E-Book, Deutsch, Band 1, 320 Seiten
Reihe: Marcus Gladiator
Scarrow Marcus Gladiator - Kampf für Freiheit (Marcus Gladiator 1)
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-7607-8712-1
Verlag: arsEdition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 320 Seiten
Reihe: Marcus Gladiator
ISBN: 978-3-7607-8712-1
Verlag: arsEdition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Simon Scarrow arbeitete lange Zeit als Dozent für Geschichte - wegen des großen Erfolgs seiner Bücher widmet er sich heute hauptberuflich dem Schreiben. Und den ausgedehnten Reisen, auf denen er Nachforschungen für seine historischen Romane anstellt. Bekannt wurde Scarrow durch seine bei Goldmann erschienene Adler-Serie.
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Zenturio Titus Cornelius Pollenius wischte sich den Schweiß von der Stirn, während er die Augen über das Schlachtfeld schweifen ließ, das sich rings um ihn erstreckte. Der Hang war mit Leichen übersät. An den Stellen, wo der Kampf besonders erbittert getobt hatte, lagen sie zu Haufen zusammen. Seine Männer suchten nach verwundeten Kameraden oder rafften die geringe Beute zusammen, die sie bei den gefallenen Feinden finden konnten. Hier und da schrien mitten in diesem Blutbad Verwundete und wanden sich in Schmerzen. Unter den Leichen waren auch römische Legionäre in ihren roten Tuniken und blutgetränkten Kettenpanzern. Titus schätzte, dass in dieser Schlacht Tausende seiner Kameraden umgekommen waren. Und trotzdem waren die Verluste der Römer nichts im Vergleich zu der Zahl der gefallenen Feinde.
Titus schüttelte den Kopf, während er an die Männer und Frauen dachte, die ihnen vor Kurzem in der Schlacht entgegengetreten waren. Viele waren nur mit Messern und Ackergerät bewaffnet gewesen, die meisten trugen keinen Schutzpanzer, hatten nicht einmal einen Schild. Und doch hatten sie sich Titus und seinen Kameraden entgegengeworfen, mit wütenden Schreien und weit aufgerissenen Augen, in denen der Mut der Verzweiflung aufblitzte. Doch all das hatte sie nicht davor bewahrt, den besser ausgebildeten und ausgerüsteten Soldaten des Generals Pompeius zu unterliegen, des Befehlshabers der römischen Truppen, die sie unbarmherzig verfolgt und in die Enge getrieben hatten.
»Sklaven«, murmelte Titus verwundert vor sich hin, während er auf die Leichen starrte. »Einfach nur Sklaven.«
Wer hätte gedacht, dass diese Männer und Frauen, die für die meisten Römer nicht mehr als Werkzeuge auf Beinen waren, so viel Kampfgeist zeigen würden? Der Sklavenaufstand hatte vor beinahe zwei Jahren begonnen, und seither hatten die Aufständischen fünf der Legionen besiegt, die Rom gegen sie ausgeschickt hatte. Außerdem hatten sie viele Villen niedergebrannt und Anwesen geplündert, die den mächtigsten Familien Roms gehörten. Einmal, erinnerte sich Titus, waren die Sklaven sogar auf Rom selbst zumarschiert.
Er blickte nach unten auf den Leichnam eines kleinen Jungen, der wohl kaum älter als zehn Jahre sein mochte. Er hatte flachsblondes Haar und feine Gesichtszüge, und sein Kopf war kraftlos auf den Panzer eines toten Legionärs gesunken. Die Augen des Jungen starrten in den strahlend hellen Himmel, und sein Mund stand leicht offen, als wollte er etwas sagen. Titus verspürte einen dumpfen Schmerz in seinem Herzen, als er auf dieses Kind schaute. Kinder hatten in einer Schlacht nichts zu suchen, dachte er für sich. Ein Kind zu besiegen oder zu töten, damit konnte man sich keine Ehre erwerben.
