E-Book, Deutsch, 215 Seiten
Satzer / Geray Stress - Psyche - Gesundheit
1. Auflage 2006
ISBN: 978-3-7663-8285-6
Verlag: Bund-Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Ein Leitfaden für die betriebliche Praxis
E-Book, Deutsch, 215 Seiten
ISBN: 978-3-7663-8285-6
Verlag: Bund-Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Mit Zeitdruck und einer höherer Arbeitsdichte sind immer mehr Beschäftigte konfrontiert - mit verheerenden Folgen für die Gesundheit vieler Betroffener. Das Arbeitsschutzgesetz verlangt, dass Gefährdungsbeurteilungen durchgeführt werden - einschließlich psychischer Belastungen. Diese Beurteilungen bilden die Grundlage für entsprechende Maßnahmen zum Arbeitsschutz, die der Arbeitgeber einleiten muss. Bislang fehlte jedoch ein praktikables Verfahren zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Dieser Leitfaden stellt das START-Verfahren vor, das seinen Praxistest bereits bestanden hat. Das Verfahren ermöglicht eine Grobanalyse als Einstieg in die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. An Hand eines Fallbeispiels beschreibt der Autor, wie betriebliche Praktiker erfolgreich gegen psychische Belastungen vorgegangen sind. Das START-Verfahren orientiert sich an gesetzlichen Vorgaben, Normen, arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen und kann auf betriebliche Besonderheiten zugeschnitten werden. Viele Informationen für Beschäftigte runden den Band ab.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Vorwort;6
2;Inhaltsverzeichnis;8
3;Vorbemerkung;12
4;1. Das Start-Verfahren zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen;14
4.1;1.1 Hintergrund – das Basismodell des modernen Arbeits- und Gesundheitsschutzes;14
4.2;1.2 Begriffe und Voraussetzungen des Start-Verfahrens;17
4.3;1.3 Das Start-Verfahren: Ausgangspunkte, Methoden, Instrumente;22
4.4;1.4 Die Ermittlung psychischer Belastungen im Start-Verfahren;26
4.5;1.5 Die Auswertungsstrategie;32
4.6;1.6 Vor-Ort-Bewertung der Ermittlungsergebnisse;36
4.7;1.7 Beurteilung der Ermittlungsergebnisse;37
4.8;1.8 Maflnahmen ableiten und umsetzen;40
4.9;1.9 Dokumentation und Wirksamkeitskontrolle;47
5;2. Maflnahmenableitung zu psychischen Belastungen;50
5.1;2.1 Start-Verfahren und Maflnahmenableitung;50
5.2;2.2 Handwerkszeug;52
5.3;2.3 Maflnahmenableitung aus Normen und arbeitswissenschaftlichen Leitlinien;53
6;3. Praxismaterialien zur Gefâhrdungsbeurteilung;92
6.1;3.1 Foliensatz: START-Verfahren ™Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen ¥;92
6.2;3.2 Arbeitsplatzbeispiele zu psychischen Belastungen;103
6.3;3.3 Merkblatt f r Betriebsrâte/ArbeitsschutzpraktikerInnen;105
6.4;3.4 Infoblatt f r Beschâftigte: Terror f r die Seele;108
6.5;3.5 Rede zur Betriebsversammlung: Gefâhrdungsbeurteilung und Befragung zu psychischen Belastungen;109
6.6;3.6 Ergebnisbericht f r Beschâftigte: Befragung zu psychischen Belastungen am Arbeitsplatz Ò Gefâhrdungsbeurteilung;111
6.7;3.7 Seminarkonzept f r Betriebsrâte: Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen nach fl 5 ArbSchG Ò Start- Verfahren;116
7;4. Positivliste: Beispiele betrieblicher Praxislàsungen*;118
7.1;Widerstand der Unternehmensleitung gegen die Umsetzung des Arbeitsschutzgesetzes;118
7.2;Pilotprojekt zur Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen;119
7.3;Spruch der Einigungsstelle zur Gefâhrdungsbeurteilung vom 10. 10.2000;120
7.4;Gefâhrdungsbeurteilungen in Pilotabteilungen;122
7.5;Mit der Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen zum verbesserten Schichtplan;123
7.6;Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen in der vierten Runde;125
7.7;Gefâhrdungsbeurteilung klassischer Belastungen als Einstieg;127
7.8;Gefâhrdungsbeurteilungen unter schwierigen Bedingungen;128
7.9;Informationsveranstaltungen f r Beschâftigte als Einstieg in die Gefâhrdungsbeurteilung;130
7.10;Systematische Qualifizierung zur GB psychischer Belastungen f r Betriebsrâte aus 38 Konzernstandorten;131
7.11;Betriebsvereinbarung zur Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen in einem kleinen Betrieb;132
7.12;Vorarbeiten und Verhandlungen ber eine Gesamtbetriebs-vereinbarung f r die DaimlerChrysler AG zur Gefâhrdungsbeurteilung und Umsetzung des Arbeitsschutzgesetzes;134
