentlich hat sich kein Faden gelöst.“

Luna setzt sich wieder hin. „Du bist aber schlecht gelaunt. Nur wegen des blöden Verbotsschilds. Jeden Tag ärgerst du dich darüber. Aber ändern kannst du es auch nicht. Lass uns lieber hinauf in den Wald gehen und Verstecken spielen. Jetzt ist dafür die beste Uhrzeit. Die Menschenkinder sind in der Schule und die Erwachsenen sitzen in ihren langweiligen Büroboxen herum.“

Die Fee hatte sich vor langer Zeit einmal der Menschenstadt genähert. Mit Feenstaub machte sie sich für einen Moment unsichtbar und flog bis zum nächstgelegenen Haus. Dort blickte sie durch ein Fenster und sah erwachsene Menschen in komischer, unbequemer Kleidung an Schreibtischen sitzen und telefonieren. Sie hatte ein wenig Mitleid mit diesen armen Wesen gehabt.

Wuzzi überlegt. „Hm, na gut. Wenn ich noch länger hier rumstehe, platze ich wahrscheinlich vor Wut. Dann lass uns lieber nach oben gehen. Außerdem macht es wichteligen Spaß, den Wächter auszutricksen.“ Er grinst.

Luna piepst freudig und macht sich bereit zum Start. „Hoffentlich werden wir nicht erwischt, wenn wir einen der aus dem Käfig holen“, sagt sie und fliegt los.

„Ach was“, ruft Wuzzi und rennt vorneweg. „Wer zuerst dort ist, hat gewonnen.“

Keuchend erreicht der Wichtel das Schild mit der Aufschrift „Sperrzone“. Luna flattert herum. „Unglaublich. Wieso müsst ihr besonders darauf hinweisen? Es ist doch unschwer zu erkennen, dass hier die Stadt endet und der Übergang in die Sperrzone beginnt. Das sieht man doch schon an den grauen, kahlen Wänden.“

Wuzzi zuckt mit den Schultern. „Ist doch völlig egal. Komm, wir müssen uns beeilen. Gleich lösen sich die Wächter ab. Den Moment müssen wir nutzen, um den Esperator aus seinem Käfig zu holen.“

Die Wichtel haben es vor vielen Jahrhunderten geschafft, diese wilden Greifvögel mit den tiefgelben Augen und dem braun-weiß gescheckten Gefieder zu zähmen. Nur mithilfe von Esperatoren können die Wichtel ein Loch in der Erdoberfläche erreichen, durch das sie in Notfällen in den Wichtelwald gelangen. Erst kürzlich gab es einen kleinen Brand in der unterirdischen Stadt, der einigen Wichteln den Weg zum Haupttor versperrte. Sie konnten sich über den Notausstieg in der Sperrzone in Sicherheit bringen.

Wuzzi aber kümmert es nicht, dass es grundsätzlich verboten ist, einen Esperator aus dem Käfig zu...



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