»Zenturio Titus!«
Titus fuhr herum, als er den Ruf hörte, und sah wie eine kleine Gruppe von Offizieren quer über das Schlachtfeld auf ihn zukam. Angeführt wurden sie von einer massigen Gestalt mit breiten Schultern und einem silbern blitzenden Brustschild. Die darüber drapierte rote Schärpe gab den hohen Rang des Trägers an. Im Gegensatz zu den Männern, die im dichtesten Gewühl der Schlacht gekämpft hatten, waren General Pompeius und seine Offiziere allem Blut und Elend entgangen. Einige der jüngeren Männer verzogen angewidert das Gesicht, als sie sich den Weg durch die vielen Leichen bahnten.
»General.« Titus stand stramm und neigte den Kopf, als sein Befehlshaber näher trat.
»Was für ein Blutbad«, bemerkte General Pompeius und deutete mit der Hand auf das Schlachtfeld. »Wer hätte gedacht, dass gewöhnliche Sklaven so viel Kampfgeist haben, was?«
»Sehr wohl, General.«
Pompeius schürzte die Lippen und runzelte die Stirn. »Ihr Anführer, dieser Spartakus, das muss ein toller Bursche gewesen sein.«
»Er war Gladiator, General«, antwortete Titus. »Das ist ein besonderer Menschenschlag. Zumindest diejenigen, die in der Arena längere Zeit überleben.«
»Wisst Ihr viel über ihn, Zenturio? Ich meine, über die Zeit, ehe er Rebell wurde.«
»Nur Gerüchte, General. Anscheinend ist er nur einige Male in der Arena zu sehen gewesen, ehe der Aufstand ausbrach.«
»Und doch scheint er der geborene Anführer zu sein«, überlegte Pompeius. »Schade, dass ich nie die Gelegenheit hatte, diesen Spartakus kennenzulernen. Ich hätte ihn vielleicht bewundert.« Er blickte zu seinen Offizieren. Kurz spielte ein Lächeln auf seinen Lippen, als seine Augen auf einen seiner Männer fielen, einen hoch aufgeschossenen jungen Kerl mit schmalem Gesicht. »Keine Sorge, Gaius Julius. Ich bin nicht zum Feind übergelaufen. Spartakus ist – vielmehr war – schließlich nur ein Sklave. Unser Feind. Und jetzt ist er vernichtend geschlagen worden und die Gefahr ist gebannt.«
Der junge Offizier zuckte die Schultern. »Die Schlacht haben wir gewonnen, General. Aber der Ruhm mancher Männer hallt noch wider, wenn sie schon lange gefallen sind. Falls er überhaupt unter den Opfern ist.«
»Dann suchen wir seine Leiche«, erwiderte Pompeius knapp. »Und wenn wir sie gefunden und für alle weithin sichtbar zur Schau gestellt haben, wird das den Gedanken an einen Aufstand im Herzen jedes verdammten Sklaven in ganz Italia für immer ein Ende setzen.«
Er fuhr zu Titus herum. »Zenturio, wo könnte Spartakus gefallen sein?«
Titus schürzte die Lippen und deutete auf einen kleinen Hügel, der etwa hundert Schritte entfernt lag. Dort türmten sich die Leichen höher als irgendwo sonst auf dem Schlachtfeld. »Ich habe während des Kampfes seine Standarte dort drüben gesehen, und an dieser Stelle haben die letzten Sklaven bis zum bitteren Ende gekämpft. Wenn wir ihn überhaupt finden, dann dort.«
»Gut, dann wollen wir mal sehen.«
General Pompeius machte sich auf den Weg und schritt über die Toten hinweg auf den Hügel zu. Titus und die anderen folgten ihm im Eilschritt. Die über das Schlachtfeld verteilten Soldaten salutierten, als die kleine Gruppe an ihnen vorüberhastete. Sobald sie den Hügel erreicht hatten, blieb Pompeius stehen und starrte auf den schrecklichen Anblick, der sich ihm dort bot. Hier hatte der heftigste Kampf getobt und die Leichen waren von unzähligen Wunden übersät. Titus schauderte, als er sich daran erinnerte, dass viele der Sklaven mit bloßen Händen, sogar mit den Zähnen gekämpft hatten, bis sie mit dem Schwert niedergestreckt wurden. Die meisten Leichen waren so verstümmelt, dass man sie kaum noch als Menschen erkennen konnte.