7.13;Unterweisungen der Beschâftigten als Voraussetzung zur Durchf hrung von Gefâhrdungsbeurteilungen;135
7.14;Den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz mit Gefâhrdungs-beurteilungen psychischer Belastungen weiterentwickeln;137
7.15;Abschluss einer Betriebsvereinbarung zur Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen nach langwierigen Verhandlungen;138
7.16;Zunehmende Beanspruchungen durch Arbeitszeitflexibilisierung;140
7.17;Betriebsbezogene Kampagne;141
7.18;Verhandlungen ber eine Betriebsvereinbarung zur Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen;142
7.19;Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen und Zertifizierungsauflagen;143
7.20;Ein Betriebsratsbericht zur Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen ( von Marion Bentin);144
7.21;Systematische, ganzheitliche Gefâhrdungsbeurteilungen;147
7.22;Gefâhrdungsbeurteilungen nach Umzug in neue Betriebsrâume;148
7.23;Sonderauswertung einer Mitarbeiterbefragung als Einstieg in die Gefâhrdungsbeurteilung;149
7.24;Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen in der zweiten Runde;150
7.25;Probelauf zur Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen;151
7.26;Vier Pilotprojekte zur Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen;152
7.27;Ein Konzept gegen die ™Belastungen der Zukunft¥;154
7.28;Gefâhrdungsbeurteilungen im Zusammenhang mit Arbeitsschutzmanagement;154
7.29;Betriebsrat legt Betriebsvereinbarung zum prâventiven, betrieblichen Gesundheitsschutz vor;156
8;5. Unterweisungsleitlinien zu psychischen Belastungen;157
8.1;5.1 Unterweisungen im Arbeitsschutzrecht;157
8.2;5.2 Methoden und Medien;161
8.3;5.3 Inhalte bei Unterweisungen zu psychischen Fehlbelastungen;162
8.4;5.4 Beispiel eines Foliensatzes f r Unterweisungen zu psychischen Fehlbelastungen;162
9;6. Mitbestimmung, Rechtsprechung, Betriebsvereinbarungen;175
9.1;6.1 Zeitlicher Ablauf;175
9.2;6.2 Juristische Auseinandersetzungen um die Mitbestimmung zum Arbeitsschutzgesetzund der Gefâhrdungsbeurteilung;176
9.3;6.3 Darstellung und Bedeutung des BAG-Beschlusses zur Mitbestimmung im Gesundheitsschutz vom 8.6. 2004 f r die betriebliche Praxis;180
9.4;6.4 Ansâtze f r Betriebsrâte;184
9.5;6.5 Umsetzung des BAG-Beschlusses unter Ber cksichtigung àkonomischer Marktbedingungen;190
9.6;6.6 Betriebsvereinbarungen zur Umsetzung der Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen;192
9.7;Literatur:;192
10;Anhang;194
10.1;1. START-Fragebogen ™Ermittlung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz ¥ ( nach fl 5 Arbeitsschutzgesetz);194
10.2;2. Checkliste Ò Vor-Ort-Analyse Ò Gefâhrdungsbeurteilung psychischer Belastungen;197
10.3;3. Psychische Beanspruchungen Ò DIN EN ISO 10075;198
10.4;4. Entwurf ™Betriebsvereinbarung zur Gefâhrdungsbeurteilung¥;199
10.5;5. Betriebsvereinbarung ALSTOM Power Generation;202
10.6;Anlage 4: Frage/Antwortbogen zum Arbeitsschutz Ò Psychische Belastungen;208
10.7;6. Betriebsvereinbarung GARDINIA HOME DECOR GmbH;211
11;Literatur;214
11.1;Internet;215
2. Maßnahmenableitung zu psychischen Belastungen (S. 49-50)
2.1 Start-Verfahren und Maßnahmenableitung
Bei einer Befragung von Betriebsratsgremien aus 128 Betrieben der Metall- und Elektroindustrie im Jahr 2003 wurde u.a. auch der Unterstützungsbedarf betrieblicher PraktikerInnen bezogen auf die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen abgefragt. An erster Stelle wünschten sich die Betriebsräte eine Handlungshilfe zur Maßnahmenableitung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung. Das hier vorgelegte Handbuch reagiert auf diesen Bedarf. Es soll insbesondere Antworten auf eine zentrale Frage aus der betrieblichen Praxis geben:
Mit welchen Maßnahmen können psychische Fehlbelastungen reduziert, minimiert und im präventiven, vorbeugenden Sinn in ihrer Entstehung gehemmt bzw. verhindert werden? Wie können betriebliche Umsetzungsmaßnahmen hierzu konkret aussehen?
Insgesamt geht es bei der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen nach § 5 ArbSchG immer um die drei Schritte:
- Ermitteln von Belastungen bzw. Fehlbelastungen
- Beurteilen dieser Ermittlungsergebnisse und
- die daraus resultierende Maßnahmenableitung gegen Fehlbelastungen und ihre Umsetzung im Betrieb.
Zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen wurde im Zusammenhang mit der Kampagne »Tatort Betrieb – Stress und psychische Belastungen« der IG Metall in Baden- Württemberg aus der betrieblichen Praxis heraus ein Start-Verfahren entwickelt (siehe oben), das in zahlreichen Betrieben erprobt und erfolgreich angewendet wurde. Welche Aufgaben stellen sich nun speziell bei der Maßnahmenableitung? In diesem Kapitel werden die in Kapitel 1 kurz beschriebenen Schritte der Maßnahmenableitung nochmals wiederholt und dabei detaillierter und ausführlicher behandelt.
Nach der Ermittlung der Gefährdungen im Bereich psychischer Belastungen liegen dem durchführenden betrieblichen Beurteilungsteam Informationen über den Ist-Zustand der Gefährdungen durch psychische Fehlbelastungen vor. Diese wurden im Start-Verfahren in aller Regel ermittelt durch
- Fragebogenerhebung
- ergänzende Fremdbeurteilung der Arbeitsplätze (Vor-Ort-Analyse: Betriebsbegehungen, Interviews mit den Beschäftigten, Checklisten etc.)
- Auswertung aller sonstigen, vorliegenden betrieblichen Daten, z.B. zu Unfallzahlen, BK-Anzeigen, Krankenstand)
Das Beurteilungsteam steht nach diesem Ermittlungsschritt nun vor der Aufgabe, die Ergebnisse zu beurteilen und geeignete Maßnahmen abzuleiten. Da es bezogen auf psychische Belastungen keine allgemein gültigen Grenzwerte gibt, die zu dieser Beurteilung herangezogen werden können, muss das Verfahren eines Ist-Soll-Vergleichs eingesetzt werden:
Das Bewertungsproblem bei psychischen Belastungen kann dadurch gelöst werden, dass der Ist-Zustand der ermittelten Gefährdungen mit dem wünschenswerten Soll- Zustand menschengerechter Arbeitsgestaltung verglichen wird. Der Bedarf an Maßnahmen resultiert dann aus diesem Vergleich zwischen Ist und Soll. Das betriebliche Beurteilungsteam muss folglich die an den Arbeitsplätzen ermittelte tatsächliche Situation mit den Merkmalen und Kriterien vergleichen, die den gesundheitsgerechten Soll-Zustand ausmachen. Beurteilungskriterien und Merkmale des Soll-Zustands sind konkret vorgegeben in:
1. normierten Schutzzielen (Gesetzen, Verordnungen, DIN-Normen, usw.)
2. gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen und Leitsätzen menschengerechter Arbeitsgestaltung (z.B. zusammengefasst in der Sammlung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin)
3. bewährten, gesundheitsgerechten betrieblichen Praxislösungen (z.B. in Listen Guter Praxis der BAuA)
Das Beurteilungsteam muss diese Informationsquellen heranziehen, um die Maßnahmenableitung vornehmen zu können. Dabei ist zu beachten, dass die zugrunde liegenden Normen wie auch arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse in aller Regel nicht in der Sprache betrieblicher Arbeitsschutzpraktiker formuliert worden sind. Die zentralen Aussagen werden daher im Folgenden erläutert und »übersetzt«. Generell können in Normen oder arbeitswissenschaftlichen Leitlinien zur menschengerechten Arbeitsgestaltung nicht alle Aspekte des Zustandekommens psychischer Fehlbelastungen und entsprechender Gegenmaßnahmen im Detail beschrieben werden. Hierzu ist die betriebliche Realität zu komplex, vielfältig und unterschiedlich. Die in Normen und in den Arbeitswissenschaften beschriebenen Hinweise zur Arbeitsgestaltung und Maßnahmenableitung können daher nur bedingt allgemein sein. Sie bilden aber – auch unter rechtlichen Aspekten des Arbeitsschutzgesetzes – die notwendige und hinreichende Basis, auf der das Beurteilungsteam betriebsbezogene Maßnahmen vorschlagen muss. Besonders hilfreich ist dabei die ergänzende Heranziehung bereits existierender Praxislösungen (siehe Kapitel 4). Auf diesem Feld sind die betrieblichen Praktiker des Beurteilungsteams ausgewiesene Experten. Sie können nach einer Bewertung dieser betrieblichen Beispiele entscheiden, ob dort gefundene und umgesetzte Maßnahmen auf die eigenen betrieblichen Fragestellungen »passen« und angewendet werden können oder wie diese im Einzelfall verändert werden müssen.
Generell wird die Arbeit des Beurteilungsteams dadurch erleichtert, dass solche betrieblichen Praxislösungen in Handlungshilfen (z.B. zum »Tatort Betrieb«) oder auch von Institutionen wie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (u.a. auf Internetseiten) zusammengestellt und speziell für betriebliche Praktiker aufbereitet worden sind. Neben der hier vorgelegten Handlungshilfe können und sollten Mitglieder des Beurteilungsteams bei Bedarf weitere Praxishilfen heranziehen, die zu den oben erwähnten Normen bzw. arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen zu Maßnahmen gegen psychischen Fehlbelastungen u.a. von Berufsgenossenschaften oder staatlichen Ämtern für Arbeitsschutz entwickelt wurden. Auf die für die betriebliche Praxis besonders tauglichen Broschüren wird weiter unten hingewiesen.