Der General seufzte tief und stützte die Hände in die Hüften, während er weiter über die Leichen den Hang hinaufstieg. »Nun, wenn Spartakus wirklich hier getötet wurde, dann werden wir einige Schwierigkeiten damit haben, ihn zu identifizieren. Ich gehe davon aus, dass uns die Gefangenen wohl kaum dabei helfen werden, ihn zu finden.« Er deutete mit einer Kopfbewegung auf das kleine Häuflein von Leuten, die von Legionären bewacht wurden und ein wenig abseits des Schlachtfelds standen. »Verdammt! Wir brauchen seine Leiche …«
Titus beobachtete seinen Befehlshaber, wie er sich vorsichtig einen Weg über die verdrehten Gliedmaßen und verstümmelten Körper zum Gipfel der kleinen Anhöhe bahnte. Pompeius war bereits auf halber Höhe, als Titus aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Zwischen den Leichen erhob sich ein Kopf, und schon Sekunden später war eine blutbespritzte Gestalt, die Titus für tot gehalten hatte, hinter dem General aufgesprungen.
Der Sklave hatte strähniges dunkles Haar und einen schütteren Bart. Er riss den Mund auf und fletschte die schiefen Zähne. Mit einem Kurzschwert in der Hand taumelte er über die aufgehäuften Leichen auf den römischen General zu.
»General!«, schrie Gaius Julius. »Vorsicht!«
Aber Titus war schon losgelaufen, während sich Pompeius noch umdrehte und zurückschaute. Die Augen des Generals weiteten sich vor Schreck, als er den Sklaven sah, der mit vorgestrecktem Schwert auf ihn zustürzte. Titus zog seine Klinge aus der Scheide und raste den Leichenhügel hinauf, wobei die Körper der Toten unter seinen genagelten Stiefeln nachgaben. Der Sklave zielte mit seinem Schwert auf Pompeius’ Hals, und der General taumelte zurück, um dem Hieb zu entgehen. Dabei verfing er sich mit der Ferse an einer Leiche. Schwerfällig fiel er zu Boden und stieß einen Angstschrei aus. Der Sklave torkelte weiter zu ihm hinauf und richtete sich mit erhobenem Schwert drohend über dem General auf.
Mit zusammengebissenen Zähnen lief Titus verzweifelt weiter auf die beiden zu. Im letzten Augenblick spürte der Sklave die nahende Gefahr und warf einen Blick über die Schulter. Doch da krachte Titus bereits mit seinem ganzen Körpergewicht auf ihn und schlug dem Sklaven das Schwert aus der Hand. Beide Männer fielen zu Boden und wären um ein Haar auf General Pompeius gestürzt.
Titus versuchte, sein Schwert zu bewegen, aber es war unter dem Angreifer eingeklemmt. Er ließ es los und packte den Sklaven stattdessen an der Kehle. Der bäumte sich unter dem Würgegriff auf; seine Hände krallten sich in Titus’ Armen fest und er knurrte wie ein wütendes Tier. Der Zenturio packte noch fester zu und der Laut verstummte. Der Sklave ergriff mit der linken Hand Titus’ Handgelenk und versuchte, dessen Finger von seinem Hals zu lösen, während seine Rechte zu Titus’ Gesicht hochwanderte und er ihm mit zersplitterten Fingernägeln über die Wange kratzte. Die Finger des Sklaven tasteten immer weiter nach oben, und Titus kniff die Augen so fest zu, wie er nur konnte, und verstärkte mit aller Kraft den Druck seiner Hände. Die...




